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 Indien

Lebt der Geist Gandhis in Südafrika fort?

Ela Gandhi

Zu jeder Zeit, überall auf der Welt gibt es Menschen, die einen Schritt weitergehen, die mit außergewöhnlicher Hingabe ein beispielhaftes Leben führen. Es gab und gibt viele Menschen in Südafrika, die ihr Leben dem Kampf für Freiheit widmen und die höchsten Werte und Prinzipien vermitteln. Ihr Beitrag für unser Land wird ohne Zweifel die neue Generation inspirieren, so wie Gandhis Leben.

In Südafrika gibt es viele, die Bewunderung und Ehrfurcht hervorrufen wegen der Arbeit, die sie leisten, und der Leben, die sie führen. Dies sind die Arbeiter hinter den Kulissen, die Nichtregierungsorganisationen führen, die unschätzbare Taten im Dienst der Frauen, der Kinder, der Behinderten, der Älteren, der Umwelt, der Tiere und anderer verletzbaren Gruppen vollbringen. Der Beitrag dieser stillen Arbeiter zum Wohl unserer Gesellschaft lässt fortdauernd auf viele Arten den Geist Gandhis wachsen. Unter ihnen sind Personen wie Dr. Rambharos, der das Aryan Benevolent Home für Ältere, Schwache und Kinder leitet und Dr. Imtiaz Suleman, der die Gift of the Giver`s Stiftung führt, die Rettungsdienste für Millionen bereitstellt.

Auch gibt es aktive Bestrebungen, das geschichtliche Erbe Ghandis im Inland wie international aufrecht zu erhalten. Unter den zahlreichen Organisationen, die sich direkt mit Gandhi befassen, gibt es solche, die sich der Verantwortung anvertraut haben, das Land zu bewirtschaften, welches Gandhi der Gemeinschaft hinterlassen hat. Und es gibt andere, die durch die Organisation von Projekten, wie Gandhi Walks, Gandhi Jayanti (die Feier der Geburt Gandhis) oder pädagogische und Entwicklungsprojekte, das Bewusstsein für Gandhi schärfen. Unter diesen unzähligen Organisationen gibt es einige, die in der letzten Dekade von einer Handvoll von Personen geführt wurden, die ein Bedürfnis verspürten, das historische Vermächtnis Gandhis zu erhalten, aufzuzeichnen und zu verbreiten

In den von dieser Gruppe unternommenen Untersuchungen kamen viele deutliche Mängel zum Vorschein, so wie die Notwendigkeit, die Entwicklung Südafrikas hin zu einer stärkeren gemeinschaftlichen Selbstbestimmtheit, Selbsthilfe, Völkerstaatbildung und die Kultivierung von gewaltfreien Werten voranzutreiben. Als Folge wurde im August 2000 eine monatliche Zeitung, Satyagraha - In Pursuit of Truth, gegründet, um diese Visionen zu fördern. Zusätzlich zu der Unterhaltung einer Zeitung, veröffentlicht Satyagraha Materialien, die die Kenntnis von Gandhis Vermächtnis vertiefen. Diese Materialien werden in Schulen, Gemeinden, Jugendorganisationen und durch die Zusammenarbeit mit verschiedenen Medien verbreitet

2002 wurde der Gandhi Development Trust gegründet, um einen Fonds zu verwalten, der im Namen Gandhis hinterlassen wurde, und um die Werte Gandhis zu vermitteln. Der Gandhi Development Trust wurde mit drei Bevollmächtigten registriert. Im ersten Jahr wurden Stipendien an ausgewählte Organisationen des Gemeinwesens vergeben. Ein jährlicher Vortrag mit Dr. Vandana Shiva als erste Rednerin wurde ins Leben gerufen. Um die Hundertjahrfeier der ersten Gandhischen Zeitung, The Indian Opinion, zu feiern, wurden im darauf folgenden Jahr Preise an führende Journalisten vergeben, die der repressiven Apartheids-Regierung trotzten und mit ihren aufrichtigen Bemühungen fortfuhren, die Öffentlichkeit zu informieren.

Im Jahr 2003 wurde in Zusammenarbeit mit dem M K Gandhi Institut für Gewaltlosigkeit in den USA, der Mahatma Gandhi Stiftung in Mumbai und dem Gandhi Development Trust ein Mahatma Gandhi Preis für Versöhnung und Frieden aufgebaut und dem Präsidenten Mbeki für seine herausragende Arbeit verliehen, Afrika durch vielseitige Anstrengungen Frieden zu bringen. Seitdem wird jährlich ein Preis an Persönlichkeiten aus der ganzen Welt verliehen, die einen außergewöhnlichen Beitrag zur Unterstützung des Friedens gemacht haben.

Im September 2004 veranstaltete die Stiftung zusammen mit einigen weiteren Organisationen eine Ausstellung über das Legat der Gewaltlosigkeit. Diese Ausstellung stellte eine Reihe von Friedensstiftern dar: unter anderen Gandhi, Martin Luther King und Daisaku Ikeda aus Japan. Es wurden sieben Tafelbilder in Südafrika hergestellt, um südafrikanische Helden des Kampfs für Frieden darzustellen. Diese Ausstellung wurde von ca. 10 000 Menschen besucht, viele Schüler in Durban, Johannesburg und Cape Town eingeschlossen. Während dieser Zeit wurden Panel Diskussionen über Kernaspekte abgehalten, um das Wissen über diese Ikonen des Friedens zu vertiefen.

Der Gandhi Development Trust (GDT) gedachte der Hundertjahrfeier der Phoenix Siedlung, des ersten Ashrams, der von Gandhi in Südafrika gegründet wurde, und wo seine Verwandlung auftrat. 2004 ermittelte der GDT 11 Familien der ersten Siedler und Gefährten Gandhis zwischen 1904 und 1914 und verlieh ihnen einen Preis in Anerkennung des gezeigten Engagements dieser Familien. Eine Broschüre über die Anfänge der Phoenix Siedlung wurde außerdem herausgegeben.

2005, am 75. Jahrestag des Salzmarschs von Gandhi, Indien, dem 50. Jahrestag der Freiheitscharta von Südafrika, gründete der GDT ein Komitee, welches einen Gedenkmarsch in Südafrika von der Phoenix Siedlung zum Battery Beach organisieren sollte - eine 22km Wanderung.

In Einhaltung des 10. Absatzes der Freiheitscharta wurde Südafrikas Rolle als Friedensstifter und Friedenserhalter vom lokalen Militär unterstützt, welches mit seiner Kapelle den Marsch anführte. Colonel Kobie, der für die Durban Basis zuständig war, nahm mit einigen anderen Offizieren am Marsch teil. Der Hon. Deputy Mayor Councilor Logie Naidoo ging auch die ganzen 22km und der Generalkonsul von Indien ging einen Teil des Weges mit. In einem emotionalen Moment in der Basis nach dem Marsch wurde ein Schrein im Gedenken an Gandhis Ideale enthüllt, und Gandhis liebste Hymnen wurden von Mitgliedern der Verteidigungskräfte gesungen.

2007 ging Mr. Harsh Vardhan Shringla, Generalkonsul von Indien, die gesamten 22 km. Es gab eine wundervolle Stimmung zwischen den Teilnehmern, unter ihnen Mütter, die ihre Babies in Kinderwagen schoben und Kinder, die barfuß liefen. Jung und alt zeigten einen Enthusiasmus, der selten zuvor gesehen wurde. Dies ist nun zu einem jährlichen Ereignis geworden, das von Mal zu Mal wächst.

2006, um den Jahrestag von Satyagraha zu feiern, wurde eine dreitägige Konferenz abgehalten. Es waren 311 Delegierte von 107 Organisationen und aus 14 Ländern anwesend. Die Ziele der Konferenz waren:



die Analyse der Ursache von Konflikt und Gewalt



die Erweiterung des Gesprächs um Satyagraha



die Untersuchung, wie die Wirkungskraft der Friedensbewegung verbessert werden kann



die Überprüfung der Möglichkeiten, ein Zentrum für Gewaltlosigkeit in Südafrika aufzubauen


Die Kernpunkte, die aus der Konferenz hervorgingen, waren



Die Einführung einer "Werte-basierten Erziehung" und die Integration von Prinzipien der Gewaltlosigkeit und Satyagraha in den Lehrplan.



Die Arbeit mit Erziehern, um neue und gewaltlose Wege zu finden, mit Kindern umzugehen.



Der Gebrauch von Satyagraha Strategien, um auf Globalisierung und internationale Ausbeutung zu antworten.



Dem wachsenden Bedarf nach spiritueller Transformation auf persönlicher sowie gesellschaftlicher Ebene genügen - durch die Unterstützung von religionsübergreifender Freundlichkeit und Respekt und durch die Wertevermittlung an Kinder, Jugendliche und Erwachsene.



Unabhängige Presse und Neue Medien spielen eine wichtige Rolle in der Bekämpfung von Ungerechtigkeit.



Es besteht definitiv Handlungsbedarf, was Themen wie Patriarchat und Geschlechterforschung angeht. Trotz der Fortschritte, die in den letzten Jahren auf diesem Gebiet gemacht wurden, muss noch viel getan werden.



Angesichts dieser Tatsachen, muss eine Satyagraha Bewegung entstehen, um die Dinge zu verbessern.


Aufgrund dieses Fazits fanden wir, dass ein organisatorisches Vehikel geschaffen werden sollte, welches diese Belange nicht nur in Südafrika, sondern international verfolgen sollte. Als Folge wurde das International Centre for Nonviolence (ICON) in der Durban University of Technology gegründet. Seine zentralen Ziele sind es, Lehrpläne für Grund- und weiterführende Schulen sowie Universitäten zu entwickeln, die Themen wie Gewaltlosigkeit, Frieden und Gender vertreten, und Schulungen in gewaltloser Konfliktlösung auf allen Ebenen anzubieten. Das ICON soll außerdem ein internationals Kontaktprogramm aufbauen, in dem es mit Institutionen, die ähnliche Arbeit leisten, kollaboriert.

Zu Forschungszwecken werden alle Materialen der Satyagraha in einem Knowledge Centre gesammelt, unter der Beobachtung von Satyagraha. Dies wird auch ein Aufbewahrungsort für Archivmaterial historischer Art.

Aus all diesen Bemühungen, die hier beschrieben wurden, wird klar, dass der Geist Gandhis und all jener, die in seine Fußstapfen getreten sind, fortwährend seinen Einfluss auf die südafrikanische Gesellschaft ausüben wird und helfen wird, eine starke Verbindung zwischen Indien und Südafrika zu knüpfen.

Quelle: Anasakti Darshan Vol. 3, No. 2, July-December 2007

Übersetzung: Mareike Winter



Ela Gandhi ist die Enkelin Mahatma Gandhis
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