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Hiroshima- und Nagasaki-Tag 2004


vom:
04.08.2004


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Hiroshima- und Nagasaki-Tag 2004:

  Berichte/Kundgebungsbeiträge

Beitrag zum Hiroshimatag 2004 in Oberhausen

Es ist an der Zeit: die Abschaffung aller Atomwaffen ist notwendig.

Reiner Braun

"Noch nie war die Gefahr (eines Atomkrieges) so groß wie heute" sagt der Chef der internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) Mohammed al-Baradei in dem Spiegelinterview vom 5/04

Der oberste Experte der weltweiten Atomenergiebehörde erklärte diese beunruhigende Tatsache wenige Monate vor dem 59. Jahrestag des ersten Abwurfs der Atombombe über H und N. und 15 Jahre nach dem Ende des durch Atomwaffen hochgerüsteten Kalten Krieges

Erinnern wir uns:

Das Flugzeug war nur ein kleiner Punkte am blauen, fast wolkenlosen Himmel von Hiroshima um 8.16 Uhr am 6. August 1945, aber sein Erscheinen und seine Last "Little Boy" änderte die Welt:

Die Flugabwehr nahm das einsame Flugzeug interessenlos zur Kenntnis.

Die Menschen erwachten gerade an diesem schönen blauen Sommermorgen, putzten sich die Zähne oder tranken eine Tasse Tee. Sie mussten das tägliche Überleben im fünften Kriegsjahr organisieren.

Ein neues Zeitalter begann in diesem Augenblick 8 Uhr 16 Minuten und 21 Sekunden: Grausam, unmenschlich, apokalyptisch

Das Atomzeitalter

Das Entsetzen stand selbst den führenden deutschen Kernphysikern im Gesicht und bestimmte ihre Äußerungen als sie von diesem Ereignis in ihrer Haft in dem englischen Ort Farmhall, in dem sie interniert waren, erfuhren: eine Mischung zwischen Schock und Selbstbetrug gemischt mit etwas Neid, der zu spät Gekommenen.

Einige von ihnen werden wir gut 10 Jahre später unter den Unterzeichnern der Protestresolution Deutscher Wissenschaftler gegen den möglichen Besitz Deutschlands an atomaren Waffen, der berühmten "Göttinger Erklärung", wieder finden.

Von dem wohl berühmtesten Physiker des 20. Jahrhunderts und lebenslangen Anti-Atomwaffen Streiter
Albert Einstein ist die folgende Aussage überliefert:

"Oh Gott!!" Und dann

"Der Abwurf der Atombombe hat alles verändert nur unser Denken nicht".

Eine neue Mörder Technologie wurde eingesetzt, wie historisch immer. Was Wissenschaftler und Ingenieure erfanden wurde von den Militärs und der Politik im Krieg ausprobiert und eingesetzt. Und doch: es war etwas qualitativ Neues.

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Hiroshima- und Nagasaki-Tag 2004
Ab jetzt konnte die Welt, der Planet, das gesamte Leben ausgelöscht werden

Der Mensch war zu seinem eigenen Totengräber geworden.

Viele wehrten sich, Wissenschaftler, Mediziner und so genannte einfache Menschen, die Bürger: die weltweite Friedenbewegung als Bewegung zur Abschaffung der Atombombe entstand in der Gluthitze von Hiroshima. Die Friedensbewegung wurde ab dann auch verfolgt und diffamiert. Angeblich nütze sie nur dem politischen Gegner.

Die Politik spielte mit dem apokalyptischen Untergang- verbrecherisch, zynisch, pervers, verantwortungslos.

Für die Politiker in Ost und West waren die Hunderttausende Tode erst der Beginn eines wahnsinnigen jahrzehntelangen ungehemmt fortgesetzten atomaren Wettrüstens, um den Systemgegner abzuschrecken, tot zu rüsten oder den Erstschlag führen zu können. An Perversion, Wahnsinn und Amoralität sind die Strategien und Pläne nicht zu überbieten.

Zur Vernunft kamen Staatsmänner, wenn überhaupt erst, wenn sie alt und ohne Funktionen waren.

Deshalb bleibt der Friedensnobelpreisträger
Michael Gorbatschow auch eine fast einzigartige Ausnahme. Als er 1986, jung und neu im Amt des Generalsekretärs, den programmatischen Vorschlag zur Schaffung einer atomwaffenfreien Welt unterbreitete und erste praktische einseitige Schritte der atomaren Abrüstung begann.

Sein Programm scheiterte am "Westen" besonders an der USA und der Bundesregierung.

Wie viel friedlicher könnte die Welt heute sein, wenn die Vision
Michael Gorbatschows von 1986 Realität geworden wäre!

Wie gern hätten wir an der Realisierung dieses Abrüstung Programms mitgewirkt!

Trotz den Plänen der Politik, v. a. der NATO, wurde die Atomwaffe seid 1945 kein weiteres Mal eingesetzt!

Dies lag und liegt nicht an den Regierenden und Mächtigen dieser Welt. Historisch gesehen sind alle Waffen, die entwickelt wurden, immer wieder eingesetzt worden, bis sie durch effektivere Mörderinstrumente abgelöst wurden.

Den Einsatz dieser Mörderwaffen haben wir verhindert.

Wir, das sind die Millionen in den Friedensbewegungen der Länder, dass sind die vielen, jahrzehntelang oft diffamiert und verfolgt, aber immer handelnden Aktivisten und die große Mehrheit der Menschen, die gemeinsam die Hürde des Einsatzes so hochschraubten, dass selbst die Politik, die mit dem Einsatz der Atombombe liebäugelte, den Nichteinsatz akzeptieren musste!

Das ist gerade auch am Hiroshimatag unser Erfolg!
Ein kleiner Erfolg, aber er hat bis heute den Planeten gerettet.

Wir sind nicht die Erfolglosen!

Wir sind die Mutigen, die der Erde das größte Unheil den Super Gau erspart haben.

Diesen Worten können Sie sicher aber auch entnehmen, dass wir vieles, zu vieles nicht erreicht haben. Ein Ziel, dass wir nicht erreicht haben, dass wir aber nie aufgeben werden "ist die Abschaffung der Atomwaffen.

Der Nobelpreisträger
Linus Pauling hat auf seiner letzten Rede in Deutschland auf dem Krefelder Forum 1985 aufgerufen: Schaffen wir die Atomwaffen ab bevor sie uns abschaffen.

Dies bleibt die Aufgabe des 21. Jahrhunderts.

Auf den ersten Blick scheint dieses unmöglich:

Atomwaffen sind die politischen Waffen der Atomwaffen besitzenden Länder zur Festigung ihrer weltpolitischen Situation und Hegemonie, von USA über Russland bis Israel.

Atomwaffen werden überall modernisiert, möge sie nun SS, Trident oder Minuteman heißen.

Eine neue Generation von Atomwaffen, die mini nukes, wird in den USA entwickelt, erforscht geprobt und dann sicher auch eingeführt, angeblich gegen Terroristen, aber in der Realität als Bestandteil weltweiter Interventionen und präventiver Kriegsführungsplänen.

Alle Militärdoktrinen der Großmächte sowie ihrer Bündnisses vor allem der NATO beinhalten den Einsatz, ja sogar den Ersteinsatz (und seit Neuestem nicht nur gegen andere atomare Mächte) von Atomwaffen.

Weitere oft von den USA als,Schurkenstaaten" diffamierte Länder bemühen sich offiziell oder inoffiziell um die Einführung der Atomwaffen zumindest um die Schaffung der technologischen Vorraussetzung für die Entwicklung und Produktion. Genannt seien nur Iran und Nordkorea.

Das Atomwaffenverbreitungssystem steht vor allem aufgrund der Atomwaffenpolitik der USA vor einem Scherbenhaufen. Es ist auch an Arroganz und Machtmissbrauch kaum zu überbieten. Jahrzehnte, zuletzt 1995, wurden Verträge unterzeichnet, die wie im §6 des NPT die Abrüstung aller Atomwaffen auf Null vorsehen. Dies wird aber systematisch boykottiert und weiter hemmungslos aufgerüstet. Gleichzeitig wird aber von den atomaren Habenichts Treue zum Vertrag verlangt. Die UNO Charta schreibt was anderes fest.

Gleichberechtigung und Abrüstung ist etwas vollständig dem Entgegengesetztes.

Vergessen wir auch niemals: es gibt Profiteure des Rüstungsgeschäftes, sei es bei den Atomwaffen oder den Konventionellen, sei es beim Rüstungsexport oder dem Einsatz. Die Aktien der US-Rüstungskonzerne sind in den letzten Jahren erneut um mehr als 30% gestiegen. Bezahlt haben wir es, weltweit: durch drastischen Sozialabbau in der ersten durch Hunger und nackte Not in der so genannten 3. Welt.

Diese entmutigenden Fakten sind aber nur ein Teil einer komplizierten vernetzten Welt und diese Vernetzung beinhaltet auch, dass die Mächtigen nicht mehr alles machen können, wie sie es wollen.

Der
15.02.03, der Tag des weltweiten Protestes gegen den Irak- Krieg, hat die Kraft, die weltweite Verbreitung der Friedenbewegung gezeigt. Sie wurde nach der New York Times zur "zweiten Supermacht" Diese Bewegung geeint und auf der Straße kann uns der Abschaffung der Atomwaffen einen großen Schritt näher bringen.

Das ist die Aufgabe ein Jahr vor dem 60. Jahrestag des Abwurfes auf Hiroshima und Nagasaki.

Die Bürgermeister von Hiroshima und Nagasaki sind mit ihrer Initiative für weltweite Aktionen voran gegangen: sie wollen jetzt eine Bewegung für Verhandlungen für die Abschaffung eröffnen.

Die Middle Power Iniative von Staaten wie Mexiko, Schweden, Kanada u. a. zeigt, dass sich auch mehr und mehr Staaten der Welt für die Abschaffung der Atomwaffen engagieren. Die UNO Vollersammlung hat mehrfach zuletzt 2003 mit überwältigender Mehrheit gegen den Widerstand der USA und des Europas die Abschaffung gefordert. Sogar der Papst ist auf unserer Seite.

2/3 der Welt sind heute schon atomwaffenfrei.

Die Mehrheit unseres Landes will frei sein von Atomwaffen. Alle Umfragen zeigen, dass 80% der Bevölkerung gegen die Atomwaffen sind.

Es bleibt also unsere Aufgabe, unsere Kreativität, unsere Initiative, dieses Thema nie zu vergessen. Dazu gehört sicher auch die Depleted Uranium Waffen immer wieder auf die Tagesordnung zu setzen, die Öffentlichkeit über die Opfer zu informieren und ihre Abschaffung zu fordern.

Die Kinder von Hiroshima mahnen, gerade heute Abend.

Die unschuldigen Menschen, die verglühten.

Die junge Lehrerin, die von den Kindern auf dem Schulhof nur noch die Knochen der Hand fanden.

Der Wissenschaftler im Chemielabor der viel zu jung verglühte.

Sie alle sind eine lebenslange Mahnung!

Die Hunderttausende von Menschen, die in den 6 Jahrzehnten nach Hiroshima an den Folgen der Bombe gestorben sind.

Die Menschen, die mit der Bürde von Hiroshima und Nagasaki leben und leiden müssen.

Die Lebenden und die Toten sind eine tagtägliche Mahnung: wir werden sie nicht vergessen.

Heute - am Tag des Kranichs wissen wir aber auch - wir können eine weitere atomare Katastrophe abwenden.

Die weltweite Bewegung zur Abschaffung der Atomwaffen hat die Kraft.

Dabei vergessen wir nicht:

Die Abschaffung der Atomwaffen löst nicht das atomare Problem, befreit uns noch nicht von dieser Mördertechnologie.

Jahrzehnte, ja Jahrhunderte werden wir uns mit dem atomaren Müll mit der Verschrottung der Atomwaffen beschäftigen müssen.

Wir müssen auch den
siamesischen Zwilling der Atomwaffen, die so genannte zivile Nutzung beenden. Nicht erst seid Tschernobyl wissen wir: wir brauchen keine Kernkraftwerke, wir können sie sofort abschalten. Kernenergie ist zu gefährlich und schafft tagtäglich atomaren Müll, der auch beseitigt werden muss. Wir müssen den Irrweg des Atomweges beenden. Der Sonnen und Energiesparweg, der ein breiter Friedenspfad ist, muss geöffnet werden.

Dies ist auch die Herausforderung, die uns aus Hiroshima, Nagasaki, Tschernobyl und Harrisburg-- die uns weltweit entgegenschallt.

Vergessen wir an diesem 6. August 2004, 59 Jahre nach den ersten Abwürfen auf Hiroshima und Nagasaki niemals, was
Albert Einstein, in dem Moment, da er von der Realität und dem Einsatz der Bombe erfuhr sagte:

"Die erste Atombombe hat nicht nur Hiroshima zerstört. Sie hat auch unsere traditionellen, längst überholten Ideen endgültig zerstört."

"Kühne Taten und einen radikalen Wandel unserer Mentalität sind notwendig. Sonst wird unsere Zivilisation dem Untergang geweiht sein."

Die Welt ist zu schön, wir wollen und werden sie erhalten, wir wollen sie ja noch gestalten: lebensgerecht für alle und für die nächsten Generationen.

Deshalb steht die Abschaffung der Atomwaffen auf der Tagesordnung des 21.Jahrhunderts

Wir werden sie erreichen!

Es ist an der Zeit:
die Abschaffung aller Atomwaffen ist notwendig.


Reiner Braun ist Mitglied des Vorstandes der Naturwissenschaftlerinitiative "Verantwortung für Frieden und Zukunftsfähigkeit"

E-Mail:   hr.braun@gmx.net
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