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Hiroshima- und Nagasaki-Tag 2004


vom:
05.08.2004

Hiroshima- und Nagasaki-Tag 2004:

  Erklärungen/Infos Dritter

05. August 2004 - PE-Nr.: 733

Zum Hiroshima-Gedenktag

SPD Bundestagfraktion (Michael Müller)

Anlässlich des Gedenktages zum Abwurf der Atombombe auf Hiroshima erklärt der stellvertretende Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion, Michael Müller:

Am Freitag, dem 6. August 1945, wurde die erste Atombombe über Hiroshima abgeworfen. Die Uranbombe mit dem Namen "Little Boy" hatte eine Sprengkraft von 15 Kilotonnen TNT und tötete 122.338 Menschen sofort. Drei Tage später folgte die Atombombe "Fat Man" auf Nagasaki. Insgesamt dürften mehr als 300.000 Menschen diesen ersten Einsätzen der furchtbarsten Waffe in der Geschichte der Menschheit zum Opfer gefallen sein. Wie viele Menschen unter den Spätfolgen dieser Atomexplosionen gelitten haben, darüber gibt es keine Zahlen.

Dieser Tag jährt sich morgen zum 59sten Mal. Ist der Gedenktag zum Abwurf der Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki ein Gedenktag von gestern? Oder sagt er uns etwas für heute und morgen?

1990 gab es rund 55.000 Atomsprengköpfe auf der Welt. Seitdem hat sich die Anzahl der Sprengköpfe in den USA halbiert. Sie liegt dort seit zehn Jahren konstant bei 10.000. In den Nachfolgestaaten der UdSSR hat die Anzahl der atomaren Sprengköpfe bis heute auf ein Viertel des maximalen Bestandes abgenommen.

Ein gutes Zeichen, ohne Zweifel. Aber sind damit die atomaren Gefahren gebannt? Nein, das sind sie nicht. Im Gegenteil, sie sind vielfältiger, grenzenloser und schwieriger fassbar geworden. So sind Nordkorea, Indien, Pakistan, Iran, Israel und andere Staaten im Besitz von Atomwaffen oder streben einen solchen an.

Die Sprengkraft heutiger Atomwaffen ist mit bis zu 15 Millionen Tonnen TNT eintausend Mal grösser als die der Bombe von Hiroshima. Die USA haben verstärkt nach dem 11. September eine neue Nuklearwaffenstrategie formuliert und begonnen, sie zu realisieren. Neuartige Atomwaffen (Mini-Nukes, Nuclear Bunker Busters) sollen eine 20fach höhere Wirkung als die bisherigen Bomben, allerdings auch einen weitaus höheren fall-out zur Folge haben. China hat angekündigt, eine ähnliche waffentechnische Strategie einzuschlagen.

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Hiroshima- und Nagasaki-Tag 2004
Schmutzige Atombomben arbeiten mit herkömmlichem Sprengstoff und verteilen radioaktive Substanzen, die aus dem Brennstoffkreislauf von AKWs stammen können, in der Umwelt. In den Händen von Terroristen würden sie eine unvorstellbare Gefährdung darstellen. Ebenfalls unvorstellbare Schäden könnten Terroristen durch Angriffe auf und Sabotageakte an kerntechnischen Anlagen anrichten.

Als Präsident John F. Kennedy 1964 den Vertrag über die teilweise Beendigung der Kernwaffenversuche unterzeichnete, sagte er: "Ich bitte Sie, einen Moment innezuhalten und darüber nachzudenken, was es bedeuten würde, Atomwaffen in so vielen Händen zu wissen, in den Händen von Ländern - grossen und kleinen, stabilen und instabilen, verantwortlichen und unverantwortlichen, auf der ganzen Welt verstreut! Es gäbe für niemand Ruhe, Stabilität und wahre Sicherheit". Seine Schreckensvision beginnt trotz aller Verträge Wirklichkeit zu werden. "Damals gab es fünf Atomwaffenstaaten. Heute stehen wir 25 Ländern gegenüber, die Massenvernichtungswaffen entwickeln", so der ehemalige CIA-Direktor R. James Woolsey schon 1995. Die neue Dimension des atomaren Terrors und des internationalen Atomschmuggels war 1964 und 1995 noch nicht bekannt.

Das zweite Atomare Zeitalter könnte über den Terrorismus eine Potenzierung des atomaren Schreckens bringen. Der Gedenktag zum Abwurf der Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki sollte Anlass geben, alle Kräfte zu mobilisieren, die eine atomwaffenfreie und atomkraftfreie Welt realisieren wollen. Denn vor dem Hintergrund der fortschreitenden Globalisierung in allen Bereichen müssen wir realisieren, dass es letztlich keine wirksame Trennung zwischen ziviler Nutzung, militärischem Gebrauch und terroristischem Missbrauch der Atomkraft geben kann.

Was tun? In Deutschland haben wir auf die militärische Nutzung der Atomkraft frühzeitig verzichtet. Die Proliferation war für uns selbst kaum ein Thema. Solange die Welt jedoch nicht auf die atomare Stromerzeugung verzichtet, solange wird sie die Gefahren von Atombomben in Krisengebieten oder von atomarem Terror grundsätzlich in Kauf nehmen müssen.

Wir müssen unsere Anstrengungen zur Bekämpfung des Terrors, zur Erhöhung der inneren Sicherheit und zur Kontrolle der Non-Proliferation verstärken. Wir müssen noch mehr als bisher in die Vorbeugung - also in eine Welt der Demokratie, Freiheit und Gerechtigkeit - investieren, damit dem Terrorismus der Nährboden dauerhaft entzogen wird.

Der von Rot-Grün eingeleitete Ausstieg aus der atomaren Stromerzeugung hat weltweit durchaus zum Nachdenken geführt. Viele Länder verfolgen mit grossem Interesse die Entwicklung in Deutschland, mit der grosse Hoffnungen verbunden werden. Mehr bisher nicht. Es liegt an uns, die eingeschlagene Energiewende mit Nachdruck fortzusetzen, und die Menschen, die Regierungen und die Wirtschaft in Europa und international zu überzeugen, dass nur der Weg über mehr Energieeffizienz und Erneuerbare Energien in eine friedliche, demokratische und nachhaltige Zukunft führt. Hier hat unser Land im wahrsten Sinne des Wortes eine Vorreiterrolle, die allerdings nur das Bündnis aus SPD und Bündnis 90/Die Grünen ausfüllen kann, während die Oppositionsparteien noch immer in einem Denken von gestern stehen geblieben sind.



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