25 Jahre Tschernobyl

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28.04.2011


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25 Jahre Tschernobyl

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Redebeitrag für die Demonstration vor dem AKW Krümmel am 25. April 2011

Liebe Freundinnen und Freunde,

Wolfgang Kirstein (in Krümmel)



- Es gilt das gesprochene Wort -



wer fordert, die Lehren von Harrisburg, Tschernobyl und Fukushima zu ziehen, muss das auch für die Lehren von Hiroshima und Nagasaki tun. Denn Atomreaktoren und Atombomben sind wie siamesische Zwillinge: Beide Produkt des vom US-Militär organisierten und finanzierten wissenschaftlich-technischen Manhattan-Projekts, in dem während des II. Weltkriegs Atombomben und Atomreaktoren nebeneinander entwickelt wurden.

Mit der aufwändigen Technik der Urananreicherungwurde das Material für die Hiroshima-Bombe gewonnen. Heute ist sie unverzichtbar zur Herstellung des Kernbrennstoffs für die weltweit verbreiteten Leichtwasserreaktoren, wie der hier in Krümmel.

Die ersten Atomreaktorendienten zur Erforschung der Uran-Kettenreaktion und zur Herstellung des Plutoniums, aus dem dann die Nagasaki-Bombe gemacht wurde. Dass die Reaktoren auch Energie freisetzten, war eher lästig, weil deshalb eine aufwändige Kühlung nötig wurde. Um das Plutonium abzutrennen, das durch Bestrahlung von Uran im Reaktor entsteht, wurde ein chemischer Prozess entwickelt, den wir heute als Wiederaufarbeitungkennen.

Auch im III. Reich gab es ein Atomprogramm, an dem führende deutsche Physiker beteiligt waren, von denen nach dem Krieg einige an der Gründung des Kernforschungszentrum GKSS hier etwas elbaufwärts beteiligt waren. Glücklicherweise reichte es aber nicht bis zur Bombe. Genutzt wird aber immer noch die Zentrifugentechnikzur Urananreicherung, die damals an der Hamburger Universität entwickelt wurde.

Danach verbreitete sich die Kerntechnik weltweit, ab 1955 befördert durch das von US-Präsident Eisenhower verkündete Programm Atoms for Peaceweltweiten Verbreitung der friedlichen der Kernenergie und zur Förderung der Exportgeschäfte der Atomindustrie der USA. Und natürlich diente es auch als Alibi: Atomtechnik nicht mehr allein als Technik der Bombe. Zur Unterstützung dieser Politik wurde 1956 die Internationale Atomenergie Organisation (IAEO) als Unterorganisation der UNO gegründet. Seit 1968 wird ihr der Spagat zugemutet, auch die Kontrolle der Einhaltung des Kernwaffensperrvertrags zu übernehmen.

In den 50er Jahren begann die Bundesrepublik ein ehrgeiziges Atomprogramm, das auch auf eigene Atomwaffen zielte. Aus denen wurde allerdings nichts. Das war den USA wohl doch zu unheimlich. Bis heute geblieben ist aber die deutsche nukleare Teilhabean den hier stationierten US-Atombomben mit einem eigenen Einsatzgeschwader der Bundesluftwaffe und die Mitsprache bei der Einsatzplanung. Geblieben ist auch, dass die Bundesrepublik über die Fähigkeit verfügt, sich schnell Atomwaffen zu beschaffen: Zugriff auf eine Urananreicherungsanlage, immense Vorräte an Plutonium und ausreichend Know-how allemal.

Seit dem Manhattan-Projekt sind Atomkraftwerke und Atomwaffen wie siamesische Zwillinge miteinander verbunden: Wer sich Atomwaffen beschaffen will, baut zuerst Atomkraftwerke, wer Atomwaffen besitzt, will seine Atomkraftwerke nicht aufgeben.Deshalb müssen Anti-AKW-Bewegung und Friedensbewegung gemeinsam kämpfen,

- für eine Welt ohne Atomkraftwerke und Atomwaffen,

- für Abrüstung und alternative Energietechniken,

damit die Menschheit eine Zukunft hat!



E-Mail: ruw (Punkt) kirstein (at) web (Punkt) de
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