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vom:
13.07.1998


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  Die Kampagnenzeitung

Die Folgen des Ausstiegs: Mehr Arbeitsplätze!

Michael Brzoska

Haben die Verantwortlichen bei der DASA und anderen betroffenen Firmen Pläne in der Schublade, für den Fall, daß das Projekt gestrichen würde? Angesichts der wechselvollen Geschichte des Jäger 90/Eurofighter 2000 und der erheblichen wirtschaftlichen Auswirkungen wäre das wohl zu erwarten, aber öffentlich bekannt ist darüber nichts.


Immerhin würde eine Streichung der Produktion bedeuten, daß die DASA mehr als 10% ihres erwarteten Umsatzes in den nächsten Jahren verlieren würde. Mindestens 1,5 Mrd DM bringt der Eurofighter pro Jahr, wenn die Fertigung voll angelaufen ist und das über 15 Jahre.

Vor allem für die möglicherweise Betroffenen wäre es gut zu wissen, ob und wenn welche Pläne die Industrie hat. Gegenwärtig werkeln ca. 3.500 Menschen an der Entwicklung. Deren Jobs wären im nächsten Jahrtausend gefährdet. Die meisten von ihnen sind in Bayern beheimatet.

Könnte die Planung der DASA, so es sie denn gibt, Alternativen für diese Beschäftigten vorsehen? Wohl nur für einen Teil von ihnen und zwar überwiegend im zivilen Flugzeugbau. Das Airbus-Geschäft läuft gut, wenn auch nur wenige neue Arbeitskräfte geschaffen werden. Auch ließen sich Arbeitspakete aus der Airbus-Produktion in Norddeutschland nach Süddeutschland verlagern. Alternativen außerhalb des Flugzeugbaus, durch Konversion in andere zivile Bereiche, sind für die momentan Beschäftigten begrenzt, denn solche Alternativen müssen langfristig aufgebaut werden.

Das geschätze Auftragsvolumen von 1,5 Mrd DM jährlich für die Fertigung kann, grob gerechnet, etwa 10-12.000 Menschen beschäftigen, also deutlich mehr, als gegenwärtig am Eurofighter werkeln ... Das heißt, durch einen Verzicht würden vor allem keine Arbeitsplätze geschaffen. Für die DASA und die Regionen in Bayern wäre das wirtschaftlich von Nachteil. Aber weder die DASA noch Bayern sind, im bundesdeutschen Vergleich, besonders notleidend. Gezielte Förderung von Zukunftbranchen, wie Solarenergie, wäre sinnvoller.

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Ein Verzicht auf den Eurofighter hätte Wirkungen über Bayern hinaus. Möglichweise würde auch in Italien und Spanien neu über die Beschaffung nachgedacht, wohl nicht aber in England, wo die neue Labour-Regierung das Projekt ausdrücklich aus ihrer "Defence Review", der Neuformulierung ihrer Militärpolitik, ausgenommen hat.

Steigt Deutschland aus der Fertigung aus, fallen die Entwicklungsergebnisse an die verbleibenden Partner. Das wird oft als Verschenken deutscher Steuergelder dargestellt. Aber pikanterweise könnte eine Produktion nur in England mehr Arbeitsplätze in England als auch in Deutschland schaffen als die jetzt geplante Endfertigung in den vier beteiligten Ländern. Nämlich dann, wenn die Luftwaffe komplette Flugzeuge in England kaufen würde, dafür aber über "Offset"-Geschäfte zivile Ausgleichs-Aufträge ausgehandelt würden. Solche "Offset"-Geschäfte sind im internationalen Rüstungshandel die Regel geworden. Die belgische Regierung zum Beispiel hat Kompensationgeschäfte für Rüstungslieferungen von bis zu 300 Prozent ausgehandelt.

Öffentlich werden sich die anderen beteiligten Staaten bitter über einen deutschen Verzicht beklagen. Geringeres garantiertes Produktionsvolumen bedeutet höhere Kosten für das einzelne Flugzeug, damit sinken auch die Exportchancen. Aber Regierungen sind schon öfter aus Kooperationensprogrammen ausgestiegen, ohne daß dadurch langfristiger politischer Schaden angerichtet wurde.

Wichtiger wiegt das Argument, daß es mit dem Verzicht auf den Eurofighter auf ewig aus sein würde mit dem deutschen Kampflugzeugbau. Die Frage ist nur, ob das ein Argument für oder gegen den Ausstieg ist. Denn mittelfristig ist es mit der DASA als Kampfflugzeugbauer wohl sowieso zu Ende. Die DASA ist zu klein, schon im europäischen Vergleich, besonders aber im Vergleich mit Boeing und Lockheed Martin, den Rüstungs-Superkonzernen in den USA.

Das vorzeitige Aus für den Eurofighter, zumindest in Deutschland, würde also nur einen Prozeß beschleunigen, dessen wirtschaftliche Logik unabwendbar ist. Eine traurige Erkenntnis für die Kampfflugzeuglobby. Möglicherweise wirkt sie so lähmend, daß es wirklich keine Alternativplanungen gibt.


Dr. Michael Brzoska ist Forschungsleiter am Bonn International Center for Conversion (BICC)

E-Mail:  mb@bicc.uni-bonn.de
Internet: http://bicc.uni.bonn.de
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