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 Kriegsprofiteure

Blackwater Worldwide - Die Lizenz zum Töten

aus Wikipedia (nicht in der Printausgabe)

Xe (vollständig: Xe Services, LLC, zuvor Blackwater Worldwide) ist das größte US-amerikanische private Sicherheits- und Militärunternehmen. Es wurde 1997 unter dem Namen Blackwater USA von Erik Prince, einem ehemaligen Angehörigen der United States Navy Seals und Al Clark gegründet. Laut Eigendarstellung ist Xe militärischer Dienstleister für Regierungsbehörden, Justiz und Bürger. Das Unternehmen bietet ferner Training sowie die Durchführung von strategischen und punktuellen Operationen an.

Im Februar 2009 wurde das Unternehmenm, das aus mehreren Subunternehmen besteht, in Xe Services umbenannt, nachdem die irakische Regierung der Firma im Januar die Lizenz zum Schutz von Diplomaten nicht verlängert hatte.

Der Vorsitzende von Xe ist Gary Jackson, wie andere leitende Angestellte ein ehemaliger Navy SEAL. Das Blackwater Training Center ist nach Firmenangaben die größte private Schießtrainingsanlage der USA. Es liegt in Moyock, North Carolina und umfasst 24 kmż mit über 40 Schießbahnen. Blackwater bietet verschiedene Kurse an, unter anderem Nahkampf- und Scharfschützenausbildung. Es wird auch eine "Blackwater Academy" angeboten, in der neue Rekruten umfassend ausgebildet werden. Diese Ausbildung wird von Blackwater finanziert, wenn sich die neuen Rekruten verpflichten, exklusiv für Blackwater zu arbeiten.



Blackwater in den Medien

Am 31. März 2004 wurden vier der Blackwater Security Consulting, die im Irak eine Lieferung des Bewirtungsunternehmens Eurest Support Services als Sicherheitskräfte begleiteten, in der Stadt Falludscha von Aufständischen angegriffen und durch Granatbeschuss getötet. Die Leichen wurden von einer aufgebrachten Menge aus ihren Autos gezerrt, verstümmelt und später zwei von ihnen an einer Brücke des Euphrat aufgehängt. Ein Video, das die beiden aufgehängten Blackwater-Mitarbeiter zeigt, wurde von den Aufständischen gedreht und in Medienberichten verbreitet. Es war das erste Mal, dass Blackwater, die inzwischen mächtigste Privatarmee weltweit, einer größeren internationalen Öffentlichkeit bekannt wurde.

Im Januar 2005 verklagten Angehörige der Verstorbenen Blackwater mit der Begründung, die Firma habe aus Gewinnsucht und Unprofessionalität das Leben ihrer Mitarbeiter aufs Spiel gesetzt. Blackwater reagierte jedoch sofort mit einer Gegenklage in Höhe von über zehn Millionen US-Dollar, da die Getöteten angeblich einen Vertrag unterzeichnet hatten, der es untersagte, Blackwater vor ein US-amerikanisches Gericht zu bringen. Der US-Untersuchungsausschuss kam 2007 zu dem Schluss, dass Blackwater eine Untersuchung des Vorfalls behinderte und durch Sparmaßnahmen die Mitarbeiter mangelhaft ausgerüstet waren.

Am 21. April 2005 starben elf Insassen, davon sechs Blackwater-Mitarbeiter, als der sie transportierende Hubschrauber vom Typ Mi-8 von einer Rakete abgeschossen wurde. Dabei wurde der überlebende bulgarische Pilot, der ein Mitarbeiter einer Firma Namens Skylink war und sich bei dem Absturz eine leichte Beinverletzung zugezogen hatte, vor laufender Kamera wieder auf die Beine geholt und danach zum Weglaufen aufgefordert. Kurz darauf wurde er von Aufständischen hinterrücks erschossen. Diese ganze Szene wurde von den Aufständischen gefilmt und über das Internet verbreitet.

Im Mai 2005 setzte die Firma Reizgas in Bagdad ein, dessen Gebrauch in Kriegsgebieten nur in Ausnahmefällen erlaubt ist. Passanten und mindestens zehn Angehörige der US-Streitkräfte erlitten dabei schwere Augenreizungen und Atemnot.

Mitte Dezember 2006 erschoss ein angetrunkener Blackwater-Mitarbeiter den Leibwächter des irakischen Vizepräsidenten Adel Abdul Mahdi. Der Blackwater-Mitarbeiter wurde zwar fristlos entlassen, konnte aber den Irak unbehelligt verlassen. Auch musste er seine Tat bisher nicht vor einem US-Gericht verantworten.

Im Januar 2007 waren Blackwater-Mitarbeiter als Söldner im Süden Somalias am Krieg gegen die Union Islamischer Gerichte beteiligt. Fünf Blackwater-Angestellte wurden in einem umkämpften sunnitischen Gebiet von Bagdad in einem Hubschrauber abgeschossen. Dabei wurden Medienberichten zufolge vier der fünf Personen durch Kopfschüsse am Boden getötet.

Anfang Mai 2007 kam es zu einem Feuergefecht zwischen Blackwater-Mitarbeitern und Sicherheitskräften des irakischen Innenministeriums vor dem Ministeriumsgebäude in Bagdad, das erst durch das Einschreiten der Streitkräfte der Vereinigten Staaten beendet werden konnte.

Im September 2007 wurde Blackwater die Lizenz für den Irak von den dortigen Behörden entzogen, da Mitarbeiter Blackwaters nach einem angeblichen Angriff auf ihren Konvoi in eine Menschenmenge schossen. Bei dieser Aktion wurden auf dem Nissur-Platz in Bagdad 17 Zivilisten getötet und 24 Menschen schwer verletzt. Nach Aussage der Private Security Company Association of Iraq besitzt Blackwater allerdings gar keine gültige Lizenz für Aktivitäten im Irak, die von den dortigen Behörden überhaupt entzogen werden könnte. Auch Blackwaters größter Auftraggeber, das US-Außenministerium, konnte nicht bestätigen, dass das beauftragte Sicherheitsunternehmen über eine aktuelle Lizenz für seine Söldnerdienste im Irak verfüge. Durch das sogenannte "Memorandum 17" der US-Verwaltung im Irak operieren Blackwater-Mitarbeiter in einer legalen Grauzone: immun gegen irakisches Recht und unbehelligt von US-amerikanischen Gerichten. Irakische Sicherheitsbehörden wiesen erneut darauf hin, dass dies nicht der erste Fall gewesen sei, bei dem private Sicherheitsdienste Zivilisten im Irak vorsätzlich gefährdet und getötet hätten. Für diesen Zwischenfall der willkürlichen Erschießung von Zivilisten verlangt die Irakische Regierung vom US-Sicherheitsunternehmen Blackwater eine Entschädigung in Höhe von 136 Mio. US-Dollar (97 Mio. Euro) für die Hinterbliebenen. Fünf Tage nach dem tödlichen Zwischenfall nahmen erste Blackwater-Mitarbeiter, nach Rücksprache mit der irakischen Regierung, ihre Sicherheitsdienste in begrenztem Umfang wieder auf.

Am 22. September 2007 bestätigte die US-Staatsanwaltschaft Ermittlungen gegen Blackwater-Angestellte, die beschuldigt werden, illegal Waffen in den Irak geschmuggelt zu haben. Diese Waffen wurden später mutmaßlich an die Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) geliefert. Ausgelöst wurde die Untersuchung durch Hinweise von türkischen Behörden, deren Sicherheitskräfte Handfeuerwaffen aus US-amerikanischer Herstellung bei festgenommenen und getöteten PKK-Kämpfern sichergestellt hatten. Sprecher der Staatsanwaltschaft bewerteten die Indizien als ausreichend für eine Anklageerhebung. Der Firmengründer Erik Prince bezeichnete die Vorwürfe als unbegründet und stritt jegliche Verantwortung ab.[16]

Im April 2008 gab das US-Außenministerium bekannt, dass der im Mai auslaufende Vertrag mit Blackwater um ein Jahr verlängert werde. Auch im folgenden Jahr solle Blackwater im Irak amerikanische Diplomaten beschützen.

Am 6. Juni 2008 wurde bekannt, dass die Blackwater Tochtergesellschaft EP Aviation ein Kampfflugzeug vom Typ Embraer EMB 314 Super Tucano von dem brasilianischen Herstellerunternehmen Embraer gekauft habe. Die Turbopropmaschine solle zu Übungszwecken ausschließlich in den USA geflogen werden. Nach Angaben der Empresa Brasileira de AeronŠutica S.A. sollen die US-Regierung und die brasilianische Regierung dem Verkauf zugestimmt haben.

Im Oktober 2008 hat "Xe" nach Berichten u.a. des britischen Independent das ehemalige Forschungsschiff MS Mc Arthur an den Golf von Aden entsandt. Die Besatzung besteht aus 40 bewaffneten Sicherheitskräften und einem bewaffneten Helicopter. Das Unternehmen bietet den Schutz vor Piratenüberfällen und die Eskorte von Handelschiffen an.

Im Rahmen einer Untersuchung des Zwischenfalls im September 2007, bei dem 17 Zivilisten umkamen, bestätigten im August 2009 zwei ehemalige Mitarbeiter anonym und in Form von eidesstattlichen Erklärungen die Vorwürfe des Waffenschmuggels in den Irak. Zudem sagten beide Mitarbeiter, die aus Sicherheitsgründen als John Doe#1 und John Doe#2 bezeichnet wurden, aus, dass Erik Prince und enge Mitarbeiter mindestens einen Mord an Informanten der Bundesbehörden verübt hätten. Gleichzeitg unterstrichen sie vor allem Erik Princes christlich-fundamentalistische Motive und berichteten von Adaptionen von Templersymbolen durch die Blackwatersöldner.



Von . Eine vollständige Liste der Quellen für diesen von der Friedensforums-Redaktion leicht gekürzte Beitrag findet sich bei Wikipedia. Auf Deutsch ist u. a. erschienen: Jeremy Scahill (2008) Blackwater - Der Aufstieg der mächtigsten Privatarmee der Welt. Kunstmann, München 2008, ISBN 978-3-88897-512-7.

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