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Aktionstag gegen Irak-Krieg 26.10.2002


vom:
23.10.2002


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Aktionstag gegen Irak-Krieg 26.10.2002:

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Selbstverständnis

Gruppe Interreligiöses Friedensgebet Berlin

Wir beten für den umfassenden, den lebensbewahrenden Frieden. Das ist ein Friede, der tiefer reicht als die Bunker der Militärs und weiter als die Bündnissysteme der Staaten. Dieser Friede ist mehr als das Schweigen der Waffen, mehr als das bloße Verstummen von Hass und Aggression.

In der Hebräischen Bibel erwächst der Friede aus den Werken der Gerechtigkeit, die ihren letzten Grund im Erbarmen und in der Gerechtigkeit Gottes hat. Nur diese Quelle vermag die Gärten des inneren und äußeren Friedens der Menschen zum Erblühen zu bringen. Um diese Gerechtigkeit Allahs geht es auch den Muslimen. Allah, der Erbarmer und Barmherzige, ist in seiner Allmacht und Herrlichkeit, der eigentliche Quell allen Friedens unter den Menschen. Das gilt auch für die Hoffnung der Christen, die Jesus gerade darin nachfolgen, indem sie um den gerechten Frieden ringen. Nachfolge bedeutet dann: Sich den Zerstörungswerken der Menschen gewaltfrei in den Weg zu stellen, den Opfern von Ausgrenzung und Gewalt zur Seite zu stehen und für die lebensbewahrende Entwicklung aller Menschen einzutreten. Die Bhagavadgita, eines der heiligen Bücher des Hinduismus, macht klar, daß wir Menschen zum Frieden nur dann gelangen werden, wenn wir die Begierden und Leidenschaften in unserem Innern auflösen. Dieselbe Einsicht gehört zu den Botschaften des Buddhismus, der uns auf tausendfältige Weise die Wege des inneren Friedens lehrt, Wege der Überwindung von Begierde und Selbstsucht, Wege, die allsamt einmünden in das liebende Mitgefühl gegenüber allen Geschöpfen.

So überrascht es nicht, dass die Botschaft vom umfassenden Frieden, wie ein mächtiges Band alle spirituell lebenden Menschen umschließt. Sie gehört deshalb auch zum Uranliegen und Wurzelwerk aller religiösen Traditionen. Der interreligiöse Weltgebetstag um Frieden von 1986 und noch einmal im Januar 2002 in Assisi haben davon ein lebendiges Zeugnis gegeben.

In dieser Tradition steht auch unser interreligiöser Gebetskreis, der erstmalig anläßlich des Besuchs des Präsidenten der Vereinigten Staaten, George W. Bush, in die Öffentlichkeit trat. Zum ihm gehören Männer und Frauen aus unterschiedlichen christlichen Kirchen, Muslime, Hinduisten und Buddhisten, und wir hoffen, daß bald auch Menschen jüdischen Glaubens sich unserem Kreis anschließen werden. Wir sind Pfarrerinnen und Pfarrer, Prediger, Gemeindevorsteher, Ordensleute und geistlich lebende Laien. Unser gemeinsames Anliegen betrifft drei Punkte, die uns auf besondere Weise bewegen und unser Selbstverständnis ausmachen

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Aktionstag gegen Irak-Krieg 26.10.2002
1. Das Ringen um Einheit im Gebet:

Denn der Weltfriede, ist nur möglich, wenn die spirituell lebende Menschheit dafür sorgt, daß sich die Religionen gegenseitig achten und einander in einem Geist der Toleranz begegnen. Religion läßt sich verstehen als die Rückbindung aller Menschen an das große Geheimnis des Heiligen, in das alle Wesen eingehüllt sind. Dieses Heilige in uns und zwischen uns, kann von jedem Menschen vergegenwärtigt werden. Sein lebendiger Ausdruck ist der Geist der Menschenfreundlichkeit und des geschwisterlichen Umgangs miteinander. Es ist dies der Geist des umfassenden Friedens, eines Friedens, der machbar ist, der aber erbeten sein will.

2. Das Ringen um Öffentlichkeit:

In einer Zeit, da der Krieg - das staatlich betriebene Morden als Mittel der Politik - wieder salonfähig zu werden droht, in einer Zeit, in der mehr als ein Fünftel der Menschheit in tiefster Not und Bedrückung vegetiert, in einer Zeit, in der Menschen aus Hunger wie die Fliegen sterben und die Götzen Konsum und Profit ihre tiefste Anbetung finden, muß unser Gebet aufbrechen zu den Straßen und Plätzen. Es will in den Alltag der Menschen eindringen. Denn als spirituell lebende Menschen tragen wir auch Mitverantwortung für Gesellschaft und Welt, für Krieg und Frieden.

3. Das Ringen um Wahrhaftigkeit:

Das gemeinsame Gebet hilft uns zu sagen, was ist. Unser Gebet ist zuerst Klage über die menschliche Unzulänglichkeit, dann auch Anklage sowie Ansage unserer Empörung, die uns schreien läßt gegen einseitigen Machtanspruch, gegen eine verkürzende, wenn nicht verlogene Nachrichtensystematik und gegen den Mantel des Schweigens, der allzuoft über die Untaten der Herrschenden unserer Welt gebreitet wird.

Berlin, den 22. 10. 2002



Initiatioren: Dr. Horst Goldstein (Katholik); P. Christian Herwartz (SJ); Mohammed Herzog (Amir der Gemeinschaft deutschsprachiger Muslime - Berlin); Dr. Klaus Hugler (ev. Diakon); Dr. Willibald Jacob (ev. Pfarrer); Dr. Fred Klinger (Katholik, Pax Christi); Thomas Dietrich Lehmann (ev. Pfarrrer); P. Klaus Mertes (SJ); Bruno Müller (ev. Pfarrer); Dhiraj Roy (Hinduist); Florence Sissako (Katholikin); Anemarie Werner (ev. Pfarrerin)

Info & Koordination: Dr. Fred Klinger (Pax Christi), 10715 Berlin, Tübinger Str. 7, Tel.: 030/85729366



E-Mail:   efkay@t-online.de
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