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Hiroshima- und Nagasaki-Tag 2004


vom:
09.08.2004


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Hiroshima- und Nagasaki-Tag 2004:

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Rede bei der Hroshimaveranstaltung in München am 6. August 2004

"Depleted Uranium oder abgereichertes Uran, kurz DU"

Wolfgang Fischer

- nach der Atombombe, der Wasserstoffbombe, der Neutronenbombe - jetzt die vierte Generation der Atomwaffen - das Trojanische Pferd unter den Waffen. Ihre genetisch verstümmelnde Wirkung kommt wie aus dem Nichts - man sieht sie nicht, man spürt sie nicht - und - sie hört praktisch nie auf. Dahinter verbirgt sich die unvermeidliche Konsequenz permanenter Vernichtung.

Die durch Atombombentests in die Atmosphäre freigesetzte Menge an radioaktiver Strahlung entspricht der von 40.000 Hiroshimabomben. Die durch den Einsatz von abgereichertem Uran seit dem Irakkrieg 1991 freigesetzte Menge an Strahlung beträgt ein Vielfaches davon.

Was ist DU?

DU ist eine klassische Massenvernichtungswaffe. Sie funktioniert schleichend und heimtückisch, sie ist todsicher.

DU (99,8% U238, 0,2% U235) ist ein Abfallprodukt aus der Herstellung von Kernbrennstoff (97% U238, 3% U235) aus natürlichem Uran (99,3% U238, 0,7% U235) für die Atomkraftwerke der Energiewirtschaft. Es enthält noch 60% der Strahlung (- hauptsächlich alpha-Strahlung, seine Spaltprodukte setzen auch beta- und gamma Strahlung frei). Allein in den USA sind bislang 700.000 t dieses Materials angefallen, von daher besteht ein kostentreibendes Lagerungsproblem.

Da DU fast doppelt so schwer und dicht ist wie Blei und 19 mal so schwer ist wie Wasser, wird es von der Industrie zur Panzerung und Beschwerung beispielsweise auch im zivilen Flugzeugbau benutzt. Da DU die Durchschlagskraft von Waffen erhöht, hat es auch im Waffenbau Verwendung gefunden. Dort ist es besonders beliebt, da es beim Aufschlag gasartig zu Staub zerfällt, der leicht entflammbar ist. Das nämlich bedeutet, dass sich die Geschosse durch panzernde Schichten von Stahl, Beton, Felsen oder Erde hindurch brennen. Dies ist für Militärs ein weiterer durchschlagender Vorteil - neben der willkommenen kostengünstigen Entsorgungsmöglichkeit des radioaktiven Abfallprodukts. Man geht von einigen tausend Tonnen aus, die seit 1991 im Irak, in Bosnien, im Kosovo und in Afghanistan flächendeckend verteilt wurden, wobei offen gegen internationales Recht verstoßen wird.

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Hiroshima- und Nagasaki-Tag 2004
1973 bereits überließen die USA - Israel erstmalig DU Waffen, seitdem haben 29 weitere Länder der Erde diese Waffen: u.a. Großbritannien, Rußland, Türkei, Pakistan, Saudi-Arabien, Thailand und Frankreich - Deutschland wird offiziell nicht erwähnt.

Wie wirkt DU und in welchem Ausmaß?

Im Augenblick des Aufschlags verwandeln sich bis zu 100% des DU im Kopf des Geschosses in mikrofeine Stäube oder Aerosole, die gasähnlich durch keine Filter oder Atemmasken aufzuhalten sind. Diese Stäube verteilen sich und es ist keine funktionierende De-kontaminationsmethode bekannt. Mit der Verteilung gelangen die Stäube in die pflanzliche und tierische Nahrungskette, in Brunnen und Wasserreservoirs und entwickeln ihre langfristigen und krankmachenden Wirkungen.

Doch auch direkt eingeatmet lagern sich die lungengängigen und bis zu 1 Mikron kleinen Partikel in den Lungenbläschen ein und entfalten dort ihre Strahlungswirkung. Die Halbwertszeit im Körper, d.h. die Zeit, die der Körper braucht, um die Hälfte der Menge des einmal aufgenommen Strahlungsmaterials wieder auszuscheiden, beträgt bis zu 8 Jahre. In dieser Zeit können sich die mißbildenden Wirkungen voll entfalten. Bekannt sind Brustkrebs, Bauchspeicheldrüsenkrebs, Leukämie, Immundefekte durch direkte Schäden am genetischen Material. Auffällig sind auch die gehäuft auftretenden und massiven Mißbildungen bei Neugeborenen von Vätern, die mit DU in Kontakt waren, da DU natürlich auch die Keimbahn schädigt.

Im Südirak vervierfachte sich zwischen den Jahren 1993 und 2001 die Zahl an Krebs-Neuerkrankungen bei Kindern im Vergleich zu 1990, also vor dem Einsatz dieser völkerrechtswidrigen Waffen. Die Zahl an Mißbildungen Neugeborener verfünffachte sich und die Zahl an neu auftretenden Krebserkrankungen bei Erwachsenen verzehnfachte sich in dieser Zeit. Ähnliche Zahlen fanden sich auch bei den Kriegsveteranen der US-Armee wie auch bei den Briten.

Zur Geschichte und Geisteshaltung derer, die solcherart Munition einsetzen

Die Aufdeckung der alarmierenden Zahlen und Zusammenhänge verdanken wir privaten Initiativen und dem mutigen Einsatz von Einzelpersonen, die meist gegen den Widerstand von staatlicher Seite her und unter Erleiden von persönlichen Nachteilen forschen. Trotz der offensichtlichen Zusammenhänge scheitert selbst der Wunsch der Weltgesundheitsorganisation der Vereinten Nationen und des Komitees für Abrüstung und internationale Sicherheit - nach offiziellen Studien und Untersuchungen am Veto der USA und Großbritanniens.

Auch von seiten der deutschen Regierung wird keine Initiative in dieser Richtung ausgehen, denn - Sie müssen wissen - nachdem Deutsche 1943 bereits die Entwicklung Uran-haltiger Hartmantelgeschosse begonnen hatten, ist Deutschland heute zusammen mit Japan die Nr. 2 hinter den USA in der Erforschung und Entwicklung derartiger Waffen.

In den zurückliegenden frühen siebziger Jahren hat der Düsseldorfer Rheinmetall-Konzern Uranmunition weiterentwickelt.

Messerschmidt-Bölkow-Blohm hat über 17 Jahre lang Uranmunition getestet. Es kam in Deutschland seit 1981 zu mehreren Zwischenfällen im Zusammenhang mit der übungsmäßigen Nutzung dieses Munitionstyps. Aufgrund der klassischen Desinformationspolitik blieb die Tatsache des Vorhandenseins und Einsatzes uranbestückten Kriegsgeräts in Deutschland einer breiten Öffentlichkeit verborgen. Hans Rühle, ein ehemaliger Leiter im Planungsstab des Bundesverteidigungsministeriums hat seinerzeits eingeräumt, brisante Informationen dem Verteidigungsausschuss des Bundestags deshalb verschwiegen zu haben, weil er Schlagzeilen über krebsfördernde Panzerkolonnen auf deutschen Straßen vermeiden wollte. Soviel, liebe Friedensfreunde, zur inneren Sicherheit unserer Demokratie, aber das ist vielen von uns ja nichts Neues! Wissen wir ja auch, dass vor den Toren Münchens unter Missachtung des Grundgesetzes und internationalen Rechts mit unseren Steuergeldern die atomare Bewaffnung betrieben wird.

Bei allem - was wir mittlerweile über die heimtückisch tödlichen Wirkungen der DU Munition wissen, kann der Wunsch nach billiger Entsorgung radiaktiver Abfälle nicht allein im Vordergrund der Militärstrategen stehen. Auch die unmittelbare militärische Wirkung selbst wäre ebenso durch Waffen zu erzielen, die nicht für eine nahezu unbegrenzte Zeit über die Beendigung von Kriegshandlungen hinaus wirken - und die neben dem Leben und der Gesundheit der eigenen und gegnerischen Soldaten und Bevölkerungen auch noch zukünftiges pflanzliches, tierisches wie menschliches Leben verstümmeln.

Das nun beweist eine gewollte, völlig neue Qualität des Krieges

Hinter dem Willen, derartig breitflächig und langfristig zerstörerische Waffen einzusetzen, verbirgt sich eine klar lebensverachtende Inkaufnahme nahezu grenzenloser Vernichtung von subsistenten Lebensformen, der Lebensvernichtung per se, des "Omnicids


Neuartige Kriege, fatal getarnt unter dem Deckmantel humanitärer Einsätze, sollen Raum und Markt schaffen für die kranken Ziele und Produkte global operierender Wirtschaftsmächte, vor deren fatalen Folgen und Wirkungen bereits US-Präsident Eisenhower in seiner damaligen Abschiedsrede warnte.

Weltweit ist das Leben von mafiös verflochtenen Strukturen medialer, militärischer, administrativer, finanzbezogener, fundamentalistischer und akademischer Komplexe (sog. mmafiacs) bedroht, die seit Eisenhowers Warnung weiter angewachsen sind und deren Geist und Wirken sich heute hinter Begriffen wie Globalisierung, Neoliberalismus und Institutionen wie Weltbank und Welthandelsorganisation verschanzen.

Längst haben sie Zugriff auf nationale Regierungen und die sich bildenden übergeordneten Strukturen wie dĦe in Brüssel und täuschen dem Bürger eine Alternativlosgkeit der Politik vor, die letzlich ausnahmslos alles ihrem Macht- und Profitstreben opfert.

Niemand und nichts bleibt mehr von ihnen verschont, der derzeitige Sozialabbau bei uns ist ebenso eine Folge dieser menschenverachtenden Strategie wie der kaltblütig berechnende Einsatz von DU Munition.

Was - können wir tun?

Wehren wir uns hier und überall, lassen wir uns von den gesteuerten Massenmedien nicht länger ablenken und informieren wir uns gegenseitig. Organisieren wir uns solidarisch über alle gruppenspezifischen Grenzen unterschiedlicher religiöser, politischer, sozialer und anderer Orientierungen und Schwerpunkte hinaus - gegen den - als alternativlos dargestellten Trend eines permanenten und weltweiten Kriegs.

Setzen wir den neofeudalen Enteignungsprozessen selbstbewusste Aneignungsprozesse engagierter Bürger auf lokaler Ebene entgegen, nehmen wir unser Leben, seine Versorgung und seine Verwaltung wieder selbst in die Hände. Greifen wir die Idee der Montagsdemonstrationen auf, um eine tatsächliche Systemwende einzuleiten.

Denn das, was geschieht, geschieht längst nicht mehr im Namen des Volkes!

Widerstand ist angesagt gegen das weitere Ausdehnen und Anwachsen einer weltweiten Vernichtungslogik, wie sie auch in der geplanten Verfassung Europas festgeschrieben werden soll. Eine solche Verfassung, die u.a. wachsende Ausgaben für Waffen und Militär zwingend vorschreibt, lehnen wir ab!

Wir fordern eine breite öffentliche Diskussion über die Einzelheiten und Ziele dieser Verfassung, wir fordern eine Volksabstimmung. Und - je lauter deutsche Politiker diese ablehnen, um so klarer muss es uns sein, dass hinter den Kulissen politische Ziele verfolgt werden, für die wir alle zur Kasse gebeten werden. Der Preis ist neben persönlichen Einbußen wachsender sozialer Unfrieden bei uns im Lande und darüberhinaus zunehmende internationale Unsicherheit durch ein Vertiefen des Grabens zu den benachteiligten Zonen des Erdballs.

Angesichts der leidvollen Erfahrungen der Kriegsgeschichte der Menschheit sagen wir Nein zu einem Europa der militärischen Stärke. Wir fordern den sofortigen Stopp für Entwicklung und Einsatz von DU-Waffen und eine internationale Untersuchung über die gesetzten Schäden sowie deren Wiedergutmachen seitens der Verursacher.

Wir sagen JA zu einem Europa der friedlichen Konfliktbearbeitung und der sachbezogen Problem-Lösungen in internationaler Solidarität und zum Wohle aller Beteiligten.

Wir sagen JA zu einer Welt in Frieden: in sozialer wie ökologischer Gerechtigkeit!



Quellen:

- Der Einsatz von Uranwaffen (Depleted Uranium) in den Golfkriegen 1991 und 2003, Sachverständigenstellungnahme, Irak-Tribunal, Berlin 19.6.04 von Dr.med. Angelika Claußen, IPPNW,
http://www.ippnw.de

- Freiraum 2, Juli 04,Veröffentlichung Pressehütte Mutlangen,
http://pressehuette.de

- Depleted Uranium: The Trojan Horse of Nuclear War by Leuren Moret, July 7, 2004
http://globalresearch.ca/articles/MOR407A.html



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