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Hiroshima-/Nagasakitag 2007

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Redebeitrag zum Hiroshima-Tag des Friedensbündnis München am 6.8.2007

Was geschah damals?

Gerta Stählin (in München)

Die Hintergründe des Atombomben-Abwurfes am 6.8.1945 waren kurz gefasst folgende:

1941: Unter dem Eindruck der deutschen Besetzung von Ländern in ganz Europa und den militärtechnischen Fortschritten bei ferngelenkten Raketen - VI und V2 trafen von der französischen Küste aus Groß Britannien! - drängte Albert Einstein den US-amerikanischen Präsidenten Roosevelt zum forcierten Bau der amerikanischen Atombombe. Eine Reihe von europäischen Atomforschern, die vor den Nazis geflohen waren, wie Niels Bohr aus Dänemark, Leo Szilard aus Ungarn, Enrico Fermi aus Italien, arbeiteten mit amerikanischen Wissenschaftlern wie Edward Teller zusammen.

Die Planung des Massenmordes wurde gerechtfertigt mit der Selbstverteidigung gegen Hitlers Weltkrieg und den Massenmorden an Juden und anderen Menschengruppen. Wir Menschen in Deutschland hatten das Glück, dass die Kapitulation am 8. Mai 1945 für uns den Krieg früher beendete, als die amerikanische Atombombe einsatzbereit war.

Am 16. Juli 1945 wurde der 1.Atombombenversuch bei Los Alamos in New Mexiko/USA gestartet. Drei Monate nach Deutschlands Kapitulation - der Krieg gegen Japan war praktisch entschieden und stand kurz vor seinem Ende - warf das US-amerikanische Militär sozusagen in letzter Minute zwei Atombomben auf ein besiegtes Land. Als Verteidigungsmaßnahme waren diese Bomben nicht mehr nötig. Sie waren ein Bomben-Test und eine Machtdemonstration, gerichtet an die ganze Welt, vor allem an die UdSSR: Seht her, wir haben eine Waffe, gegen die ihr machtlos seid!

Der Abwurf der Atombombe auf Hiroshima am 6.8.1945 und dann der Abwurf auf Nagasaki 3 Tage später - das waren brutale, menschenverachtende Taten. Sie richteten sich nicht gegen militärische Einrichtungen, sondern gegen die Bevölkerung - es waren Verbrechen.

Das Inferno, in dem sich die ahnungslosen Bewohner der Stadt Hiroshima innerhalb von Sekunden befanden, ist noch heute unvorstellbar: Nach der ungeheuren Explosion erhitzte ein Feuersturm die Straßen - der Asphalt brannte, Eisen und Glas schmolz, mindestens 150.000 Menschen starben sofort. Tausende versuchten zu fliehen. 110. 000 starben innerhalb weniger Wochen an Verbrennungen und an atomarer Verstrahlung.

Bis heute zählen die Opferverbände in Japan jedes Jahr weitere 2.500 Tote. Die Überlebenden und ihre Nachkommen leiden bis heute unter den Spätfolgen der Katastrophe.

Ich bitte euch, mit 2 Schweigeminuten an die Toten und die Überlebenden von Hiroshima zu denken.

Bis 1945 konnten die Folgen eines Atomwaffen-Angriffs unterschätzt werden.

Hiroshima hat vielen Menschen die Augen geöffnet. Einer der frühen und drängenden Warner war Albert-Einstein: 1947 schickte er eine Botschaft an den "Weltkongress geistiger Arbeiter", in dem es heißt:

"Unsere heutige Lage läßt sich mit nichts in der Vergangenheit vergleichen. Es ist daher nicht möglich, Methoden und Maßnahmen anzuwenden, die sich früher einmal als ausreichend erwiesen haben mögen. Wir müssen unser Denken und Handeln revolutionieren, und wir müssen den Mut haben, die gegenseitigen Beziehungen der Völker dieser Erde zu revolutionieren."

Dieser Appell verhallte ungehört. Die USA hielten an ihrer Abschreckungsdoktrin fest. Der US-militärische Oberbefehlshaber hat 1954 den japanischen Ärzten und Wissenschaftlern jede Veröffentlichung ihrer Erkenntnisse über Atombomben-Folgen verboten. Filme, Fotos und Berichte wurden verboten, Augenzeugenberichte unterdrückt.

Die Berichte haben uns dennoch erreicht.

Die Tatsachen erreichen uns nur wirklich, wenn wir bereit sind, sie aufzunehmen. Wenn wir hinsehen. Wenn wir uns nicht durch Gleichgültigkeit schützen, sondern uns dem Schrecklichen aussetzen. Dann ist die Konsequenz, zu fordern:

Atomare und andere Massenvernichtungsmittel gehören abgeschafft!

Die Realität sieht anders aus - nur 2 Beispiele:



1.Das geplante US-amerikanische Projekt eines Raketen-Schutzschildes bringt keinen Schutzschild, sondern ein Kontrollsystem, das der wahnhaften Vorstellung von totaler Sicherheit und Unverletzbarkeit entspringt Dieses Vorhaben der Amerikaner provoziert das weltweite Wettrüsten, vor allem die atomare Aufrüstung. Die Kriegsgefahr rund um den Globus nimmt zu.



2.Deutschland ist beteiligt am EADS-Konzern, aus dessen Produktion vor wenigen Wochen in Frankreich eine neue sogenannte "strategische Interkontinentalrakete" getestet wurde. Mit dieser Rakete sollen Atom-U-Boote ausgerüstet werden. Sie hat eine Reichweite von 8.000 Kilometern. 8.000 Kilometer von einem U-Boot aus.


Ich frage euch: Kann man eine Zukunft planen, denken, für sie arbeiten und viel Geld investieren, die man gleichzeitig verhindern will? Die Entwicklung und Vorrathaltung von Atomwaffen ist nicht, Schutz gegen etwas, was hoffentlich nie eintritt. Diese atomare Aufrüstung ist Vorbereitung auf Krieg, auf organisierte Massenvernichtung.

Solche menschenverachtenden Vorhaben sollten nach der Katastrophe von Hiroshima für immer unmöglich sein.

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