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Hiroshima- und Nagasaki-Tag 2004


vom:
06.08.2004


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Köln, 07. August 2004

Grußwort anlässlich des Festakts zur Einweihung des Hiroshima-Nagasaki-Parks am Aachener Weiher in Köln

Renate Canisius

- Sperrfrist: Redebeginn, 07.08.04, 18 Uhr-



Sehr geehrter Herr Soda,
Sehr geehrte Frau Compton,
Sehr geehrter Herr Ronnefeldt,
Sehr geehrte Frau Thelen, liebe Kollegin,
Sehr geehrte Herren und Damen,


Ich freue mich sehr, stellvertretend für unseren Oberbürgermeister Fritz Schramma heute Abend ein kurzes Grußwort an Sie richten zu können.

Die meisten guten Ideen und Initiativen haben ihren Ursprung in der Bürgerschaft. So auch der Anlass, der uns heute Abend hier zusammen führt, nämlich die feierliche Einweihung des Hiroshima-Nagasaki-Parks.

Am Anfang stand die Initiative von Mitgliedern des Kölner Friedensforums. Im Jahr 2000 hatten sie sich zum Hiroshima-Nagasaki-Arbeitskreis zusammengeschlossen. Am 6. August desselben Jahres traten sie mit dem Wunsch an die Öffentlichkeit, dass die Stadt Köln einen Platz bekommt, der in seiner Namensgebung an die atomare Zerstörung von Hiroshima und Nagasaki erinnert und so zur vollständigen Abschaffung aller Atomwaffen und zum Frieden mahnt.

Das Anliegen fand die Unterstützung von Herrn Oberbürgermeister Schramma und den im Rat der Stadt Köln vertretenen Fraktionen. Im Dezember 2001 hat die Bezirksvertretung Innenstadt einstimmig beschlossen, dem Parkgelände zwischen Bachemer Straße, Universitätsstraße, Dürener Straße und der Bundesbahntrasse den Namen Hiroshima-Nagasaki-Park zu geben. Er liegt damit in unmittelbarer Nachbarschaft zum Japanischen und Italienischen Kulturinstitut, der Universität, dem Museum für Ostasiatische Kunst und dem Park der Menschenrechte.

Einen besseren Ort hätte es nicht geben können, denn in dieser Nachbarschaft symbolisiert sich die wichtigste Lehre, die wir aus der gewaltsamen und totalitären Geschichte des 20. Jahrhunderts ziehen können. Auch wenn über die Trümmer des Zweiten Weltkriegs buchstäblich längst Gras gewachsen ist, wissen wir aus eigener schuldhafter und leidvoller Geschichte, dass unsere Welt nur dann eine Zukunft hat, wenn wir den Frieden wahren, die Menschenrechte achten, den interkulturellen Dialog pflegen und Freiheit ermöglichen, die auch und zuvorderst die Freiheit des Gedankens, des Wortes und der Kunst ist.

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Hiroshima- und Nagasaki-Tag 2004
Dass dieser Park sich gerade unter jungen Menschen großer Beliebtheit erfreut, unterstreicht nur, wie gut diese Wahl war.

Meine Herren und Damen,

in jedem Krieg ist es die Zivilbevölkerung, die am meisten zu leiden hat. Hiroshima und Nagasaki sind das Menetekel für die totale Zerstörung einer Stadt und die Vernichtung ihrer Menschen, wenn es zum Einsatz atomarer Waffen kommt. Es ist deshalb die Pflicht aller Menschen, die für ihre Städte Verantwortung tragen, alles in ihrer Macht Liegende zu tun, um Kriege zu verhindern und zu helfen Atomwaffen abzuschaffen.

Durch Beschluss des Rates gehört die Stadt Köln deshalb seit dem 25. April 1985 dem "Städtebündnis mit Hiroshima und Nagasaki" an, das sich jetzt "Mayors for Peace" nennt.

Das Netzwerk wurde gegründet, um weltweit die Solidarität von Städten und ihren Bürgern und Bürgerinnen mit den Opfern der Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki zum Ausdruck zu bringen sowie der Nichtweiterverbreitung und weltweiten Abschaffung von Atomwaffen wirkungsvoll Gehör zu verschaffen. Die Benennung des Parks nach den Städten Hiroshima und Nagasaki bekräftigt diesen Beschluss und unterstreicht den Willen der Kölner Bürgerschaft, zum Frieden in der Welt beizutragen und die Stadt Köln, die sich am 30. Oktober 1984 zur "atomwaffenfreien Zone" erklärt hat, von ABC-Waffen und - Trägersystemen freizuhalten.

Nach wie vor haben diese Anliegen nichts von seiner Dringlichkeit verloren. Im Gegenteil! Die den Weltfrieden gefährdende Verbreitung militärisch nutzbarer Atomtechnologien hält in Besorgnis erregender Weise an. Einem erfolgreichen Verlauf der UN-Überprüfungskonferenz zum Atomwaffensperrvertrag im Mai 2005 kommt deshalb höchste sicherheits- und friedenspolitische Bedeutung zu. Oberbürgermeister Schramma hat deshalb dem Präsidenten des Netzwerkes "Mayors for Peace" und Oberbürgermeister der Stadt Hiroshima, Herrn Dr. Tadatoshi Akiba, kürzlich seine Unterstützung der Kampagne zum Verbot aller Atomwaffen versichert.

Im Oktober 2003 umfasste das Netzwerk "Mayors for Peace" weltweit 554 Städte in 107 Ländern. Dass die Zahl nach wie vor wächst, unterstreicht den weltweiten Konsens, dass die Nuklearwaffen zu zerstören sind und eben nicht die Städte und ihre Einwohner.

Zu den Mitgliedsstädten von "Mayors for Peace" zählen mehrere Partnerstädte von Köln, nämlich Barcelona, Cork, Peking, Rotterdam, Turin und Wolgograd. In der Pflege unserer insgesamt 23 Städtepartnerschaften finden die friedenspolitischen Aktivitäten der Stadt Köln ihren wichtigsten Ausdruck, meine sehr geehrten Herren und Damen.

Als Köln aus den Trümmern des 2. Weltkriegs wieder erstand, wurden alte und neue Verbindungen geknüpft. Seit vielen Jahrzehnten beteiligt sich die Stadt Köln so auf vielfältige Weise an der Gestaltung Europas.

Für das vom Nationalsozialismus befreite Deutschland war es bewegend zu erfahren, dass Nachbarn schon wenige Jahre nach dem Krieg bereit waren, dem Gegner von gestern die Hand zur Versöhnung zu reichen. Liverpool machte 1952 den Anfang und wurde Kölns erste Partnerstadt. 1958, im Jahr des Inkrafttretens der Römischen Verträge, folgte die so genannte Ringpartnerschaft im "Europa der Sechs" mit den Partnerstädten Esch-sur-Alzette, Lille, Lüttich, Rotterdam und Turin. In den 60er und 70er Jahren wurden die Städtepartnerschaften mit Kyoto, Tunis, Turku, Klausenburg und Tel Aviv-Yafo gegründet, in den 80er Jahren mit Barcelona, Peking, Corinto/El Realejo, Cork, Thessaloniki, Indianapolis und Wolgograd, in den 90er Jahren schließlich mit Kattowitz, Bethlehem und Istanbul. Köln ist in Deutschland die Stadt mit den meisten Städtepartnerschaften.

Diese Städtepartnerschaften sind lebendiger Ausdruck der vielfältigen europäischen und internationalen Beziehungen unserer Stadt und des hohen Stellenwerts, den die europäische Integration, Völkerverständigung und interkultureller Dialog in der städtischen Politik seit Jahrzehnten genießen. Sie sind getragen von der gemeinsamen Überzeugung, dass durch die interkommunale Zusammenarbeit und Begegnungen zwischen Menschen Vorurteile und Trennendes überwunden, Verständnis füreinander geweckt sowie Solidarität und Frieden ganz praktisch gefördert werden.

Durch die zahlreichen bilateralen und interkulturellen Vereine sind die Städtepartnerschaften darüber hinaus fest in der Bürgerschaft verankert und mit ihren ca. 1.500 Mitgliedern längst fester Bestandteil breiten bürgerschaftlichen Engagements geworden.

Zu diesem Engagement leisten das Kölner Friedensforum und der Hiroshima-Nagasaki-Arbeitskreis einen ganz wichtigen Beitrag, für den ich Ihnen, meine Herren und Damen, im Namen der Stadt Köln, aber auch ganz persönlich herzlich danken will.



Kontakt: Stadt Köln - Der Oberbürgermeister, Amt des Oberbürgermeisters, Büro Bürgermeisterin Renate Canisius, Rathaus, Spanischer Bau, 50667 Köln, Tel.: 0221/221-0, Fax: 0221/221-28476


Renate Canisius ist Bürgermeisterin der Stadt Köln.

E-Mail:   brigitte.linsches@stadt-koeln.de
Internet: http://www.koeln.de
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