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17.07.2000


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Hiroshimatag 2014

 Hintergrundinformationen

Warum wurden die Atombomben eingesetzt?

Brigitte Drescher/Detlef Garbe

Dieser Text basiert auf Informationen aus dem Kapitel "Der Weg in den Atomkrieg. Geschichtliche Hintergründe und politische Motive der Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki" aus: Brigitte DRESCHER/Detlef GARBE, Es begann in Hiroshima..., Lamuv-Taschenbuch-Verlag 1982.

Nach offiziellen Angaben des US-amerikanischen Kriegsministers Stimson zufolge lag der Zweck des Atombombenabwurfes darin, "den Krieg schneller zu einem erfolgreichen Ende zu bringen, als es sonst der Fall wäre, und so Amerikanern das Leben zu erhalten."

Es existieren jedoch zahlreiche Belege dafür, dass die USA nicht in erster Linie an der Beendigung des Krieges und der Rettung amerikanischer Soldaten interessiert waren. Eigentlich ging es der US-Führung um ein wissenschaftliches Feldexperiment und die Demonstration ihrer militärischen Überlegenheit.

Dafür sprechen viele Argumente: Der US-Nachrichtendienst hatte schon seit längerem den japanischen Geheimcode entschlüsselt, so dass die politische Führung in Washington über alle Telegramme Bescheid wußte, die zwischen Außenminister Togo in Tokio und Botschafter Sato in Moskau gewechselt wurden. Die Führung der USA wußte also, dass Japan zu einem baldigen Friedensschluß bereit war unter der Bedingung, die bisherige Staatsform mit dem Kaiser als Staatsoberhaupt beibehalten zu können.

Obwohl im Mai der US-Präsident Truman sich noch positiv zum Erhalt der Monarchie in Japan geäußert hatte, forderten die USA, Großbritannien und China ihrem Ultimatum an Japan vom 26.07.1945 dem entgegen die bedingungslose Kapitulation. Schließlich wurde nach Abwurf der Bomben Japan dann aber doch die Beibehaltung des Kaisers, dem wichtigsten Element der nationalen japanischen Identität, zugestanden.

Dies spricht dafür, daß es nicht wirklich inhaltlich um die Institution des Kaisers ging. Absichtlich hatte die US-Diplomatie in ihrem Ultimatum Bedingungen formuliert, die für die Japanische Führung unannehmbar waren.

Die Reaktion der japanischen Regierung vom 28.07.1945 hätte in ihrer Übersetzung ins Englische sehr verschiedentlich interpretiert werden können. Es wurde jedoch die schärfste Version gewählt: Statt daß im Wortlaut der Übersetzung das Ultimatum "schweigend entgegengenommen wurde", wurde die Vokabel als "ignoriert" übersetzt. Die USA unternahmen daraufhin keinen Versuch mehr, mit Japan indirekt oder direkt in Kontakt zu treten; der Einsatzbefehl zum Abwurf der Atombomben blieb bestehen.

Die Art der Vorbereitung und Durchführung der Atombombenabwürfe läßt klar seinen Charakter als wissenschaftliches Experiment erkennen:

Vor ihren Einsätzen konnten die Wissenschaftler nur ungefähr die atomare Zerstörungskraft und Wirkungsweise bestimmen. Die Menschen von Hiroshima und Nagasaki wurden deshalb zu lebendigen Versuchsobjekten. Schon bei der Charakterisierung der "gewünschten" Zielstädte wird der Versuchscharakter der Atomexplosionen deutlich. Um die Wirkung einer einzelnen Atombombe exakt feststellen zu können, sollten die Ziele nicht durch frühere Bombardements zerstört sein. Da Berechnungen und Schätzungen ergeben hatten, daß der größte Schaden der Atombombendetonationen vermutlich durch den Explosionsdruck und durch Feuer in einer Region von ein bis zwei Kilometern Ausdehnung entstehen würde, sollten die Zielstädte in mindestens dieser Größe mit Holzhäusern und zum Vergleich - mit Beton- und Stahlbauten dicht bebaut sein. In den Städten wurde jeweils ein "optimaler" Explosionspunkt gesucht; um sicherzugehen, daß genau diese Stelle getroffen würde, sollten die Bomben nur nach Sicht und nicht nach dem damals noch ungenauen Radar abgeworfen werden. Rein wissenschaftlich-technische Überlegungen spielten auch bei der Bestimmung der Explosionshöhe die größte Rolle:

"Eines der schwierigsten Probleme war; die zu erwartende Explosionskraft der Waffe zu schätzen oder auch nur zu mutmaßen. Eine möglichst treffende Vermutung war deshalb so sehr wichtig, weil die Bombe um so wirksamer sein würde, je genauer wir geschätzt hatten. Die günstigste Höhe für die Explosion hängt nämlich völlig von deren Kraft ab," berichtete General Groves.

Die B-29-Bomber, die schließlich die Atombomben über Hiroshima und Nagasaki abwarfen, wurden von Beobachtungsflugzeugen begleitet. Diese hatten automatische Kameras sowie Spezialmeßgeräte an Bord, welche Daten über den Explosionsdruck lieferten. Außerdem wurden die Detonationen von Wissenschaftlern beobachtet. In den Tagen nach den Abwürfen wurden die zerstörten Städte regelmäßig von US-Bombern überflogen und fotografiert.

Nach Kriegsende wurden die "Experimente" fortgesetzt. Im Rahmen der Arbeiten der amerikanischen "Atomic Bomb Casuality Commission" fanden sich die Überlebenden erneut in der Rolle von "Versuchskaninchen" wieder: sie wurden von den Wissenschaftlern zwar untersucht, aber nicht behandelt.

Selbst unter der Annahme, daß die Hiroshima-Bombe wirklich dazu dienen sollte, den Japanern die absolute Überlegenheit der Alliierten zu demonstrieren und sie somit zur Kapitulation zu zwingen, gab es keinen zwingenden politischen Grund für den Angriff auf Nagasaki. Bereits im Einsatzbefehl vom 24.7.1945 war von weiteren Bomben die Rede. Nach dem Atombombentest von Alamogordo äußerte General Groves in scheinbar weiser Voraussicht auf die Bemerkung General Farrells, "Nun ist der Krieg zu Ende": "Ja nachdem wir zwei Bomben auf Japan abgeworfen haben." Nur wenn man von einem Testcharakter der Atombombeneinsätze ausgeht, wird verständlich, warum es gerade zwei Bomben sein sollten: denn während es sich bei der Hiroshima-Bombe um eine Uraniumbombe handelte, wurde in Nagasaki Plutonium verwendet Außerdem waren die beiden Bomben unterschiedlicher Bauart. Durch den Einsatz beider Bomben konnten die unterschiedlichen Funktionsweisen geprüft und begutachtet werden. Nach dem ersten Abwurf der Bombe auf Hiroshima wurde nicht erst die Reaktion der japanischen Regierung abgewartet. Am 09.08.1945 wurde ohne einen angemessenen zeitlichen Abstand oder einem zweiten Ultimatum die zweite Atombombe über Nagasaki abgeworfen.

Der Versuchscharakter der Atombombeneinsätze wird schließlich auch in der Erklärung Trumans vom 6. August 1945 deutlich: "Wir haben zwei Milliarden Dollar für das größte wissenschaftliche Wagnis der Geschichte ausgegeben - und wir haben gewonnen. (...) Die Schlacht der Laboratorien beinhaltete für uns genauso schicksalhafte Wagnisse wie die Schlachten in der Luft, zu Wasser und zu Boden, und nun haben wir die Schlacht der Laboratorien ebenso wie die anderen Schlachten gewonnen."



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