Netzwerk Friedenskooperative


vom:
06.06.2002
Update: 19.03.2015


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Erfahrungsberichte

(Mein) Praktikum beim Netzwerk Friedenskooperative

div. Autorinnen



Aline Sierp

Daniela Blanck

Molly MacDougall

Lea Mulyono

Hanna Poddig

Irina Gabunia

Leo Buttolo

Sybille Malmann

Kathleen Boström

Serena Vecchietti





Aline Sierp

"Ach komm doch erst einmal herein, ich zeig dir mal schnell unser Refugium" - so wurde ich von Kristian Golla, einer von zwei Vollzeitkräften beim Netzwerk, zu Beginn meines Praktikums begrüßt. Innerhalb von ein paar Minuten gingen wir durch die beiden kleinen Räume eines Hinterhauses in der Römerstrasse 88, begutachteten 10 Computer und 10.000 Ordner voll mit Hinterlassenschaften früherer Aktionen, Gegenwart und der Zukunft, gingen in die kleine Teeküche und in das Lager, in dem sich Plakate, Banner und Kisten voller Papier den Platz streitig machten.

"Hier ist Dein Arbeitsplatz, Dein Computer, Du kannst gleich an die Arbeit gehen, wenn Du möchtest." Hineingeworfen in ein Wirrwarr an Informationen, warteten schon Berge an Arbeit auf mich. "Ich habe Dir schon einen kleinen Haufen zusammengestellt, den Du bearbeiten kannst, wenn Du möchtest." Dies war schon das zweite Mal dass ich diese "wenn Du möchtest" hörte und es sollte mich während der nächsten 5 Wochen genauso begleiten wie die nie enden wollende Arbeit. Ein Praktikum ist immer freiwillig, bezahlt bekommt man nichts, aber Kristian betonte immer wieder, dass ich alles so machen dürfte wie ich wollte, er bereit sei, mir zu zeigen, wie ich Dinge schneller und effizienter erledigen könnte, ich aber auch gerne bei meiner alten Technik bleiben dürfte. Das betraf das Eintüten von Briefen oder das Aufkleben von Briefmarken genauso wie die Einteilung meiner Aufgaben. Mir ist in der ganzen Zeit nichts aufgedrängt worden. Jeden Morgen sind wir gemeinsam den Tagesplan durchgegangen und haben uns abends noch einmal zusammengefunden, um zu sehen, was übriggeblieben ist und was noch zu erledigen wäre. Diese Regelung gab mir sehr viel Freiheit in der Gestaltung meines Praktikums. Gebunden war ich auch nicht an Arbeitszeiten. Oder zumindest musste ich nicht den Marathon, den Kristian und Manni einlegten, mitlaufen: 12 Stunden am Tag ohne Pause, Wochenendarbeit und Feiertagseinsätze. 7 bis 8 Stunden waren auch genug und häufig konnte ich den Computer, nachdem ich nach Hause kam, nicht mehr sehen.

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Das war insgesamt der schwierigste Teil des Praktikums - die viele Computerarbeit. Wer ein Praktikum beim Netzwerk beginnt, sollte sich darüber klar sein, dass die Haupttätigkeiten mit dem Computer erledigt werden. Benutzt werden alte Programme die noch unter "MS" DOS" laufen wie z.B. Windows 5.0, in die man sich erst einarbeiten muss. Vorkenntnisse sind deswegen nicht zwingend notwendig. Auch muss man bereit sein, stupide Arbeiten, im Büro immer gerne als "shit-work" bezeichnet wird, zu erledigen wie z.B. Adressen neu eingeben oder zu korrigieren, Unterschriften zu zählen, Überweisungsbelege einzuordnen, Flugblätter einzutüten, Transparente sauberzumachen oder Briefmarken aufzukleben, aber ohne fleis keinen Preis. Im Gegenzug wird einem ein exquisiter Einblick in die Arbeit einer Dachorganisation der Friedensbewegung gewährt. Auf Parteitagen (SPD, B90/Grünen, PDS), bei denen die Friedensbewegung traditionell vertreten ist und bei Trägerkreistreffen hat man die Gelegenheit, Kontakte zu knüpfen, andere Organisationen im In- und Ausland kennenzulernen und Zugang zu Materialien und Informationen zu bekommen, die nicht immer frei zugänglich sind. Also ein guter Blick hinter die Kulissen.

Ich habe die Arbeit beim Netzwerk als sehr bereichernd und interessant wahrgenommen und würde ein Praktikum dort jederzeit noch einmal machen. Ich habe das Gefühl vermittelt bekommen, dass meine Arbeit wichtig ist und gebraucht wird und denke mehr denn je, dass man - besonders in Anbetracht der brisanten politischen Situation - die Arbeit der Friedensbewegung unterstützen sollte.

Bonn, Mai 2002

Kontakt: Aline Sierp: alinesierp[at]aol.com



Daniela Blanck

Ich habe die letzten zwei Wochen (vom 19.2.03 bis zum 5.3.03) zusammen mit meiner Schwester Corinna für zwei Wochen beim Netzwerk Friedenskooperative in Bonn gearbeitet. Da wir nicht zum erstenmal da waren, im Herbst hatten wir schon einmal ausgeholfen, war sicherlich vieles einfacher: Kristian Golla und Mani Stenner, die zwei schon ewig und immer Friedensbewegten die den Laden schmeißen, mussten uns nicht von Anfang an einarbeiten, viele Arbeiten und Abläufe kannten wir schon, wir mussten nur wieder reinkommen. Schwerpunkt unserer Arbeit war natürlich die resist-Kampagne [
http://www.resistthewar.de]. Die ersten Tage galt es, einen riesigen Berg von Unterschriftenlisten, der sich aufgrund der großer Resonanz und zugleich der hoffnungslosen Überbelastung der regelmäßig bei dem Netzwerk Friedenskooperative Arbeitenden angesammelt hatte, abzuarbeiten. Die Personen, die auf diesen Unterschriftenlisten eine Art Selbstverpflichtung im Falle eines Irak-Krieges geleistet haben, waren neu aufzunehmen in die Adressendatei des Netzwerkes. Des weiteren mussten Bestellungen, z.B. Plakate, weitere Unterschriftenlisten, Rechtsinfos zu Aktionen Zivilen Ungehorsams oder auch ausführliche Hintergrundinfos, entsprechend bearbeitet sowie Spenden verbucht werden. Natürlich kann man mittlerweile auch direkt auf der Internetseite der Kampagne "resist the war" [http://www.resistthewar.de] den Aufruf unterschreiben und Mani schreibt dann "mal ebenso" eine Programmänderung die es ermöglicht, die neuen Unterzeichner gleich automatisch, d.h. mit reduzierter menschlicher Hilfe, in die Adressverwaltung aufzunehmen. "Mit den X rummachen" nennt Kristian Golla, der scheinbar jeglichen Stress und jede Anspannung mit seinen Sprachspielen und seiner humorvollen Art kompensiert, dann intern diesen Vorgang.

Neben der Bearbeitung der Post gab es aber auch noch andere Aufgaben für mich: Der Terminkalender des Netzwerkes [
http://www.friedenskooperative.de/termine.htm] sowie die Seite "Aktionen am Tag X" [http://www.friedenskooperative.de/tag-x.htm] werden täglich aktualisiert, neue Termine werden aufgenommen und schon aufgenommene mit weiteren Details, wie z.B. konkreter Ablaufplan oder Kontaktadresse, verbessert, Links zu Seiten der Veranstalter werden gesetzt und bei offenen Fragen wird der Ansprechpartner der Aktion per e-mail kontaktiert.

Doch neben der ewigen Büroarbeit, bei der man vor mehreren Computerbildschirmen gleichzeitig sitzt, umgeben von brummenden Faxgeräten, surrenden Druckern, den Geräuschen des Kopierers und nicht zuletzt der fast ununterbrochen klingelnden Telefonen gab es auch eine Abwechslung: Am Samstag, den 22.02.03 organisierte die Kampagne resist eine zeitlich begrenzte Sitzblockade vor der Rhein/Main-Airbase bei Frankfurt. Da war ich natürlich auch mit, habe Wegschilder aufgestellt, Spenden gesammelt und den Infotisch gemacht.

Obwohl es soviel zu tun gab und auch immer noch zu tun gibt fanden wir doch hin und wieder ein bisschen Zeit zum Reden und Diskutieren. Manchmal sind Corinna und ich abends noch mit Kristian Essen gegangen und haben den Tag und die Eindrücke Revue passieren lassen.

Natürlich war diese Arbeit ehrenamtlich, es gab kein Geld und ich habe ziemlich viel Zeit investiert. Doch trotz Stress und Hektik hat mir die Zeit beim Netzwerk Friedenskooperative und die Arbeit mit Mani, Kristian, Susi und Christian richtig Spaß gemacht, vor allem aber haben mir diese zwei Wochen das echt gute Gefühl gegeben, etwas Sinnvolles getan zu haben, gebraucht zu werden, nützlich gewesen zu sein, einfach irgendwie helfen zu können und so einen - ja ich weiß, nur einen kleinen - Teil dazu beigetragen zu haben, gegen den drohenden Irak-Krieg anzugehen.

Paderborn/Bonn 20.03.03



Molly MacDougall

Meine Arbeit bei dem Netzwerk Friedenskooperative und mein Aufenthalt in Bonn im April 2005 war (leider) ziemlich kurz. Ich war nur einen Monat da, wurde aber warmherzig und freundlich aufgenommen. Kristian war sehr nett und hat meinen Aufenthalt sehr angenehm gemacht. Manni hatte immer was nettes zu sagen und die Atmosphäre, die sich in der "Gartenstube"/Büro gebildet hat, war immer schön. Daran werde ich mich lange erinnern. Ich habe mich jeden Tag gefreut, morgens mit dem Fahrrad ins Büro zu fahren um einen Tee zu trinken, mich mit Manni oder Kristian zu unterhalten oder einfach Stunden lang im Internet zu surfen, um die Website des Netzwerks um Internationale Links zu US-Organisationen zu ergänzen. Ich hätte nie gedacht, dass ich in meinem Praktikum etwas für das WWW machen würde, jetzt will ich aber mehr darüber lernen.

Im April war leider nicht sehr viel los. Die nächsten größeren Aktionen fanden zum 1. Mai statt, da ich aber am 23.04.05 wieder nach Trier gehen musste, um dort die Uni dort zu besuchen, konnte ich leider nicht daran teilnehmen.

Es ist immer wieder beeindrückend, Leute zu sehen, die genau das Leben leben, wie ich es gerne tun würde. Hoffentlich kann ich eure Standards irgendwann mal erreichen.

Vielen Dank,

Molly MacDougall, (Trier, April 2005)

Molly MacDougall studiert Political Science and Social Justice an der Hamline Universty in St. Paul, Minnesota (USA) und war für ein Jahr als Austauschstudentin an der Uni Trier.

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Molly MacDougall (2 v.l.) mit Freunden bei der Demo gegen Bush am 23.Feburar 2005 in Mainz



Lea Mulyono

Als ich im November 2005 die Zusage bekam, für ein paar Wochen ein Praktikum beim Netzwerk Friedenskooperative zu machen, konnte ich mein Glück zunächst gar nicht fassen, denn ich hatte schon von einigen anderen Organisationen Absagen bekommen, weil ich noch keine Studentin war. Für Kristian, dem Full-Time-Netzwerkler, schien das kein Problem zu sein, was mir schon mal sehr sympathisch war!

Ich wurde nicht enttäuscht! Das erste was ich im dem kleinen, aber unglaublich funktionstüchtigen Büro, in die Hand gedrückt bekam, war eine Tasse heißer Tee, der uns durch einige kalte Januarmorgen helfen würde!

Sofort konnte ich mich an die Arbeit machen, an "meinem" Schreibtisch und Computer. Meine Hauptaufgabe bestand darin eine Referentenliste zu erstellen, die anlässlich des Jahrestages "20 Jahre Tschernobyl" auf der Netzwerkseite zur Verfügung gestellt werden sollte. Das hieß vor allem im Internet nach Viten und Kontaktadressen verschiedenster Professoren und Experten zu recherchieren, was sich wirklich einfacher anhört als es ist und meine detektivischen Fähigkeiten forderte (und manchmal erheiternde E-mail-Korrespondenzen mit sich brachte!). Doch wenn ich dann begeisterte Zusagen von den jeweiligen Personen bekam, waren das wirklich schon ein kleines Erfolgserlebnisse!

Außerdem gehörte zu meiner Arbeit u.a. Kurzmitteilungen für das Magazin "Friedensforum" zu erstellen, eine Literaturliste zu ergänzen, das Praktikumsangebot der Friedenskooperative an Unis zu verbreiten, Anrufe entgegenzunehmen, Recherche zur Infoübersicht der Ostermärsche 2006, aber auch mal Arbeit zum "Abschalten", wie z.B. Hunderte von Spendenquittungen und Dankesbriefen einzutüten! Doch das musste zwischendurch auch mal sein, zur Abwechslung von der Arbeit am Computer!

Jedenfalls wurde es nie langweilig oder eintönig und über Arbeitsmangel konnte ich mich wirklich nicht beklagen. Zwischendurch hatte ich trotzdem Zeit auf Kristians Anregung hin auf interessanten Webseiten zu stöbern, wie z.B. der des New Yorker Fotografen Fred Askew. (
http://www.fredaskew.com, die hier jedem ans Herz gelegt werden sollte der sich auch nur ein bisschen für gute Fotographie und die Friedensbewegung interessiert!)

Insgesamt hatte ich viel Spaß bei meinen Aufgaben, vor allem hat mir gefallen, dass ich völlig selbstständig arbeiten konnte und mir allein einteilen konnte wann ich was erledige, und dabei das Gefühl zu haben, dass man wenigstens einen kleinen Teil zu friedlichen Lösungen beiträgt!

Die Atmosphäre im Büro war herzlich und locker, das Radio lief immer, und die Zeit verflog jeden Tag nur so im Flug! Einmal machten wir sogar einen kleinen Abstecher nach Köln, um eine Lieferung von Pace-Fahnen in Empfang zu nehmen. Dabei durfte ich auch Andreas Zumach die Hand schütteln, dessen neues Buch ich dann auch gleich als Abschiedsgeschenk vom Netzwerk bekam! (Diese Buch sein sehr empfohlen:
http://www.perlentaucher.de/buch/22872.html)

Am Ende war ich wirklich traurig gehen zu müssen. Der Einblick in die Arbeit einer Friedensorganisation hat mich beeindruckt und zurück bleibt die Bewunderung für die Netzwerkler Mani, Christian und vor allem Kristian, die wirklich unglaubliches leisten mit ihrer unermüdlichen Arbeit in ihrem kleinen Büro in der Römerstraße!

Mühlheim (am Main), Februar 2006

Kontakt: Lea Mulyono, eMail: Lea_DownUnder[at]gmx.net



Hanna Poddig (2006)

Während meines gut einmonatigen Praktikums bei der Friedenskooperative habe ich einige Dinge erlebt und gelernt, über die zu berichten sich lohnt:

Ich bin durch mein freiwilliges ökologisches Jahr bei Robin Wood [
http:/www.robinwood.de] und mein sonstiges ehrenamtliches Engagement u.a. für xtausendmalquer [http:/www.x1000malquer.de] mit der Arbeit von NGOs durchaus vertraut. Daher ist für mich weniger der Einblick in die Arbeit eines beliebigen solchen Vereines oder Zusammenschlusses interessant, sondern eher der Vergleich der unterschiedlichen Arbeitsweisen.

Ich weiß nicht so recht, wo ich anfangen soll, denn es ist wahnsinnig schwierig, die Arbeit eines Netzwerkes mit der eines Vereins (RoWo) und eines nur ehrenamtlich arbeitenden Zusammenschlusses (x1000) zu vergleichen. Bei der Friedenskooperative werden Aufgaben von einer Person übernommen, für die bei Robin Wood drei zuständig sind. Und genauso ging es auch mir. Ich war eben nicht nur für die Planung einer Sache zuständig, sondern habe immer drei bis vier Baustellen gleichzeitig abdecken müssen. Sicherlich spannend und neu für mich. Ich bin beeindruckt von Leuten, die immer so arbeiten (und dann in der Mittagspause in der Mensa auch noch die Kraft haben, sich Gedanken über Frauenzeitschriften, Unterwäsche und weggeworfenes Essen sowie den Kapitalismus zu machen)!

(...)

Hamburg, Juli 2006

Kontakt: Hanna Poddig, eMail: Hanna Poddig[at]web.de



Irina Gabunia (2007)

Ich habe Anfang des Jahres beim "Netzwerk" ein sechswöchiges Praktikum gemacht. Die Zeit ging sehr schnell rum, und wenn ich zurück blicke, habe ich das Gefühl, dass es höchstens 2 Wochen sein könnten.

Als ich zum erstem mal das kleine Büro betreten habe, war ich mir sicher, dass es nur ein Teil von der Organisation "Netzwerk Friedenskooperative" ist. Nach ein paar Tagen wurde es mir klar, dass alles allein aus diesem Büro gesteuert wird. Das war EINE ÜBERASCHUNG!!! für mich.

Es war einiges zu tun da. Kristian hat mir mein Arbeitsplatz und Computer gezeigt, so wie ein paar Aufgaben. Es war spannend, und hat viel Spaß gemacht. Ich denke, dass ich da einige Erfahrungen gesammelt habe, die mir in meinem zukünftigen Berufsleben hoffentlich hälfen werden.

Die Mitarbeiter vom "Netzwerk" haben mich mit deren Arbeitswilligkeit zutiefst beeindruckt. Ich denke, dass 80 Stunden die Woche ist auch schon mal bei denen vorgekommen.

Ich werde jedem, der ein Praktikum machen möchte, oder etwas fürs Frieden auf unseren Planeten tun will, ein Praktikum beim "Netzwerk Friedenskooperative" ans Herz legen.

Bonn, 20.03.2007



Leo Butollo (2010)

Zehn Wochen habe ich zusammen mit Kristian Golla und Mani Stenner für das Netzwerk Friedenkooperative in Bonn gearbeitet. Ein Praktikum, das mir aus vielen verschiedenen Gründen in guter Erinnerung bleiben wird.

Zum einen wurde ich im Büro der Römerstraße 88 sehr herzlich aufgenommen. Es herrschte stets eine lockere und angenehme Arbeitsatmosphäre. Ich wurde mit höchstem Respekt behandelt und in dem Glauben bestätigt, dass meine geleistete Arbeit nützlich ist und dem Betrieb weiterhilft (also zum Glück nicht nur kopieren und Kaffee kochen, auch wenn ich das gut kann).

Netzwerk Friedenskooperative - eine nicht-profitorientierte Einrichtung - wobei ich mir im Klaren war: Kohle krieg ich hier keine. Die bestehenden Materiellen Engpässe wusste Kristian (wie in den meisten Situationen) jedoch in kreativer Weise zu umgehen, um mir entgegenzukommen. So bekam ich bei meinem ersten Arbeitstag ein Praktikantenfahrrad zur Verfügung gestellt. "Wie geil ist das denn" dachte ich mir. Auf diese Art und Weise konnte ich mir beispielsweise das teure Busticket sparen, sportlich und ökologisch war ich auch noch unterwegs.

Meine Arbeit gestaltete sich diverser als ich es mir anfangs vorgestellt habe. Neben der Büroarbeit, in der ich alle möglichen (sehr interessanten sowie weniger interessanten) Personen kontaktierte, das Internetangebot aktualisierte, Artikel für das Rheinraum-Magazin sowie Kurzmitteilungen für das Friedensforum verfasste, konnte ich im Garten werkeln. Nun ja, ich sag mal: Kristian und ich sind mehr die kritischen Denker und Gesellschaftsanalytiker als die besonders talentierten Handwerker. Doch wir halfen uns gegenseitig und machten uns ganz gut. So war ich an der Erschaffung der 1,60 großen Holzbuchstaben (siehe Photo), maßgeblich beteiligt. Ein weiterer Streich waren die fast schon legendären "Pappkameraden" - vier herausragende Persönlichkeiten des 20. Jahrhunderts (Mahatma Ghandi, Willy Brandt "Die Schule der Nation ist die Schule", Albert Einstein "Ein kluger Kopf passt unter keinen Stahlhelm") und Gustav Heinemann) wurden als Pappfiguren erstellt. Werke, die für diverse Protestaktionen, sei es der
"Hiroshimatag 2010" oder der "Bundeswehr Karrieretreff 2010", zentrale Punkte Darstellten. Ohnehin wurde mir bei allem was ich leistete, stets der Sinn und Zweck der Arbeit klargemacht, wodurch ein möglicher Entfremdungsprozess der Arbeit nicht eintreten konnte. Neben den anfälligen Arbeiten gab es selbstverständlich einigen Raum zu politischen Diskussion.

Es war die Mischung aus Büroarbeit, redaktioneller Mitarbeit, künstlerischer Handarbeit sowie der aktiven Mitgestaltung an Protestaktionen, die mir sehr gefallen hat. So konnte ich sowohl in dem Verfassen der Artikel als auch der Bastelarbeit kreativ werden. Besonders hat mir neben den gewonnenen Einsichten in die Büroarbeit das Mitwirken an Protestaktionen, an denen ich mit Kristian vor Ort war (
http://www.flickr.com/photos/friekoop/sets/72157624561352155/ = Hiroshimatag 2010, Bundeswehr Karrieretreff 2010) gefallen.

Neben den Einblicken in Verschiedene Bereiche dieses Berufs habe ich viele neue Sachen gelernt. Auch wenn ich mit den im Büro verwendeten Computerprogrammen noch keine Erfahrung hatte, wurde ich recht schnell eingelernt und kann nun mit Programmen wir Typo3 oder dBase umgehen.

Während meiner Zeit in Bonn hatte ich zwei Seminararbeiten für mein Studium zu erledigen. In dieser Sache wurde mir im Büro sehr unter die Arme. Nicht nur für Themen der Friedens- und Konfliktforschung stellte sich mein Arbeitsplatz als wahre Bibliothek heraus. Ich konnte mich immer frei bedienen und kopieren was ich brauchte.

Zurückblickend verstrichen meine zehn Wochen im Netzwerk Friedenskooperative sehr schnell - ein Indiz dafür dass hier wahrlich keine Langeweile aufkam. Es ist immer wieder schön zu sehen wie Leute hart für ihre Ideale Arbeiten, auch wenn diese Sparte von Job nicht viel Geld abwirft wie profitorientierte Bereiche und es für die Erkämpfung der Friedensziele ein langer Weg ist. Oder sollten wir uns nicht an unseren alten "Pappkameraden" Ghandi halten, der hinter mir von der Wand grinst und sagt: "Es gibt keinen Weg zum Frieden, denn Frieden ist der Weg"?

Bonn, 30.09.2010

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"Garten, Pace, Leo!"



Sybille Malmann (2012)

Ich war insgesamt zwei Monate beim Netzwerk Friedenskooperative als Praktikantin tätig. Es war mein erstes Praktikum in einer NGO. Die größte Überraschung für mich war die Vielfältigkeit der Arbeit: Angefangen bei "Bastel"arbeiten, die die ganzen Veranstaltungen und Aktionen unterstützen, über Büroarbeit wie Archiv- und Datenbankpflege, sowie journalistischem Schreiben vor allem für das Bonner Internetmagazin "rhein:raum" [
http://rheinraum-online.de] bis hin zu fotografischen Tätigkeiten und der Aktualisierung der Website.

Es ist wirklich für jeden etwas dabei und Kristian ist sehr darauf bedacht, dass jeder hier seine Stärken einbringen kann und etwas lernt. Deshalb muss man auch nicht zwangsläufig Politikwissenschaften studieren (wie wahrscheinlich die meisten Praktikanten die hier waren), sondern es sind alle möglichen Fachrichtungen denkbar. Und auch ich als Absolventin (Diplom Geografin) bin nicht zu kurz gekommen und konnte jede Menge lernen.

Zudem war das Arbeitsklima durchgängig super. Ich hatte das Gefühl, dass ich all meine Anliegen in einem lockeren Gespräch klären konnte. Kristian hat auch oft nachgefragt, ob ich die Aufgabe gerne erledige oder lieber etwas anderes machen möchte.

Während meiner Arbeit habe ich sehr viel im Bereich Social Media gearbeitet. Ich habe unter anderem einen Blogeintrag [
http://atomwaffenfrei.wordpress.com/] über die Jahresversammlung 2012 der ´Mayors for Peace` [Film: http://vimeo.com/54782087] geschrieben und den Flickr-Account [http://www.flickr.com/photos/friekoop/] regelmäßig mit Bilder aktualisiert.

Außerdem haben mir die organisierten Veranstaltungen des Netzwerks besonders gut gefallen. Ich hatte das Glück, dass während meiner Praktikumszeit außergewöhnlich viele Veranstaltungen liefen und ich so jede Menge mitbekommen und gelernt habe. Dazu gehörten Demonstrationen/Kundgebungen, Kongresse wie der Afghanistankongress, Mitgliederversammlungen und Vorträge und Vorlesungen. Die Organisation schneidet außerdem zu vielen Veranstaltungen kurze Filmchen [
http://vimeo.com/user3222764] zusammen. So konnte ich zusätzlich auch im Filmbereich einen kleinen Eindruck gewinnen.

Ich fand die Arbeit in einem politischen Kontext und mit aktuellen Themen super interessant und am Ende hat man auch noch das Gefühl etwas sinnvolles getan zu haben.

Mein Ziel habe ich jedenfalls durch das Praktikum erreicht: Ich habe einen tiefen Einblick in die Arbeit einer NGO gewinnen können! Durch die Vielfältigkeit der Arbeit konnte ich auch viele Sachen ausprobieren und habe zum Beispiel gemerkt, dass mir das journalistische Schreiben nicht so gut liegt. Für diese Erfahrung bin ich sehr dankbar, denn schließlich bringt das Wissen über die eigenen Schwächen einen auch immer weiter.

Bonn, 04.12.2012



Kathleen Boström

Im Sommersemester 2014 bewarb ich mich für ein Praktikum beim Netzwerk Friedenskooperative und wurde dort auch mit Freude aufgenommen. Von da an kam ich pro Woche immer zweimal ins Netzwerk Büro, wie es der Stundenplan eben erlaubt bei einem semesterbegleitendem Praktikum.

Schon beim ersten Telefongespräch merkte ich, dass dies ein Praktikum der etwas anderen Art werden würde: meine Talente in allen möglichen Bereichen waren gefragt, von Fremdsprachen über computergestützte Bildbearbeitung bis zu der Arbeit mit Pappmaché und Origami.

Dieser Fokus auf die eigenen Fähigkeiten und Interessen zog sich durch meine gesamte Zeit in Bonn. Selten habe ich so oft "Ganz wie du willst!" gehört wie in meiner Zeit hier, ich konnte mir meine Tage wirklich frei einteilen. Natürlich gab es immer wieder Aufgaben, die weniger spannend waren (wie zum Beispiel Sortieren und Ablegen verschiedenster Friedenszeitschriften mehrerer Jahrgänge und Ursprungsländer), aber auch die waren manchmal ganz gut, wenn mir nach einem langen Tag "der Kopf rauchte".

Außerdem: wann hat man schon einmal den Zugang zu Zeitschriften aus den 80er Jahren? Generell habe ich hier viele interessante Artikel und Zeitschriften zu lesen bekommen, nach denen ich meistens nicht einmal fragen musste: "Hier, ich dachte, das könnte dich interessieren."

Sobald das Wetter im Mai dann schöner wurde, war ich viel draußen und habe dort ´gebastelt`. Seit dem Kunst GK habe ich nicht mehr so viel mit meinen Händen gemacht und dabei wieder gemerkt, wie zufriedenstellend das handwerkliche Schaffen ist. Unter anderem habe ich mitgeholfen, das Goldene Kalb aus Pappmaché, was durch einige Demo-Einsätze ziemlich mitgenommen aussah (siehe Foto), wieder auf Vordermann zu bringen, und auch ein paar der Leo-Panzer wurden in meiner Zeit hier fertiggestellt. Schön war auch, dass, wenn dann der erste Hunger aufkam, man immer gleich im hübschen Garten essen konnte.

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Garten, Kalb und große Sauereien ...

Alles in allem habe ich einen wirklich sehr breitgefächerten Aufgabenpool bearbeiten können: ich führte ein Interview mit einem Fotojournalisten und veröffentlichte es anschließend auf rhein:raum, zusammen mit anderen kleineren Artikeln; ich arbeitete mit an dem Projekt einer mobilen Hörstation zum Gedenken an die Friedensnobelpreisträgerin Bertha von Suttner und lernte auch ein so altes Programm wie dBase zu bedienen.

Die Mails, die ich geschrieben habe und die Texte, die ich bearbeitet habe kann ich mittleweile nicht mehr zählen, aber sie fügen sich ebenso in das Gesamtbild ein wie das Flyer-Schneiden und Spendeneimer-Bekleben.

Zwischendurch bin ich auch mal etwas herumgekommen: das Miterleben eines Koop-Rates brachte Kristian, Philipp und mich gleich an meinem zweiten Tag bis ins entfernte Kassel, und das Gelände der Ermekeilkaserne habe ich natürlich auch besucht. Dort konnte ich beispielhaft den Prozess der Konversion beobachten: Auf ehemaligen Bundeswehr-Gelände steht nun, neben vielen anderen geplanten Projekten, ein urbaner Garten.

Leider habe ich es zeitlich nie geschafft, die eigentlichen Veranstaltungen und Demonstrationen zu besuchen, aber der Einblick hinter die Kulissen war es auf jeden Fall wert.

Als Psychologiestudentin ist das sicher nicht unbedingt das typische Praktikum, aber ich bin im Endeffekt sehr zufrieden mit meiner Wahl: die Friedensarbeit hat mehr mit Psychologie zu tun, als man denkt. Die Themen Verständigung, soziale Räume und Konfliktlösung sind alles auch Forschungsgebiete in der Psychologie und es war schön, auch einmal fachfremde Ansätze dazu zu erleben. Und außerdem ist es, bei dem doch sehr theoretisch angesetzten Studiengang, auch mal schön mit Kleister oder Pappmaché arbeiten zu können.

Alles in allem hatte ich einige schöne Wochen hier in Bonn, die geprägt waren von einer netten, offenen Atmosphäre mit Tee und Musik und einem guten Eindruck von der scheinbar nie endenden Arbeit der Friedensbewegung.

Bonn, Juni 2014



Serena Vecchietti

Beitrag für das Bonner Internet-Magazin "rhein:raum", siehe hier:
http://rheinraum-online.de/2014/12/08/mitten-ins-schwarze-2/

Dezember 2014

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