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20.04.2003


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  Reden/Kundgebungsbeiträge

Rede am Ostermontag, vor der Lorenzkirche Nürnberg, 15 Uhr, 21.04.03

Erich Hannak

Liebe Freundinnen und Freunde des Friedens

Ich komme aus Grafenwöhr. Die Stadt ist bekannt durch den größten Truppenübungsplatz der US-Armee außerhalb der Vereinigten Staaten. Mehr als ein halbes Jahrhundert nach dem zweiten Weltkrieg steht dieser Platz immer noch unter US-amerikanischer Verwaltung.

Warum habe ich gegen den Irak-Krieg gekämpft, warum stehe ich hier?

  Ich bin 1936 geboren. Die letzten Jahre des 2. Weltkriegs habe ich im Sudentenland bewusst erlebt. Ich habe die Bomberketten nach Dresden fliegen und Stunden später die verkohlten Papierfetzen vom Himmel regnen sehen. Noch immer habe ich die Flüchtlingstrecks vor Augen, die bei uns vorbeigezogen sind und ich erinnere mich an unsere eigene Flucht. Meine Familie hat wie Millionen Heimatvertriebene durch den Krieg alles verloren und doch waren wir glücklich, dass wir wenigstens überlebt haben.

  Ich konnte das nicht vergessen und deswegen habe ich, so wie Ihr und unzählige andere demonstriert, als der Angriffskrieg gegen den Irak vorbereitet wurde. Ich habe mich in Grafenwöhr zu Wort gemeldet, wo meine Familie seit 1949 lebt; denn auf diesem großen NATO-Truppenübungsplatz hat die US-Armee diesen Krieg geübt. "Siegesgerangel" nannten sie das Manöver. Die US-Armee verlangte und erhielt dafür die Erlaubnis 24 Stunden am Tag zu schießen. Sie haben wirklich rund um die Uhr aus allen Rohren geschossen und dann zogen sie in den Irak, um dort den Krieg zu beginnen.

"Wer wahrt denn die Menschenrechte, wenn nicht die US-Armee" ?

* Wegen der Verletzung des Grundgesetzes wurde Anzeige erstattet. Der Pressesprecher der US-Armee in Grafenwöhr hat bei der Auseinandersetzung darum als Begründung für den drohenden Irakkrieg folgendes ausgeführt: "Es geht auch darum, dass Menschen im Irak unzensierte TV-Sendungen empfangen können oder dass Kindern der Besuch von Schulen ermöglicht wird. ... Wer wahrt denn die Menschenrechte - wenn nicht die Nato oder die US-army?" (Zitat G. Tannhäuser)

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  In einem Leserbrief habe ich daraufhin die Frage gestellt: "Ob die Menschen im Irak für das unzensierte Fernsehen dankbar sein werden, nachdem die Bomben auf ihre Köpfe gefallen und ihre Häuser zerstört sind; wenn ihre Väter und Söhne, die als Soldaten kämpfen mussten - auch wenn sie Gegner von Saddam Hussein waren - zu Krüppeln geschossen oder tot sind?"

  "Wenn Demokratie so verteidigt und verbreitet wird - habe ich weiter geschrieben - welchen Wert hat sie dann? Terrorismus wird nur ausgetrocknet, wenn man das schreiende Unrecht auf der Erde bekämpft. Die Milliarden Dollar, für den Krieg bereitgestellt, würden mehr für die Demokratie bringen, wenn man sie ausgibt, um die Menschen in der 3. Welt mit sauberem Wasser und Medizin zu versorgen und um zu verhindern, dass Kinder irgendwo auf unserer Erde verhungern müssen".

  Jetzt ist dieser Krieg weitgehend vorbei. Aber der Friede ist weit weg. Die schlimmen Befürchtungen haben sich bewahrheitet. Saddam Hussein und seine Führungsriege sind nicht gefasst. Franz Alt schreibt: (Publik Forum Nr.8) "Der dritte Golfkrieg hat tausenden Menschen das Leben gekostet, Zehntausende körperlich verstümmelt und Millionen psychisch traumatisiert.. Die entscheidende moralische Frage an George W. Bush heißt: Herr Präsident, wie viele Menschen darf man töten, um einen Diktator zu beseitigen?" Schon bedrohen die USA Syrien, das wohl als nächster der sogenannten "Schurkenstaaten" an der Reihe ist, wenn es sich nicht unterwirft.

Erweiterung des Trübungsplatzes ?

  Grafenwöhr lebt vom Truppenübungsplatz. Es ist der größte Übungsplatz der US-Armee außerhalb der Vereinigten Staaten. Wenn die Bundeswehr dort übt, muss sie für die Nutzung zahlen. Etwa 700 Grafenwöhrer haben da Ihren Arbeitsplatz. Jetzt sollen zusätzliche Soldaten mit ihren Familienangehörigen kommen. Das bedeutet: In Grafenwöhr schreitet die Militarisierung weiter fort. Und der Ort wird noch abhängiger vom Truppenübungsplatz. Ob es zusätzliche Arbeitsplätze gibt ist mehr als fraglich.

  Ohne Beachtung des geltenden deutschen Rechtes d.h. ohne Umweltverträglichkeitsprüfung wird im Truppenübungsplatz auf 80 ha gebaut und erweitert. 55 ha Wald werden gerodet. Zu den bisherigen 4.800 Soldaten sollen weitere 3.400 und deren 5.000 Familienangehörige kommen. Grafenwöhr hat 7.000 Einwohner. Nach den Plänen werden dann bei uns zwischen 13.000 und 14.000 US-Soldaten und Familienangehörige sein. D.h. auf einen Deutschen kommen ca. zwei Amerikaner. Eine komplette "Neue Stadt" soll 3 km von unserer Stadtgrenze entfernt für sie entstehen, mit kaum zu vertretenden Konsequenzen für die Infrastruktu
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Was hat sich geändert, seit dem Kalten Krieg?

  Die US-Armee ist seit dem Ende des 2.Weltkrieges in Grafenwöhr. Dem Truppenübungsplatz, mit all seinen Belastungen konnte man zur Zeit des Kalten Krieges zustimmen, obwohl auch da schon die Belastungen durch Schießlärm und Verkehr kaum erträglich waren.

  Nach dem Fall des Eisernen Vorhangs wurde bei uns die Chance versäumt, aus dem Übungsplatz etwas anderes zu machen. Eine Konversion wollte fast niemand, in der Überzeugung, dass die Zahl der Arbeitsplätze für Deutsche allenfalls höher, aber nie geringer werden könnte. Es ist anders gekommen: Heute gibt es nur mehr die Hälfte deutscher Arbeitnehmer
.

Vorbereitung für Angriffskriege?

  Es waren die entsetzlichen Erfahrungen aus zwei Weltkriegen, die dazu geführt haben, dass im deutschen Grundgesetz Artikel 26 verankert wurde: "Handlungen, die geeignet sind ... insbesondere die Führung eines Angriffskrieges vorzubereiten, sind verfassungswidrig. Sie sind unter Strafe zu stellen".

  Nun, nach dem Irak-Krieg stehen wir vor der Frage, wie ernst unsere Politiker das Grundgesetz nehmen. Es ging bei diesem Krieg ja nicht um Verteidigung unseres Landes wie zur Zeit des "Kalten Krieges". Die US Administration unter W. Bush hält Präventivkriege für gerechtfertigt, Der Angriffskrieg gegen den Irak ist in Grafenwöhr vorbereitet und geübt worden. Das war ein eindeutiger Verstoß gegen unser Grundgesetz.

  Weitere Kriege werden folgen, muss man fürchten. Schon gibt es massive Drohungen gegen Syrien. Und die Zahl der sog. "Schurkenstaaten" ist groß.

Deshalb unsere Forderungen:

 Pfarrer Bayer hat in einer Predigt gesagt: "Wir brauchen keine Präventivkriege sondern Kriegsprävention. Nur so werden die uralten Teufelskreise von Gewalt und Gegengewalt, von Demütigung und Rache durchbrochen". Entsprechend der Bergpredigt gilt: "Die Zukunft gehört den Friedfertigen" Das ist vor langer Zeit gesprochen. Doch es klingt als wäre es gerade uns gesagt.

 Für mich bedeutet das: Für Präventivkriege darf die US-Armee nicht auf dem Truppenübungsplatz Grafenwöhr üben. Um das sicher zu stellen, gehört die Verwaltung des Platzes in deutsche Hand.

 Keine weitere Militarisierung unseres Raumes! Deshalb muss eine Erweiterung und Perfektionierung des Truppenübungsplatzes und eine Verstärkung der US-Präsenz bei uns verhindert werden.

 In Grafenwöhr Angriffskriege zu üben und vom Nürnberger Flughafen aus in das Kriegsziel zu fliegen, das darf nicht sein. Mit Euch und vielen anderen will ich dagegen kämpfen. Wer jetzt zur Tagesordnung übergeht, kapituliert vor dem nächsten Krieg!


Internet: http://home.t-online.de/home/rainer.knoll/zub.htm
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