60 Jahre
Hiroshima


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Hiroshima- und Nagasaki-Tag 2005

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Redetext zur "Nacht der 100.000 Kerzen für den Frieden" am 5.8.2005 in Kirchheim/Teck

Sehr geehrte Frau Oberbürgermeisterin,
sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Freundinnen und Freunde,

Klaus Pfisterer (in Kirchheim/Teck)

im Namen der Veranstalter möchte ich alle recht herzlich begrüßen und freue mich, dass sie unserem Aufruf zur "Nacht der 100.000 Kerzen für den Frieden" gefolgt sind. Wir sind heute Abend nicht allein. Weltweit gibt es zahlreiche Veranstaltungen und in mehr als 180 Orten in der Bundesrepublik gedenken Menschen den Opfern der Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki vor 60 Jahren, bei denen mehr als 300.000 Menschen getötet wurden. In der näheren Umgebung gibt es Veranstaltungen in Schwäbisch-Gmünd, Waiblingen, Esslingen, Stuttgart und Sindelfingen, um nur einige Beispiele zu nennen.

Heute vor 60 Jahren waren die drei amerikanischen Bomber vom Typ B-29 unterwegs nach Hiroshima. Mit dem Einsatz der Atombombe sollte die japanische Kapitulation im 2. Weltkrieg beschleunigt und damit viele tausend Menschenleben gerettet werden. Aber was geschah am 6. August 1945 in Hiroshima?

Gegen 8.15 Uhr Ortszeit (0.15 Uhr unserer Zeit) näherte sich ein einzelnes Flugzeug, die "Enola Gay", der japanischen Stadt. Zu diesem Zeitpunkt waren Zehntausende auf dem Weg zur Arbeit, in die Schule oder zum Einkauf. Niemand ahnte zu diesem Zeitpunkt, dass sich in den nächsten Minuten die Welt grundlegend verändern wird. Die Uranbombe "Little Boy" wurde ausgeklingt und keine 60 Sekunden später explodierte sie über Hiroshima. Binnen Sekunden erlosch das Leben von über 140 000 Menschen. Die Temperatur der abgeworfenen Bombe erreichte am Detonationspunkt 60 Millionen Grad. Die Druckwelle der Bombe fegte über die Stadt hinweg, zerstörte Gebäude und ließ die inneren Organe der Menschen in weniger als einem Bruchteil einer Sekunde verschmoren und verdampfen. Die Auswirkungen waren verheerend. So etwas hatte die Welt nie zuvor erlebt. Noch heute sieht man die Schatten verbrannter Menschen in den Steinstufen der Gedenkstätten.

Drei Tage später fiel die zweite Atombombe auf Nagasaki. Die Folgen: 70 000 Menschen starben sofort, große Teile der Stadt waren zerstört und radioaktiv verseucht. In den Folgejahren starben noch einmal mehr als 100.000 Menschen an den Spätfolgen der Atombombenabwürfe.

Ich hatte Anfang der 80er Jahre die Gelegenheit Überlebende der Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki kennen zu lernen. Ich war tief bewegt von diesen "Hibakushas", Atombombenopfern, die über ihre Leiden und Qualen berichteten. Ich war schockiert über die vielen Narben an ihren Körpern, die von den Verbrennungen zeugten. Einiges davon ist in der Plakatausstellung zu sehen, die noch bis zum 26. August 2005 im Rathaus zu sehen ist. Alle diese Eindrücke festigten meine Überzeugung, dass sich Hiroshima niemals wiederholen darf. Atomwaffen töten nicht nur im Krieg, sondern auch dann, wenn er schon lange beendet ist. Die radioaktive Strahlung dringt in die Körper ein und zerstört sie langsam von innen heraus. Auch heute noch leiden Menschen in Hiroshima und Nagasaki an den Spätfolgen. Deshalb werden für mich Hiroshima und Nagasaki immer ein Mahnmal sein, sich gegen jegliche Art von Krieg und Kriegsvorbereitung einzusetzen.

Auch 60 Jahre nach Hiroshima und Nagasaki gibt es keinen Grund zur nuklearen Entwarnung. 30.000 Atomwaffen sind nach wie vor weltweit stationiert, knapp 7.000 werden in ständiger Alarmbereitschaft gehalten, davon 150 in Deutschland in Ramstein und Büchel. Die US-Streitkräfte arbeiten an der Entwicklung neuer Atomwaffen, den sog. "Mini-Nukes". Die Zahl der Staaten, die über atomwaffenfähiges Material verfügen, steigt weiter an.

Die Gefahr eines atomaren Krieges ist heute größer als je zuvor und daher ist es unser Bestreben, die Vision einer atomwaffenfreien Welt, einer abgerüsteten Welt in die Öffentlichkeit zu tragen.

Für mich kann es daher nur heißen: Nie wieder Hiroshima. Frieden schaffen, ohne Waffen!.



E-Mail: pfisterer@webstueck.de

Website: www.dfg-vk.de
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