25 Jahre Tschernobyl

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25.04.2011


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25 Jahre Tschernobyl

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Redebeitrag für die Demonstration "25 Jahre Tschernobyl - Atomausstieg sofort, Energiewende jetzt!" am AKW Neckarwestheim am 25. April 2011

Energiewende jetzt!

Berthold Frieß (in Neckarwestheim)



- Es gilt das gesprochene Wort -

- Sperrfrist: 25. April, Redebeginn: ca 14 Uhr -



Liebe Atomkraftgegnerinnen und Atomkraftgegner,

liebe Freundinnen und Freunde einer entschlossenen Energiewende!

25 Jahre nach Tschernobyl und 46 Tage nach Fukushima heißt unsere Botschaft klar und deutlich: Wir wollen keine Kilowattstunde Atomstrom mehr!

Ja, wir sind gegen die Atomtechnologie. Wir haben 100 gute Gründe gegen Atomkraft und seit Fukushima sind wir bitter bestätigt.

So entschlossen wir "nein" sagen zur Atomkraft so entschlossen sagen wir "ja" zu einer ernsthaften Energiewende. Wir sagen "ja" zu einem nachhaltigen Umgang mit Energie - "ja" zum Energiesparen, "ja" zur effizienten Nutzung und Erzeugung von Energie und "ja" zu erneuerbaren Energien.

Zum Glück haben wir bundesweit schon 17 Prozent Stormerzeugung aus erneuerbaren Energien. Mit einer nicht erwarteten Dynamik schritt ihr Ausbau in den letzten Jahren voran.

Trotzdem haben wir bis heute keine Energiewende!

Die alternativen Energien aus Sonne, Wind und Wasser sind bisher additive Energien - zusätzliche Kilowattstunden, die bisher nicht gebraucht wurden. Es gibt viel zu viele atomare und fossile Großkraftwerke. Die EnBW und die anderen großen Energieversorger, zum Teil auch Stadtwerke investieren immer noch riesige Summen in neue Kohlekraftwerke. Das ist völliger Blödsinn!

Eine aktuelle Studie von Greenpeace bescheinigt den großen Energieversorgern, dass sie ohne Wasserkraft grade mal 0,5 Prozent erneuerbare Energien in ihrem Energiemix haben. Das ist ein Armutszeugnis.

Die Energiewende ist bei den großen Konzernen nicht angekommen!

In der Politik wird derzeit viel von Energiewende geredet, einem Wort, das noch vor acht Wochen bei vielen als ökologischer Kampfbegriff galt. Auch in weiten Teilen der Politik ist die Energiewende bis auf schöne Worte noch immer nicht angekommen!

Ebenso wenig ist die Energiewende in weiten Teilen der Wirtschaft angekommen und auch nicht bei einer großen Zahl von Bürgerinnen und Bürgern! Gerade Mal acht Prozent aller Haushalte in Deutschland beziehen derzeit Ökostrom. Ich gehe davon aus, dass wir hier und heute eine Quote von 100 Prozent haben.

Gerade weil eine echte und ernsthafte Energiewende für alle gesellschaftlichen Kräfte eine große Herausforderung darstellt braucht es nun klare politische Entscheidungen!

In Berlin müssen die neuernannten Anti-Atom-Parteien CDU und FDP zeigen, dass es ihnen wirklich ernst ist mit der Energiewende: Es muss der sofortige und konsequente Atomausstieg beschlossen werden. Eine Kurskorrektur reicht nicht für die Energiewende. Die Wende braucht einen Kurswechsel! Einen Kurswechsel hin zu einem Energiespar-Sofortprogramm und dem Ausbau der Erneuerbaren Energien.

In Stuttgart muss die neugewählte grün-rote Anti-Atom-Regierung zeigen was in ihr steckt: Die EnBW muss in einer Radikalkur vom atomaren Kopf auf erneuerbare Füße gestellt werden. Vor allen Dingen die Windenergie muss im Windland Baden-Württemberg zu einem wesentlichen Faktor werden. Eine Verzehnfachung der installierten Leistung in den nächsten zehn Jahren ist notwendig. Geltende Gesetze wie das Erneuerbare-Wärme-Gesetz sind ab sofort auch für öffentliche und nicht nur private Gebäude anzuwenden.

Was ist sonst noch wichtig für eine echte und ernsthafte Energiewende?

Die Energiewende ist mehr als der Ausbau der erneuerbaren Energien

Die Energiewende braucht einen anderen Umgang mit Energie. Das Gebot der Stunde heißt Kilowattstunden sparen und damit Atomkraftwerke wegsparen. Ein Energiespar-Sofortprogramm auf Bundesebene kann mindestens ein Atomkraftwerk pro Jahr überflüssig machen. Solche Sparaktionen finden wir Schwaben besonders klasse und wir Umwelt- und Naturschützer vom BUND auch: Denn jede gesparte Kilowattstunde verursacht keine Konflikte mit Umwelt, Menschen und Natur und zudem wird das Stromnetz entlastet und damit weniger Infrastruktur erforderlich. Energiesparen und Energieeffizienz sind die wahren Brückentechnologien! Die Energiewende ist mehr als der Ausbau der erneuerbaren Energien!

Die Energiewende kostet, aber sie erspart uns sehr viel!

120 bis 200 Milliarden Euro soll die Energiewende in den nächsten zehn Jahren kosten. Mit dieser Zahl versuchen interessierte Kreise die Energiewende finanziell unmöglich erscheinen zu lassen. Abgesehen davon, dass diese Summe nicht zwischen Investitionen und Subventionen unterscheidet relativiert sie sich stark, wenn man weiß, dass in den beiden vergangenen Jahren jeweils 15-20 Milliarden Euro alleine in erneuerbare Energien investiert wurden. Übrigens: Der Erneuerbare-Energien-Fonds nach dem Atomgesetz, der von den Betreibern der Atomkraftwerke gefüllt werden soll, würde insgesamt gerade mal 16 Milliarden umfassen: Bis zu 20 Jahre Laufzeitverlängerung für einen Jahresbetrag Investitionen in Erneuerbare. Darauf wollen und werden wir verzichten!

Durch konsequente Effizienzmaßnahmen können übrigens wiederum rund 20 Milliarden Euro Energiekosten gesamtwirtschaftlich pro Jahr eingespart werden. Ein Supergau in Deutschland würde uns neben allem Tod und Leid 5000 Milliarden kosten. Klar, die Energiewende kostet, aber sie erspart und sehr viel!

Die Energiewende macht soziale Gerechtigkeit möglich!

Der Preis für Energie wird in den kommenden Jahren steigen: Mit Energiewende und erst recht ohne Energiewende. Seit 1998 haben wir z.B. stetig steigende Strompreise in Deutschland - ohne Energiewende. Die hohen Subventionen für Atomstrom nicht mitgerechnet, seine Risiken erst recht nicht. Bei der Energiewende kommt nun der Faktor Energieeffizienz dazu. Dadurch haben Verbraucherinnen und Verbraucher die Chance ihre Energiekosten im Zaum zu halten und sogar zu reduzieren. Wichtig ist, dass auch sozial prekäre Milieus mit auf den Effizienzpfad genommen werden. Die Energiewende hält die Energiekosten im Zaum und macht auf diesem Gebiet soziale Gerechtigkeit möglich!

Die Energiewende braucht Infrastruktur und Bürgerbeteiligung!

Es steht außer Frage, dass die Energiewende bei aller Einsparung und Effizienz neue Wind- und Solarparks und sonstige Energieerzeugungsanlagen braucht. Ebenfalls muss die Netz- und Speicherinfrastruktur für die neuen Erfordernisse umgebaut werden, wenn auch nicht in dem Umfang, wie derzeit öffentlich diskutiert. Es steht ebenfalls außer Frage, dass dieser Um- und Ausbau schnell vonstatten gehen muss. Für mich ist aber völlig klar, dass dies nicht gegen die Bürgerinnen und Bürger sondern mit ihnen passieren muss. Es braucht keine Netz- oder Windkraftausbaubeschleunigungsgesetze, die von vorn herein die Beteiligungsrechte der betroffenen Bürgerinnen und Bürger beschneiden. Solche Gesetze sind für mich die Unwörter des ersten Quartals 2011. Wer Beschleunigung sät wird Widerstand ernten.

Vielmehr braucht es klare politische Entscheidungen für die Energiewende, dann gehen die Menschen diesen Weg auch mit. Ebenso braucht es einen frühen und offenen Dialog mit den Menschen. Die Energiewende braucht Infrastruktur und Bürgerbeteiligung!

So entschlossen wir "nein" sagen zur Atomkraft so entschlossen sagen wir "ja" zu einer ernsthaften Energiewende. Wir sagen "ja" zu einem nachhaltigen Umgang mit Energie - "ja" zum Energiesparen, "ja" zur effizienten Nutzung und Erzeugung von Energie und "ja" zu erneuerbaren Energien.

Für diese "ja`s" fordern wir uns allen viel ab und von den politisch Verantwortlichen in Stuttgart und Berlin fordern wir nun klare Entscheidungen weg vom fossil-atomaren Pfad hin zum solar vernetzten Pfad! Wir fordern eine echte und ernsthafte Energiewende!



Berthold Frieß ist Landesgeschäftsführer BUND Baden-Württemberg.

E-Mail: berthold (Punkt) friess (at) bund (Punkt) net

Website: www.bund-bawue.de
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