Antikriegs-
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01.09.2000


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Antikriegstag 2000 - Inhalt

 Presse zum Antikriegstag

Pressesplitter 1.09.2000

Presse:

"Gegen Krieg und Gewalt", aus: Sindelfinger/Böblinger Zeitung

"Antikriegstag: Gewerkschaft lädt zur Gedenkfeier ein", aus: Sindelfinger/Böblinger Zeitung

"DGB fordert Zivilcourage, aus: Südwestpresse

"Ein Armeemuseum gegen den Krieg, aus: Augsburger Allgemeine

"DGB-Kreisvorsitzender Gloning: Plädoyer gegen Gewalt", aus: Augsburger Allgemeine

"Ein Preis für Streiter ohne Lobby", aus: Die Welt

"Opfer einer Inszenierung", aus: taz

"Fremdwort Friedenserziehung" aus: Frankfurter Rundschau

"DGB fordert am Antikriegstag zu mehr Zivilcourage auf", aus: Frankfurter Rundschau

"Eine Erklärung zum Antikriegstag", aus: Junge Welt

"Kundgebung zum Antikriegstag", aus: Bremer Nachrichten

Mehr Zivilcourage gegen Gewalt gefordert, Ostsee Zeitung

Tickermeldungen:

"Schulte: Mehr Zivilcourage im Kampf gegen Rechtsextremismus", , ddp-Interview

"Aachener Friedenspreis für Aktion junger Ostdeutscher gegen Rechts - Auch Hilfsorganisation für Kindersoldaten in Afrika gewürdigt ", afp

"Antikriegstag erinnert an Beginn des Zweiten Weltkrieges am 01. September", adn

TV

Aachener Friedenspreis für Jugendaktion, Tageschau (1.9.) -20.00 Uhr-





Sindelfinger/Böblinger Zeitung

Gegen Krieg und Gewalt

Ein Zeichen für den Frieden und gegen Gewalt will der DGB-Kreis Stuttgart-Böblingen am heutigen Antikriegstag setzen. Den Anlass liefert der 1. September, an dem vor 61 Jahren der Zweite Weltkrieg mit dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht in Polen begonnen hat. Um 17 Uhr findet dazu eine Gedenkfeier am Mahnmal für die Opfer des Faschismus beim Alten Schloss statt, zu der alle friedliebenden Bürger eingeladen sind, um dabei auch ein Zeichen gegen rechtsextremistische Gewalt zu setzen. Die Gedenkrede hält Dieter Kindler von der Gewerkschaft Nahrung, Genuss, Gaststätten.





Sindelfinger/Böblinger Zeitung

Antikriegstag: Gewerkschaft lädt zur Gedenkfeier ein

Esslingen (stn) - Der Deutsche Gewerkschaftsbund lädt heute, Freitag, zur Gedenkfeier am Antikriegstag ein. Sie beginnt um 17 Uhr (Kapelle/Innere Brücke). Die Ansprache hält Werner Pfennig, Landessprecher der Antifaschisten. Am 1. September vor 61 Jahren eröffnete die deutsche Wehrmacht in Polen den Zweiten Weltkrieg.





Südwestpresse

Gewerkschaften / Gedenkfeiern zum Antikriegstag

DGB fordert Zivilcourage

(Berlin/Stuttgart) Zum heutigen Antikriegstag haben die Gewerkschaften zu mehr Zivilcourage im Kampf gegen Fremdenfeindlichkeit aufgerufen. Alle müssten im Alltag demokratisches Selbstbewusstsein demonstrieren, erklärte der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) gesten. Auch in Baden-Württemberg wird heute an den Ausbruch des Zweiten Weltkrieges am 1. September 1939 erinnert. Der DGB-Landesbezirk will mit mehr als 20 Veranstaltungen nicht nur der Opfer der Nazibarbarei gedenken. Vielmehr sollen auch Themen wie die Zukunft der Bundeswehr, Zwangsarbeit und der zunehmende Rechtextremismus angesprochen werden. (dpa) siehe auch Stichwort



DAS STICHWORT

Antikriegstag

Am 1.September 1939 begann mit dem Überfall der Hitler-Armeen auf Polen der Zweite Weltkrieg. Seit 1957 wird anlässlich dieses Datums in der Bundesrepublik der Antikriegstag begangen.

Die Initiative ging vom Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) aus, um an diesem Tag für Abrüstung und eine friedliche Welt zu demonstrieren. In der DDR wurde am 1. September der Weltfriedenstag gefeiert.

Die Idee zu einem Weltfeiertag für den Frieden war bereits 1845 in England aufgekommen. In Deutschland erklärten nach dem Ersten Weltkrieg Sozialdemokraten, Gewerkschaften und Friedensgruppenzunächst den 1. August - im Gedenken an den Kriegsbeginn 1914 - zum Friedenstag. Diese Tradition griff der DGB nach dem Zweiten Weltkrieg wieder auf: Unter dem Motto ,,Nie wieder Krieg`` riefenGewerkschaften erstmals 1957 am 1. September zu Aktionen auf. dpa





Augsburger Allgemeine (http://www.augsburger-allgemeine.de)

Ein Armeemuseum gegen den Krieg

Besuch lohnt nicht nur am heutigen Antikriegstag

Von unserem Redaktionsmitglied Peter Kober, Ingolstadt

Entweder tritt man gleich die Flucht an oder kommt nicht mehr weg von diesem Foto. Von dem Mann im Lazarett. Tapfer lächelt er in die Kamera, stemmt sich mit ausgestreckten Armen auf Handgriffe wie Bügeleisen - erreicht damit den Boden. Wo der Mensch Beine hat, ein Becken, das Geschlecht, da ist diesem Mann nichts geblieben. In der Mitte durchgeschnitten. Gegenüber hängt noch ein Foto: Ein anderer Soldat, das Gesicht, trotz mehrfacher Operationen, grausam verstümmelt. "Für so einen Menschen war der Krieg 1918 natürlich nicht beendet", durchbricht Ernst Aichner die Betrachtung. Der Direktor des Bayerischen Armeemuseums in Ingolstadt hat die umfassendste Dokumentation des 1. Weltkriegs aufgebaut, die es auf dieser Welt gibt. In Paris, London und Wien erinnern auch andere Armeemuseen an das Schlachten von 1914 und 1918. Doch keines begleitet wie in Ingolstadt den 1. Weltkrieg von der Vorgeschichte bis zum Ende, keines dokumentiert mit vergleichbarer Ausführlichkeit und Sorgfalt die Geschehnisse an der Front wie zuhause. Aichner ist durch Konzept und jahrzehntelanges Sammeln der mehrere tausend Exponate (auch aus Neuburg) umfassenden Ausstellung Außergewöhnliches gelungen: Ein Armeemuseum gegen den Krieg, dessen Besuch nicht nur zum heutigen "Antikriegstag" dringend zu empfehlen ist.

Untergebracht ist die Dauerausstellung in der Reduit Tilly, einstmals Bayerns stärkste Festung. Die Kasematten sind eigentlich denkbar ungeeignet für ein Museum, es gibt nicht einen großen Saal. Die Museumsleitung überlegte lange - und machte aus der Not eine Tugend. Der Gang durch mehr als 30 kleinere und mittlere Räume, begleitet und erläutert durch Filmdokumente, wird zu einer Patroullie durch den Schützengraben, dem Sinnbild des 1. Weltkrieges. Die Wände sind auf Grabenhöhe mit billigem Fichtenholz und verrostetem Wellblech zugenagelt. Materialien, mit denen die damaligen Soldaten ihre Unterstände ausbauten. Die Gemälde, ihrer protzigen Rahmen beraubt, lassen von einem Hindenburg nur noch einen Mann in Uniform übrig.

Mannshohe Vergrößerungen von historischen Fotos erzielen Effekte. Jubelnde Menschen bei Kriegsausbruch, von Kassematte zu Kassematte werden die Gesichter immer ernster. Die Frauen übernehmen zuhause die Arbeit: Als Bahnschaffnerinnen, in der Rüstungsfabrik, hinterm Pflug. Das Eiserne Kreuz von Kriegsbegeisterung als Plätzchenausstecher, Guglhupfform oder Bonboniere verklärt, wird ersetzt von Plakataufrufen: Spart Seife, sammelt Kerne. Aus Brennessel versucht man Baumwolle zu gewinnen, aus Kirchenglocken werden Kanonen. Verlustlisten wachsen ins Unendliche.

Der unvorbereitete Tod

Es sind die kleinen Dinge, die Realität und Gefühle von damals am intensivsten erahnen lassen. Fläschchen mit im Schützengraben gebasteltem Kreuz und den Werkzeugen, die zum Leiden Christi beitrugen. Diese "Arma Christi" sollten vor dem "unvorbereiteten Tod" schützen. Tausende trugen sie im Graben bei sich. Erinnert wird an den bekannten, später von den Nazis mit Predigtverbot belegten, Pater Rupert Mayer, dem als Feldgeistlichen ein Bein abgeschossen wurde - auch an die jüdischen Soldaten, deren Kriegsdienst an der Heimat von den Nationalsozialisten in Auschwitz vergolten werden sollte.

Die Prunkstücke der Sammlung - ein mittleres Feldgeschütz in einem original nachgebauten Artellerie-Unterstand, Flieger- Bordkanonen, ein U-Boot-Torpedo, beeindrucken - haften bleiben andere Dinge, die den Jahre währenden menschlichen Ausnahmezustand erahnen lassen : Das auf Körperhöhe vergrößerte Foto im Gas erblindeter englischer Soldaten, sich an der Schulter des Vordermannes haltend. Selbstgebastelte Keulen, mit denen sich die Soldaten im Graben erschlugen, das Bild leichenstapelnder deutscher Landser, die Preisliste vom Etappenbordell oder die Habseligkeiten, die der Maler Franz Marc bei sich trug, als er 1916 fiel.

Das Herz des Museums ist das nachgebaute kleine Grabenstück. 2,50 Meter hoch sind Sandsäcke aufgetürmt, Stacheldraht davor. Die Decke vermittelt verregneten November. Wie mag der Mensch dort jahrelang gelebt haben? Der Hunger, der Schlamm, die Enge. Wer den Kopf rausstreckt, wird von Scharfschützen abgeknallt. Die stete Todesfurcht einen Volltreffer der gegnersichen Artellerie zu bekommen. Nicht zu wissen, ob man jemals diesem Loch entkommen wird. Die Versuchung dieses Szenario mit Schlachtenlärm zu beschallen war groß, wie Ernst Aichner zugibt. Die Museumsleitung verzichtete darauf und tat gut daran. Die Stille sagt mehr.

Seit die 1. Weltkrieg- Abteilung des Bayerischen Armeemuseums in Ingolstadt eröffnet wurde, kommen jährlich 50 000 Besucher aus allen Erdteilen. Dazu zählen 300 bayerische Schulklassen, deren Geschichtslehrer nirgendwo besser den nachwachsenden Generationen veranschaulichen können, was Krieg bedeutet. Das Armeemuseum ist außer Montag täglich von 8.45 bis 16.30 Uhr geöffnet.





Augsburger Allegemeine (ILLERTISSER ZEITUNG)

Der Antikriegstag 2000 - Aufruf gegen Fremdenhass

DGB-Kreisvorsitzender Gloning: Plädoyer gegen Gewalt

Illertissen (nap) - Die Zahl der rechtsextremen Gewalttaten in Deutschland steigt wieder an und vor allem im Osten der Republik findet die rechte Gesinnung breite Zustimmung. Der Antikriegstag will dem entgegenwirken und erreichen, dass sich die Vergangenheit nicht wiederholt. Der Antikriegstag, der jährlich am 1. September an den Ausbruch des von Deutschland ausgehenden Zweiten Weltkrieges erinnern soll, hat für viele Menschen an Bedeutung verloren.

Mit Ursachen beschäftigen

Die aktuellen Ereignisse zeigen jedoch, dass es nach wie vor dringend geboten ist, sich mit den Ursachen, die zu diesem furchtbaren Ereignis führten, zu beschäftigen. Dies gilt um so mehr, als der rechtsextreme Gewaltterror in unserem Land schon wieder mehr und mehr um sich greift. In einem Land, in dem Menschen wegen ihrer Hautfarbe oder Nationalität gejagt, geschlagen und zu Tode geprügelt werden, gibt es Anlass genung, nachzudenken, wie es schon wieder so weit kommen konnte. Der Antikriegstag 2000 sollte deshalb auch in der Region genutzt werden, um sich bewusst zu machen, dass Frieden und friedliches Zusammenleben Werte sind, um die im täglichen Leben jeden Tag wieder neu gerungen werden muss.

Bekämpfung

Er sollte die Botschaft vermitteln, dass es um so schwerer wird, dem rechtsextremen Terror erfolgreich entgegen zu wirken, je länger man mit seiner entschiedenen Bekämpfung wartet.

Die DGB- Kreise Alb-Donau-Ulm und Donau-Iller rufen deshalb alle Bürgerinnen und Bürger der Region anlässlich des Antikriegstages 2000 auf, sich im täglichen Leben aktiv gegen alle Anzeichen von Intoleranz und Ausländerfeindlichkeit zu stellen.

Nur so kann die rechtsextreme Gewalt schon im Keim erstickt werden. Darum ist die Botschaft des Antikriegstages 2000 für den DGB: Intoleranz, Fremdenfeindlichkeit und Gewalt dürfen in unserer Region keine Chance haben.





Die Welt (http://www.welt.de)

Ein Preis für Streiter ohne Lobby

Der nicht unumstrittene Aachener Friedenspreis wurde 1988 alternativ zum Aachener Karlspreis gegründet. Er soll Persönlichkeiten und Gruppierungen würdigen, die sich "von unten" - also ohne Lobby und Machtapparat - für Frieden und Gerechtigkeit, den Abbau von Feindbildern und das Wachsen von Vertrauen einsetzen. Anfangs von vielen belächelt, hatte der Preis schnell an Renommee gewonnen, als zu den Ausgezeichneten Leute wie die ehemalige DDR-Bürgerrechtlerin Vera Wollenberger (heute CDU-Bundestagsabgeordnete) gehörten. Wollenberger wurde "stellvertretend für alle DDR-Bürger" geehrt, "die sich trotz Repressalien jahrelang für eine friedliche Umgestaltung der DDR einsetzten". Zu den Ausgezeichneten gehört auch die "Kölner Klagemauer für Frieden und Völkerverständigung"" Vertreter dieser Initiative hatten mit etwa 50.000 Tafeln auf der Domplatte gegen die wachsende Obdachlosigkeit protestiert. Vergeben wird der Preis am 1. September, dem Antikriegstag des Deutschen Gewerkschaftsbundes. (mim)





tageszeitung (http://www.taz.de)

Opfer einer Inszenierung

Die Pazifisten müssen ihr Versagen in der Kosovo-Debatte aufarbeiten - denn in Zukunft sind ähnliche Konflikte zu erwarten. Ein Aufruf zum Antikriegstag

Mohssen Massarat

Eineinhalb Jahre nach dem Beginn der "humanitären Intervention" der Nato in der Bundesrepublik Jugoslawien ist die humanitäre Lage im Kosovo nicht besser, sondern eindeutig schlechter geworden. Ein friedliches Zusammenleben von Serben und Kosovaren ist nicht in Sicht, der Hass zwischen ihnen ist tiefer geworden. Dank des Nato-Krieges sitzt Milodevic fester im Sattel denn je" die serbische Opposition ist dagegen noch schwächer geworden. Dennoch oder gerade deshalb schweigen die einstigen Kriegsbefürworter eisern zu vielen offenen Fragen.

Warum überhaupt dieser Krieg, warum die 5.000 Kriegstoten, die 100 Milliarden Dollar Kriegskosten, warum die Zerstörung von Brücken, Elektrizitätswerken, Fabriken und der Umwelt? Erst recht wird darüber geschwiegen, wer die eigentlichen Gewinner dieses Krieges sind: der militärisch-industrielle Komplex Europas und der Vereinigten Staaten und die USA selbst, die in Südosteuropa neue Stützpunkte - etwa "Camp Bondsteel" in der Nähe von Urosevac im Kosovo - einrichten und ihre geostrategische Position in diesem Teil der Welt damit weiter ausbauen können.

Trotz der Zweifel und der späten Einsicht ob der eigenen Fehlentscheidungen verdrängen die Kriegsbefürworter von einst, unter dem Motto "jetzt nach vorn schauen" eine kritische Aufarbeitung. Genau diese aber ist im Hinblick auf ähnliche Konfliktlagen in Zukunft dringend erforderlich. Auf zwei Gruppen lastet daher besonders große Verantwortung: auf den so genannten Verantwortungs- und auf den Radikalpazifisten.

Im Kosovo-Krieg ist es den Nato-Strategen und der rot-grünen Regierung gelungen, die Pazifisten zu spalten. Die Radikalpazifisten wurden als weltfremde und gewissenlose Utopisten diffamiert, denen ein Hochhalten des abstrakten Prinzips Gewaltfreiheit wichtiger sei als der konkrete Schutz von Menschen vor einem drohenden Völkermord. Und die Varantwortungspazifisten wurden bei ihrem Verantwortungsgefühl gepackt und vor den Karren der "humanitären Intervention" gespannt.

Die Verantwortungspazifisten, vor allem Persönlichkeiten wie Erhard Eppler und Günter Grass, an deren Integrität kein Zweifel besteht, müssten sich nachträglich fragen lassen, ob sie nicht Opfer einer perfekten Inszenierung des "menschenrechtlichen Notfalls" geworden sind. Immerhin haben sie durch ihr Eintreten für den Krieg mit den Ausschlag dafür gegeben, dass zum ersten Mal eine Mehrheit der Deutschen der direkten Beteiligung der Bundeswehr an einem Krieg zugestimmt hat. Sie haben manipulierter Nato-Information und -Propaganda blind geglaubt und diese für bare Münze genommen.

Zwischen unbestreitbaren massiven serbischen Menschenrechtsverletzungen und systematischen Massakern, die wie in Racak und andernorts den Serben - wie sich inzwischen herausgestellt hat - durch perfekte Inszenierungen in die Schuhe geschoben wurden, um den Tatbestand des Völkermords als Kriegsrechtfertigungsgrund zu beweisen, besteht immerhin ein entscheidender Unterschied. Genau diese Inszenierungen des "menschenrechtlichen Notfalls" und der angebliche "Hufeisenplan" dienten damals dazu, den Nato-Angriffskrieg gegen die Bundesrepublik Jugoslawien als Entscheidungsschlacht zwischen Faschismus und Demokratie, zwischen Bestialität und Humanität, zwischen "Zivilisation und Barbarei" (Habermas) hochzustilisieren.

Welche Verantwortung aber lastet auf den Radikalpazifisten? Haben sie auf die konkrete Situation vor und während des Krieges richtig reagiert, haben sie alles getan, um den Schulterschluss zwischen den Verantwortungspazifisten und den Nato-Geostrategen zu verhindern? Haben sie die Verunsicherung vieler, die trotz ihrer pazifistischen Grundhaltung glaubten, aus verantwortungsethischen Gründen den Nato-Krieg hinnehmen zu müssen, zur Kenntnis genommen? Und: Haben sie sich bemüht, politisch rechtzeitig und angemessen darauf zu reagieren?

Zumindest hat sich ihre hartnäckige Weigerung, sich auf die Debatte um einen menschenrechtlich begründeten Notfall überhaupt einzulassen, als verhängnisvoll erwiesen - zumal kein noch so radikaler Pazifist leugnen kann, dass es Situationen geben kann, in denen die Beendigung einer menschlichen Tragödie nur mit Gewalteinsatz möglich ist. Holocaust und Ruanda belegen das.

In einer Situation wie vor dem Kosovo-Krieg, wo die Inszenierung des menschenrechtlichen Notfalls gelungen ist, verpuffen allerdings die besten pazifistischen Argumentationsmuster. Nicht Vernunft, nicht Moral, nicht gute Argumente und auch nicht historische Erfahrungen, sondern nur noch dumpfe Gefühle und Emotionen bestimmen in derartigen Situationen die Meinungen. Im Kosovo wurde nicht zum ersten Mal die Kriegslegitimation durch eine Inszenierung herbeigeführt, und es wird auch nicht das letzte Mal gewesen sein.

Im postkolonialen Zeitalter der Globalisierung werden hegemonialpolitische und geostrategische Interessen mit subtileren Rechtfertigungsmustern durchgesetzt werden. "Humanitäre Intervention", eine Neuauflage des "gerechten Kriegs", scheint sich als ein wirksames und mobilisierendes Kriegsrechtfertigungsinstrument herauszustellen, dessen sich aller Wahrscheinlichkeit nach auch in Zukunft USA, Nato, Russland und andere Staaten bedienen werden, um ihre national-hegemonialen Interessen durchzusetzen.

Dies impliziert aber, diesen Notfall als grundsätzliche Möglichkeit, die ausnahmsweise auch mit Gewalteinsatz beendet werden muss, erstens in Betracht zu ziehen und ihm zweitens, wo und von wem er auch immer aus Gründen eigener politischer Interessen inszeniert wird, ganz konkret und mit allen verfügbaren Möglichkeiten den propagandistischen Schleier zu entreißen. Erst diese Doppelstrategie kann die Spaltung der Pazifisten und den Schulterschluss eines Teils von ihnen mit den Kriegstreibern verhindern oder wenigstens erschweren.

Verantwortlich handelnde Pazifisten müssen neben ihrer prinzipiellen Überzeugung, dass Krieg Menschenrechtsverletzungen nicht beendet, sondern selbst verursacht und neue hinzufügt, (a) angesichts von auch in Zukunft prinzipiell möglichen menschlichen Tragödien dazu bereit sein, einer Diskussion über den Gewalteinsatz im wirklich äußersten Notfall nicht aus dem Weg zu gehen, und ihre Bereitschaft signalisieren, ihn - wenn er wirklich eingetreten ist - auch hinzunehmen" (b) müssen die Pazifisten auf eine äußerst restriktive Definition dieses Notfalls hinwirken und kompromisslos darauf bestehen, dass der menschenrechtliche Notfall (c) nach Maßgabe klarer Kriterien und auf der Grundlage überprüfbarer Fakten ausschließlich durch völkerrechtlich einwandfreie Instanzen festgestellt und (d) ebenso ausschließlich durch eine von der UNO organisierte beziehungsweise legitimierte Truppe beendet wird.

Mit anderen Worten: Das propagandistische Täuschungsmanöver der Kriegsbefürworter - die These, die Pazifisten schauten weg und retuschierten die Realität des Völkermords, um ihr eigenes Weltbild zurechtzubiegen - muss durch eine konstruktive Gegenstrategie wirkungslos gemacht und die Inszenierung eines "menschenrechtlich bedingten Notfalls" um so wirksamer verhindert werden. Nicht die Pazifisten müssen beweisen, dass sie verantwortlich handeln, sondern umgekehrt müssten die Verfechter der "humanitären Intervention" glaubwürdig den Nachweis erbringen, dass der menschenrechtliche Notfall tatsächlich eingetreten ist.

Allerdings braucht die Friedensbewegung eigene institutionelle Kapazitäten, um künftig derartige Inszenierungen zu verhindern. Auch in Zukunft dürfte es einem kleinen Kreis von Militärexperten und -strategen der Nato-Staaten unschwer gelingen, Regierungen, Parlamente und Parteien in eine neue Gewalteskalation hineinzuziehen. Dafür ist der Parteienstaat dank der eigenen Abhängigkeit von Vorgaben durch politisch nicht legitimierte "Experten" strukturell besonders anfällig. So wurden die deutschen VolksvertreterInnen etwa erst drei Wochen nach Kriegsbeginn über den Inhalt des Rambouillet-Vertragstextes in Kenntnis gesetzt, in dem immerhin die Weichen für einen Angriffskrieg gestellt wurden.

Der Friedensbewegung kann daher nur geraten werden, offensiv für eine eigene und mit rechtlichen Kompetenzen ausgestattete Struktur einzutreten, etwa in Form eines Friedensrates. Dieser könnte als Gegengewicht zu den sicherheitspolitischen "Experten" des Parteienstaates fungieren und deren monopolistischer Definitionsmacht in Fragen von Krieg und Frieden zivilgesellschaftlich entgegenwirken.

Mohssen Massarat





Frankfurter Rundschau (http://www.fr-online.de)

Fremdwort Friedenserziehung

Nach neuen Schulfächern, die soziales Handeln befördern könnten, ruft kaum jemand

Von Anton-Andreas Guha

Da wird immer wieder und mit einiger Berechtigung gefordert, den Fächerkanon an den Schulen zu erweitern, damit unsere Kinder das lernen, was für den späteren Beruf "wichtig" sei. Zurzeit ist das Fach Wirtschaft im Gespräch. Nach Fächern, die soziales Handeln befördern könnten, wie etwa Umweltschutz oder Friedenserziehung, ruft hingegen kaum jemand. Die Wissensgesellschaft mit ihren Gebirgen von Daten und Informationen verlangt nach einer (Aus-)Bildung, die sich in klingender Münze verwerten lässt. Umwelt und Friedenserziehung - man hat ja nichts dagegen - bleibt der Initiative einiger Lehrer überlassen. So kommt es, dass trotz enormer Fortschritte der Wissenschaften vom Menschen die öffentliche Debatte über die Gewalt- und Friedensproblematik so inhaltsarm wirkt und auf der Stelle tritt. Eine öffentliche Debatte über Friedenserziehung dürfte sich natürlich nicht auf Erinnerungstage wie den heutigen Antikriegstag beschränken. Wäre sie Thema einer Diskussion, müsste sie so viele unterschiedliche "Kriegsschauplätze" und Gewaltformen unter die Lupe nehmen, dass allein schon diese Differenzierung die schärfsten Kontroversen auslösen würde. Und dennoch wird diese Debatte auf Dauer unvermeidlich sein.

Da ist zunächst der Kriegsschauplatz "Natur", den bereits das allgemein übliche - und durchaus zutreffende - militaristische Vokabular kennzeichnet: Die Natur wird "zerstört", ihre Systeme (Regenwald) "vernichtet", zehntausende Arten sind bereits "ausgerottet". Bei Umweltschutzkonferenzen wird oft so getan, als sei die Natur ein Kontrahent, dem man zumindest Kompromisse abtrotzen müsse. Dabei ist ihr das egal, denn sie braucht uns nicht, und Kompromisse sind ihr unbekannt.

Vielleicht wäre darüber noch eine Verständigung möglich, aber schon das - scheinbar ganz anders gelagerte - Beispiel der Ausstellung über die Verbrechen der Wehrmacht zeigt das Ausmaß an gesellschaftlichem Sprengstoff. Wie soll Friedenserziehung möglich sein ohne die Aufarbeitung der Vergangenheit? Und wie könnte die Vergangenheit aufgearbeitet werden ohne die belegbare These, dass der Herr Jedermann auf Befehl die schrecklichsten Verbrechen begangen hat? Das Reservepolizeibataillon 101, das unbescholtene ältere Herren aller Berufe und Gesellschaftsschichten zusammenfasste, ist eines der erschütterndsten Beispiele: Die Herren erhielten ein Gewehr und den Befehl, Juden zu erschießen. Und sie taten es, fast ausnahmslos. Ist diese Bereitschaft zu schießen ein spezifisch deutsches Problem oder ein allgemein menschliches?

Noch hitziger - und vermutlich ergebnislos - würde über eine Friedenserziehung gestritten, die die möglichen Konsequenzen der (immer noch geltenden) atomaren Abschreckung abschätzen wollte. Ist es vorstellbar, dass vernünftige Leute auf beiden Seiten entschlossen waren (und sind), Milliarden Tote in Kauf zu nehmen und sogar die Geschichte der Menschheit zu beenden, wenn man sich anders gegen einen konventionellen Angriff nicht hätte verteidigen können? Welche Folgen könnte eine solche "Doktrin" auf die allgemeinen moralischen Normen gehabt haben? Könnte eine solche totale Abwesenheit von Vernunft und Ethik wieder eintreten?

Konsens über das, was Friedenserziehung notwendig macht und was sie leisten sollte, ist nicht einmal dort möglich, wo sich die Sozialwissenschaften halbwegs einig sind. Einigkeit besteht beispielsweise darüber, dass Kinder und Jugendliche nicht als gewaltbereite und auch nicht als Kriminelle, also auch nicht als Neonazis, auf die Welt kommen. Vielmehr bringen sie wie jeder Mensch eine aggressive Grunddisposition mit, über deren Ausprägung und Beherrschbarkeit aber ihre "Sozialisation" entscheidet, also Bezugspersonen und/oder gesellschaftliche Verhältnisse. Wenn diese Verhältnisse angesprochen werden, pflegt sich Verlegenheit einzustellen, denn der Katalog derer, die negative Wirkungen haben können (nicht müssen), ist lang: Er reicht von Gewalterfahrungen in Familie und Öffentlichkeit, Selektion durch die Schule, über Angebote an Gewaltfilmen und -videos, aggressive Werbung, fehlende Ausbildung, soziale und finanzielle Ausgrenzung ("strukturelle Gewalt") bis hin zum Druck der Gruppe, in die sich eine(r) flüchtet, um Verlassenheitsängste zu bewältigen. Die Probleme sind deshalb so strittig, weil ihre Vernetzung nicht gleich einleuchtet. Was hat Gewaltbereitschaft von Jugendlichen mit fehlenden Kindergartenplätzen, überforderten, allein erziehenden Müttern, abwesenden Vätern und TV-Gewalt zu tun? Warum gilt das für einige, aber nicht für alle? Soviel man weiß, kommen Kaufhausdiebe und Neonazis meist nicht aus wohlhabenden Bürgerfamilien. Und dass die neoliberale Gesellschaft Millionen von Verlierern produziert, ist ja nicht unbekannt.

Natürlich ist es zumutbar, auch von Verlierern und jugendlichen Gewalttätern - wie von jedem, der Gewalt ausübt, sogar legalisierte - Verantwortung einzufordern. Ein 16-Jähriger weiß ja, dass es ein Verbrechen ist, einen Ausländer zusammenzutreten. Aber wir, die Gesellschaft, sollten wissen, dass es mit der Strafe nicht getan ist. So gesehen ist Friedenserziehung nicht nur eine schulische, sondern eine gesamtgesellschaftliche Notwendigkeit.





"Gewalt im Innern" bekämpfen

DGB fordert am Antikriegstag zu mehr Zivilcourage auf

BERLIN, 31. August (ivo/dpa) - Anlässlich des Antikriegstages am heutigen Freitag haben Gewerkschaften und Friedensgruppen zu mehr Zivilcourage im Kampf gegen die "Gewalt im Innern" und gegen Fremdenfeindlichkeit aufgerufen.

"Wir alle müssen demokratisches Selbstbewusstsein demonstrieren, im Alltag, in der Öffentlichkeit, am Arbeitsplatz", fordert der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB). Er prangert an, dass tagtäglich in Deutschland Asylbewerberheime angegriffen, jüdische Friedhöfe geschändet oder Menschen mit anderer Hautfarbe verfolgt und niedergeschlagen werden. "Es gibt Städte in Deutschland, in denen die Einwohner von in aller Öffentlichkeit agierenden Rechtsextremisten eingeschüchtert werden. Dieses Verhalten muss geächtet werden", mahnt der DGB. Und erklärt: "Wir nehmen die Gewalt und die Darstellung der menschenverachtenden Ideen rechtsextremer Gruppen in der Öffentlichkeit nicht hin."

Im Mittelpunkt vieler Stellungnahmen steht die Frage, wie Jugendliche zu Toleranz erzogen werden können. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) appelliert an Lehrer, Position gegen Rechts zu beziehen. Schule könne Rechtsradikalismus und Gewalt in der Gesellschaft zwar nicht aufhalten, könne aber "platten Vorurteilen und stumpfen Stammtischparolen entgegentreten". Die GEW schlägt außerdem vor, dass Schulklassen Aufnahmelager für Asylbewerber besuchen. Dagegen warnt der Verband Bildung und Erziehung (VBE), eine "Pädagogik der Betroffenheit wie vermehrte Begegnungen zwischen Jugendlichen und Betroffenengruppen" sei kein Allheilmittel. Wichtiger sei, an den Schulen eine Streitkultur zu entwickeln.

Kritik muss die Bundesregierung einstecken. So prangert die Initiative "Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges" die erwarteten Rüstungsexporte in die Türkei und nach Russland als "menschenrechtlich inakzeptabel" an. Für das Netzwerk Friedenskooperative sind die Pläne schlicht Skandale. Der Zusammenschluss von Anti-Kriegs-Initiativen warnt zudem vor "der nächsten Zuspitzung auf dem Balkan und Kriegsgefahr in Montenegro". Das Netzwerk fordert den Verzicht auf Krieg als Mittel der Politik. Stattdessen müsste Geld für die zivile Konfliktbearbeitung bereit gestellt werden. Außerdem verlangt die Friedensbewegung die Aufhebung des Embargos gegen Jugoslawien.

Gegen Gewalt in Deutschland setzen die Friedensgruppen auf ein im Grundgesetz festgeschriebenes Verbot von nazistischem und rassistischem Gedankengut. So könnte Rassismus bekämpft werden, ohne dass die Versammlungsfreiheit angetastet werden muss.

Der DGB forderte ein Ende des Krieges in Tschetschenien. "Jeder Tag, den dieser Krieg weiter fortdauert, kostet weitere Menschenleben." Auch in Europa sei vielerorts Demokratie, Toleranz, friedlicher Ausgleich und soziale Gerechtigkeit noch nicht erreicht. Siehe Kommentar





junge Welt Inland 1.09.2000

Grundmuster aktualisiert

Eine Erklärung zum Antikriegstag

junge Welt dokumentiert im folgenden einen Text der DKP- Gruppe Schwedt-Uckermark, den sie unter den Titel »Im Friedenskampf« stellte

Zu den ständigen Themen unserer kleinen DKP-Gruppe in Schwedt gehören der Kampf um den Frieden und die Auseinandersetzung mit dem Faschismus alter und neuer Form. Obwohl beides vielfältig zusammenhängt, befassen wir uns im folgenden nur mit dem zu erringenden Frieden. Wir sind Menschen, die 1945 Jugendliche oder Kleinkinder waren. Wir kennen noch die Not der Nachkriegszeit und haben für den neuen Anfang gelebt. Im Vergleich dazu empfinden wir den damals in Westdeutschland durchgesetzten Weg auch heute noch als ein »Weiter so wie gehabt«.

Wenn Friede bedeutet, daß die Staaten zur Durchsetzung ihrer Politik Gewalt untereinander ausschließen, dann hatten zwar alle Völker der Anti-Hitler-Koalition diesen Willen, er konnte aber nur ansatzweise verwirklicht werden.

Auf unserem Kontinent schwiegen die Waffen bis zu der Niederlage der europäischen sozialistischen Länder. Es war ein erzwungener Friede. Die sozialistische Politik der friedlichen Koexistenz hielt die Gier des Imperialismus nach wirtschaftlicher und politischer Eroberung in Schach. In der übrigen Welt inszenierte der Imperialismus in derselben Zeit Hunderte von Kriegen und führte sie zum Teil unmittelbar selbst, besonders gegen Nordkorea und Vietnam, wo er unterlag. Die USA haben dabei viele Male den Einsatz von Kernwaffen erwogen. Daß es dabei blieb, ist hauptsächlich ein Verdienst der sozialistischen Friedenspolitik. Aber unter der Bedrohung schwebte die Welt ständig - und heute noch mehr.

Die imperialistischen Staaten begründeten ihre Massenvernichtungswaffen mit der »Gefahr aus dem Osten«. Nach dem Ende dieser »Gefahr« sind diese Waffen einschließlich der Option auf den Erstschlag geblieben. Sie sind also gegen die Völker gerichtet.

Mit der Zerstückelung und Bekämpfung Jugoslawiens hat der Krieg auch Europa wieder erreicht.

Man sagt, Geschichte wiederhole sich nicht. Das wollen wir in bezug auf unsere Weltkriegserfahrungen auch hoffen. Aber bestimmte Grundmuster werden aktualisiert, solange es Ausbeutung gibt und damit die Bereitschaft zum Krieg. Und der Krieg ist für die jeweils betroffenen einfachen Menschen so fürchterlich wie der Weltkrieg war.

Unmittelbar nach dem Ersten Weltkrieg waren sich alle führenden Repräsentanten der Westmächte einig, das von ihnen besiegte Deutschland, wie der britische Premier Lloyd George es formulierte, »als Bollwerk gegen den Bolschewismus zu erhalten«. Und warum? USA-Präsident Wilson sagte es direkt und rücksichtslos: »Wir werden die finanzielle Führung haben. Wir werden das industrielle Übergewicht haben. Und von uns erwarten die Völker der Welt Führung und Rat.«

Ebenso lief es nach der Befreiung vom Hitler-Faschismus. Allerdings konnten die Imperialisten da nur über das halbe Deutschland verfügen, und dazu spalteten sie das ganze. Wie die »Washington Post« im Mai 1949 anläßlich des eben ausgearbeiteten Grundgesetzes der westdeutschen Bundesrepublik schrieb: »Die CDU/CSU wird die Regierungsfassade hergeben, hinter der die Industriellen die wahren Herrscher Deutschlands sein werden.«

William Z. Foster, der damalige Vorsitzender der KP der USA, faßte treffend zusammen, was der USA-Imperialismus mit Hilfe des Kalten Krieges erreichen wollte: die sozialistischen Regierungen der UdSSR, Volkschinas und der europäischen Volksdemokratien zu stürzen und dort den Kapitalismus wieder zu errichten, die Kontrolle über die ganze Welt auszuüben, in diesem Rahmen Westdeutschland und Japan wieder zu bewaffnen und Washington zur politischen Hauptstadt der Welt zu machen.

Für diese Ziele, so sprach USA-Präsident Bush 1990 unumwunden aus, haben die USA den Kalten Krieg geführt. Dieser war nicht, wie heute selbst manche Linke sagen, eine Serie gleichermaßen verbissener Anschläge von beiden Seiten. Er hatte als tatsächlicher Krieg eindeutig einen Angreifer und einen Verteidiger.

Zum Angriff gehörte die ideologische Kriegsführung des Imperialismus. Der damalige Chef des US- Informationsausschusses sah diese Seite des Krieges, wenn auch nicht gleich für die große Öffentlichkeit, so: »Radio Free Europe ist ein Dienst des psychologischen Krieges ... Dafür brauchen wir keine Wahrheiten, sondern Untergrundtätigkeit. In diesem Krieg brauchen wir die Unterstützung aller Halsabschneider und Gangster, die wir irgendwie auftreiben und anwerben können.« Nun, wenn sie sich selbst so sehen, soll da auch nicht widersprochen werden. Wir haben noch ganz entsprechende Äußerungen vor Augen, wie man den Leuten die Aggression von 1999 gegen Jugoslawien durch Lügen plausibel machen könne und müsse.

Es war Programm auch des westdeutschen Imperialismus, die Menschen in der DDR zu unbewußten und zu bewußten Trägern »westlicher Ideen« zu machen und sie zur Sabotage aufzufordern. Diese mußte nicht einmal funktionieren: Frühzeitige Gegenmaßnahmen des sozialistischen Staates waren geradezu erwünscht, konnte man sie doch als Untaten denunzieren und so Abneigung gegen das »kommunistische System« erwecken.

Teils verschwiegen, teils verleumdet wurden im Westen die zahllosen sorgfältig durchdachten und für alle Seiten praktikablen Vorschläge der sozialistischen Staaten zur Abrüstung und zum Frieden.

Konnte die Ideologie des Klassenfeindes selbst in den sozialistischen Ländern Teilerfolge erzielen, sehen wir sie heute noch erfolgreicher am Werk. Sie verhindert die Erkenntnis der Lage und der Wege zur Besserung. Nach altem Grundmuster bei ins Uferlose gesteigerter technischer und psychologischer Raffinesse verfährt sie, wie Lenin oft beschrieb: »Der Kapitalismus verurteilt die Massen zu einem Zustand der Geducktheit, Unterdrücktheit, Einschüchterung, Zersplitterung und Unwissenheit und gibt andererseits der Bourgeoisie einen gigantischen Lügen- und Betrugsapparat in die Hände, um die Arbeiter- und Bauernmassen zu betrügen und zu verdummen.«

Im Nachdenken über Krieg und Kriegstreiber und über Frieden und seine Notwendigkeit für die Völker bestätigt sich die Erkenntnis, daß der Krieg keineswegs zum unausweichlichen Wesen des Menschen gehört. Er ist eine furchtbare Erscheinung der Ausbeutergesellschaft. Diese Erkenntnis kann jede noch so kleine Gruppe von Sozialisten und Kommunisten bewahren, vertiefen und verbreiten. Wir denken, daß wir dies den zahllosen Opfern der Widerstandskämpfer gegen den Krieg schuldig sind und ebenso den Abermillionen Kriegstoter vergangener und gegenwärtiger Kriege, den Gefolterten und Verstümmelten, den Betrogenen und Entwürdigten, den in Haft und Zwangsarbeit Mißbrauchten. Wir können für den Frieden wirken durch den Einsatz für Reformen, durch den Kampf für soziale Gerechtigkeit und Abrüstung. Getrennt vom sozialen Kampf der Arbeiterklasse kann der Friedenskampf keine politische Wirksamkeit erlangen. Das wissen auch vernünftige und gutwillige Menschen aus dem Bürgertum. Albert Einstein hat gesagt: »Um den schweren Mißständen des Kapitalismus abzuhelfen, gibt es nur ein Mittel, nämlich die Errichtung des Sozialismus.«

»Sozialismus oder Barbarei« war die Erkenntnis Rosa Luxemburgs, die einfach erschlagen wurde. Heute müssen wir es mit der DKP noch schärfer fassen: Sozialismus oder Untergang der Menschheit.

Zum Weltfriedenstag am 1. September möchten auch wir rufen: Friede ist möglich! Setzt Euch für den Frieden ein! Es geht um Euch selber und um alle Menschen. Und die internationale Solidarität wird mehr schaffen als das Schweigen der Waffen, die Freundschaft der Völker.







Bremer Nachrichten (http://www2.nordwest.net)

Kundgebung zum Antikriegstag

(eho) Zum heutigen Antikriegstag veranstalten der DGB, das Bremer Friedensforum und die Ökumenische Initiative eine Kundgebung um 16 Uhr auf dem Marktplatz. Das Motto lautet: "Für zivile Konfliktlösung. Gegen militärische Gewaltlösungsstrategien". Anlässlich des Beginns des Zweiten Weltkriegs vor 61 Jahren wird unter anderem das IG-Metall-Vorstandsmitglied Horst Schmitthenner sprechen. Wie das Friedensforum weiter mitteilte, startet bereits um 15 Uhr am Ziegenmarkt eine Demonstration von verschiedenen Gruppen in Richtung Marktplatz. Ihr Motto: "Stopp dem Nazi-Mob".





Extremismus/Antikriegstag/Schulte/INT/

(ddp-Interview)

Schulte: Mehr Zivilcourage im Kampf gegen Rechtsextremismus

Berlin (ddp) - DGB-Chef Dieter Schulte appelliert an die Bundesbürger, im Kampf gegen Rechtsextremismus mehr Zivilcourage zu zeigen. Schulte sagte der Nachrichtenagentur ddp in Berlin, es dürfe bei gewalttätigen Aktionen gegen Ausländer "kein Wegschauen" geben. Alle gesellschaftlichen Kräfte müssten an einem Strang ziehen und "Flagge zeigen gegen Rechts". Wenn Asylbewerber niedergeschlagen oder jüdische Friedhöfe geschändet würden, gehe das "jede und jeden" an. Für alle Bürger müsse demokratisches Verhalten eine "absolute Selbstverständlichkeit" sein, "egal ob am Arbeitsplatz oder in der Öffentlichkeit oder im privaten Bereich". Der DGB-Chef äußerte sich anlässlich des Antikriegstages, der jedes Jahr am 1. September an den Überfall deutscher Truppen auf Polen im Jahr 1939 und damit an den Ausbruch des Zweiten Weltkrieges erinnert.

sam/srd - 010415 Sep 00





D/Friedenspreis

Aachener Friedenspreis für Aktion junger Ostdeutscher gegen Rechts - Auch Hilfsorganisation für Kindersoldaten in Afrika gewürdigt

(+++Sperrfrist 12.00 Uhr+++)

Aachen, 1. September (AFP) - Für Verdienste um Frieden und Gerechtigkeit sind einer Initiative ostdeutscher Jugendlicher gegen rechte Gewalt sowie einer Hilfsorganisation für Kindersoldaten in Mosambik der Aachener Friedenspreis 2000 zuerkannt worden. Wie die "Bürgerinitiative Aachener Friedenspreis" am Freitag mitteilte, geht die traditionell zum Antikriegstag am 1. September verliehene Auszeichnung an die vor zwei Jahren in Brandenburg ins Leben gerufene "Aktion Noteingang" und die 1996 in Mosambik gegründete Nichtregierungsorganisation "Reconstruindo a Esperanca" (Die Hoffnung wiederherstellend). In der Verleihungsurkunde heißt es, die Preisträger hätten zur Völkerverständigung sowie zum Abbau von Feindbildern und zum Aufbau von Vertrauen beigetragen.

Die "Aktion Noteingang" richtet sich nach Angaben der Aachener Preisverleiher unmittelbar an die Opfer rechter Gewalttaten in Ostdeutschland. Jugendliche in Brandenburg entwickelten 1998 ein System zum Schutz bedrohter Ausländer, indem sie Geschäftsleuten und Behördenvertretern einen schwarz-gelben Aufkleber anboten. Der gut sichtbare Aufkleber trägt die Aufschrift "Aktion Noteingang - Wir bieten Schutz und Information bei rassistischen und faschistischen Übergriffen". Privatpersonen oder Ämter, die diesen Aufkleber an Geschäften oder Behördenhäusern anbringen, verpflichten sich demnach, Opfern bei fremdenfeindlichen Übergriffen Schutz zu gewähren und die Polizei zu verständigen.

Die Organisation "Reconstruindo a Esperanca" (RE) als zweite Preisträgerin widmet sich den Angaben zufolge seit vier Jahren um die Wiedereingliederung von traumatisierten Kindersoldaten in Mosambik. Gegründet wurde die RE von dem Psychologen Boia Efraime Junior, der einen Teil seiner Ausbildung in Deutschland absolvierte. Ziel der aus Ärzten, Psychologen und Pädagogen bestehenden Teams der Organisation ist es, am Krieg beteiligten Kindern und ihren Familien die Wiedereingliederung ins Dorfleben zu erleichtern.

rh/dja AFP - 010929 SEP 00





Geschichte/Antikriegstag/HIG/

(Hintergrund)

Antikriegstag erinnert an Beginn des Zweiten Weltkrieges am 01. September

München (ddp) - Der Antikriegstag erinnert jedes Jahr an den Beginn des Zweiten We1tkrieges, der mit dem Überfall Deutschlands auf Polen am 1. September 1939 anfing. Die Initiative zu diesem Gedenktag ging vorn Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) aus, der erstmals am 01. September 1957 unter dem Motto "Nie wieder Krieg" zu Gewerkschaflichen Aktionen aufrief. Seitdem wird am Antikriegstag mit Kundgebungen und Mahnwachen für Abrüstung und eine friedliche Welt demonstriert.

Die Bemühungen um einen Antikriegstag oder Friedenstag lassen sich bis 1845 nach England zurückverfolgen. Pazifistisch gesonnene kirchliche Kreise erklärten den letzten Sonntag vor Weihnachten zu einem Friedenssonntag. In Deutschland gab es um 1900 in Freien evangelischen Gemeinden ähn1iche Bestrebungen. Nach der "Novernberrevo1ution" 1918/19 erklärten Sozialdemokraten, Gewerkschaften und Friedensorganisationen den 01. August als Erinnerung an den Beginn des Ersten Weltkrieges 1914 zum Friedenstag.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs griff der Deutsche Gewerkschaftsbund 1957 diese Tradition in der Bundesrepublik wieder auf. In den 60er Jahren stand der Antikriegstag allerdings meist im Schatten der Ostermärsche. Durch den Einmarsch der Warschauer-Pakt-Truppen in die CSSR am 21. August 1968 geriet die Antikriegs-Bewegung in eine Krise. Die Bildung der SPD-FDP Regierung 1969 entzog dem Antikriegstag nach Ansicht von SPD - und DGB-Vertretern seine Existenznotwendigkeit. Zur Friedenspolitik von Willy Brandt gebe es "keine Alternative", hieß es. Viele Gewerkschaftliche Gruppen nahmen daraufhin nur noch am Volkstrauertag teil. Nachdem sich das Wettrüsten jedoch fortsetzte, änderten die Gewerkschaften wieder ihren Kurs. 1979 rief der DGB-Bundesverband unter dem Motto: "Nie wieder Krieg! Abrüstung - Gewinn für uns!" Bundesweit zum Antikriegstag auf.

1980 wurde der Antikriegstag vom DGB-Bundesvorstand offiziell zum Tag für friedenspolitische Aktionen der Gewerkschaften; deklariert. 1981 erhielten die Aktivitäten des DGB zum Antikriegstag mit der Initiierung einer bundesweiten Unterschriftenaktion gegen die Stationierung von Mittelstreckenraketen in Europa und gegen die Produktion von Atomwaffen eine neue Qualität. 1,5 Millionen Menschen beteiligten sich an dieser Aktion. Ab Mitte der 80er Jahre wurde es aber mit der zunehmenden Entspannung zwischen Ost und West immer schwieriger, die Menschen für Aktivitäten zum Antikriegstag zu mobilisieren. Erst der Beginn der internationalen Friedenseinsätze der Bundeswehr führte in den 90er Jahre zu einer Art Renaissance des Antikriegstrages. In diesem Jahr hat der DGB zu mehr, Zivilcourage im Kampf gegen Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit aufgerufen.





Ostsee Zeitung

Mehr Zivilcourage gegen Gewalt gefordert

Anti-Fremdenhass-Aktion erhielt Aachener Friedenspreis Der Antikriegstag erinnert jedes Jahr an den Beginn des Zweiten Weltkrieges, der mit dem Überfall Deutschlands auf Polen am 01. September 1939 anfing. Die Gedenktag-Initiative ging vom DGB aus. Hamburg/Aachen (dpa/ddp) Mit vielfältigen Aktionen haben Gewerkschaften und Friedensbewegung gestern in Deutschland den Antikriegstag begangen. Bei Kundgebungen, Friedensfesten, Lesungen, Konzerten und an Informationsständen wurde mehr Zivilcourage im Kampf gegen Gewalt und Fremdenfeindlichkeit gefordert.

Die GEW-Vorsitzende Eva-Maria Stange forderte anlässlich des Antikriegstags in Frankfurt/Main, Lehrer sollten sich im Kampf gegen Rechtsradikalismus für praktische Aufklärungsarbeit einsetzen. Die Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) sagte, Schüler sollten sich etwa vor Ort in Aufnahmelagern für Asylbewerber über die Situation von Fremden informieren und mit deren Anwälten sprechen. Außerdem könnten Fachleute von Sozialämtern in die Schulen kommen, um über das Thema Sozialhilfe zu informieren.

Die Pädagogen sollten verbreiteten Vorurteilen gegen Fremde mit Daten und Fakten, Zeitzeugen und Experten begegnen. Schulen könnten Rechtsradikalismus und Gewalt in der Gesellschaft zwar nicht aufhalten, aber platten Vorurteilen und stumpfen Stammtischparolen entgegentreten. Schlesien und Nordrhein-Westfalen wollen ihre Zusammenarbeit verstärken und dabei vor allem den Jugend- und Kulturaustausch ausbauen. Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Wolfgang Clement (SPD) und der Marschall der Wojwodschaft im Sejmik (Landtag) in Kattowitz (Katowice) unterzeichneten gestern eine entsprechende Vereinbarung. Clement war auf Einladung des polnischen Regierungschefs Jerzy Buzek mit einer Gruppe von Jugendlichen nach Polen gekommen, um am 61. Jahrestag des deutschen Überfalls auf Polen über die deutsch-polnische Zukunft zu diskutieren. Der Aachener Friedenspreis würdigt in diesem Jahr Aktionen gegen Fremdenhass und Hilfe für Kinder. Verliehen wird er an eine Gruppe von Jugendlichen aus dem Land Brandenburg, die mit ihrer "Aktion Noteingang" Opfern von rechtsradikaler Gewalt helfen. Ferner geht der Preis an "Rekonstruktion der Hoffnung" aus Mosambik. Die Organisation unterstützt ehemalige Kindersoldaten dabei, sich wieder in die Gesellschaft zu integrieren. Die Auszeichnung wird traditionell am "Antikriegstag" verliehen.





ba/esc - 011050 Sep00

Tageschau (1.9.) -20.00 Uhr- (http://www.tagesschau.de

Aachener Friedenspreis für Jugendaktion

Die Initiative "Aktion Noteingang" hat dieses Jahr den Friedenspreis der Stadt Aachen erhalten. Mit Aufklebern wollen die Mitglieder des Projektes ein Zeichen gegen rechte Gewalt setzen. Der schwarz-gelbe Aufkleber, der an den Eingangstüren von Läden und öffentlichen Gebäuden angebracht wird, soll Opfern rechter Gewalt Schutz bieten und ein Symbol gegen Rechtsextremismus sein.

Sprecher Knut Sören Steinkopf sagte im Deutschlandfunk, er vermisse ein Bekenntnis der Gesellschaft gegen Rechts und darüber hinaus ein vereintes Handeln. Vor allem Politiker müssten endlich deutlich machen, dass alle, die in Deutschland leben, die gleichen Rechte hätten. Die Jugendaktion war 1998 in Bernau gegründet worden.

Weiterer Preis an Organisation in Mosambik

Eine weitere Auszeichnung des traditionell am Antikriegstag verliehenen Preises ging an die in Mosambik gegründete Nichtregierungsorganisation "Reconstruindo a Esperanca" (Die Hoffnung wiederherstellen). Das Projekt widmet sich seit vier Jahren der Wiedereingliederung von traumatisierten Kindersoldaten in Mosambik. Bislang konnte bereits rund 10.000 Kindern geholfen werden.



E-Mail: friekoop@bonn.comlink.org
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