FF2008-3


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 Flüchtlinge ohne Recht auf Asyl

Ausbildung statt Abschiebung

Carmen Martinez Valdés

Der Verein Ausbildung statt Abschiebung, Bonn, begleitet im Rahmen seiner Arbeit seit 2001 junge Flüchtlinge während ihres schulischen und beruflichen Qualifizierungsprozesses sowie ihre Freizeitgestaltung. Schwerpunkte der Arbeit sind individueller Förderunterricht, die Vermittlung und Begleitung junger Flüchtlinge in berufliche Qualifizierungsmaßnahmen sowie eine konkrete Alltagsunterstützung der Jugendlichen durch ehrenamtliche Patenschaften. Zusätzlich werden verschiedene Freizeitaktivitäten durchgeführt, u.a. das regelmäßige Tanzprojekt "B - Stars" und das Sportprojekt "Fit fürs Leben - Wir stehen nicht im Abseits!"

Auch im Jahr 2008 steht der Verein vor großen Herausforderungen. Trotz der gegenwärtig schwierigen Lage auf dem Ausbildungsmarkt sowie der einschränkenden rechtlichen Rahmenbedingungen (Notwendigkeit einer Arbeitsgenehmigung, kurzfristige Duldungen auch während der Schulzeit und drohende Abschiebungen) halten wir die Förderung im schulischen Bereich als auch eine Ausbildung mit einem anerkannten Berufsabschluss als einzige Chance für unsere Jugendlichen mit unsicherem Aufenthaltsstatus.

Nur durch eine Vermittlung in eine Ausbildung kann verhindert werden, dass diese Jugendlichen über Jahre hinweg ohne eine Beschäftigung bleiben und von Sozialhilfe leben müssen. Ohne eine solche Perspektive besteht die Befürchtung, dass die Jugendlichen an ihrer ausweglosen Situation zerbrechen oder in ein kriminelles Milieu abrutschen.

Lucas beschreibt seine Situation selbst:



"
Hindernisse der Flüchtlinge, von denen die Öffentlichkeit nichts ahnt.

Ich heiße Lucas, komme aus Angola. Meine Mutter ist im Jahre 1994 in den Kriegswirren verschwunden. Mein Vater starb im April 2001. Im selben Jahr bin ich in Begleitung eines Freundes meines Vaters ins Bundesgebiet eingereist. Seitdem wohne ich bei meiner Tante.

Seit meiner Ankunft bin ich im Besitz einer Duldung, so dass ich NRW nicht verlassen darf, da die Duldung sich lediglich auf das Bundesland beschränkt.

Ich habe im März 2007 einen zweiten Antrag auf Erteilung einer Aufenthaltserlaubnis gestellt, der aufgrund des Stichtages, hinter dem ich 30 Tage liege, nicht bewilligt wurde. Diese Duldung erlischt der Ausländerbehörde Bonn zu Folge im Jahre 2008 bei Beendigung des Schulbesuchs. Also die Abschiebung steht mir bevor. Dies würde für mich bedeuten, dass ich aus meiner vertrauten Umgebung herausgerissen würde. Ich müsste Bonn verlassen, die Stadt, in der nicht nur meine mir letzten bekannten Familienangehörigen wohnen, sondern auch einen Ort, der zu einer neuen Heimat geworden ist. Hier gehe ich seit meinem Aufenthalt in Deutschland zur Schule mit dem Ziel, im Jahre 2008 das Abitur abzulegen.

Für mich ist es nicht nachvollziehbar, dass ich nach 6 Jahren, in denen ich alles daran gesetzt habe, mich gut zu integrieren und viele Hürden gemeistert habe, nun vor einer ungewissen Zukunft stehe. Denn ich verfüge über keinerlei rechtliche, sondern nur eine moralische Grundlage, nach der mir der Aufenthalt im Bundesgebiet ermöglicht werden kann.

Eigentlich unterscheide ich mich nicht von meinen Freunden bzw. Mitschülern und Mitschülerinnen; auch ich befinde mich in der Qualifikationsphase zum Abitur, erlebe - wie jeder andere junge Erwachsene auch - heitere und ernste Momente mit meinen Freunden und habe Ziele und Wünsche für die Zeit nach dem Abitur. Eines dieser Ziele ist ein Studium im technischen Bereich zu absolvieren. Nur in einem Punkt unterscheide ich mich von meinen Mitschülern bzw. Freunden: Ich bin kein Deutscher.

Bei einer Rückkehr würde mir nicht nur die Bildung, die für mich eine zentrale und unumgängliche Voraussetzung für eine moderne menschliche und dauerhafte Entwicklung ist, weggenommnen, sondern neue Hürden hinzugefügt. Denn ich müsste die Sprache neu erlernen. Mein schriftlicher und mündlicher Sprachgebrauch hat sich angesichts der Tatsache, dass ich bei meiner Einreise erst 14 Jahre alt war stark verschlechtert. Ich müsste mich also nicht nur in ein für mich sehr fremdes Land einleben, sondern mich auch mit einer Sprache auseinandersetzen, die ich nur bruchstückhaft beherrsche, um dort beispielsweise eine Schule besuchen zu dürfen."

Kontakt:

Ausbildung statt Abschiebung (AsA) e.V.

Friesdorfer Str. 91

53173 Bonn

Tel.: 0228 / 96 91816

E-Mail:
geschaeftsstelle@asa-bonn.org

http://www.asa-bonn.org



Carmen Martinez Valdés ist Diplom-Sozialarbeiterin und seit 2007 Geschäftsführerin des Vereins Ausbildung statt Abschiebung in Bonn.
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