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Hiroshima- und Nagasaki-Tag 2004


vom:
07.08.2004


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Hiroshima- und Nagasaki-Tag 2004:

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Hiroshima-Tag 2004, Gedenkveranstaltung veranstaltet von Beueler FI, in Zusammenarbeit mit IPPNW-Gruppe Bonn/Rhein-Sieg und DFG/VK Rhein-Sieg

"Blumen für die Opfer von Hiroshima"

Susanne Rohde

Wir sind am 6. August hier zusammengekommen, um der Opfer des ersten Atombombeneinsatzes zu gedenken. Seit 1986 tun wir das hier an dieser Stelle, wo wir von der Beueler Friedensinitiative 1985 mit Spendengeldern vieler Frauen und Männer einen japanischen Kirschbaum als "Friedensbaum" gepflanzt haben.

Jedes Jahr beklagen wir den kümmerlichen Zustand unseres Schützlings, der sich nicht wie die anderen ringsum zu einem kräftigen Baum entwickelt hat.

Wir wissen, das hat mit Standortgegebenheiten zu tun, aber wir können das Aussehen unseres Friedensbaumes auch als symbolisch betrachten:

Damals war die Bedrohung durch Atomwaffen in allen Köpfen präsent, ein bedeutsames Thema in den Massenmedien und oft auch in den Parlamenten.

Seit vielen Jahren ist das Thema der Atomwaffen und anderen Massenvernichtungsmittel den Menschen nicht mehr gegenwärtig und aus den Medien verschwunden.

Doch die Bedrohung besteht nach wie vor, ja, sie wächst sogar. Die Forderung nach Beseitigung der Massenvernichtungsmittel richteten die USA und ihre Kriegsverbündeten nur an Irak und andere von ihnen ausgemachte Feinde, nicht aber an sich selbst, die über die größten Potentiale verfügen. Im Gegenteil, immer offener unterminieren sie die Reste des Atomwaffensperrvertrages und fordern für sich sogar das Recht zum atomaren Erstschlag. Chefwaffeninspekteur al-Baradei sagt: "Noch nie war die Gefahr so groß wie heute. Ein Atomkrieg rückt näher, wenn wir uns nicht auf ein neues internationales Kontrollsystem besinnen."

Von den Bürgermeistern von Hiroshima und Nagasaki ausgehend, wurde 1982 die Weltkonferenz der "Bürgermeister für den Frieden" (Mayors for Peace) gegründet, eine Organisation von mittlerweile über 600 Städten in 108 Ländern und Regionen, die über 350 Millionen Menschen repräsentieren.

Im Oktober letzten Jahres verabschiedeten die "Bürgermeister für den Frieden" eine Dringlichkeitskampagne für das Verbot von Nuklearwaffen. Sie appellieren an alle Atomwaffengegner, gemeinsam Druck auf die im kommenden Frühjahr stattfindende Überprüfungskonferenz zum Atomwaffensperrvertrag auszuüben.

In ihrer Erklärung heißt es:

"Die Bürgermeister für den Frieden fordern die nationalen Regierungen hiermit auf, den Dialog zu verstärken, sich gewissenhaft für den Aufbau des Vertrauens und die Aufrechterhaltung und Stärkung des Nichtverbreitungsregimes einzusetzen und die folgenden Schritte zu unternehmen:

1.Wir fordern, dass die Kernwaffenstaaten und die De-facto-Kernwaffenstaaten einschließlich der Länder, die nicht NPT-Vertragsparteien sind, sofort alle Entwicklungsprogramme für Nuklearwaffen einstellen und unverzüglich das Umfassende Nukleare Teststoppabkommen in Kraft setzen.

2.Wir fordern, dass die Signatarstaaten auf der Überprüfungskonferenz für den Atomwaffensperrvertrag 2005 in New York kurz vor dem 60. Jahrestag der Atombombenangriffe den Weg zu einer Kernwaffenfreien Welt ebnen und die Verpflichtung eingehen, dieses Ziel bis 2020 zu erreichen.

Wir erklären hiermit unsere erneuerte Entschlossenheit, uns im Namen unserer Bürger für die Abschaffung der Nuklearwaffen und für eine Welt ohne Krieg einzusetzen."

(18. Okt. 2003, 6. Exekutivkonferenz der Bürgermeister für den Frieden)

Wir, die wir uns hier versammelt haben, stimmen dieser Erklärung sicher zu und unterstützen die entsprechende deutsche Kampagne "Atomwaffenfrei bis 2020" - "Atomwaffen abschaffen - bei uns anfangen!" 65 Atombomben lagern immer noch auf deutschem Boden.

Im September finden hier die Kommunalwahlen statt. Ich möchte vorschlagen, die Kandidatinnen auch an ihrer Haltung zu Krieg und Frieden, zu Aufrüstung oder Abrüstung, zum Atomwaffensperrvertrag zu messen.

Und ich möchte vorschlagen, dass auch die Oberbürgermeisterin der Stadt Bonn der Weltkonferenz der Bürgermeister für den Frieden beitritt; für die Repräsentantin einer UN-Stadt wäre dies ein konsequenter Schritt, der mit Blick auf den 60. Jahrestag des Hiroshima-Tages vollzogen werden könnte.

Verbunden mit dem weiteren Bemühen um ein Verbot von Atomwaffen schließen wir von der Beueler Friedensinitiative uns der Aktion einer Abstimmung über den EU-Verfassungsentwurf an.

In der beabsichtigten Verfassung sind weltweite Kampfeinsätze und die weitere Aufrüstung der Mitgliedsstaaten vorgesehen. Und wir dürfen nicht vergessen: Mitgliedsstaaten der EU sind auch die Atommächte Frankreich und Großbritannien.

Wir lehnen Verfassungsaussagen der weiteren Militarisierung und des Sozialabbaus ab und wollen in der Bevölkerung über die Inhalte der EU-Verfassung informieren.

Ich möchte zum Abschluss noch auf zwei Veranstaltungen in Köln hinweisen:

Am morgigen Nachmittag, 7. August 2004 wird die Ausstellung "Die Atombombe und der Mensch" im Museum für ostasiatische Kunst eröffnet; um 18 Uhr wird der "Hiroshima-Nagasaki-Park" am Aachener Weiher feierlich eingeweiht.


Susanne Rohde ist aktiv bei der (Bonn-)Beueler Friedensinitiative

E-Mail:   susanne.rohde@web.de


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