Friedens-
dekade 2002


vom:
12.11.2002

update:
13.11.2002


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Friedensdekade 2002

 Presse zur Friedensdekade

Pressesplitter

div. Zeitungen/Agenturen/ ...

08.11.02

epd Thüringer Bischof warnt vor USA-Angriff auf den Irak

10.11.02

epd Ökumenische Friedensdekade der Kirchen eröffnet - Thema: "Angst"

11.11.02

Norddeutsche Neueste Nachrichten Sich gegen das Spiel mit der Angst wehren

13.11.02

Allgemeine Zeitung Gegen Logik des Krieges - Siegfried Pick



Quelle: epd, 10.11.02

Ökumenische Friedensdekade der Kirchen eröffnet - Thema: "Angst"

Frankfurt a.M. (epd). Die bundesweite "Ökumenische Friedensdekade 2002" der christlichen Kirchen ist am Sonntag unter dem Motto "Warum habt ihr Angst?" eröffnet worden. Bis zum 20. November sind mehrere tausend Aktionen, Friedensgebete und Mahnwachen geplant, teilte die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland (ACK) in Frankfurt mit.

Der Thüringer Bischof Christoph Kähler erinnerte anlässlich der Eröffnung an die Verantwortung von Christen und Kirchen für Frieden und Gewaltlosigkeit. Er warnte vor "unabsehbaren Folgen" eines US-Angriffs auf den Irak. Am Dienstag (12. November) soll im Rahmen der Friedensdekade ein zentraler ökumenischer Gottesdienst im thüringischen Sonneberg in der Stadtkirche St. Peter gefeiert werden. Die Dekade wird von der ACK und einer Trägergruppe mehrerer Friedensorganisationen organisiert.

Im Mittelpunkt der diesjährigen Dekade stehe unter anderem die Angst vor einem Krieg gegen Irak, so die ACK. Diskutiert werde aber auch die Angst vor Versagen und wirtschaftlichem Ruin. Der 1948 gegründeten ACK gehören 16 Kirchen verschiedener Konfessionen an. Hinweise auf Veranstaltungen sind im Internet unter
http://www.friedensdekade.de oder http://www.friedenskooperative.de zu finden. (10349/10.11.02)



Quelle: Allgemeine Zeitung, 13.11.02, (Main Rheiner, Lokales, 13.11.02

Gegen Logik des Krieges - Interwiev mit Siegfried Pick

Die Folgen des 11. September stehen im Mittelpunkt der Friedenswochen. Über die Veranstaltungen von 13. bis 27. November, die das Netzwerk am Turm initiiert hat, sprachen wird mit Pfarrer Siegfried Pick vom Ausländerpfarramt.

Frage: Ihr Programm "Krieg ist Terror" soll wachrütteln und provozieren - warum?

Pick: Wir als Friedensinitiative sehen im Krieg gegen den Terror auch Terror, da in den Kriegen die Opfer zu 90 Prozent aus der Zivilbevölkerung kommen. Militärische Lösungen provozieren Gewalt - wir suchen nach Lösungen, um Konflikte ohne Gewalt zu lösen. Der Friedensprozess ist ein Prozess, der über Jahrzehnte geht. Aber die Öffentlichkeit zieht oft von Kriegsschauplatz zu Kriegsschauplatz.

Frage: Beispiel Afghanistan?

Pick: Afghanistan haben wir schon vergessen, aber es gibt dort keinen Frieden. Am Donnerstag, 21. November, 20 Uhr, wird die Bad Kreuznacher Ärztin Dr. Najiba Behmanesh im Johannes-Gemeindezentrum sprechen. Sie kommt selbst aus Afghanistan und hat im Sommer in einem Krankenhaus in Kabul gearbeitet.

Frage: Den nächsten Kriegsschauplatz haben die USA schon im Visier - wie bewerten Sie das?

Pick: Wenn die USA Krieg ohne UN-Mandat führen, ist das eine Bedrohung. Wir fordern, Konflikte ohne Gewalt zu lösen und die UN einzuspannen. In der Grundsatzveranstaltung am Mittwoch, 13. November, 19 Uhr, im Bonhoeffer-Haus geht es um die Kriegspolitik der USA, die Positionen der EU-Staaten und die Forderungen der Friedensbewegung. Dazu wird Prof. Dr. Andreas Buro vom Komitee für Grundrechte und Demokratie sprechen, der bis zu seiner Emeritierung Politikwissenschaftler an der Universität Frankfurt war.

Frage: Auch der Konflikt zwischen Israel und Palästina ist immer noch aktuell...

Pick: Uns war es wichtig, eine Stimme aus Israel zu hören, die die Situation der Palästinenser gut kennt. Zu der Veranstaltung am 27. November, 20 Uhr, im Bonhoeffer-Haus haben wir deshalb Eliat Benda, eine Frau aus Israel eingeladen, die seit vielen Jahren in der Friedensbewegung aktiv ist. Die Leute, die für den Frieden sind, sind in ihren Forderungen nicht weit auseinander.

Frage: Was gibt es außerdem?

Pick: Die Jungsozialisten zeigen am Freitag, 15. November, 19 Uhr, in der "Mühle" einen Film über "Rosa Luxemburg". Außerdem gibt es am Mittwoch, 20. November, 19 Uhr, ein Ökumenisches Friedensgebet in der Paulus-Kapelle. Wir müssen aus der Logik herauskommen, dass nur Gewalt Gewalt lösen kann - und das sind dann auf einmal Dinge, die ganz nah sind.

Das Interview führte unser Redaktionsmitglied Angelika Dorweiler



Quelle: epd (Landesdienst OST), 08.11.02

Thüringer Bischof warnt vor USA-Angriff auf den Irak

Kähler: "Vision der Friedensdekade ist nicht weltfremd"

Eisenach (epd). Zum Auftakt der 23. Ökumenischen Friedensdekade hat der Thüringer Bischof Christoph Kähler an die Verantwortung von Christen und Kirchen für Frieden und Gewaltlosigkeit erinnert und vor "unabsehbaren Folgen" eines USA-Angriffs auf den Irak gewarnt. Die internationale Gemeinschaft dürfe nicht hinter das UN-Verbot von Angriffskriegen zurückfallen, erklärte Kähler am 8. November in Eisenach. Wenn diese Charta von einem "wichtigen Mitglied des Sicherheitsrates" verletzt werde, "treibt die Welt einem heillosen Durcheinander entgegen".

Zugleich betonte Kähler, die Vision der Friedensdekade von der Verwandlung von Schwertern in Pflugscharen sei "nicht weltfremd". Ohne eine solche Vision "lässt sich kriegerische Gewalt nicht vermindern", so der Bischof. Mit dem Kosovo-Krieg 1999 seien die Aktivitäten der alljährlichen Dekade vor dem Buß- und Bettag bundesweit neu belebt worden, fügte Kähler hinzu. In diesem Jahr sind unter dem Motto "Warum habt ihr Angst?" bis 20. November in den 18 Thüringer Kirchenkreisen über 100 Veranstaltungen und Friedensgebete geplant. (4800/08.11.2002)



Quelle: Norddeutsche Neueste Nachrichten, 11.11.02

Sich gegen das Spiel mit der Angst wehren

Gedanken von Pfarrer Reinhard Worch aus Wittenberge zur Ökumenischen Friedensdekade 2002

In diesem Jahr begehen die Kirchen in Deutschland zum 23. Mal die Ökumenische Friedensdekade. Sie beginnt jeweils zehn Tage vor dem Bußtag und endet mit diesem Feiertag. Die Idee für eine Friedenswoche entstand 1980 in den Niederlanden. Es war eine Zeit, in der sich der Ost-West- Konflikt zuspitzte. Die kirchliche Jugendarbeit in der DDR griff dieses Anliegen sehr engagiert auf und schuf das Symbol "Schwerter zu Pflugscharen". Das Zeichen geht zurück auf ein Bibelwort aus dem Michabuch (Kapital 4,3). Ein russischer Künstler hatte dazu eine berühmt gewordene Skulptur geschaffen, die noch heute vor dem UN-Gebäude in New York steht.

Die DDR-Organe waren damals in einer Zwickmühle. Einerseits wollten sie keine eigenständige Friedensbewegung unter Jugendlichen im kirchlichen Raum zulassen, andererseits konnten sie nichts gegen ein sowjetisches Denkmal einwänden. Die Vervielfältigung dieses Symbols wurde verboten. Da Stoffdrucke bis dahin nicht genehmigungspflichtig waren - das sollte sich allerdings danach auch ändern- ließ man dieses Friedenssymbol auf Vlies drucken.

Das hatte nun den unverhofften Effekt, dass Jugendliche sich das Zeichen auf ihre Anoraks und Parker nähten. Sie und ihre Eltern wurden daraufhin durch Verhöre im Polizeirevier und in Schulen massiv unter Druck gesetzt. Dieses Engagement kirchlicher Gruppen in der ehemaligen DDR fand zunehmend Interesse in Friedensgruppen im Westen Europas.

Nach der Wende schien die Friedensfrage gelöst zu sein. In den letzten Jahren haben sich angesichts offener und schwelender Konflikt in fast allen Erdteilen und angesichts von Terrorismus und Völkermord Menschen zusammen gefunden, um sich für ein friedliches Miteinander von Völkern und Religionen einzusetzen. Kein Gebet ist umsonst. Keine noch so kleine Aktion ist bedeutungslos. Führt sie doch Menschen zusammen, die die Politiker an ihre Verantwortung für den ganzen Globus erinnern.

Die diesjährige Friedensdekade steht unter dem Thema "Warum habt ihr Angst?" Es erinnert an das Jesuswort: "In der Welt habt ihr Angst; aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden." Dass Ängste gerade in einer scheinbar abgesicherten Welt die Menschen umtreiben, hat nicht nur der 11. September 2001 gezeigt. Wir haben es unmittelbar im Zusammenhang mit der Hochwasserflut im Sommer erlebt.

Deshalb ist es erschreckend und gefährlich, wenn zur Zeit damit Politik gemacht wird, dass Ängste geschürt werden. Darum müssen wir uns bewusst machen, wo und wie mit der Angst gespielt wird und was uns wirklich ängstigt. Aber Politiker können auch mit ihrem Engagement und ihrem Einsatz vor Ort Ängste überwinden helfen. Das hat der Ministerpräsident unseres Landes in jüngster Zeit gerade in unserem Kreis gezeigt.

Die ökumenische Friedensdekade ermuntert zum Gebet und ermutigt zum Nachdenken über diese Fragen. In dem Vorbereitungsmaterial bin ich auf eine sehr interessante Geschichte über den heiligen Franziskus aus Assisi gestoßen. Als Jugendlicher war er schon mit der herrschenden, aggressiven Kreuzzugspropaganda konfrontiert. Sie findet in keiner seiner Äußerungen ihren Niederschlag. Das ist für die damalige Zeit sehr bemerkenswert. Als Franziskus 1219 in einem ägyptischen Kreuzfahrerlager weilte, besuchte er trotz Widerstandes des päpstliche Legaten den dortigen Sultan.

Franziskus ging nicht als Kreuzfahrer, nicht als Vertreter der Machtstruktur, die den Sultan gefangenhielt, sondern als ein Christ, als ein Jünger Jesu, ohne Besitz, ohne Waffen. Er ließ sich nicht von den Verleumdungen verängstigen, die den Sultan als "grausames Tier" beschrieben. Als er ihm begegnete, war er beeindruckt von der tiefen Religiosität des Sultans. Franziskus erinnerte sich wohl an das Wort Jesu, der zu einem Fremden sagte: "Solchen Glauben habe ich in meinem Volk nicht gefunden".

Seine Toleranz wurzelte im Glauben und der innigen Beziehung zu Jesus. Sie gaben ihm den festen Halt, mit Ängsten und Aggressionen fertig zu werden, unabdingbare Voraussetzungen von Offenheit. Als Brückenbauer zwischen den Religionen wurde er leider aus dem Geschichtsbewusstsein gedrängt.

Für die Entwicklung der Menschen ist es verhängnisvoll, militante, staatliche Machtpolitik und blinden Terror nicht in Frage zu stellen würden. Die Friedensdekade möchte dazu einen Beitrag leisten.



E-Mail: friekoop@bonn.comlink.org

Website: www.friedenskooperative.de
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