Hiroshima-/Nagasakitag 2006


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Hiroshima-/Nagasakitag 2006

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Hiroshimatag 5. August

Guten Tag,

Herbert Richter-Peill

Dr. Herbert Richter-Peill, IPPNW-Hamburg

ich bin Herbert Richter-Peill, Mitglied der IPPNW, der Internationalen Ärztevereinigung gegen die atomare Bedrohung. Wir sind die Atomärzte, die seit den 80er Jahren versuchen, die Bevölkerung über die todbringenden Gefahren der militärischen und zivilen Atomenergienutzung aufzuklären.

Aus aktuellem Anlass einige Worte zum atomaren Beinahe Super-GAU in Schweden.

Im schwedischen Atomkraftwerk Forsmark-1 ist es am 26. Juli 2006 beinahe zu einem Super-GAU gekommen. Nach den bislang vorliegenden Informationen führte ein Lichtbogen und ein Kurzschluss außerhalb des Atomkraftwerks dazu, dass es zu einer Trennung des Kraftwerks vom Stromnetz kam. Danach versagte zusätzlich die Stromversorgung des Atomkraftwerks durch den kraftwerkseigenen Generator. Damit war der gefürchtete "Notstromfall" gegeben, so dass die Stromversorgung der wichtigsten Sicherheitssysteme durch die Notstromdiesel-Aggregate gewährleistet werden musste.

Lars-Olov Höglund, der als langjähriger Chef der Konstruktionsabteilung des schwedischen Vattenfall- Konzerns für deren Atomkraftwerk in Forsmark zuständig war und den Reaktor gut kennt sagte gegenüber der "tageszeitung": "Es war ein reiner Zufall, dass es zu keiner Kernschmelze kam." Wäre der Reaktor nur sieben Minuten länger nicht unter Kontrolle gewesen, wäre die Katastrophe laut Höglund nicht mehr aufzuhalten gewesen. Nach Tschernobyl und Harrisburg reiht sich jetzt Forsmark in das Schreckenskabinett der Atomindustrie ein.

Die IPPNW fordert das Bundesumweltministerium vor diesem Hintergrund dazu auf, die deutschen Atomkraftwerke vorsorglich abzuschalten und die Öffentlichkeit uneingeschränkt und umfassend über den Vorfall in Schweden zu informieren. Die bisherigen "dürren" Pressemitteilungen des Ministeriums waren nach Auffassung der IPPNW mehr "Desinformation" als "Information".Technisches Versagen, menschliches Versagen.

Sicher vor solchen Wahnsinnstechniken sind wir erst, wenn Atomkraftwerke der Geschichte angehören. Bis dahin gnade uns Gott, denn wir Ärzte können Euch und uns bei einem Super-GAU nicht helfen. Wussten Sie, dass in Deutschland seit Jahren in großem Stil die Urananreicherung praktiziert wird?

In Gronau nahe der holländischen Grenze steht eine der weltweit größten Urananreicherungsanlagen der Welt. Dort wird Uran zu Reaktorbrennstoff angereichert, was dem Iran untersagt werden soll. Die Anreicherung zu waffenfähigem Uran wäre auch in Gronau bei bekannten und machbaren technischen Veränderungen möglich. Man vertraut uns.

Wir sind eben die Guten, die da im Iran die Bösen.

Der Nonproliferationsvertrag der Atomwaffen NPT sieht aber nicht nur den Verzicht der atomaren Habenichtse auf Atombomben vor, er verpflichtet im gleichen Maße die Atommächte zur atomaren Abrüstung.

Ich zitiere Mohamed El Baradei " Leiter der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEO) und Friedensnobelpreisträger 2005 (aus einem Interview im Stern, 26. August 2003): iHier wird mit zweierlei Maß gemessen. Die US-Regierung verlangt von anderen Staaten, keine Atomwaffen zu besitzen. Andererseits perfektioniert man das eigene Arsenal. Ich glaube, es entspricht nicht dem Vertrag, den sie unterzeichnet haben."

Und noch mal El Baradei: iNoch nie war die Gefahr größer als heute/ Wenn die Welt ihren Kurs nicht ändert, riskieren wir die Selbstzerstörung. Wir brauchen dringend einen Fahrplan für die Abrüstung von Atomwaffen. Wir dürfen nicht länger dem Irrglauben anhängen, dass das Streben nach Atomwaffen bei einigen Ländern moralisch verwerflich ist, während wir bei anderen moralisch akzeptieren, dass sie für ihre Sicherheit auf Atomwaffen bauen,. Es gilt ein Klima zu schaffen, in dem iAtomwaffen so wie Sklaverei oder Völkermord als Tabu und historische Anomalie gelten,. Und der Internationale Gerichtshof in Den Haag 1996: iEs besteht eine völkerrechtliche Verpflichtung, in redlicher Absicht Verhandlungen zu führen und zum Abschluss zu bringen, die zu nuklearer Abrüstung in allen ihren Aspekten unter strikter und wirksamer internationaler Kontrolle führen., Die große Mehrheit der Menschen und Nationen auf dieser Erde wollen Atombomben für immer abgeschafft haben. Es ist technisch machbar, diese teuren, ruchlosen und absurd gefährlichen Waffen bis zum Jahr 2020 abzuschaffen. Alles was es braucht ist politischer Wille - und wir sind die Mehrheit.

IPPNW-Hamburg versucht in den letzten Jahren - auch mit Unterstützung durch die GAL - Hamburgs Bürgermeister Ole von Beust dazu zu bewegen, der Internationalen Bürgermeisterbewegung "Mayors for Peace" beizutreten, was von unserem Bürgermeister weiterhin kategorisch und barsch abgelehnt wird.

Hannovers Oberbürgermeister Schmalstieg ist Vizepräsident dieser iWeltkonferenz der Bürgermeister für den Frieden,, auch Münchens Oberbürgermeister.

Die "Mayors for Peace" haben sich zum Ziel gesetzt, auf eine vollständige weltweite atomare Abrüstung hinzuarbeiten. Von Atomwaffen geht noch immer eine akute Gefahr für die Bevölkerung der Welt aus, insbesondere für die Menschen in Städten, die im Falle eines Einsatzes von nuklearen Waffen ein wahrscheinliches Ziel darstellen würden. Deswegen hat der damalige Bürgermeister der Stadt Hiroshima im Jahr 1982 vor den Vereinten Nationen ein Programm ins Leben gerufen, das die Städte aus allen Ländern der Erde aufruft, sich an Initiativen zur Abwendung der

Gefahr durch Atomwaffen zu beteiligen. Die hieraus entstandene Initiative iMayors for Peace, setzt sich im Wesentlichen dafür ein, einen klaren Zeitplan für eine tatsächliche weltweite Abrüstung von Atomwaffen durchzusetzen.iMayors for Peace, fordert und setzt sich für eine atomwaffenfreie Welt bis 2020 ein.

An Herrn von Beust: Wenn Sie schon nicht iMayor for Peace, sein möchten, dann ermöglichen Sie in Hamburg die Benennung eines würdigen Platzes in Hiroshimaplatz. In Potsdam ist zum Gedenken an die Atomkatatsrophe von Hiroshima ein Platz jetzt in Hiroshimaplatz umbenannt worden. In der Nähe dieses Hiroshimaplatzes steht die sogenannte Truman-Villa, in der US- Präsident Truman Ende Juli 1945 von deutschem Boden aus den Befehl zum Atombombenabwurf auf Hiroshima und Nagasaki gab.

Und nun unser Anliegen am heutigen Hiroshima-Tag Atomwaffen abschaffen! Bei uns anfangen! Atomwaffenverzicht ins Grundgesetz!

Noch immer halten die USA in Ramstein in Deutschland circa 150 B61-11 Atombomben bereit, jede davon mit der 5fachen Sprengkraft der Hiroshima- Bombe ausgestattet, die vor genau 60 Jahren mehr als 200 000 Menschen in Hiroshima und Nagasaki sofort getötet, viele tausend andere schwer chronisch geschädigt hat.

Auf deutschen Boden lagert die atomare Vernichtungskraft von circa 750 Atombomben des Hiroshimatyps.

Deutschland hat atomar nichts abzurüsten. Da sind wir dankbar, dass Adenauer, Strauss und Gefolgsleute sich in den 50er Jahren nicht durchsetzen konnten. Aber: Wir müssen unsere Regierung unter Druck setzen, die in Rammstein lagernden Atombomben zu entsorgen, und die Bundesregierung soll die USA auffordern, die Atombomben raus aus Deutschland zu schaffen.

Für unseren Verteidigungsminister Jung bleiben die Atomwaffen der NATO-Partner auch in Zukunft von strategischer Bedeutung. So steht es im Weißbuch der Bundeswehr, das im Herbst im Bundeskabinett verhandelt wird. Dort wird auch verhandelt, werden ein präventives militärisches Eingreifen auf völkerrechtlich abgesicherte Grundlage zu stellen. Das entspricht ganz der iBush-Doktrin,, die modernisierte Atomwaffen als normalen Teil zukünftiger Kriegsführung sieht.

Eine jetzt zum Hiroshima-Tag gestartete IPPNW Kampagne fordert Bundeskanzlerin Merkel auf, das Ausscheren aus der Nuklearstrategie der NATO und den Abzugs aller Atomwaffen von deutschem Boden zur Grundlage deutscher Sicherheitspolitik zu machen. Dies würde ein weltweit vernehmliches Zeichen für die atomare Abrüstung setzen.

Im Herbst wird sich das Bundeskabinett mit dem neuen Weißbuch der Bundeswehr befassen, in dem die nukleare NATO Strategie bedingungslos übernommen wird, im Hintergrund dabei auch die Option auf atomare Erst- und Präventionsbombardierung, wie sie in den USA laut angedacht werden. Und zwar Atombomben nicht nur gegen Staaten, sondern auch gegen Terroristen, wie immer das geschehen soll.

Frau Merkel, stämmen Sie sich gegen diese nukleare NATO-Strategie, verweigern sie die atomare Gefolgschaft.

Flyer und Postkarten zu dieser Kampagne iAbzug aller Atomwaffen aus Deutschland, habe ich mitgebracht und verteile sie nachher gerne.

Frau Merkel, machen sie Deutschland atomwaffenfrei und schreiben sie endgültig den Atomwaffenverzicht ins Grundgesetz.

Auch wenn wir enttäuscht sind, dass die atomare Abrüstung nicht weiterkommt, halten wir es eben mit Hiroshimas Bürgermeister Akiba, der nach einer gescheiterten Abrüstungskonferenz sagte:

Enttäuschung ist nicht Mutlosigkeit!

Fordern wir weiter:

Atomwaffen abschaffen! Bei uns anfangen! Atomwaffenverzicht ins Grundgesetz!

Herzlichen Dank für`s Zuhören.



Herbert Richter-Peill ist aktiv bei der IPPNW Regionalgruppe Hamburg.

E-Mail: h.richter-peill@gmx.de

Website: www.ippnw-hamburg.de
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