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Erstellt:
26.05.1998


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 Atomwaffen
 abschaffen!


zu: Zeitung Atomwaffen abschaffen! - Inhalt

Die Kernwaffenarsenale

Wolfgang Liebert und Martin Kalinowski

Der Höchststand der Kernwaffenarsenale war 1986 mit fast 70.000 Kernwaffen weltweit zu verzeichnen. Heute sind immer noch mindestens 45.000 Atomsprengköpfe gelagert, deren Sprengkraft mehr als einer Million Hiroshimabomben entspricht.

Ein Teil davon ist nicht mehr aktiver Bestandteil der Nuklearstreitkräfte, sondern wird als sogenannte strategische Reserve gezählt oder ist bereits für die Demontage bestimmt, die allerdings nur langsam vonstatten geht (nur etwa jeweils 1500 bis 2500 Sprengköpfe jährlich können in den USA und Rußland in den alten Waffenfabriken demontiert werden).

Die aktiven Kernwaffenarsenale enthalten in den USA zur Zeit etwa 9.200 Sprengköpfe und in der ehemaligen Sowjetunion (Rußland, Ukraine, Kasachstan, Weißrußland) etwa 11.000 bis 12.000 Sprengköpfe. Die für das Jahr 2003 ins Auge gefaßten Abrüstungsschritte würden in den USA und Rußland noch schätzungsweise 4450 bzw. 6250 Atomwaffen belassen (zuzüglich einer inaktiven,Reserve` von 4000 bzw. 5000 Sprengköpfen). Die Arsenale der kleineren Atommächte Frankreich, China und Großbritannien enthalten etwa 520, 430 bzw. 200 Sprengköpfe. Hier gibt es bislang keine Schritte zur Abrüstung, im Gegenteil: diese Arsenale befinden sich im Modernisierungsprozeß.

Neben den fünf etablierten Kernwaffenstaaten gibt es eine Reihe von de-facto Atommächten, von denen angenommen wird, daß sie jederzeit Kernwaffen produzieren könnten oder sie bereits hergestellt haben, da sie über die notwendigen Technologien, das Know-how und insbesondere die entsprechenden Mengen spaltbaren Materials verfügen. Obwohl bislang nie öffentlich zugegeben, könnte Indien bereits 40-60, Israel 100-200 und Pakistan 10-20 Atomwaffen besitzen. Die Gesamtzahl der stationierten Atomsprengköpfe liegt also oberhalb von 22.000. Die Sprengkraft entspricht mehr als einer halben Million Hiroshimabomben.

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Zeitung Atomwaffen abschaffen! - Inhalt
In Südafrika wurden seit den siebziger Jahren Atombomben produziert, wie vor einigen Jahren zugegeben wurde. Inzwischen hat Südafrika auf seinen niemals öffentlichen Atomwaffenstatus verzichtet; sechs Atomwaffen wurden wieder demontiert. Andere Länder haben in der Vergangenheit nachweislich Kernwaffenprogramme durchgeführt, die allerdings zum Glück nicht zum Erfolg geführt haben. Dazu zählen Schweden, Brasilien und Irak. Eine weitere Gruppe von Ländern, die den Nichtverbreitungsvertrag für Kernwaffen (NVV) unterschrieben haben, standen oder stehen immer wieder im Verdacht, neben ihren zivilen Atomprogrammen auch militärische Ambitionen zu verfolgen. Dazu zählen Nordkorea, Libyen, Iran und Taiwan. Die Safeguards (Sicherungsmaßnahmen) der Internationalen Atomenergieorganisation IAEO scheinen keine vollständige Gewähr dafür liefern zu können, daß diese Staaten nicht doch heimlich Atomwaffen entwickeln. Im Falle des NVV-Mitglieds Irak gab es erst endgültige Klarheit durch die von den Vereinten Nationen durchgeführten Inspektionen nach Ende des Golfkrieges.

Die Gefahr der Weiterverbreitung von Atomwaffen wird verstärkt durch die Tatsache, daß bestimmte Technologien, die innerhalb ziviler Atomprogramme genutzt werden, den Zugriff auf waffenfähige, spaltbare Nuklearmaterialien ermöglichen. Dieser Zugriff auf Bombenmaterial, Plutonium oder hochangereichertes Uran, ist der Schlüssel zu möglichen Atombombenprogrammen. Etwa 20 Länder haben inzwischen Zugang zu den sensitivsten Kerntechnologien, vor allem Urananreicherung und Wiederaufarbeitung von Brennelementen zur Plutoniumabtrennung aus dem radioaktiven Abfall. Die Liste der Länder, die prinzipiell atomwaffenfähig wären, wird daher immer länger. Neben den bislang bereits genannten Staaten müssen hier auch Argentinien, Japan, Kanada, Deutschland, Belgien, Niederlande, Spanien und Italien genannt werden.

Mitarbeiter der interdisziplinären Arbeitsgruppe Naturwissenschaft, Technik und Sicherheit (IANUS) an der TH Darmstadt




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