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 Initiativen

50 Jahre Ostermärsche

Truppen abziehen und Atomwaffen abschaffen!

Mani Stenner

Am Karfreitag, dem 15. April 1960, begann die Geschichte der Ostermärsche in der Bundesrepublik mit einem viertägigen Sternmarsch von Pazifisten und Kriegsdienstverweigerungsgruppen von den vier norddeutschen Städten Hamburg, Bremen, Hannover und Braunschweig nach Bergen-Hohne, wo die US-Army die Honest John Raketen als Träger für Atomwaffen erprobte. 50 Jahre danach steht die Forderung nach einer atomwaffenfreien Welt wiederum im Focus. Im Vorfeld der New Yorker Überprüfungskonferenz (siehe Artikel dazu) wollen wir Konsequenzen aus der Prager Rede des US-Präsidenten einklagen. Zweites drängendes Hauptthema ist der Afghanistankrieg.

"Damals in Bergen-Hohne flossen Tränen" überschreibt Andreas Buro seine Erinnerungen an den ersten Ostermarsch, der von seinem Sammelpunkt Brauenschweig aus mit 24 Menschen begann. "Kriegsdienstverweigerung und Pazifismus waren in dieser hohen Zeit des Kalten Krieges zwischen Ost und West noch sehr, sehr randständig und Bergen-Hohne in der Heide war umlagert von Orten mit kräftiger nationalsozialistischer Vergangenheit und Bevölkerung. Da mussten wir durch." Die Tränen hatte der Redner H.G. Friedrich von der Internationale der Kriegsdienstgegner vor Rührung und Erleichterung, weil es zum Abschluss doch mehrere Hundert Teilnehmende geworden waren. Initiatoren dieses ersten deutschen Ostermarsches waren Helga und Konrad Tempel, zwei engagierte Pazifisten und Quäker, die zuvor an den Märschen in England teilgenommen hatten.

Später in den 1960er Jahren gewöhnte man sich an sehr viel höhere Teilnehmerzahlen. Die vom Machtstrategen Herbert Wehner veranlasste Absage der SPD an die zuvor von ihr wesentlich getragene Kampagne "Kampf dem Atomtod" hatte die Entstehung einer unabhängigen sozialen Bewegung eher begünstigt. Buro: "Viele politische und religiöse Gruppen entdeckten den Ostermarsch als eine fabelhafte Möglichkeit, mit vielen anderen und auch vielen unterschiedlich Gesinnten gegen Atomwaffen zu protestieren. So konnten damals ganz randständige Gruppen von Pazifisten zu einem Fokus werden für die erste von Parteien, Gewerkschaften, Kirchen und anderen Großorganisationen unabhängige außerparlamentarische Opposition." Seither sind die Ostermärsche mit vielen Auf- und Ab-Bewegungen (und auch Unterbrechungen) eine Tradition und beständiger Spiegel der Stärke der außerparlamentarischen Friedensbewegung, die in den achtziger Jahren in der Debatte um die Stationierung von Pershing II und Cruise Missiles etliche hunderttausende Menschen auf die Straße brachte. Dennoch sind die Ostermärsche angesichts der ganzjährigen Aktivitäten und Kampagnen aktiver Gruppen nicht mehr der "Zählappell der Friedensbewegung".

Zu 50 Jahren Ostermarsch erstellt das Netzwerk Friedenskooperative eine Jubiläums-Broschüre (erhältlich ab März 2010).

Afghanistankrieg

Nach Drucklegung dieses FriedensForums hat die Afghanistankonferenz in London stattgefunden. Sicher scheint: Die Bundesregierung erhöht die Truppen in Afghanistan ein weiteres mal scheinbar moderat um 850 SoldatInnen und unter dem Ticket "mehr Ausbilder" - da kann die SPD eher mitmachen. Verbunden damit ist eine Umstrukturierung zu mehr "Präsenz in der Fläche" und Teilnahme bei Operationen der afghanischen Armee, zudem im "zivilen" Bereich mehr Polizeiausbilder und Aufstockung der Entwicklungshilfe. Rhetorisch aufgegriffen werden die vielen Forderungen nach der Priorität des Zivilen Aufbaus incl. der Notwendigkeit von Verhandlungslösungen. "Moderate" Taliban sollen mit Geld zur Kooperation bewogen werden. Die zivilen Projekte werden dann allerdings von der Regierung vorgegeben, Hilfsorganisationen sollen sich fügen und eng mit der Bundeswehr zusammenarbeiten. Truppenaufstockung und der jetzt wieder geplante AWACS-Einsatz müssen vom Parlament bestätigt werden. Dagegen protestieren Friedensgruppen schon auf einem Aktionstag im Vorfeld der Bundestagsentscheidung am 20. Februar. (siehe u.a.:
http://www.afghanistankampagne.de



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