Hiroshima-/Nagasakitag 2006


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Hiroshima-/Nagasakitag 2006

 Reden/Berichte/Kundgebungsbeiträge

Kundgebungsbeitrag für Hiroshimagedenkveranstaltung auf dem Wiener Stefansplatz, 06.08.06

Hiroshima-Gedenken im Jahr 2006

Ernst Schwarcz

61 Jahre sind vergangen, seit die Zündung der ersten Atombombe über der japanischen Stadt Hiroshima 300.000 Menschen in den Tod gerissen und viele weitere Tausende zu lebenslangen Krüppeln gemacht hat. Man sollte denken, dass dieses Ereignis für alle Zukunft neue Atomkriege unmöglich gemacht hat. Die Tatsachen sind aber anders. So haben die Gründungsstaaten des Atomsperrvertrages im Nichtweiterverbreitungsvertrag 1968 die weltweite Eliminierung aller Atomwaffen beschlossen. Dennoch haben die fünf damals unterzeichnenden Kernwaffenmächte zusammen mit Indien, Israel, Nordkorea und Pakistan bis heute mehr als 13.000 sofort einsatz-bereite Atomwaffen hergestellt. Wenn man die nicht sofort einsatzbereiten Atomwaffen hinzu-rechnet, ergibt sich heute weltweit eine Gesamtzahl von 27.600 Atomsprengköpfen. Diese Zahl würde bestimmt ausreichen, die ganze Menschheit mehrfach zu vernichten.

Die Mehrheit der Menschen ist sich dessen bewusst, dass es weltweit viele Atomwaffen gibt und dass diese eine Gefahr für unser aller Leben darstellen. Sie leben aber im blinden Glauben, dass die Staatsmänner klug genug sind, in kommenden Kriegen niemals wieder Atomwaffen einzu-setzen. Nur die wenigsten wissen (oder erinnern sich daran), dass im Jahr 1956 ein Atomkrieg um ein Haar hätte ausbrechen können. In der damaligen Suezkrise wollten England, Frankreich und Israel den Suezkanal erobern. Die Kriegshandlungen hatten schon begonnen, als die Sowjetunion drohte, in die Kämpfe auf Seiten Ägyptens einzugreifen, wenn die Kriegshandlungen nicht sofort aufhören. Und die Kriegshandlungen haben wegen der Angst vor einem russischen Atom-waffeneinsatz sofort aufgehört! - Die zweite weltpolitische Krise, in der ein Atomkrieg hätte ausbrechen können, ereignete sich im Oktober 1962. Damals hatte die Sowjetunion auf Kuba Atomraketen stationiert, die auf die USA ausgerichtet waren. Der amerikanische Präsident Kennedy drohte mit einem Atomkrieg, falls diese Atomwaffen nicht sofort abgezogen würden. Nicht zuletzt durch das Eingreifen von Papst Johannes XXIII. wurde der Konflikt damals friedlich beigelegt.

Diese beiden Beispiele beziehen sich auf zwei politische Situationen, in denen sehr leicht ein Atomkrieg hätte ausbrechen können. Dann gab es aber noch unzählige Situationen, in denen ein Atomkrieg durch ein bloßes Missverständnis möglich gewesen wäre. Diese Situationen sind nur wenigen Eingeweihten bekannt. Einige davon habe ich in meinem Buch ZEITENWENDE beschrieben. ? Hier sei aber auch ganz deutlich gesagt, dass fast jeder Krieg, der heute in der Welt ausbricht, die mögliche Gefahr eines Atomkrieges beinhaltet. Gerade die politischen Ereignisse im Nahen Osten seit dem 12. Juli zeigen sehr deutlich, dass aus relativ "geringfügigen Ursachen" wie der Geiselnahme von drei israelischen Soldaten ein schwerer kriegerischer Konflikt entstanden ist. Und es besteht die Gefahr, dass er die gesamte Region erfasst.

Was wir dringendst brauchen ist eine umfassende Bewegung für Abrüstung bei Kernwaffen und für Abrüstung im Allgemeinen, ähnlich den Ostermärschen vor dreißig bis vierzig Jahren. Damals haben Hunderttausende in allen Teilen Europas gegen den Wahnsinn eines damals - am Höhepunkt des Kalten Krieges - jederzeit möglichen Einsatzes von Atomwaffen protestiert. Die Bevölkerung ganz Europas war alarmiert. Heute leben die meisten Menschen in einem Dämmer-zustand laufender Verdummung durch die sogenannte "Spaßgesellschaft" und politischer Des-orientierung wegen der oberflächlichen Berichterstattung vieler Medien.

Ich rufe alle Zuhörer dazu auf,
Friedensativ zu werden

Prof. Dr. Ernst Schwarcz lebt in Wien und ist aktiv beim Internationalen Versöhnungsbund, Österreichischer Zweig

E-Mail: ernst.schwarcz@chello.at

Website: www.versoehnungsbund.at
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