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Erstellt:
01.04.1998


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Rüstungsmesse mit Rekordbeteiligung

"Shopping in Le Bourget"

Thomas Küchenmeister aus "Die Woche"

Der kalte Krieg ist beendet doch das Waffengeschäft geht weiter. Flankiert von exportfreundlicheren, politischen Rahmenbedingungen, schöpft die angeschlagene europäische Rüstungsindustrie wieder Hoffnung. Nach vielen mageren Jahren rückläufiger Geschäfte versucht die Branche auf der Basis von Kooperationen wieder Tritt zu fassen. Der Startschuß für die Offensive fiel auf der Eurosatory in Paris/Le Bourget. Der mittlerweile wohl bedeutendsten Handelsmesse für sogenannte landsgestützte Waffensysteme. Vom Schweizer Armeemesser bis zum Raketenwerfer, von der Feldtoilette in Tarnfarben bis zum hochmodernen Kampfpanzer - die Eurosatory bot für jeden Geldbeutel und Bedarf etwas. Zu jedem dargebotenen Waffensystem fand sich - einige Stände weiter - ein anderes, geeignet ersteres wiederum zu zerstören. Über 700 Anbieter aus mehr als 30 Ländern, darunter fast alle EU - und osteuropäischen Staaten sowie die USA offerierten ihre todbringende Ware über 40.000 Fachbesuchern aus 5 Kontinenten. Rekord. Mehr als 80 Delegationen, darunter viele aus afrikanischen, asiatischen und südamerikanischen Ländern, versammelten sich mit ihren Einkaufslisten um die Stände der Waffenherstellern aus der industrialisierten Welt. Keiner der in dieser Branche bedeutenden Waffenproduzenten und Exporteure fehlte. Nach Gastgeber Frankreich stellten die USA das größte Ausstellerkontingent. Dicht gefolgt von über 30 deutschen Heeresrüstern. Die, unter Regie des Bundesverbandes der deutschen Industrie (BDI), "erstmals geschlossen und zuversichtlich" auf 2.000 der insgesamt 140.000 qm2 Ausstellungsfläche ihre Waffen "Made in Germany" präsentierten. Begleitet von den besten Wünschen des deutschen Botschafters in Paris, der zur Eröffnung der Messe die deutschen Aussteller zum festlichen Empfang lud.

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Eurosatory 1998 - Inhalt
Bewacht von einem Heer nervöser Sicherheitsbeamter und Polizisten fuhren hochrangige Militär und Politikerdelegationen in gepanzerten Limousinen vor, trafen Spitzenmanager aus der Rüstungsindustrie. Die hatten weder Mühe noch Kosten gescheut ihre Waffenarsenale zu präsentieren. Überlegene Tötungstechnik im Hochglanzformat, verteilt von jungen Hostessen und seriös gekleideten Herren. Multimedial offeriert dröhnten Raketeneinschläge, Bombenexplosionen und Maschinengewehrsalven aus Großbildschirmen. Sauber und auf Hochglanz poliert strahlten dem Betrachter Pistolen und Gewehre, Raketen und Munitionen aller Kaliber entgegen - sorgsam hinter Glasvitrinen arrangiert. Modernste Panzerabwehrrichtminen dekoriert mit Grünpflanzen. Eine skurile Atmosphäre. Waffen zum Anfassen und zum Bestaunen, hautnah und aus nächster Nähe. Wer wollte konnte auf Großbildsimulationsständen der Firma Saab einmal Hubschrauber oder Kampfflugzeuge abschießen, auf die neue deutsche Panzerhaubitze 2000 der Firma Wegmann klettern oder durch die Zieloptik einer Panzerabwehrrakete schauen. Gepanzerte Fahrzeuge, sandfarben, im wüstenambiente unter Palmen plaziert, rundeten das Bild ab. Sie sollten dem Kunden, wohl die Tauglichkeit des Gerätes auch unter extremen Bedingungen suggerieren. Gut fürs zukünftige "Peacekeeping" in fernen Landen oder den kleinen Konflikt in eher südlichen Gefilden.

Kleinwaffen wie, Splitter- und Handgranaten, Gewehre, Munitionen und Mörser aller Art wurden in Hülle und Fülle angeboten Sind sie doch bekanntlich auch in Dritte Welt Staaten sehr gefragt. Waffen, die die über 30 aktuellen Kriegszenarien auf dieser Welt mehr und mehr dominieren. Waffen die heute gehandelt, das Kriegsgeschehen von morgen bestimmen. Aber auch Waffen für Krisenreaktionenkräfte und "Peacekeeping" der Staaten der Ersten Welt und deren zukünftige Einsätze. High-Tech-Waffen, meist angepaßt an die veränderten Anforderungen westlicher Militärs, modern, mobil, treffsicher und absolut tödlich. "Intelligente und hochwirksame Geschosse", die nach dem Motte "Fire und Forget" jedes Ziel autonom zerstören können. Beispiel: Die neue Suchzündermunition SMART der deutschen Firmen Rheinmetall und Diehl - "Future-Technology", Waffensysteme, die der Idealvorstellung der Militärs vom sauberen Krieg entsprechen. Autonom geführt von roboterähnlichen High-Tech-Systemen. Keine Gefährdung der eigenen Truppen oder gar von Zivilisten. Der 2. Golfkrieg lehrte andere Erfahrungen.

"Das Geschäft mit landgestützten Waffensystemen ist nicht länger den nationalen Märkten vorbehalten, es ist ein internationales geworden", verkündete Pierre Poquin, Präsident des Verbandes der französischen Heeresrüster GICAT, gleich zu Beginn der Messe die Marschroute. Er muß es wissen, denn Frankreich - mittlerweile Top-Waffenlieferant in die Entwicklungsländer - exportierte im vergangenen Jahr gut ein Drittel seiner Heereswaffen bei einem Gesamtumsatz von ca. 5 Milliarden Dollar. Gering restriktive Exportgesetzgebungen und bestehende Marktzugänge französischer Unternehmen verheißen gute Geschäfte. Geschäfte die weiter expandieren sollen. Das versprach der französische Verteidigungsminister Charles Millon schon vor Messebeginn. Er will Frankreichs Waffenexporte forcieren. Das neue französische Verteidigungsgesetz für die Jahre 1997-2002 hält deshalb massive Finanzierungshilfen für Käufer französischer Waffensysteme bereit. Die "Exportmöglichkeiten von Waffensystemen werden in Frankreich einfach anders beurteilt", so der CDU-Wehrexperte Lamers, "Deutsche Exporte in NATO-Staaten werden zwar auch künftig ohne größere Restriktionen möglich sein, doch der Export in Nicht-Natostaaten wird weiterhin äußerst zurückhaltend beurteilt werden". Allein dies dürfte die Franzosen zu begehrten Partnern für Kooperationen und Joint Ventures machen. Besonders für deutsche Rüstungsproduzenten. Diese hatten immer wieder eine zu restriktive deutsche Exportgesetzgebung beklagt, welche in der Vergangenheit auch Kooperationen blockiert hätte. Ein Ruf der deutschen Rüstungsindustrie nach Verteidigung der nicht unerhört blieb. Die Bundesregierung lockerte mittlerweile die Regelungen für Exportgenehmigungen bei int. Industriekooperationen und Zulieferungen. Wobei im Falle von Exporten außerhalb der EU jeweils die Exportrichtlinien desjenigen Landes Anwendung finden, in dem die Endmontage eines Waffensystems stattfindet. "Damit", so der BDI auf der Eurosatory, "ist Deutschland wieder ein verläßlicher Partner, auch für den Fall, daß der ausländische Partner das gemeinsame Produkte exportieren möchte." Diese Regelung gewährleistet im Bedarfsfall deutsche Waffen oder deren Komponenten - vorbei an restriktiven deutschen Gesetzen - über ein Drittland mit geringeren Kontrollmechanismen zu exportieren. Industriepolitik à la carte.

Auch wenn einige der mittlerweile über 30 deutsch-französische Kooperations-Projekte bislang nur auf dem Papier existieren, bot die Pariser Waffenshow bereits eine Reihe konkreter Gemeinschaftsprojekte. An erster Stelle der Heavy Weight Champion der Branche: Daimler Benz Aerospace nebst Tochtergesellschaften und Joints Ventures. EUROMISSILE & EUROCOPTER mit Aerospatiale, die Kooperation bei High-Tech-dispenser- und Abstandswaffen mit MATRA oder auch das Zusammengehen mit THOMSON/CSF in Form der TDA (Thomson-DASA-Armaments).

Musterbeispiel TDA: Mit Hauptsitz in Frankreich, bündelt dieses Joint Venture Produktion und Vermarktung von sog. intelligenter Munition, Submunitionen, luftgestützten Raketen sowie Minen. TDA ist europaweit führend in dieser Branche. Eine Zusammenarbeit, die, laut Daimler Benz Aerospace, "den Muttergesellschaften erlauben wird politische Sensibilitäten beim Export bestimmter umstrittener Waffensysteme zu umgehen". Beim Minenexport etwa? In Deutschland von der Daimler-Tochter TDW (Thomson-DASA-Weaponsystems) produziert, wurden jedenfalls Panzerabwehr- und Submunitionsminen auf der Eurosatory von TDA dem internationalen Publikum zum Verkauf angeboten. Erklärtes Ziel der gemeinsamen Unternehmung ist die Steigerung der Exportmarge. Daimler-Benz Aerospace verspricht sich grundsätzlich Vorteile hinsichtlich bestehender Marktzugänge des französischen Partners. Thomson erzielt jetzt schon gut 70% des Umsatzes im Exportgeschäft, gestützt auf "eine Reihe von Verkaufsfirmen in vielen Teilen der Welt". Auch die TDA. Messeneuheit: Helikopter-gestützte Submunitionsraketen "for anti-personnel and anti vehicle missions", stieß bei vielen Delegationen schon auf gesteigertes Interesse.

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Ein Beispiel welches vor dem Hintergrund intensivierter deutsch-französischer Rüstungskooperation Schule machen wird. So tat sich auf der Eurosatory Rheinmetall für den Bau einer neuen Panzerkanone mit GIAT aus Frankreich und der britischen Firma Royal Ordnance zusammen. Zudem will man bei der Munitionsentwicklung enger kooperieren. Auch mit der israelischen Rüstungsindustrie wird Rheinmetall zusammenarbeiten. Die gemeinsame Entwicklung einer neuen Artillerie-Bomblettmunition (BANTAM) wurde beschlossen. Die Nürnberger Firma Diehl hingegen wird mit der TDA im zukunftsträchtigen Bereich der Submunitionen für Raketen und Dispenser (Munitionsverleger für Kampfflugzeuge) zusammengehen. Eigens hierfür wurde die Systemmanagementfirma RTG Euromunition gegründet. Des weiteren im Diehl-Programm: Der PGMM-Mörser, der sein Ziel autonom findet und zerstört. Kostenpunkt: 15.000 Dollar. Und die BASTEG-Granate, speziell für den Häuserkampf entwickelt. "Moderne Waffen für den Infantristen".

Ein "deutsch-französischer Moloch", angetreten der amerikanischen Konkurrenz das Fürchten zu lehren, kommentierte die amerikanische Fachpresse im Vorfeld der Eurosatory. "Die Europäer wollen verstärkt im asiatischen Markt Fuß fassen", meint auch Susan Willet vom Londener Center for Defence Studies. Ein Markt, "der jährliche Wachstumraten von 6-8% bei den Militärausgaben verspricht und auf dem der Anteil der Europäer in den nächsten Jahren um gut 15% steigen könnte, zumal wenn die USA weiterhin den Export in diese Region so restriktiv handhaben wie sie es derzeit tun. "Und" die Europäer sind einfach hartnäckiger und aggressiver wenn es darum geht ein Geschäft abzuschließen, stoßen in Markt-Nischen, die die Amerikaner ihnen überlassen", urteilt Willet. Zwar immer noch die Nr. 1 im Weltwaffenhandel, mußten diese 1995 schon mal einen Rückgang ihre Anteils von 56 auf 43% hinnehmen.

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Wer das wohl am heftigsten umstrittenste Waffensystem der letzten Jahre suchte, mußte schon genau hinschauen. Es war vom Veranstalter ausdrücklich nicht gestattet Anti-Personenminen (AP) auszustellen. Wohl mit Rücksicht auf die neue UN-Minenkonvention, die Export und Einsatz von metallosen-AP-Minen ohne Sicherungsmechanismen verbietet. Diese werden für die Landminenkatastrophe in 3. Welt-Staaten verantwortlich gemacht. Was aber keineswegs hieß, daß diese nicht zu bekommen waren. In so manchem Hochglanzprospekt fanden sich Hinweise auf die ungebrochene Verfügbarkeit dieser heimtückischen Killer. Vorschriftsmäßig zwar jetzt angeboten mit Sicherungsmechanismen, bleiben sie weiter für Menschen eine tödliche Gefahr. Die Zuverlässigkeit solcher Mechanismen wird vielerorts bezweifelt. Die klassische Anti-Personenmine verschwindet zudem mehr und mehr aus den Angebotslisten der meisten europäischen Produzenten. Überholt von der technologischen Entwicklung im Minensektor und angepaßt an neue militärische Anforderungen, haben längst moderne Minentypen die alte Tretmine überflüssig gemacht. Abgelöst von modernen Minensystemen und Submunitionen, bestückt mit Sensortechnologie und ausgestattet mit enormer Sprengkraft. Sie richten sich gleichzeit gegen mehrere Ziele - inklusive Menschen. Nicht verboten von der UN-Minenkonvention, wurden sie dementsprechend auch in allen Variationen angeboten. Doch auch sie werden ihre Opfer fordern, weil sie die Minenkriegführung der Zukunft bestimmen werden, befürchten selbst Militärexperten.

Eine Zukunft, in die die europäische Rüstungsindustrie wieder zuversichtlicher schaut. Alles in allem ein "großartiger Erfolg", urteilte der Veranstalter zufrieden. "Im Vergleich zu 1994 haben wir eine Steigerungsrate von über 31%". Der Anteil der Waffen- und Munitionsaussteller stieg sogar um glatte 50%. Auch der Bundesverband der deutschen Industrie BDI erklärte: "Die deutschen Aussteller sind mit dem Verlauf der Eurosatory zufrieden, sehr zufrieden sogar!" Beste Stimmung allenthalben, Bombenstimmung sozusagen!

Deutsche Firmen auf der Eurosatory u.a.: BGT Bodenseewerk, Buck Werke, Daimler Benz Aerospace, Diehl GmbH, Dynamit Nobel, ESG Elektronik Honeywell, Junghans Feinwehrtechnik, Krauss Maffei, Krupp Fördertechnik, Mak System Gesellschaft, MAN, Mauser Werke, Mercedes Benz AG, Rheinmetall Industrie GmbH, Siemens AG, STN Atlas Elektronik, Thyssen Henschel, Wehmann & Co, ZF Friedrichhafen AG.

Deutsche (-französische) Exporte:

Dynamit Nobel



Panzerfaust 3: Über 200.000 mal produziert und an die Bundeswehr, an Italien, Japan, Südkorea, die Schweiz und Portugal geliefert. Die AT-2 Mine ist aktuell in Produktion für ein NATO-Land, die Lieferung nach GB ist abgeschlossen.

Euromissile = Aerospatiale und Daimler Benz Aerospace (LFK Lenkflugkörpersysteme GmbH)

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Eurosatory 1998 - Inhalt
Luftabwehrrakete Roland über 25.000 Stück produziert und in 10 Länder exportiert

Panzerabwehrrakete MILAN über 300.000 Stück produziert und in 38 Länder exportiert

Panzerabwehrwaffe HOT über 80.000 Stück produziert und in 17 Länder exportiert



Minen-Produzenten auf der Eurosatory laut Veranstalter GICAT:

Action Manufactoring/USA, Alsetex SAE/Frankreich, Cenzin/Polen, Club Murat, Frankreich, Cofras/Frankreich,Diehl/Deutschland, Dynamit Nobel Graz/ Österreich, Dynamit Nobel AG/Deutschland, Econ Industries/Griechenland, Intertechnik/Österreich, Makina/Türkei, TDA (Thomson-DASA Armaments)/Frankreich/Deutschland, Matra/Frankreich, Titanite/Frankreich, Zaklady/Polen.







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