Hiroshima- und Nagasaki-Tag 2004


vom:
06.08.2004


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Hiroshima- und Nagasaki-Tag 2004

 Echo/Presse

Pressesplitter, 06.08.04

div. Tageszeitung, Agenturen, ...

SZ Blick nach vorn im Zorn

afp Gedenken zum Atombomben-Abwurf 1945 über Hiroshima

Spiegel-online.de Hiroschimas Bürgermeister kritisiert amerikanische Egozentrik

HNA Hiroschima gedenkt des Atombombenabwurfs vor 59 Jahren

tagesschau.de Hiroshima: Gedenken und Kritik an US-Atompolitik

BR Bürger von Hiroshima gedenken der Atombomben-Opfer

dradio

zdf-online.de Hiroshima gedenkt des Bombenabwurfs vor 59 Jahren

NDR-Hörfunknachrichten Gedenken in Hiroshima

WDR-Hörfunknachrichten Gedenken an Atombomben-Abwurf in Hiroshima

rtr Hiroshimas Bürgermeister kritisiert bei Gedenkfeier US-Atompläne

afp Annan mahnt stärkere Bemühungen zur atomaren Abrüstung an

ND "Mayors for Peace" mahnen

ND Bei uns beginnen!

jW Weiter trotz Hiroshima

jW Atombomben in Deutschland: Dulden SPD und Grüne Einsatz?



Quelle: Süddeutsche Zeitung, 6.8.04

Gedenkfeiern in Hiroshima

Blick nach vorn im Zorn

59 Jahre nach dem Atombombenabwurf auf Hiroshima hat Bürgermeister Tadatoshi Akiba die USA scharf angegriffen: "Die egozentrische Weltsicht der US-Regierung erreicht extreme Ausmaße." Er kritisierte die Pläne des Pentagons, die Atombombe noch kleiner zu machen. Die Liste der Atombombenopfer wuchs um 5142 Namen.

Hiroshimas Bürgermeister Tadatoshi Akiba hat die USA während der offiziellen Zeremonie wegen ihrer Atompolitik heftig kritisiert.

Die Supermacht ignorierten die Vereinten Nationen und das Völkerrecht und forschten weiter daran, die Atombombe noch kleiner und gewissermaßen "benutzerfreundlicherer" zu machen, kritisierte der Bürgermeister. Unterdessen gingen Gewalt und Vergeltung auf der Welt weiter.

Der Senat in Washington hatte im Juni grünes Licht für entsprechende Forschungsarbeiten gegeben, nicht aber für die Herstellung solcher Waffen. Im Jahre 1992 hatten sich die USA selbst ein Moratorium für atomare Tests auferlegt.

Die Ereignisse des Jahres 1945 in Hiroshima hätten der Welt klar vor Augen geführt, welche verheerenden Folgen ein Einsatz solcher Waffen haben würde, so Tadatoshi Akiba. Damals waren in Hiroshima mehr als 160.000 Menschen sofort getötet oder verletzt worden. Zehntausende erkrankten später infolge der frei gesetzten Strahlendosis. Hiroshimas Bürgermeister forderte ein Verbot aller Atomwaffen, das spätestens im Jahre 2020 umgesetzt werden sollte.

5.142 neue Tote auf der Liste

Mit dem Glockenschlag um 08.15 Uhr, dem Zeitpunkt, an dem ein US-Flugzeug vor 59 Jahren die Atombombe über Hiroshima abwarf, gedachten die Teilnehmer der Gedenkfeier der Opfer in einer Schweigeminute.

Zu der offiziellen Liste der Toten wurden dann die Namen von 5142 Menschen hinzugefügt, die seit dem 6. August vergangenen Jahres an den Spätfolgen ihrer seinerzeitigen Verstrahlung gestorben waren. Die Gesamtzahl der Opfer beträgt damit nun 237.062, wie die Stadtverwaltung mitteilte.

Der weltweite erste Atombombenangriff am 6. August 1945 tötete fast die Hälfte der damaligen Einwohner Hiroshimas. Drei Tage später warf die US-Armee eine zweite Atombombe über der japanischen Stadt Nagasaki ab, der weitere zehntausende Menschen zum Opfer fielen. (AFP/AP)



Quelle: afp, 6.8.04

Gedenken zum Atombomben-Abwurf 1945 über Hiroshima

- Bürgermeister wirft USA "egozentrische Weltsicht" vor Tauben über Hiroshima (AFP)

Hiroshima (AFP) - Bei der Gedenkfeier zum 59. Jahrestag des Atombombenabwurfs über Hiroshima hat der Bürgermeister der japanischen Stadt die USA wegen ihrer Atompolitik scharf angegriffen. "Die egozentrische Weltsicht der US-Regierung erreicht extreme Ausmaße", sagte Bürgermeister Tadatoshi Akiba während der offiziellen Zeremonie.

Die USA ignorierten die Vereinten Nationen und das Völkerrecht und forschten weiter daran, die Atombombe noch kleiner und nutzbarer zu machen, kritisierte der Bürgermeister. Unterdessen gingen Gewalt und Vergeltung auf der Welt weiter.

Mit dem Glockenschlag um 08.15 Uhr, dem Zeitpunkt, an dem ein US-Flugzeug vor 59 Jahren die Atombombe über Hiroshima abwarf, senkten die Teilnehmer der Gedenkfeier ihre Köpfe für eine Schweigeminute. Durch den ersten weltweiten Atombombenangriff am 6. August 1945 kamen rund 140.000 Menschen sofort oder in den folgenden Monaten ums Leben, fast die Hälfte der damaligen Einwohnerzahl Hiroshimas. Drei Tage später warf die US-Armee eine zweite Atombombe über der japanischen Stadt Nagasaki ab, der weitere zehntausende Menschen zum Opfer fielen.



Quelle: SPIEGEL ONLINE - 06. August 2004, 8:43

Gedenken an Atombombenabwurf

Hiroschimas Bürgermeister kritisiert amerikanische Egozentrik

Zum 59. Jahrestag des Atombombenabwurfs über Hiroschima hat der Bürgermeister der japanischen Stadt schwere Vorwürfe gegen die Vereinigten Staaten erhoben. Die USA verfolgten die Entwicklung der nächsten Generation von Kernwaffen, kritisierte Tadatoshi Akiba während der zentralen Gedenkfeier für die Opfer vom 6. August 1945.

Hiroschima - Akiba forderte heute ein Verbot aller Atomwaffen. Der Regierung von US-Präsident George W. Bush warf er egozentrisches Verhalten vor. Gegen den Widerstand der Vereinten Nationen und allen internationalen Verträgen zum Trotz habe Amerika die Forschungen zur Entwicklung kleinerer und gewissermaßen "benutzerfreundlicherer" Atomwaffen wieder aufgenommen, bemängelte er. Der Senat in Washington hatte im Juni grünes Licht für entsprechende Forschungsarbeiten gegeben, nicht aber für die Herstellung solcher Waffen. Im Jahre 1992 hatten sich die USA selbst ein Moratorium für atomare Tests auferlegt.

Akiba verurteilte auch die offenkundigen Bemühungen Nordkoreas um den Besitz von Kernwaffen. Die internationale Staatengemeinschaft rief der Bürgermeister dazu auf, im kommenden Jahr ein Abkommen zur Ächtung sämtlicher Atomwaffen zu unterzeichnen. Die Ereignisse des Jahres 1945 in seiner Stadt führten klar vor Augen, welche verheerenden Folgen ein Einsatz solcher Waffen haben würde. Damals waren in Hiroschima mehr als 160.000 Menschen sofort getötet oder verletzt worden. Zehntausende erkrankten später infolge der frei gesetzten Strahlendosis.

Zum Auftakt der Gedenkfeiern war am Morgen der Schlag einer Glocke zu hören. Damit wurde der Zeitpunkt des Atombombenabwurfs markiert. Zehntausende Menschen gedachten der Opfer mit einer Schweigeminute. Zu der offiziellen Liste der Toten wurden dann die Namen von 5.142 Menschen hinzugefügt, die seit dem 6. August vergangenen Jahres an den Spätfolgen ihrer seinerzeitigen Verstrahlung gestorben waren. Die Gesamtzahl der Opfer beträgt damit nun 237.062, wie die Stadtverwaltung mitteilte.



Quelle: Hessisch-Niedersäschiche Allgemeine (u.a.), 6.8.04

Hiroschima gedenkt des Atombombenabwurfs vor 59 Jahren

Hiroschima (dpa) - In der japanischen Stadt Hiroschima haben etwa 40.000 Menschen der Opfer des ersten Atombombenabwurfs vor 59 Jahren gedacht. Zu dem Zeitpunkt, als die Amerikaner die Bombe über der westjapanischen Stadt abwarfen, legten die Bürger eine Schweigeminute ein. Hiroschimas Bürgermeister Tadatoshi Akiba äußerte tiefe Besorgnis über die "egozentrische Weltsicht" der US-Regierung und kritisierte deren Atompolitik. Zugleich zeigte er sich besorgt über Bestrebungen in Japan zur Änderung der pazifistischen Verfassung.



Quelle: tagesschau.de 06.08.2004, 09.38 Uhr

59. Jahrestag des Atombombenabwurfs

Hiroshima: Gedenken und Kritik an US-Atompolitik

In der japanischen Stadt Hiroschima haben etwa 40.000 Menschen der Opfer des ersten Atombombenabwurfs vor 59 Jahren gedacht. Um 8.15 Uhr Ortszeit, dem Zeitpunkt, als die Amerikaner 1945 die Bombe über der westjapanischen Stadt abwarfen, legten die Bürger eine Schweigeminute ein.

Damals waren in Hiroshima mehr als 160.000 Menschen sofort getötet oder verletzt worden. Zehntausende erkrankten später infolge der frei gesetzten Strahlendosis. Zu der offiziellen Liste der Toten wurden die Namen von 5142 Menschen hinzugefügt, die seit dem 6. August vergangenen Jahres an den Spätfolgen ihrer seinerzeitigen Verstrahlung gestorben waren. Die Gesamtzahl der Opfer beträgt damit nun 237.062, wie die Stadtverwaltung mitteilte.

Hiroshimas Bürgermeister Tadatoshi Akiba erhob schwere Vorwürfe gegen die Vereinigten Staaten. Die USA verfolgten die Entwicklung der nächsten Generation von Kernwaffen, kritisierte Tadatoshi Akiba während der zentralen Gedenkfeier für die Opfer vom 6. August 1945. Er forderte ein Verbot aller Atomwaffen, das spätestens im Jahre 2020 umgesetzt werden sollte.

Der Regierung von US-Präsident George W. Bush warf Akiba egozentrisches Verhalten vor. Gegen den Widerstand der Vereinten Nationen und allen internationalen Verträgen zum Trotz habe Amerika die Forschungen zur Entwicklung kleinerer und gewissermaßen "benutzerfreundlicherer" Atomwaffen wieder aufgenommen, bemängelte er. Der Senat in Washington hatte im Juni grünes Licht für entsprechende Forschungsarbeiten gegeben, nicht aber für die Herstellung solcher Waffen. Im Jahre 1992 hatten sich die USA selbst ein Moratorium für atomare Tests auferlegt.

Akiba verurteilte auch die offenkundigen Bemühungen Nordkoreas um den Besitz von Kernwaffen. Die internationale Staatengemeinschaft rief der Bürgermeister dazu auf, im kommenden Jahr ein Abkommen zur Ächtung sämtlicher Atomwaffen zu unterzeichnen. Die Ereignisse des Jahres 1945 in seiner Stadt führten klar vor Augen, welche verheerenden Folgen ein Einsatz solcher Waffen haben würde.



BR-Hörfunk Nachrichten, 06.8.04, 9 Uhr

Bürger von Hiroshima gedenken der Atombomben-Opfer

Hiroshima: In der japanischen Stadt haben die Menschen der Opfer des ersten Atombombenabwurfs vor 59 Jahren gedacht. Kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs im Pazifik wurden bei der Explosion der US-amerikanischen Bombe 160.000 Menschen getötet



Quelle: Deutschland Radio, 06.08.04, 10 Uhr

In der japanischen Stadt Hiroschima haben etwa 40.000 Menschen der Opfer des ersten Atombombenabwurfs durch die USA vor 59 Jahren gedacht.

Hiroschimas Bürgermeister Akiba warf der Regierung von Präsident Bush egozentrisches Verhalten vor. Gegen den Widerstand der UNO und allen internationalen Verträgen zum Trotz hätten die USA die Forschung zur Entwicklung kleinerer Atombomben wieder aufgenommen. Zugleich forderte er ein weltweites Verbot aller Nuklearwaffen, das spätestens bis 2020 umgesetzt werden solle.



Quelle: zdf-online.de, 06.08.04

Hiroshima gedenkt des Bombenabwurfs vor 59 Jahren

Bürgermeister Akiba besorgt über "egozentrische Weltsicht" der USA

In der japanischen Stadt Hiroshima haben am Freitag etwa 40.000 Menschen der Opfer des ersten Atombombenabwurfs vor 59 Jahren gedacht. Um 8.15 Uhr Ortszeit, dem Zeitpunkt, als die US-Amerikaner die Bombe über der westjapanischen Stadt abwarfen, legten die Bürger eine Schweigeminute ein.

Hiroshimas Bürgermeister Tadatoshi Akiba äußerte tiefe Besorgnis über die "egozentrische Weltsicht" der US-Regierung und kritisierte deren Atompolitik. Zugleich zeigte sich Akiba besorgt über Bestrebungen in Japan zur Änderung der pazifistischen Verfassung.



Quelle: NDR-Hörfunk-Nachrichten, 06.08.04

Gedenken in Hiroshima

Hiroshima: In der japanischen Metropole haben die Menschen des Abwurfs der ersten Atombombe vor 59 Jahren gedacht. Bei der Gedenkfeier kritisierte der Bürgermeister der Stadt die USA wegen ihrer Atompolitik. Die Regierung in Wahsington ignoriere die Vereinten Nationen und das Völkerrecht und forsche weiter daran, die Atombombe noch kleiner und nutzbarer zu machen. Beim ersten Atombombenabwurf am 6. August 1945 waren etwa 140.000 Menschen sofort oder in den folgenden Monaten ums Leben gekommen, fast die Hälfte der damaligen Einwohnerzahl Hiroshimas.



Quelle: WDR Hörfunknachrichten, 06.08.04, 10 Uhr

Gedenken an Atombomben-Abwurf in Hiroshima

In Hiroshima haben die Menschen an die Toten durch den ersten Atombomben-Abwurf erinnert. Heute vor 59 Jahren hatte die US-Armee die südjapanische Stadt mit der Bombe angegriffen. Mehr als 160.000 Menschen wurden getötet.

Bei der Gedenkfeier heute gab es Vorwürfe gegen die Politik von US-Präsident Bush. Hiroshimas Bürgermeister kritisierte, dass die USA eine neue Art von Atombombe entwickeln. Sie soll gegen unterirdische Bunker eingesetzt werden können.



Quelle: 6. August 2004, 14.27 CET

Hiroshimas Bürgermeister kritisiert bei Gedenkfeier US-Atompläne

Hiroshima (Reuters) - Am 59. Jahrestag des ersten Atombombenabwurfs hat Hiroshimas Bürgermeister die USA heftig für ihre Pläne zur Entwicklung neuer Atomwaffen kritisiert.

"Die egozentrische Weltsicht der USA wird zunehmend extrem", sagte Tadatoshi Akiba in der Stadt, die vor genau 59 Jahren zum Schauplatz des ersten Atombombeneinsatzes gegen Zivilisten wurde. "Mit der Wiederaufnahme der Forschungen zur Entwicklung kleinerer und besser `einsetzbarer` Atomwaffen haben die USA die Vereinten Nationen und das von ihnen ins Leben gerufene Internationale Recht ignoriert", sagte Akiba.

Am 6. August 1945 hatte ein US-Kriegsflugzeug über der südjapanischen Stadt eine Atombombe abgeworfen. Rund 140.000 der 350.000 Einwohner Hiroshimas starben noch im selben Jahr. Immer noch erliegen jährlich Tausende Menschen den Spätfolgen der Verstrahlung.

Drei Tage nach dem Angriff auf Hiroshima wurde über Nagasaki im Südwesten Japans eine zweite Atombombe abgeworfen. Der Abwurf führte zur Kapitulation Japans und damit zum Ende des Zweiten Weltkriegs.

Bei der Trauerfeier im Friedens-Park Hiroshimas wurden die Namen von 5142 erst kürzlich verstorbenen Opfern auf die Liste gesetzt. Insgesamt hat die Bombe damit bisher 237.062 Menschen getötet.

Um 8.15 Uhr läutete eine Friedensglocke eine Schweigeminute ein und erinnerte an den Moment des Abwurfs der Bombe. Rund 40.000 Menschen, darunter auch der japanische Ministerpräsident Junichiro Koizumi, nahmen an der offiziellen Trauerfeier teil. "Der Morgen des 6. August vor 59 Jahren war ein ganz normaler Sommermorgen, aber eine einzige Atombombe verwandelte ihn in einen Morgen, den die Menschheit niemals vergessen wird", sagte der elfjährige Koya Yurino.



Quelle: afp, 6. August 2004, 21.09 Uhr

Annan mahnt stärkere Bemühungen zur atomaren Abrüstung an

New York (AFP) - Anlässlich des 59. Jahrestags des Atombombenabwurfs auf Hiroshima und Nagasaki hat UN-Generalsekretär Kofi Annan an die internationale Staatengemeinschaft appelliert, stärkere Bemühungen zur atomaren Abrüstung zu unternehmen. Das Ziel einer atomwaffenfreien Welt sei noch lange nicht erreicht, beklagte Annan am Freitag in einem Schreiben an die Stadt Hiroshima. Der "Horror" von 1945 dürfe sich nicht wiederholen. Trotz der Abrüstungsfortschritte seit dem Ende des Kalten Kriegs befänden sich weltweit noch zehntausende Atomsprengsätze in den Waffenlagern. Zudem gebe es "beunruhigende Hinweise" darauf, dass neue Atomwaffentypen entwickelt würden.



Quelle: Neues Deutschland, 06.08.04

Hiroshima - am 6. August 1945 warfen die USA ihre erste Atombombe ab

"Mayors for Peace" mahnen

Bürgermeister aus 108 Ländern wirken zusammen im Kampf um Beseitigung der Atomwaffen

Von Wolfgang Kötter

Die Welt gedenkt heute des Atombombenabwurfs der USA auf Hiroshima, und es wächst die Entschlossenheit, alles zu tun, damit sich eine solch grauenhafte Katastrophe nicht in unserer Zeit wiederholen kann.

Am 6. August 1945, kurz nach acht Uhr morgens, warf ein amerikanischer B-29-Bomber die erste Atombombe der Menschheitsgeschichte auf die japanische Stadt Hiroshima. Drei Tage später widerfuhr der Bevölkerung von Nagasaki dasselbe Schicksal.

In jedem Jahr erinnern sich die Menschen der Opfer und fordern die völlige Beseitigung der Nuklearwaffen als einzige Garantie gegen einen erneuten Einsatz dieser Massenvernichtungswaffe. An der Spitze steht die internationale Städte-Initiative "Mayors for Peace" ("Bürgermeister für den Frieden"), die auf eine Anregung des Stadtoberhauptes von Hiroshima, Tadatoshi Akiba, zurückgeht und auch von seinem Amtskollegen Iccho Itoh aus Nagasaki mit getragen wird.

Völkergipfel soll Druck in New York machen

Die Organisation verabschiedete im vergangenen Herbst die Dringlichkeitskampagne "2020 Vision". Darin werden die Einwohner der mehr als 600 Mitgliedstädte in 108 Ländern zu Aktionen für nukleare Abrüstung aufgerufen. Die über 350 Millionen Menschen repräsentierenden Bürgermeister appellieren an alle Atomwaffengegner, gemeinsam Druck auf die im kommenden Frühjahr stattfindende Überprüfungskonferenz zum Kernwaffensperrvertrag auszuüben.

Angesichts nuklearer Aufrüstungsbestrebungen und präemptiver Einsatzstrategien wird ein Zusammenbruch des wichtigsten völkerrechtlichen Damms gegen die atomare Gefahr befürchtet. Auf einem "Völkergipfel" am Konferenzort New York sollen deshalb Bürgermeister und Bürger aus aller Welt den unverzüglichen Beginn von Abrüstungsverhandlungen einfordern, wie sie im Kernwaffensperrvertrag vorgesehen sind. Ziel ist der Abschluss einer Atomwaffen-Konvention spätestens im Jahre 2010. Der bereits ausgearbeitete Vertragsentwurf enthält einen verbindlichen Zeitplan für die Verschrottung aller Nuklearwaffen, um bis 2020 eine atomwaffenfreie Welt zu erreichen.

Initiative für einen Hiroshima-Prozess

Die Initiative wird von Nichtregierungsorganisationen auf globaler, regionaler und lokaler Ebene unterstützt. Sie erhielt die ausdrückliche Zustimmung des Europaparlaments und auch in Deutschland engagieren sich Friedensgruppen für den Aufruf. Die deutsche Kampagne "Atomwaffenfrei bis 2020" wurde ins Leben gerufen vom Trägerkreis "Atomwaffen abschaffen - bei uns anfangen!"

Die Initiatoren empfehlen, die Aktualität der nuklearen Abrüstung stärker ins öffentliche Bewusstsein zu rücken und dafür die Aktionsmöglichkeiten vor Ort auszunutzen. In den Teilnehmerstädten der Vereinigung sollen die Verwaltungen aktiv an der Kampagne "2020 Vision" mitarbeiten und mit örtlichen Friedensgruppen zusammenwirken. In Orten, die nicht Mitglied sind, werden die Bürgermeister zum Beitritt zur Initiative "Bürgermeister für den Frieden" eingeladen.

Bereits zur Vorbereitungssitzung reisten die Bürgermeister von Hiroshima, Nagasaki, Tel Aviv, Peristen in Griechenland und dem neuseeländischen Waitakere nach New York. Sie appellierten an die Regierungsvertreter und besuchten UNO-Botschaften mehrerer Staaten, darunter auch die der Atommächte Russland und China. Doch die Tagung endete vor allem wegen der starren Verweigerungshaltung der USA, Großbritanniens und Frankreichs ohne substanzielle Konferenzempfehlungen.

Das Scheitern steht in krassem Gegensatz zur Dringlichkeit des Handelns und "Mayors for Peace"- Präsident Tadatoshi Akiba mahnt deshalb: "Heute wächst die Gefahr eines Atomkrieges wieder. Wir müssen gegen diese Tragödie arbeiten, bevor sie eintritt!" Für den Fall, dass die Vertragsstaaten auch bei der Überprüfungskonferenz keine Verhandlungen zur nuklearen Abrüstung beschließen, verfolgt Akiba eine zweite Strategie. Dann will er einen "Hiroshima-Prozess" initiieren, vergleichbar mit dem "Ottawa-Prozess", der Ende der 90er Jahre zum Verbot von Anti-Personenminen geführt hatte. Seine Stadt stehe als Gastgeber zur Verfügung. Die Verhandlungen könnten 60 Jahre nach dem ersten Atombombenabwurf beginnen - am 6. August 2004 in Hiroshima.



Quelle: Neues Deutschland, 06.08.04

Bei uns beginnen!

Friedenskooperative zum Hiroshima-Tag

Die Friedensbewegung macht immer wieder darauf aufmerksam, dass die Gefahr atomar geführter Kriege seit dem Ende des Kalten Krieges stark verdrängt wird. Insbesondere die verbliebene Supermacht USA vertritt offen die Doktrin nuklearer Erstschläge auch auf Staaten ohne eigene Atomwaffen und senkt mit der Entwicklung von bunkerbrechenden "Mini-Nukes" und dem geplanten Raketen-Schutzschirm die Einsatzschwelle. "Noch nie war die Gefahr so groß wie heute. Ein Atomkrieg rückt näher, wenn wir uns nicht auf ein neues internationales Kontrollsystem besinnen", sagt der Chefwaffeninspekteur der IAEO, Mohammed al-Baradei. Das Netzwerk Friedenskooperative erinnert an die "neuen" Atommächte Israel, Indien und Pakistan sowie die realistischen Befürchtungen um atomare Programme von Nordkorea und Iran.

Chancen für die Eindämmung sehen Friedensorganisationen in der Bereitschaft zu allgemeiner nuklearer Abrüstung, einer "Atomwaffenkonvention" nach dem Vorbild der Chemiewaffenkonvention und dem Beginn der Einrichtung atomwaffenfreier Zonen - am dringendsten im Nahen Osten, wo Bestrebungen nach einer "arabischen" oder "islamischen" Bombe oft mit Israels Atombomben gerechtfertigt werden.

Die deutsche Bundesregierung ist aufgefordert, durch die Beendigung der "nuklearen Teilhabe" an den US-Atombomben im Luftwaffenstandort Büchel ein eigenes positives Zeichen zu setzen und alle verbliebenen 65 Atombomben von deutschem Boden zu verbannen.



Quelle: junge Welt, 06.08.2004

Weiter trotz Hiroshima

Neue Kampagne gegen Atomwaffen: Kritik an Entwicklung von "mini-nukes". Druck auf Bundesregierung

Harald Neuber

Am 6. August 1945 - heute vor 59 Jahren - warf die US-Luftwaffe die erste Atombombe über der japanischen Stadt Hiroshima ab. Die nukleare Explosion der 13-Kilotonnen-Bombe kostete bis zu 200.000 Menschen das Leben. Nur drei Tage später setzte die US-Armee über der Industriemetropole Nagasaki ihre zweite Atombombe ein. Im Moment der Explosion starben 75.000 Menschen. Ebenso viele starben an den Verbrennungen und Strahlenschäden. Die Vereinigten Staaten von Amerika sind damit der einzige Staat, der diese Massenvernichtungswaffe jemals eingesetzt hat.

Die Friedensorganisation "Internationale Ärzte zur Verhütung des Atomkrieges" (IPPNW) nimmt den heutigen 59. Jahrestag von Hiroshima zum Anlaß für eine neue weltweite Kampagne zur Ächtung atomarer Massenvernichtungswaffen. "Der einzige Weg zu einer atomwaffenfreien Welt kann nur ein generelles Verbot sein", sagte Ute Watermann, Sprecherin der deutschen IPPNW-Sektion, im Interview mit junge Welt. Die Ärzteorganisation, die für ihr Engagement gegen Atomwaffen 1985 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet wurde, wird bei ihrer Kampagne eng mit dem Netzwerk "Bürgermeister für den Frieden" zusammenarbeiten. Diese, so Watermann gegenüber jW, sollten ihre politischen Positionen nutzen, um Druck auf die verantwortlichen Entscheidungsträger auszuüben. Ein Schwerpunkt wird dabei Deutschland sein.

Die Bundesregierung aus SPD und Grünen toleriert auch nach dem Ende des Kalten Krieges die Stationierung von atomaren Massenvernichtungswaffen auf deutschem Boden. Im Rahmen der "nuklearen Teilhabe" der NATO-Mitgliedsstaaten sind derzeit bis zu einhundert Atomwaffen in der BRD stationiert. Im Ernstfall können sie auf Befehl der US-Armee auch von deutschen Tornado-Piloten eingesetzt werden, die entsprechend geschult wurden. Schon in den fünfziger Jahren hatten Organisationen der Friedensbewegung und Intellektuelle in Westdeutschland gegen die atomare Aufrüstung protestiert. Die damalige Regierung unter Konrad Adenauer (CDU) hatte die Unterzeichner der "Göttinger Erklärung" gegen die Stationierung atomarer Massenvernichtungswaffen seinerzeit scharf angegriffen. "Während es damals um die Atombewaffnung der Bundeswehr ging, nachdem die Remilitarisierung bereits politisch durchgesetzt war, geht es heute um die Frage, ob Deutschland eine größere Verfügungsgewalt über Atomwaffen erlangen soll, nachdem Auslandseinsätze der Bundeswehr inzwischen von großen Teilen der Gesellschaft akzeptiert wurden", heißt es dazu in der friedenspolitischen Fachzeitschrift Wissenschaft und Frieden.

Die US-Regierung indes bezieht Atomwaffen 59 Jahre nach ihrem nuklearen Massenmord in Hiroshima und Nagasaki wieder offen in ihre Militärpläne ein. So stellten Abgeordnetenhaus und Kongreß im vergangenen November 13,5 Millionen US-Dollar zur Entwicklung sogenannter mini-nukes zur Verfügung. Diese atomaren Waffen besitzen zwar nur einen Bruchteil der Sprengkraft der "großen" Atombomben, die Folgen ihres Einsatzes aber wären vergleichbar. Mit der Entwicklung der "Mini-Atombombe" versucht die US-Armee seit geraumer Zeit, sowohl die moralische als auch die völkerrechtliche Ächtung dieser Waffengattung zu unterlaufen.

Dabei verstößt sie nicht nur gegen die bestehenden Rüstungskontrollverträge, sondern auch gegen die eigene Rechtsprechung: Im Jahr 1993 wurde in den USA ein Gesetz erlassen, das auch die Entwicklung und den Einsatz von Atombomben mit einer Sprengkraft von weniger als fünf Kilotonnen unter Verbot stellte. Dessenungeachtet wurden noch im selben Jahr unter der damaligen Regierung von William Clinton (Demokratische Partei) die Waffenprogramme in Auftrag gegeben, an die unter der aktuellen Bush-Administration (Republikanische Partei) angeknüpft wird.

Daß sich die USA bei ihren neuen Atomplänen nur ungern in die Karten sehen lassen, ist kein Geheimnis. Noch während der UN-Abrüstungskonferenz in Genf in der vergangenen Woche sprachen sich die US-Vertreter gegen internationale Kontrollen der US-amerikanischen Atomarsenale aus. Solche Inspektionen seien, so teilte die Bush-Regierung mit, "radikal" und würden "die nationale Sicherheit der USA gefährden".

Siehe Interview mit Ute Watermann



Quelle: junge Welt, 06.08.2004

Interview:

Atombomben in Deutschland: Dulden SPD und Grüne Einsatz?

Interview: Harald Neuber

jW: Zusammen mit der internationalen Organisation "Bürgermeister für den Frieden" wollen Sie sich für eine atomwaffenfreie Welt bis zum Jahr 2020 einsetzen. Weshalb nicht früher?

Ute Watermann: Weil wir realistisch sind. Die Umsetzung einer solchen Konvention braucht Zeit. Man muß Richtlinien etablieren, Programme zur Demontage und Kontrolle entwickeln, Inspektoren benennen, den Schrott entsorgen. In Anbetracht dieses Zeitrahmens halten wir es für realistisch, daß die an Abrüstungsverhandlungen teilnehmenden Staaten eine vollständige Demontage des weltweiten Atomarsenals bis zum Jahr 2020 umsetzen können. Den Atomwaffensperrvertrag haben 190 Länder unterzeichnet - die müssen sich erst mal einig werden.

jW: Wie wollen Sie im Rahmen Ihrer Kampagne die Öffentlichkeit mobilisieren?

Ute Watermann: Wir werden die verantwortlichen Regierungen von zwei Seiten in die Zange nehmen. Auf der einen Seite sollen die Bürgermeister ihre politische Position nutzen. Tatsache ist doch, daß sie im Falle eines atomaren Angriffs als Verantwortliche für den kommunalen Katastrophenschutz hilflos wären. Auf der anderen Seite stehen die Friedensgruppen. Sie werden in vielen lokalen Aktionen die politischen Instanzen zur Rede stellen. Gemeinsam werden wir 2005 bei der Überprüfungskonferenz zum Atomwaffensperrvertrag in New York Proteste organisieren.

jW: Nach Ihren Angaben lagern auch in Deutschland Atombomben der US-Armee. Weshalb fordern Sie die Bundesregierung nicht konkret auf, sich dagegen zu wehren?

Ute Watermann: Diese Forderung stellen wir schon seit Jahren. Das Atomwaffenarsenal wird in Deutschland schließlich auf bis zu 100 einsetzbare Sprengköpfe geschätzt. Wir sagen nicht nur "Bombs go home", wir fordern auch, daß Deutschland die nukleare Teilhabe in der NATO aufgeben soll. Zur Zeit könnte die US-Armee das Kommando über ihre "deutschen" Atomwaffen im Ernstfall an die Bundeswehr abgeben. Deutsche Soldaten würden mit einem deutschen Tornado die in Deutschland gelagerten US-Atombomben ins Ziel fliegen.

jW: Wie reagieren SPD und Grünen auf Ihre Forderung?

Ute Watermann: Es gibt bislang schlichtweg keine Reaktion. Eben deshalb werden wir nun die öffentliche Kampagne beginnen.

jW: Während die Bundesregierung an dem atomaren Waffenarsenal der USA teilhat, baut Washington an neuen, kleinen Atombomben. Welche Gefahren drohen durch diese sogenannten mini-nukes?

Ute Watermann: Diese Neuentwicklungen gehen mit der Ablehnung von bestehenden Abrüstungsverträgen durch die USA einher. Das hat natürlich Auswirkungen, denn auch Rußland und Frankreich haben nun eine "Modernisierung" ihrer Atomwaffenarsenale angekündigt. Die geplanten Mini-Atombomben der USA sind so konzipiert, daß sie auch im Rahmen eines konventionell geführten Krieges eingesetzt werden können. Die Hemmschwelle, Atomwaffen einzusetzen, wird auf diese Weise verringert. Das früher getrennte Kommando über konventionelle und atomare Waffen ist in den USA inzwischen zusammengeführt worden. Washington bedroht mittlerweile auch Staaten, die überhaupt keine Atomwaffen besitzen. Das ist ein Tabubruch nach dem anderen.

jW: Der israelische Regierungschef Ariel Scharon hat kürzlich zum ersten Mal indirekt den Besitz von Atomwaffen durch Israel zugegeben. Welche Auswirkungen könnte das für die Nahost-Region haben?

Ute Watermann: Die israelischen Atomwaffen hatten bereits gehörige Auswirkungen auf die ganze Region. Es ist für andere Staaten schließlich nicht einzusehen, warum einige Regierungen Atomwaffen besitzen dürfen, andere aber nicht. Daher ist es realpolitisch nachvollziehbar, warum Staaten wie Iran oder Irak versucht haben, in den Besitz von nuklearem Material zu kommen. Solange der Atomwaffensperrvertrag den Besitz von Atomwaffen in einigen Fällen akzeptiert, wird es immer auch Regierungen geben, die in den Besitz dieser Massenvernichtungswaffen gelangen wollen. Der einzige Weg zu einer atomwaffenfreien Welt kann kann also nur ein generellen Verbot sein.

Ute Watermann ist Sprecherin der deutschen Sektion der "Internationalen Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges" (IPPNW)



E-Mail: friekoop@bonn.comlink.org

Website: www.friedenskooperative.de
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