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 Indien

Die Mahila Shanit:

Die neue Frauenbewegung in Indien

Anne M. Pearson

Zehntausend Frauen wurden zu einer weiblichen Friedenstruppe ausgebildet. Ihre gemeinsamen Anstrengungen fangen an, das soziale und politische Klima in Teilen Nordindiens zu verändern.

Sind Gandhis Ideale in Indien noch relevant? Viele glaubten, dass dies nicht der Fall sei, da die indische politische Klasse seit Indiens Unabhängigkeitserklärung in 1947 Mahatma Gandhis Vorgaben für wirtschaftliche, politische und soziale Entwicklung größtenteils ignoriert hat. Abgesehen von Persönlichkeiten wie Vinoba Bhave und Jayaprakash Narayan, die beide Massenbewegungen für soziale Veränderungen in den sechziger und siebziger Jahren geleitet haben, gab es nur wenige treue Anhänger Gandhis, die versucht haben, Mahatmas Ideale in einigen Bereichen in die Praxis umzusetzen. Einer von ihnen ist der 91 Jahre alte Acharya Ramamurti, ein Mann, der in seinem fortgeschrittenen Alter eine neue Protestgruppe gegründet hat, deren Ziel es ist, lokale Demokratieanstrengungen, Gewaltlosigkeit und Frauenrechte zu unterstützen. Seine unpolitische Bewegung hatte sofort überwältigenden Erfolg. Zehntausend Frauen wurden auf seine Initiative hin zu einer Art weiblichen Friedenstruppe ausgebildet. Ihre gemeinsamen Anstrengungen fangen an, das soziale und politische Klima in Teilen Nordindiens zu verändern.



Gandhis Aufruf an die Frauen

Gandhi war davon überzeugt, dass Frauen eine spezielle Gabe für Verzicht einerseits und Führung der Friedensbewegung andererseits haben. Er war der Meinung, dass die Welt zu lange von männlichen aggressiven Eigenschaften dominiert worden war und dass es an der Zeit sei, weibliche Qualitäten in den Vordergrund zu stellen. Er schrieb:"Gewaltlosigkeit ist eine Tugend, die Frauen angeboren ist. Männer wurden dagegen seit Jahrzehnten zur Gewalt erzogen. Um gewaltlos zu werden, müssen sie die weiblichen Eigenschaften in ihnen aktivieren. Da ich mich der Gewaltlosigkeit verschrieben habe, werde ich selbst jeden Tag weiblicher. Frauen sind daran gewöhnt, sich jeden Tag für die Familie zu opfern. Nun müssen sie lernen, der Nation ein Opfer zu bringen. Ich lade alle Frauen ein ... sich in meine gewaltlosen Armee einzugliedern." Tausende indischer Frauen aller gesellschaftlichen Schichten reagierten in der dreißiger und vierziger Jahren auf diesen Aufruf, aktiv in Indiens Kampf für Unabhängigkeit einzugreifen. Viele von ihnen verließen ihr Zuhause oder beschlossen nicht zu heiraten, um sich voll der Bewegung zu widmen. Nachdem Indien den Unabhängigkeitsstatus erreicht hatte, verlor der Schwung der Bewegung an Kraft. Mit dem Tod Gandhis verloren Frauen eine ihrer Hauptleitfiguren. Die Verbindung zwischen der Förderung von Frauen, der Entwicklung des Landes und der Schaffung einer Friedenskultur war nicht mehr eindeutig.



Frauen und Regierungsgewalt

Dennoch erkannte die Regierung Indiens über Jahrzehnte die Notwendigkeit an, Frauen- und Minderheitenrechte juristisch zu sichern. Seit kurzem wird ein System zur Förderung von Frauen und Mitgliedern der unteren Gesellschaftsschichten angewandt, das die Reservierung einer bestimmten Anzahl von Wahlsitzen für Frauen und für benachteiligte Kasten vorsieht (Die Einführung dieses Systems hat mehrmals zu heftigen Auseinandersetzungen geführt.) 1992 wurde das indische Grundgesetz verändert, um 30% der Wahlkreissitze für Frauen zu reservieren. Daraufhin wurden in der nordöstlichen Region Bihar, die am dichtesten bevölkert ist und die höchste Analphabetenrate verzeichnet, 45 000 Frauen in 8 500 Panchayats (Stadt- und Gemeinderäte) gewählt. Die meisten von ihnen bekleideten zum ersten Mal ein politisches Amt und merkten sehr schnell, dass sie aufgrund von Analphabetismus und Unkenntnis der Arbeitsweise von Gemeinderäten und politischen Entscheidungsprozessen nicht gut genug vorbereitet für die an sie gestellten Herausforderungen waren. Acharya Ramamurti sah hier die Möglichkeit, etwas zu ändern.

Shramabharati, die Organisation, die 1952 in Jamui, Bihar von Dhirendra Mazumdar, einem engen Vertrauten Gandhi gegründet wurde und seit nunmehr 40 Jahren von Acharya Ramamurti geleitet wird, basiert auf der Idee, dass Individuen die Lösung für ihre Probleme selber finden müssen, wenn diese sinn- und wirkungsvoll sein sollen. Shramabharati wurde gegründet, um lokale Problemlösungsstrategien, Arbeitsmarkt- und landwirtschaftliche Entwicklung zu unterstützen, indem sie Weiterbildungsworkshops in den Bereichen Gesundheit, Wohnungsbau, Nahrungsmittelanbau, Reparationsarbeiten und Schulbildung anbieten. Die Organisation begann nach 25 Jahren vor allen Dingen in den ärmeren Dörfern von Bihar und dem angrenzenden Uttar Pradesh zunehmend auch die Bedürfnisse von Frauen und Kindern zu beachten. Shramabharatis beständige Vision ist die Einrichtung einer autonomen, gewaltlosen, freien sozialen Ordnung in Indien.

Ramamurti erkannte, dass die beispielslos hohe Anzahl an in Gemeinderäte gewählten Frauen in Bihar, ein unglaubliches Potenzial für die Wiedergewinnung des verlorenen Schwungs, der die ungestümen Jahre vor Indiens Unabhängigkeit charakterisiert hatte, bot. Die Wahl zur Abgeordneten gab Frauen die Möglichkeit, die Richtlinien der Politik auf lokalem Niveau mitzubestimmen und so die Bedürfnisse von Frauen, Kindern, Familien und Nachbarschaften abzudecken. Ramamurti begann an der Idee zu arbeiten, einige der gewählten Frauen zu einwöchigen Fortbildungen einzuladen, um ihnen dabei zu helfen, sich besser in ihrer politischen Rolle einzufinden. In Anlehnung an Gandhis Idee der Friedensarmee, entschied er die so ausgebildeten Frauen Mahila Shanti Sena oder weibliche Friedenstruppe zu nennen.



Die Mahila Shanti Sena und die Vaishali Sabha

2000 wurde während eines Treffens zwischen dem McMaster Professor für Biologie und Friedensstudien Dr. Rama Sing und Acharya Ramamurti die Idee entwickelt, ein dreitägiges Treffen in dem Dorf Vaishali zwischen Ghandi-Aktivisten, Sozialarbeitern, Akademikern und Journalisten zu organisieren, um sowohl die Implikationen der Rolle der Frauen in der panchayatiraj (Organ der politischen Verwaltung auf lokaler und dörflicher Ebene) zu erörtern; als auch die Notwendigkeit demokratische Teilhabe und Peace-Building-Prozesse zu fördern. Solch ein Treffen sollte dem ersten Trainingscamp des Frauenfriedenscorps folgen und dazu dienen die "Mahila Shanti Sena" offiziell einzuweihen.

Vaishali wurde aufgrund seiner historischen Verbindung zu Buddha als auch zu Mahavira, dem Gründer des Jainismus, als Veranstaltungsort ausgewählt. Beide waren die ersten spirituellen Führer, welche das Konzept der Ahimsa oder Gewaltfreiheit zur Grundlage ihrer Lehre machten. Weiterhin war die Republik von Vaishali das erste Königreich in Indien mit demokratischen Elementen. Zudem hat Ghandi hier die satyagraha (ein von Ghandi geprägter Begriff, der wörtlich "wahre Kraft" bedeutet, aber in Bezug zu seiner Methode des gewaltfreien Widerstandes gegen ungerechte Gesetze gedeutet werden muss) gegen die britische Herrschaft über den Indigoanbau gestartet.

Es nahmen mehr als 100 Frauen vom Land an dem Einführungstag des Friedenstrainingscamps teil, welche nie zuvor irgendeine politische Funktion ausübten und von denen einige weder schreiben noch lesen konnten. Darauf folgte die dreitägige Konferenz, welche von einer großen eintägigen Versammlung mit Dorfbewohnern und regionalen Politikern gekrönt werden, die "Vaishali Sabha" (die Vaishali Versammlung) genannt wird.

Bald nahmen die Pläne Gestalt an, als die Finanzierung durch die UNICEF Bihar, dem McMaster Centre for Peace Studies und Shrambharati selbst sichergestellt wurde. Eine Delegation des Centre for Peace Studies der McMaster University sowie Mitglieder der Hamilton Community und der in Edmonton ansässigen Mahatma Ghandi Foundation for World Peace wurden eingeladen.

Ich hatte das Privileg, der Vaishali Sabha Konferenz zu Gewaltfreiheit, Frieden und Demokratie beizuwohnen, welche vom 24. bis zum 27. Februar 2002 stattfand - einer Zeit welche mit einem neuerlichen Ausbruch schrecklicher Gewalt zwischen Hindus und Muslimen in Gujarat zusammenviel.

Tatsächlich nahm die internationale Presse so gut wie keine Notiz von der Vaishali Sabha oder von dem was seit seiner Einführung erreicht wurde, während ausführlich über die kommunale Gewalt berichtet wurde. Es ergab sich schließlich, dass ich, obwohl ich bloß als Beobachter gekommen war, zusammen mit Dr. Reva Joshi, einem Professor für Sozial- und Bildungspolitik an der OISE, eine Sitzung zum Thema "Frauen, Bildung und Entwicklung" leitete.



Indische Frauen sprechen

Als Reva Joshi und ich darüber diskutierten, was wir erzählen sollten und wie wir die Sitzung leiten würden, haben wir uns schnell entschieden, dass wir selber recht wenig sprechen und stattdessen Rahmenbedingungen schaffen, um den weiblichen Beteiligten (speziell die 109 Mitglieder der Mahila Shanti Sena) die Gelegenheit zu geben, das Wort zu ergreifen. Bis zu diesem Punkt hatten die Frauen, welche aus den verschiedenen Distrikten von Bihar und aus dem Staat von Assam gekommen waren, keine formelle Gelegenheit gehabt, zur Versammlung zu sprechen. Dahingegen hatten wir seit zweieinhalb Tagen des Sitzens auf dem Boden oder auf Stühlen unter einem großen, bunten Zelt am Rande des Dorfes zahlreiche eloquente Reden gehört, welche sich um Frauenbildung und Frauenrollen drehten. Daher eröffneten wir die Sitzung am Morgen des 26. Februar mit einführenden Bemerkungen und stellten dann Fragen, welche die Frauen dazu ermutigen sollten, aufzustehen und zu antworten. Unsere Fragen waren: Was wünschst du dir für deine Tochter? Wenn du etwas von ihren Lebensumständen ändern könntest, was wäre das? Welche Art der Bildung willst oder brauchst du? Wie kann diese Bildung "geliefert" werden? Was behindert dies bisher? Und, wenn Frauen Führer ihrer Gemeinde wären, wie würden diese Gemeinden aussehen?

Oft mittels kraftvoller und emotionaler Sprache, persönlicher Geschichten und Lieder, die sie während des Trainings erfanden, verdeutlichten die Frauen, welche auf unsere Fragen antworteten, dass sie nur zu gut verstehen, wie wichtig Frauenbildung für das Erreichen von sozialer Gerechtigkeit und politischer Macht ist. Sie verstehen, dass, wie Ghandi es ausgedrückt hat, Entwicklung das Nebenprodukt von Bildung ist.

Unter den Kommentaren, die ich von den Frauenaufgenommen habe, waren Folgende:



"Ich bin meine eigene Tochter, ich kann für mich selbst sprechen"



"Ich war erst neun als ich geheiratet habe - Ich kannte nicht einmal die Bedeutung von Heirat - keine Töchter sollten gezwungen werden, so früh zu heiraten. Meine Tochter wird entsprechend ihrer eigenen Wünsche heiraten. Bildung ist entscheidend. Ich kannte nicht die Bedeutung von "Frieden" bis ich ins Friedenscamp gekommen bin - und ich habe viel gelernt."



"Ich komme aus einer armen Familie und, obwohl mein Vater ungebildet war, vermittelte er uns, dass Bildung für Mädchen wichtig ist. Wir sollten uns mit Gruppen von Müttern und Kindern treffen; Familien treffen. Geld, das von Männern nicht vertrunken oder verraucht wird, kann in die Bildung von Mädchen investiert werden."



"Wir müssen Frauen von dem Friedenscamp berichten und ihnen sagen, dass sie sich uns anschließen müssen. Wir sind während der Wahlen von Urne zu Urne gelaufen und haben Frauen ermutigt, zu wählen."



"Während der letzten neun Jahre hatten wir Gruppen von unverheirateten Mädchen zwischen 20 und 25 Jahren, um über Bildung, geschlechtliche und wirtschaftliche Unterschiede zu diskutieren. Wir haben einen lakh (100.000) Rupien von den Frauen für Bildung gesammelt."



"Ich arbeite in der ärmsten Gegend Bihars unter Stammesangehörigen. Bildung erfordert Geld. Wenn du kein Geld hast, wie kannst du zur Schule gehen? Etwas muss getan werden."



"Meine einzige Identifikation ist als Frau. Wir müssen die Gesellschaft verändern, weil wir Frauen Männer gebären, welche wiederum Gewalt verbreiten."



"Alle Frauen müssen ihre Stellung nutzen, um gute Werte zu verbreiten. Wir müssen unsere Männer nicht nach unseren Rechten fragen. Diese Familien, welche Bildung haben, können die, welche sie nicht haben, nicht im Stich lassen."



"Wenn Frauen Anführer werden, wird sich einiges an den Umständen der Frauen ändern, etwa eine Verbesserung der Bildung. Viele Frauen sterben während der Geburt - es wird eine Verringerung dieser Verbrechen geben. Frauen müssen ausgebildet werden und müssen eine Kraft in sich selbst entwickeln."



"Damit Frauen Anführer werden, müssen sie zu Hause bei sich selbst anfangen. Wir müssen den Männern und anderen bei uns zu Hause, welche uns unterdrücken, friedlich entgegen treten. Wir brauchen die Unterstützung anderer Frauen. Wir müssen zusammen arbeiten, um erfolgreich zu sein. Um die Gesellschaft zu erhalten, die wir wollen, müssen wir viele schmerzhafte Schritte vollziehen. Sogar Mitglieder deiner eigenen Familie werden sich gegen dich wenden. Aber wir müssen durchhalten. Können wir alle die Herausforderung dieser Qual akzeptieren, um den Wandel herbeizuführen?"



Und schließlich fasste eine Frau zusammen, dass "in dieser Versammlung, mit diesem orangenen Schal (der von allen Shanti Sena Frauen getragen wird), ich mich sehr stolz und glücklich fühle. Nach dem Lernen über Frieden, möchte ich in jedes Dorf gehen und erzählen, was passiert ist. Ich sollte meine Pflicht erfüllen und die ganze Nation erleuchten. Ich bitte euch alle, so dass ich eine bessere Zukunft für Frauen erlebe."




Die Volksversammlung und die Vaishali Deklaration

Mit diesen herzlichen Worten der Frauen, welche direkte Erfahrungen mit den Auswirkungen von Armut, systemischer und sozialer Gewalt, mangelnder Bildung und oft auch Courage gesammelt hatten, änderte sich der Tenor der Konferenz und bereitete den Weg für den abschließenden Tag der "Volksversammlung".

Über Nacht reisten mehrere Tausend, meist arme ländliche Frauen, viele mit Kindern per Bus, Ochsenkarren oder zu Fuß aus einem Radius von mehreren hundert Kilometern an, um an der großen Versammlung teilzunehmen. Die Veranstalter haben mehrere Wochen für die Veranstaltung geworben und dazu aufzurufen, ihr beizuwohnen. Es waren auch einige hundert Männer aus den Dörfern anwesend sowie eine Hand voll lokaler Politiker. Ein neues Fußballfeld-großes Zelt wurde aufgestellt, welches neben einem buddhistischen Stupa und des ältesten in Indien noch existierenden heiligen Bads stand, um die Beteiligten vor dem Sonnenlicht zu schützen. Eine Bühne mit Lautsprechern wurde aufgebaut, von der Musik gespielt wurde. Essenspakete wurden vorbereitet und verteilt.

Gegen Nachmittag wurden Reden über lokale Demokratie, Frieden und Frauenrechte von staatlichen und lokalen Politkern (einige davon Frauen), Mitgliedern der Shrambharati und anderen Ghandi-Aktivisten gehalten. Das Highlight des Tages war die öffentliche Verkündung der Vaishali Deklaration, eine Erklärung, welche eine Anzahl von Ghandis Prinzipien wie die Bedeutung der dörflichen swaraj (Eigenverwaltung), die konsultative Entscheidungsfindung, wirtschaftliche Selbstversorgung und die Würde der Arbeit verkörpert.

Die Deklaration sagt: "Heute haben wir uns versammelt, Männer und Frauen der sieben Distrikte, welche die antike Republik Vaishali bildeten, auf dem heiligen Grund der Stupa an den Bänken des. alten Sees von Vaishali. . Heute gehen unsere Gedanken zurück zu den Tagen, vor ungefähr 3.000 Jahren, als Vaishali die Hauptstadt der Republik war und wir seine Bürger. . Jetzt wurde die panchayatiraj in unseren Dörfern errichtet. Wir haben uns zusammengefunden, um darüber nachzudenken, zu debattieren und zu entscheiden, wie unsere panchayats die Qualitäten der alten Republik von Vaishali wiedererwecken können.

Versammelt in der Vaishali Sabha erklären wir heute: Wir betrachten unsere panchayat als eine kleine Republik und versuchen mit Liebe, Respekt und Frieden zusammen zu leben; wir sollen versuchen zu gewährleisten, dass jeder Haushalt die Möglichkeit einer würdevollen Existenz erhält. Wir planen Mittel und Wege und setzen diese in die Tat um, um zu gewährleisten, dass jeder Mann und jede Frau die Möglichkeiten hat, einen anständigen Unterhalt zu verdienen und ein ehrenvolles Leben zu führen. Wir werden unsere Probleme und Differenzen durch einen persönlichen Dialog und andere friedliche Mittel lösen. Wir beten zu Gott, dass er uns den Willen gebe, um unseren panchayat mit Hingebung und Zusammenarbeit als starke Grundlage der Demokratie in Indien zu entwickeln. . Indem wir dies tun, hoffen und glauben wir, dass die Vaishali Sabha eine Bewegung werden wird und seine Botschaft durch das Land getragen wird und eine neue Ära des Friedens und der Gewaltlosigkeit beginnen möge.



Die Bewegung verbreitet sich

Innerhalb von zwei Monaten nach der Vaishali Sabha, fanden vier Friedensläufe in Bihar statt, die von der Sabha inspiriert waren, und die von tausenden Frauen besucht wurden. In den letzten 16 Monaten wurden Mahila Shanti Sena Workshops für neue Auszubildende als auch für die Ausbilder selbst in neun Distrikten von Bihar, dem Staat von Assam, UP und Gujarat durchgeführt. Die mehr als 10.000 weiblichen Beteiligten, die bis dahin ausgebildet wurden, stammen vornehmlich aus niederen Kasten, umfassten aber auch Frauen aus anderen Kasten und nicht Hindu-Gruppen. Die Altersspanne von 15- bis 60-Jährigen, es kamen aber vor allem 18- bis 35Jährige. Das erste Training beinhaltet Vorlesungen, Diskussionen und Rollenspiele über Themen wie den Status und die Rechte von Frauen, Entwicklungsbarrieren für Frauen (z. B. Kinderheirat, ökonomische Abhängigkeit, Alkoholismus unter Männern, Ausbeutung durch Geldverleiher, häusliche Gewalt) und die Identifizierung möglicher Lösungen. Konfliktlösungstechniken und dörfliche Selbstverwaltung werden ebenso thematisiert. Nach dem Training sollen die Frauen in ihr Dorf zurückkehren und anfangen diese Themen mit anderen Frauen zu diskutieren und einen Prozess der Bearbeitung dieser Themen in Gang setzen.

Die allgemeinen Ziele der Mahila Shanti Sena Bewegung sind: Friedliche Nachbarschaften aufbauen; partizipatorische Demokratie fördern (durch Kapazitätsaufbau mit einem speziellen Fokus auf Frauen); die Formierung von Frauenaktivistengruppen aus Friedensarbeitern (ausgebildet in Führungseigenschaften, Krisenintervention, Konfliktlösung und -prävention); und wirtschaftliche Förderung der Frauen durch die Vergabe von Mikro-Krediten, Selbsthilfegruppen sowie durch lokale Zentren der Weiterbildung. Zeitrahmen, Orte und spezifische Ziele sind von der Shramabharati Organisaitonzusammen mit den Erfolgen, Pressenachrichten und Fotos in regelmäßigen Berichten beschrieben und veröffentlicht worden. An diesem Punkt ist eine ihrer größten Sorgen die nachhaltige Finanzierung.



Acharya Ramamurti in Kanada

Acharya Ramamurti wurde vom Centre for Peace Studies eingeladen, die jährliche Mahatma Ghandi Vorlesung zum Frieden am 2. Oktober 2003 zu halten. Seine Rede hatte den Untertitel "Eine Totale Friedenskultur". Dieser Besuch, sein erster in Nordamerika, erlaubte ihm persönliche und institutionelle Verbindungen zwischen Shramabharati und Kanada zu knüpfen oder wiederzubeleben.

Über die folgenden drei Wochen in Ontario, besuchte und redete Herr Ramamurti in Hindu Tempeln, Kirchen und Universitäten über die Mahila Shanti Sena und erinnerte die Hörer daran, dass Ghandi nicht nur ein "Held der Vergangenheit", sondern auch ein Wegweiser für das heutige Indien sei.

Ghandis Ideen bezüglich einer strikten partizipatorischen Demokratie, die auf der lokalen Ebene beginnt und mit der Entwicklung der Frauen und der Beseitigung des Mals der "Unberührbarkeit" einhergeht, mögen endlich erreicht worden sein.

Sicherlich, wenn - wie Ghandi behauptete - kein Friede ohne die volle Beteiligung der Frauen existieren kann, dann muss der Bildung, sozialen und wirtschaftlichen Bedürfnissen besondere Aufmerksamkeit geschenkt werden, so dass Frauen dazu befähigt werden, ihre vollen Rechte und Verantwortungen als Bürger der Welt (in diesem speziellen Kontext, Bürger des demokratischen Indiens) zu erhalten.

Männer haben es versäumt, eine Friedenskultur zu erschaffen; Frauen sind die Hoffnung für unsere Zukunft, sagte Acharya Ramamurt. Seine letzten Lebensjahre widmet er nun der Unterstützung der Frauen, um Indien in ein neues Experiment der kreativen sozialen Transformation zu führen.

Aus dem Englischen von Aline Sierp und Mathias Maas.



Anne Pearson ist Dozentin für Indian Society in Hamilton, Ontario.
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