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FF2/2002


vom:
Mai 2002


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Friedenspolitiker aus dem Nahen Osten erhält Carl-von-Ossietzky-Preis

Stadt Oldenburg ehrt Uri Avnery für seine Verdienste

Oldenburg. Der israelische Journalist und Friedensaktivist Uri Avnery wird in diesem Jahr mit dem Carl-von-Ossietzky-Preis für Zeitgeschichte und Politik der Stadt Oldenburg ausgezeichnet. Nach einstimmigem Votum der Jury erhält Avnery am 4. Mai im städtischen Kulturzentrum PFL den mit 10.000 Euro dotierten Preis für seine friedensstiftenden Aktivitäten im Nahen Osten. In ihrer Begründung hob die fünfköpfige Jury hervor: "Uri Avnerys Lebenswerk, sein Einsatz für Frieden und Völkerverständigung, sein unermüdlicher Kampf für die Menschenrechte, das Selbstbestimmungsrecht der Völker und die Demokratie stehen im Geiste Carl von Ossietzkys.


Der Jury gehören der Journalist Dr. Klaus Bednarz, die Schriftstellerin Kerstin Hensel, Professor Dr. Jutta Limbach, Präsidentin des Bundesverfassungsgerichts, sowie die Historiker Professor Dr. Ernst Hinrichs und Professor Dr. Hans Mommsen an. Der Carl-von-Ossietzky-Preis für Politik und Zeitgeschichte der Stadt Oldenburg wird alle zwei Jahre für Arbeiten vergeben, die sich in herausragender Weise mit Leben und Werk Carl von Ossietzkys, dem Widerstand gegen den Nationalsozialismus, der demokratischen Tradition und Gegenwart in Deutschland befassen oder sich im Geiste Ossietzkys mit Themen der Politik und Zeitgeschichte auseinandersetzen.

Avnery, Sohn eines jüdischen Bankiers, wurde 1923 als Helmut Ostermann in Bekum/Westfalen geboren, 1933 wandert seine Familie nach Palästina aus. Mit 13 Jahren verließ er die Schule und arbeitete als Mechanikerlehrling und Anwaltsgehilfe. Im Alter von knapp 15 Jahren wurde er Mitglied der Widerstands- und Untergrundorganisation "Irgun Tsewal Keuml", die er aber 1942 aus ideologischen Gründen wieder verließ. Im Unabhängigkeitskrieg wurde er 1948 mit seiner Kommandoeinheit "Samson`s Foxes" der Hagana an der ägyptischen Front schwer verwundet. Seine Kriegserfahrungen veröffentlichte er in zwei Büchern, die in Israel zu angefeindeten Bestsellern wurden.

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Die Verständigung mit den Arabern und sein Kampf für Menschenrechte und Frieden kennzeichnen Avnerys weiteren Lebensweg. 1949 kaufte er die Wochenzeitschrift "Ha`olam Ha`zeh", in der er nicht nur die offizielle Politik Israels kritisiert, sondern auch die Gründung eines eigenen palästinensischen Staats fordert. Mit der von ihm ins Leben gerufenen gleichnamigen Partei zog er 1965 erstmals als Parlamentarier in die Knesseth ein. 1982 traf er sich als erster Israeli zu einem Interview mit Jassir Arafat, weswegen er von der Israelischen Generalstaatsanwaltschaft wegen Hochverrats vor Gericht gestellt werden sollte. Auch bei den Palästinensern stößt er mit seiner Verständigungspolitik auf starken Widerstand.

1993 gründete Avnery mit anderen Friedensaktivisten den Friedensblock "Gush Shalom". Als parteiunabhängige Organisation tritt sie unter anderem für die Räumung der besetzten Gebiete und das Recht der Palästinenser auf einen eigenen Staat mit Jerusalem als gemeinsamer Hauptstadt von Israel und Palästina ein.

Auch als Schriftsteller und Publizist setzt sich Avnery für den Dialog zwischen Palästinensern und Israelis ein. In deutscher Sprache sind unter anderem erschienen; "Mein Freund, der Feind" (1988), "Zwei Völker, zwei Staaten. Gespräch über Israel und Palästina" (1995). Avnery wurde unter anderem mit dem Erich-Maria-Remarque-Preis (1995) und dem Aachener Friedenspreis (1997) ausgezeichnet. Im Herbst 2001 bekam er gemeinsam mit seiner Frau Rachel und der Friedensgruppe Gush-Shalom den alternativen Friedensnobelpreis in Stockholm zugesprochen.

Kontakt: Stadt Oldenburg, Literaturbüro Nordniedersachsen im Kulturamt der Stadt Oldenburg, Peterstr. 1, 26105 Oldenburg, Tel.: 0441/235-3014, Fax: 0441/235-2161

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