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FF2/2003


vom:
Mai 2003


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  Hintergrund

Wie die deutsche Rüstungsindustrie vom Irak-Krieg profitiert

Auf allen Seiten im Einsatz: Kleinwaffen aus Oberndorf

Paul Russmann

Kleinwaffen sind die Massenvernichtungswaffen moderner Kriege. 90 Prozent aller Kriegsopfer sterben durch Kleinwaffen. Die Mehrzahl der geschätzten drei bis fünf Millionen Menschen, die in den 1990er Jahren kriegerischen Gewalttaten zum Opfer gefallen sind, haben ihr Leben nicht durch den Einsatz von Panzern, Hubschraubern oder schwerer Artillerie verloren, sondern durch Maschinengewehre, Handfeuerwaffen, Pistolen, einfache Granaten und explodierende Minen. Zu den Kleinwaffen zählen auch die G3-Gewehre und MP5-Maschinenpistolen der Firma Heckler & Koch im schwäbischen Oberndorf. Mehr als elf Millionen Heckler & Koch-Kleinwaffen sind weltweit im Einsatz. Auch im Irak-Krieg kämpften die Bodentruppen mit Waffen von Heckler & Koch (H & K). Denn die meisten Beteiligten des Krieges und auch die Nachbarstaaten haben ihre Infanterien mit H & K-Waffen bzw. Lizenzfabrikaten ausgerüstet.


Obwohl nie an den Irak geliefert wurde, verfügte die Streitmacht Saddam Husseins über mehrere Zehntausende G3-Gewehre - eine Beute aus dem Krieg gegen den Iran 1980. In der Nähe von Teheran wird das Oberndorfer Schnellfeuergewehr nämlich hergestellt - mit einer Lizenz, die 1967 dem Schah-Regime erteilt wurde. Auch in den Armeen der Nato wird mit Waffen von H & K gekämpft. So befinden sich in den Magazinen der Armee Großbritanniens als die derzeit modernste Waffe eine überarbeitete Version des SA-80-Gewehrs. Das SA-80-Gewehr wird zwar auf den britischen Inseln gefertigt, basiert aber auf Bauteilen aus Oberndorf. Und in Oberndorf sind die Gewehre jetzt auch überarbeitet worden - übrigens ein Großauftrag, für den der Betrieb um 50 Arbeitsplätze aufgestockt wurde. Spezialtruppen der US-Army sind mit MP 5-Maschinenpistolen und USP-Pistolen aus Oberndorf ausgerüstet. Normale GIs ziehen noch ohne Waffen von H & K in den Krieg. Grundlegend ändern wird sich dies aber spätestens ab 2006: Nachdem H & K eine weltweite Ausschreibung gewann, wird die US-Tochter H & K Inc. das OICW-Gewehr als Standardwaffe für die US-Infanterie herstellen.

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FF2/2003
Türkische Militäreinheiten sind mit G3-Gewehren und MP 5-Maschinenpistolen in den Nordirak einmarschiert und bedrohen dort die kurdische Bevölkerung. Wären in den Irak-Krieg weitere Nachbarländer verwickelt worden, wäre auch von dort aus mit G3-Gewehren geschossen worden: Auch Saudi-Arabien baute neben der Türkei und dem Iran die Waffe aus Oberndorf in Lizenz.

Gegen die Herstellung, den Export und den Einsatz von Kleinwaffen hat sich ein breites Bündnis gebildet. Die beteiligten Organisationen - darunter die Kampagne gegen Rüstungsexport bei Ohne Rüstung Leben - riefen zu einer Demonstration am 22. März 2003 vor dem Werkstor von Heckler & Koch auf. Die 250 Teilnehmer forderten Heckler & Koch auf, die Kleinwaffenproduktion auf sinnvolle zivile Fertigung umzustellen.

Weitere Infos zum Thema unter:
http://www.heckler-koch.de
http://www.rib-ev.de


Paul Russmann ist Geschäftsführer von Ohne Rüstung Leben (ORL) in Stuttgart.

E-Mail:   orl@gaia.de
Internet: http://www.friedensdienst.de/bildungsarbeit/org.orl/
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