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Hiroshima- und Nagasaki-Tag 2004


vom:
16.08.2004


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Samstag, 7. August 2004

Begrüßungsrede zum Festakt zur Benennung des Hiroshima-Nagasaki-Parks am Aachener Weiher in Köln

Karin Fischer

Liebe Friedensfreundinnen und Friedensfreunde,
liebe Mitwirkende, Besucher und Gäste,

ich freue mich, Sie und Euch im Namen des Hiroshima-Nagasaki-Arbeitskreises Köln hier zur Feier der Benennung des Hiroshima-Nagasaki-Parks begrüßen zu dürfen.

Es lag uns sehr am Herzen, diesen Festakt gemeinsam mit unserem langjährigen japanischen Friedensfreund Kazuo Soda zu begehen, und so freuen wir uns ganz besonders, daß er in diesem Jahr wieder nach Köln kommen konnte und heute hier ist. Ein glücklicher Zufall wollte es, daß der Internationale Versöhnungsbund in diesen Tagen in Köln sein 90jähriges Bestehen feiert. Ich möchte dem Versöhnungsbund unser aller Glückwünsche aussprechen und ihm dafür danken, daß er die Parkeinweihung kurzerhand in sein eigenes Programm mit aufgenommen hat, so daß wir diesen Festakt hier gemeinsam begehen können.

Der heutige Festakt hat einen frohen Anlaß - feiern wir doch mit der Parkbenennung einen kleinen Erfolg bürgerschaftlichen Friedensengagements - und einen sehr traurigen Anlaß. Heute, am 7. August vor 59 Jahren gab es die Stadt Hiroshima nicht mehr. Zehntausende von Menschen waren am Vortag mit einem Schlag spurlos vom Antlitz der Erde verschwunden, ausgelöscht von einem Strahlenblitz - heller als tausend Sonnen.

Zehntausende lagen tot oder sterbend in den Trümmern. Zehntausende von Verletzten und zum Teil grauenvoll zugerichteten Menschen irrten auf der Suche nach Hilfe oder Verwandten umher, und viele tausend derer, die aus verschonten Gebieten herbeieilten, um zu helfen, liefen in der atomar verseuchten Mondlandschaft in ihr Verderben. In Hiroshima wußte und erfuhr lange niemand, was wirklich geschehen war. Und die Bürger von Nagasaki ahnten nicht, daß sie drei Tage später das gleiche Schicksal ereilen sollte.

Mehr als eine viertel Million Menschen wurde durch die Atombombenabwürfe am 6. und 9. August 1945 getötet. Noch höher ist die Zahl derer, die seither an den Folgen dieser menschengemachten Katastrophe gestorben sind oder bis heute unter ihnen zu leiden haben.

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Hiroshima- und Nagasaki-Tag 2004
Von all dem legt die Ausstellung "Die Atombombe und der Mensch", die wir vor zwei Stunden im Museum für Ostasiatische Kunst eröffnet haben, ein erschütterndes Zeugnis ab. Wer sich mit dieser Dokumentation des Grauens beschäftigt hat, wird kaum begreifen können, daß keine Lehren daraus gezogen wurden; daß wir heute vielmehr vor einer Situation stehen, in der wieder laut und schamlos über den Einsatz von Atomwaffen nachgedacht wird, in der sogenannte "einsetzbare" nukleare Miniwaffen entwickelt werden und die atomare Bedrohung der Welt solche Ausmaße angenommen hat, daß der oberste Waffenkontrolleur der UNO, Mohammed al-Baradei, sich Anfang dieses Jahres veranlaßt sah zu sagen: "Noch nie war die Gefahr so groß wie heute. Ein Atomkrieg rückt näher ... Ich habe Angst, daß die Erinnerung an Hiroshima und Nagasaki zu verblassen beginnt."

Diesem Vergessen entgegenzuwirken, war und ist das Ziel der Benennung dieses Parks.

Die Initiative dazu wurde vor vier Jahren von Mitgliedern des Kölner Friedensarbeitskreises Pax an! und des Kölner Friedensforums ergriffen, die später zu fünft den Hiroshima- Nagasaki-Arbeitskreis gründeten. Viele der hier Anwesenden werden sich an das Hiroshima-Gedenken 2000 vor dem Kölner Dom erinnern. An jenem 55. Gedenktag kam nicht nur die erwähnte Ausstellung nach Köln - als Schenkung von Kazuo Soda und anderen Bürgern aus Fukuoka. Es wurde - angeregt durch diese Schenkung - auch eine Petition zur Unterstützung eines Antrags an den Rat der Stadt Köln verlesen, daß die Stadt, die seit 1985 Mitglied im "Städtebündnis mit Hiroshima und Nagasaki zur Förderung der Solidarität der Städte mit dem Ziel der vollständigen Abschaffung der Atomwaffen in aller Welt" ist, eine Straße oder einen Platz nach diesen beiden Städten benennen möge.

Viele Besucher des Gedenktags 2000 haben diese Petition unterschrieben. Zu ihren ersten Unterzeichnern gehörte auch Oberbürgermeister Fritz Schramma, dem ich an dieser Stelle für seine Unterstützung danken möchte. Dank sagen möchten wir auch dem Beamten im Liegenschaftsamt, Herrn Buchholz, dessen Engagement wir es zu verdanken haben, daß dieser Park für die Benennung ausgewählt wurde, und der Bezirksversammlung Innenstadt, die der Namensgebung schließlich nicht nur einmütig zugestimmt, sondern auch die Ausrichtung des heutigen Festaktes unterstützt hat.

Durch den heutigen Festakt und durch die vom Grünflächenamt rings um den Park angebrachten Namensschilder, für die wir uns hier ebenfalls bedanken möchten, bekommt der Bezirksbeschluß vom Dezember 2001 endlich öffentlich wahrnehmbare Substanz. Und so wünschen wir uns, daß dieser Park nicht nur ein beliebtes Erholungsgebiet im Herzen Kölns bleiben möge, sondern seinen Besucherinnen und Besuchern jetzt und in Zukunft auch immer wieder Anstoß geben wird, der Atombombenopfer von Hiroshima und Nagasaki zu gedenken, sich mit der Frage der Atomwaffen zu befassen und sich für die weltweite Abschaffung dieser tödlichen Bedrohung zu engagieren.

Diesem Anliegen würden wir gerne noch Nachdruck verleihen: durch einen Gedenkstein, den wir - nach Möglichkeit im kommenden Jahr zum 60. Jahrestag der Atombombenabwürfe - hier im Park aufstellen wollen. Für seine Fertigung haben wir einen japanischen Künstler gewonnen, Herrn Hide Nasu, dessen Entwurf im Museum für Ostasiatische Kunst ausgestellt ist. Wir freuen uns, Herrn Nasu und seine Familie heute ebenfalls unter uns zu wissen, und hoffen, daß viele Menschen helfen werden, dieses Projekt zu finanzieren, damit es bald realisiert werden kann.

Ich will mich im Interesse der nachfolgenden Beiträge kurz fassen, aber nicht versäumen zu erwähnen, daß wir für die heutige Veranstaltung viel Unterstützung von den verschiedensten Seiten erhalten haben: offen sichtbare Unterstützung wie die von den MusikerInnen und anderen Mitwirkenden des heutigen Programms, die die Gedenktage zum Teil schon seit Jahren mitgestalten, sowie weniger offensichtliche, wie etwa Strom und tatkräftige Hilfe vom Japanischen Kulturinstitut, Sonnenschirme von der GEW/Rheinenergie, Zelte, Tische und Bänke von der Kulturkirche, Stühle von "Zug um Zug", Bühnenwagen und Transporthilfe von der Firma Quickline, Musikanlage samt Tontechnikerin Nicky von den Magic Street Voices usw. Nicht zu vergessen die vielen Helferinnen und Helfer, die am Aufbau mitgewirkt haben, das Café Hirsch im Museum, das heute extra bis 22 Uhr geöffnet bleibt, und das Personal des Museums, das uns die ganze Zeit hilfreich zur Seite gestanden hat. Ihnen allen - und ich hoffe, niemanden vergessen zu haben - möchte ich im Namen unseres Arbeitskreises unseren herzlichen Dank aussprechen.

Ich danke Ihnen.
Karin Fischer ist aktiv beim "Hiroshima-Nagasaki-Arbeitskreis Köln".

E-Mail:   k.g.fischer@t-online.de
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