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 Indien

Ein Zentrum für Gandhi und Gewaltfreiheit in Deutschland

Christian Bartolf

Zugegeben sind die folgenden drei Momentaufnahmen von Konferenzteilnahmen nicht unbedingt typisch für die gemeinnützige Bildungs-, Informations-, Kommunikations- und Publikationsarbeit des "Gandhi-Informations-Zentrum e.V.", deren erster Vorsitzender ich seit dem Jahr 1992 bin. Doch können weitere Projekte (unsere pädagogische Gandhi-Ausstellung mit dem Anti-Kriegs-Museum - das internationale Manifest gegen die Wehrpflicht und das Militärsystem http://www.themanifesto.info - die Publikation eigener Forschungsergebnisse und unsere Dokumentation der Dialoge von Gandhi mit Zeitgenossen) auf unserer Internetseite von Ihnen wiedergefunden bzw. ausgeliehen und bestellt werden: http://home.snafu.de/mkgandhi



A) Satyagraha-Konferenz (Internationaler Tag der Gewaltfreiheit der Vereinten Nationen):

Zur internationalen Konferenz über "Peace, Nonviolence and Empowerment - Gandhian Philosophy in the 21st Century" am 29. und 30. Januar 2007 in Indiens Hauptstadt und Regierungssitz New Delhi waren aus 90 Ländern 122 Organisationen repräsentiert, darunter zahlreiche nationale Regierungen und Nicht-Regierungs-Organisationen (NGO`s).

Die zur Zeit regierende indische Kongresspartei (Indian National Congress, gegründet im Jahr 1912 und jahrzehntelange Regierungspartei in Indien unter Jawaharlal Nehru, Indira Gandhi und Rajiv Gandhi), welche heute von Rajiv Gandhi`s aus Italien stammender Witwe Frau Sonia Gandhi geleitet wird, war der Organisator und Veranstalter dieser Konferenz.

Die indische Botschafterin in Deutschland, Frau Meera Shankar, hatte im Dezember 2006 die Einladung des Vorsitzenden eines Gedenkkomitees zur hundertjährigen Wiederkehr des gewaltfreien Widerstandes von Gandhi in Südafrika (Satyagraha) mit Beginn am 11. September 1906 (Mahatma Gandhi Satyagraha Centenary Commemoration Committee) an mich mit ihren wärmsten Grüßen weitergeleitet, so dass der Vorstand unseres Vereins die regierungsoffizielle Einladung als Anerkennung unserer gemeinnützigen Bildungsarbeit und meine Konferenzteilnahme in Indien als Auszeichnung und Ehre empfand und begrüßte.

An der Konferenz nahmen Friedensnobelpreisträger teil (Muhammad Yunus, Bangla Desh; Lech Walesa, Polen; Desmond Tutu, Südafrika) sowie Familienangehörige von Gandhi (wie Mahatma Gandhi`s Enkelin Frau Ela Gandhi aus Durban, Südafrika, mit der ich zusammen mit ihren Verwandten aus Durban und Johannesburg ein freundliches Gespräch führen konnte). An der Konferenz nahmen kritische Friedensforscher teil, wie Dr. Gene Sharp (Albert Einstein Institute, Boston, USA) und Dr. Johan Galtung (Oslo, Norwegen), mit denen ich sehr freundschaftlich Gedanken austauschte, [... zudem] der ehemalige US-Kongressabgeordnete (1971-1991) Mr. Walter E. Fauntroy, der den Marsch auf Washington im August 1963 mit Dr. Martin Luther King Jr. organisierte.

Die Konferenzatmosphäre war außergewöhnlich entspannt und konstruktiv. Die Konferenzteilnehmer sprachen ernsthaft und mit Humor und Ironie; sie stimmten der abschließenden Erklärung per Akklamation ausnahmslos zu, weil diese Deklaration ein klares Bekenntnis zur Gewaltfreiheit und gewaltfreien Konfliktlösung ist.

[...] Die Konferenzteilnehmer nahmen teil an vier Arbeitsgruppen: über den Dialog zwischen den Kulturen, die Überwindung der Armut, gewaltfreie Konfliktlösung und atomare Abrüstung. Diese mehrstündigen Konferenzbeiträge wurden dokumentiert, eine Konferenzdokumentation ist in Planung. Diese indische Konferenz war in enger Zusammenarbeit mit der Regierung Südafrikas organisiert worden und setzte die Gedenkfeierlichkeiten in Südafrika (z.B. auf Robben Island) vom September 2006 fort. Nelson Mandela sprach eine eindrucksvolle Video-Grußbotschaft und bekräftigte (wie auch in seinem Beitrag Lech Walesa) seine hohe Wertschätzung von und Identifikation mit Mahatma Gandhi. [...]

In meinem Brief an die Kongresspräsidentin Sonia Gandhi regte ich in der Nachfolge dieses außerordentlichen und exzellenten Ereignisses an: eine weitere, von der indischen [zusammen mit der russischen] Regierung organisierte Konferenz über Tolstoi und Gandhi im Jahr 2008.

Nachstehend zu lesen in englischer Sprache die abschließende Konferenzdeklaration "Satyagraha Conference Declaration":

http://www.satyagrahaconference.com/satyagrahaConference_decla
ration_english.pdf


Der Internationale Tag der Gewaltfreiheit der Vereinten Nationen am 2. Oktober (jährlich ab 2007) wurde von uns Teilnehmern dieser Konferenz angeregt und im Juni 2007 von der Generalversammlung der Vereinten Nationen einstimmig beschlossen. Nähere Informationen dazu finden Sie auf unserer Internetseite:
http://home.snafu.de/mkgandhi/conference.htm

B) Zwei Konferenzen:

1.) Professor Lawrence Alan "Larry" Rosenwald (Anne Pierce Rogers Professor of American Literature, Wellesley College, Wellesley, Massachusetts, U.S.A.) war der offizielle Repräsentant des "National War Tax Resistance Coordinating Committee" auf der "11. Internationalen Konferenz für Militärsteuerverweigerung und Friedenssteuerinitiativen" in Woltersdorf bei Berlin vom 26. bis 29. Oktober 2006 mit 54 Teilnehmenden und 6 ReferentIn nen aus 15 Ländern (Die vollständige Dokumentation findet sich auf der Internetseite von "Conscience and Peace Tax International (CPTI)":
http://www.cpti.ws/conf/06/06.html !)

Er schrieb: "Auf der ersten Plenarsitzung präsentierte Christian Bartolf, ein deutscher Gandhi-Wissenschaftler und Leiter des Gandhi-Informations-Zentrum" seine Unterschriftenkampagne für eine Petition gegen die militärische Wehrpflicht. Zur Zeit hat er einige hundert Unterzeichner zusammen, einschließlich mehrerer Friedensnobelpreisträger (plus Studs Terkel und Pete Seeger). Er sprach ruhig, gedankenvoll und unaufgeregt, doch es ist möglich, dass diese Kampagne große Bedeutung erlangen könnte. (...)"

2.) Das Auswärtige Amt veranstaltet seit dem Jahr 2003 bislang achtzehn Foren Globale Fragen, aufgrund der zukunftsrelevanten Themen nahm ich an drei dieser Foren im Jahr 2007 teil: am 16. Forum Globale Fragen: "Neue Wege der Rüstungskontrolle und Abrüstung" am 5. und 6. März 2007, am 17. Forum Globale Fragen: "Sicherheitsrisiko Klimawandel" am 13. und 14. Juni 2007, und am 18. Forum Globale Fragen: "Weltmacht Religion - vom Einfluss der Religionen auf die internationale Politik" am 8. und 9. November 2007, sowie an der Konferenz "Desertifikation und Sicherheit" am 26. Juni 2007. Auf dem 17. Forum Globale Fragen: "Sicherheitsrisiko Klimawandel" am 13. und 14. Juni 2007 stellte ich unter dem Eindruck des Dokumentarfilmes des US-amerikanischen Friedensnobelpreisträhgers Al Gore "Eine unbequeme Wahrheit" (An Inconvenient Truth) und bei Anwesenheit des derzeitigen Vorsitzenden der 62. Sitzung der UN-Generalversammlung in New York, Herr Srgjan Kerim, folgende Frage:

"Das Gandhi-Informations-Zentrum ist ein gemeinnütziger Verein für Bildung mit internationalen Mitgliedern. Gandhi war Vegetarier und Pazifist, deswegen meine Frage (...): Können Sie mir sagen, warum Sie bisher die Studie der Welternährungsorganisation der Vereinten Nationen mit dem Titel "Der lange Schatten des Viehs" über die Problematik der Viehzucht nicht erwähnt haben? Diese Studie sagt aus, dass sich die Viehzucht in den nächsten 50 Jahren verdoppeln wird, mit all den Auswirkungen auf Stickoxyde, Ammoniak und Methangas. Ich denke, dass wir, solange wir Vegetarismus und Pazifismus tabuisieren und eine Weltföderation nicht ins Auge fassen, die Überlebensprobleme dieses Planeten nicht adäquat angehen."

Quelle: Auswärtiges Amt, 17. Forum Globale Fragen, Sicherheitsrisiko Klimawandel, Berlin, 13.-14. Juni 2007, Seite 73 (Hrsg:: Auswärtiges Amt, Referat VN07, Werderscher Markt 1, 10117 Berlin, - vn07-s@auswaertiges-amt.de -
http://www.diplo.de/ForumGF, download: http://www.diplo.de/diplo/de/Infoservice/Broschueren/GlobaleFr
agen17.pdf




Christian Bartolf ist Leiter des Gandhi-Informations-Zentrum in Berlin.
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