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Eurofighter stoppen! - Inhalt


vom:
13.07.1998


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Eurofighter stoppen!:

  Die Kampagnenzeitung

Flächenbahn statt Fliegerwahn!

Alexander Dauensteiner

Spätestens seit der Konferenz für Umwelt und Entwicklung 1992 in Rio de Janeiro hat sich ein neues Leitbild etabliert: Die nachhaltige Entwicklung - eine über Generationen hinweg aufrechterhaltbare umweltverträgliche Entwicklung, die zudem die ökonomische und soziale Dimension berücksichtigt. Mit der Studie "Zukunftsfähiges Deutschland" des Wuppertal Instituts und dem jüngst erschienenen Bericht des Umweltbundesamtes "Nachhaltiges Deutschland" liegen nunmehr auch konkrete Vorschläge für die Umsetzung dieses Leitbildes in Deutschland vor. Natürlich fällt letztlich der Gesellschaft als Ganzes die Verantwortung zu, den Weg in eine nachhaltige Entwicklung zu bestimmen. Wenngleich eine sozial- und umweltgerechte Entwicklung nicht mit effizienter Technik allein zu erreichen sein dürfte, sondern ebenso einen Wertewandel erfordert, so haben sich Technologien an den Erfordernissen einer zukunftsfähigen Entwicklung zu messen und dürfen diesen nicht widersprechen. Sie müssen fehlerfreundlich und vor allem jederzeit umkehrbar sein. Anforderungen, die Rüstungsprojekte allesamt nicht erfüllen. Weder leisten sie einen Beitrag zur Lösung der dramatisch wachsenden Umweltprobleme noch sind sie gesellschaftsverträglich. Oftmals verhindern sie sogar die Investition in Zukunftstechnologien. So wird der Eurofighter in Deutschland ca. 23 Milliarden DM Investitionskosten binden, hinzu kommt nochmals ca. dieselbe Summe für den Unterhalt plus der Bewaffnung des Kampfjets. Knapp 50 Milliarden Mark, die an anderer Stelle fehlen werden. Manager und Politiker wären gut beraten, wenn sie diese immense Summe in Techikentwicklungen investieren würden, die einen Beitrag zur Lösung der wahren Probleme unserer Zeit leisten. Und was für den Eurofighter gilt, das gilt für andere Technikoptionen allemal: Arbeitsplätze sichern diese ebenso wie sie neue schaffen - und das meistens noch viel billiger. Für eine nachhaltige Entwicklung muß der Stoffumsatz und Ressourcenverbrauch deutlich gesenkt werden. Mit Blick auf die Erwärmung der Erdatmosphäre und der damit verbundenen Klimaproblematik ist die Verbrennung von fossilen Energieträgern drastisch zu reduzieren - gerade in den Industrieländern. Hier spielt der Energiesektor eine herausragende Rolle. Die Wende zur Energiespar- und Solarenergiewirtschaft ist dringend geboten und darf nicht länger aufgeschoben werden. Es ist tragisch, daß derselbe Konzern, der heute vom Eurofighter profitiert, seine Photovoltaikproduktion quasi eingestellt hat. Integrierte Ressourcenplanung, ressourcenschonende Produktion von Photovoltaik mit deutlich verbesserten Wirkungsgraden, Off-Shore Windkraftanlagen, Solarthermien sowie der Umstieg auf eine dezentrale Energiestruktur sichern ein mehrfaches an Arbeitsplätzen, wie sie angeblich der Bau des Eurofighters garantiert. Technikalternativen, deren massive Förderung angesichts der globalen Umweltproblematik ohnehin keinen Aufschub mehr duldet. Aber auch im Verkehrsbereich stehen die Alarmzeichen auf rot: Über 25% der CO2-Emissionen in Deutschland gehen auf das Konto des Verkehrs - Tendenz steigend. Der Luftverkehr wird bereits in wenigen Jahren den Autoverkehr als Klimakiller Nr. 1 ablösen. Flächenbahn statt Fliegerwahn, umweltfreundliche Antriebskonzepte und Autos, die auf hundert Kilometer eben nur noch 2 statt 9 Liter verbrauchen. Das sind nur einige der anstehenden Herausforderungen für weitsichtige Ingenieure und Politiker.

Auch die Medizintechnik muß künftig eine größere Rolle spielen. Wer für die Entwicklung lebenszerstörender Technologien - wie den Eurofighter und anderer Rüstungsprojekte - Milliarden ausgibt, für Arme und Kranke auf dieser Welt aber immer weniger Geld zur Verfügung stellt, verliert jede Glaubwürdigkeit in eine zukunftsfähige Politik. Zukunftsprobleme wie die weiter wachsende Umweltzerstörung, der Anstieg der Weltbevölkerung und soziale Schieflagen lassen sich mit Rüstungsprojekten wahrlich nicht lösen. Vielmehr lenken sie von den eigentlichen Herausforderungen auf dem Weg ins 21. Jahrhundert ab und behindern eine dauerhaft umweltgerechte Entwicklung.


Alexander Dauensteiner ist Sprecher im Dachverband Kritischer AktionärInnen Daimler Benz

E-Mail:  dauensteiner t-online.de


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