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Hiroshima- und Nagasaki-Tag 2004


vom:
04.08.2004


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Hiroshima- und Nagasaki-Tag 2004:

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06. August 2004, 19.30 Uhr, Kiel, Hiroshima-Park

Grußwort zur Lotusblütenaktion und Gedenkveranstaltung in Erinnerung an die Atombombenabwurfe auf Hiroshima und Nagasaki

Arne Wulff



- Sperrfrist: Freitag, 06. August 2004, 20 Uhr (!)-



Anrede,

ich begrüße Sie herzlich zur Lotusblütenaktion des Arbeitskreises Städesolidarität hier im Hiroshimapark.

Ich danke Ihnen für Ihr Kommen an diesem Tag und dafür, dass Sie an diesem Abend der Atombombenopfer von Hiroshima und Nagasaki gedenken.

Die Kieler Ratsversammlung hat am 22. Mai 1986 beschlossen, dem "Programm zur vollständigen Abschaffung der Atomwaffen" beizutreten. Der Beitritt sollte auch ausdrücken, dass sich Kiel für den Frieden einsetzt und sich solidarisch zeigt mit den beiden Städten, die Opfer der Atombombenangriffe wurden - Hiroshima und Nagasaki.

Über 200.000 Menschen kamen 1945 sofort ums Leben. Mehrere 100.000 Männer, Frauen und Kinder starben in den folgenden Jahren und Jahrzehnten qualvoll an den Spätfolgen der atomaren Verseuchung oder leiden noch heute darunter.

Hiroshima und Nagasaki - und der 06. und 09. August - Synonyme und Daten des Schreckens. Seit damals zünden jedes Jahr tausende Menschen in Japan und sonst in der Welt Kerzen an, die sie, mit Lotusblüten geschmückt, auf Seen und Flüsse setzen.

Als Erinnerung an die vielen Toten, an das unsägliche und unbeschreibliche Leid der betroffenen Menschen und als Mahnung an die Welt, nie wieder Atombomben zum Einsatz zu bringen.

Es ist eine eindrückliche Mahnung. Denn nach wie vor spielen Atomwaffen - trotz Atomwaffensperrvertrag - eine wichtige Rolle in der Sicherheitspolitik vieler Mächte: USA, Russland, Pakistan, Indien, aber auch Israel oder Iran.

Und es muss uns mit großer Sorge erfüllen, wenn wir gerade erst vor ein paar Tagen lesen mussten, dass Iran sich nicht mehr an das ausgehandelte Atomabkommen halten wird, mit dem es auf Anreicherung von Uran - einer Voraussetzung für den Bau von Atombomben - verzichtet hatte.

Ich appelliere nachdrücklich an die drei ebenfalls am Abkommen beteiligten Nationen - Frankreich Großbritannien und Deutschland - alles dazu beizutragen, dass dieses Abkommen weiter Bestand hat.

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Hiroshima- und Nagasaki-Tag 2004
Aufgrund des Atomwaffensperrvertrages, dessen Verlängerung im nächsten Jahr ansteht, hat sich zwar die Zahl der atomaren Sprengköpfe weiter reduziert, zugleich aber entwickeln die Atommächte neue und verbesserte Atomwaffen. Schätzungsweise 30.000 gibt es heute weltweit. Davon sind etwa 5.000 in Alarmbereitschaft.

Ich halte es deshalb für unerlässlich, sich mit Aktionen wie der heutigen für eine atomwaffenfreie Welt einzusetzen und das immer wieder. So engagiert sich z.B. auch die Initiative der Internationalen Ärzte für die Verhütung des Atomkriegs für die Schaffung einer atomwaffenfreien Zone im Ostseeraum.

Ihr Ziel ist es, dass sich die Ostsee-Anrainerstaaten vertraglich dazu verpflichten, keine Atomwaffen zu entwickeln oder sie in den Gewässern der Ostsee zu transportieren.

Solche Selbstverpflichtungen sind wichtige politische Signale.

Sicher: Eine Welt ohne Atomwaffen ist ein visionäres Ziel. Und gerade weil die Hoffnung auf eine friedliche Welt so utopisch ist, müssen Menschen, die guten Willens sind, immer wieder offen und mutig Zeichen setzen gegen den Krieg und an Tagen wie diesem öffentlich und friedlich auf die nach wie vor bestehende Bedrohung durch Atomwaffen aufmerksam machen.

Nur so lässt sich die zukünftige Anwendung von Nuklearwaffen in kriegerischen Auseinandersetzungen verhindern.

Nach Auffassung Hiroshimas und Nagasakis, die auch von der "Weltkonferenz der Bürgermeister für den Frieden" geteilt wird, gibt es nur eine Chance, die atomare Bedrohung zu beenden und die noch immer vorhandenen Waffenpotentiale vollständig abzubauen:

Der Atomwaffensperrvertrag, der die Atomwaffenländer zur Abschaffung aller Atomwaffen verpflichtet, muss verlängert werden. Deshalb kommt der UN-Konferenz zur Überprüfung des Atomwaffensperrvertrages im Mai 2005 in New York entscheidende Bedeutung zu.

Diesen - gewiss schwierigen - Prozess wird auch die Stadt Kiel im Rahmen ihrer Möglichkeiten begleiten. Daher möchte ich bereits jetzt schon darauf aufmerksam machen, dass ein kompetenter Zeitzeuge, der ehemalige Direktor des Hiroshima Peace Memorial Museums, Akihiro Takahashi,

im Rahmen einer zehntägigen Rundreise durch Deutschland am 06. September 2004 auch unsere Landeshauptstadt besuchen wird. Herrn Takahashi erlebte und überlebte den Angriff auf Hiroshima als 14jähriger auf dem Schulhof seiner etwa 1,5 Kilometer entfernten Schule.

Die weite Reise von Herrn Takahashi nach Deutschland dient einzig dem Ziel der Sensibilisierung der städtischen Bevölkerung für die nach wie vor weltweit herrschende atomare Bedrohung und dem Werben für eine friedliche und atomwaffenfreie Welt.

Ich werde Herrn Takahashi am Nachmittag des 06. September im Rathaus empfangen und am Abend werden die Kieler Friedensgruppen zu einer Diskussionsveranstaltung mit Herrn Takahashi einladen. Bitte merken Sie sich diesen Termin vor.

Meine Damen und Herren, möge sich das Unheil von Hiroshima und Nagasaki niemals und nirgends auf der Welt wiederholen. Möge es gelingen, weiter an einer Welt des Friedens zu bauen.


Dr. Arne Wulff ist Stadtpräsidenten der Landeshauptstadt Kiel.

E-Mail:   monika.dietrich@lhstadt.kiel.de
Internet: http://www.kiel.de
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