Hiroshima-
Nagasaki-
Tag 2000


vom:
02.08.2000


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Hiroshima- und Nagasaki-Tag 2000

 Echo/Presse

Einige Presseberichte im Vorfeld (2.-5.08.2000)

Pressesplitter I

Westfälische Rundschau - Lokalteil Do. - 02.08.2000, zum Platz von Hiroshima

junge Welt vom 02.08.2000, Interview zu Sommeraktionstagen Wittstock

Austrian Press Agentur (APA) 04.08.2000 - 8:34 Uhr

"Ein politischer Familienausflug" (Fahrradtour nach Straßbourg), aus: Junge Welt

WDR Hörfunk-Nachrichten (Japan)

"Hiroshima: Atomarer Virus noch nicht besiegt" (Japan), aus: Neues Deutschland

"Hiroshima soll auch 20-Jährigen etwas sagen - Darmstadt gedenkt mit einer Veranstaltungsreihe des Atombombenabwurfs vor 55 Jahren", (Darmstadt), aus: Frankfurter Rundschau

"Gedenken an Opfer von Hiroshima", (Frankfurt-Rödelheim)

"Hiroshima ist unvergessen Gedenkstein mit erneuerter Inschrift / Sonntag um 11 Uhr Kundgebung" (Rüsselsheim), aus: Main-Taunus-Kurier

"Erste Atombombe fiel vor 55 Jahren" (Japan), aus: Würzburger Volksblatt

"Bilder dokumentieren die Hölle auf Erden" (Japan, Dortmund), aus: Burische Zeitung

"Friedensgruppen erinnern ... "Presseagentur epd 4.8.2000 - 14.02 Uhr







aus: Westfälische Rundschau - Lokalteil - 02.08.2000

"Platz von Hiroshima": Gorbatschow schickt Grußwort zur Übergabe

(HBS) Ex-Präsident Michael Gorbatschow hat bereits eine Grußbotschaft geschickt, ebenso der Oberbürgermeister von Hiroshima, Tadatoshi Akiba. Beide würdigen darin, dass am kommenden Samstag in der Dortmunder Innenstadt der "Platz von Hiroshima" benannt wird.

"Dortmund ist damit die einzige Stadt im Revier, die mit einem solchen Platz an den Abwurf der ersten Atombombe auf Hiroshima erinnert", erklärte gestern Bezirksvorsteher Ulrich Krüger. In ganz Deutschland gibt es bisher nur 17 Städte. Benannt wird die bisher namenlose Fläche zwischen den Propsteiarkaden und der Schwarze-Brüder-Straße direkt gegenüber vom Hansaplatz.

"Die Tatsache, dass an der Rückseite der Kirche die Skulptur
Mutter Hiroshima von Anselm Treese steht, hat uns auf die Idee gebracht, diese Freifläche zum Platz von Hiroshima zu machen", schilderte gestern Margret Ullrich die Entstehungsgeschichte. Die Bezirksvertretung Innenstadt-West folgte im April dieses Jahres dem Vorschlag.

Schon seit Jahren war es der Wunsch der Dortmunder Friedensinitiativen, einen Platz nach der japanischen Stadt zu benennen, die durch die Atombombe 1945 völlig zerstört wurde. 200.000 Menschen starben unmittelbar nach der Explosion, Tausende in den folgenden Jahrzehnten an den Spätfolgen.

Die
Benennung des Platzes am Samstag, 5. August, 11 Uhr, soll ein kleines Friedensfest mit Musik und Tanz umrahmen. Zu den Rednern gehören unter anderem Bürgermeister Adolf Miksch, Ulrich Krüger und der Schriftsteller Josef Reding. Im Mittelpunkt wird natürlich die Enthüllung des Straßenschildes mit dem Namen "Platz von Hiroshima" stehen. Schon im Vorfeld, so gestern Margret Ullrich, sei das Echo auf die Benennung des Platzes sehr positiv, auch bei den Kaufleuten im Umfeld. "Die Stadt hat mit dieser Entscheidung ein Zeichen gesetzt", lobte Rainer Braun von der Naturwissenschaftler-Initiative. "Ich glaube, dass das auch Ausstrahlung auf andere Städte hat."





aus: junge Welt 02.08.2000
Interview:


"Kann klassische Musik Bombentests verhindern?"

jW sprach mit Andreas Peters, Mitorganisator der "Sommeraktionstage gegen Kriegsvorbereitung" in Wittstock

(In der Aktion Lebenslaute engagieren sich Musiker für die Friedensbewegung. Am Sonntag spielen sie ab 15 Uhr vor dem geplanten Bombenabwurfplatz bei Wittstock an der Verbindungsstraße zwischen Schweinrich und Flecken-Zechlin statt. Informationen unter
http://www.lebenslaute.de)

jW: Im Rahmen der »Sommeraktionstage gegen Kriegsvorbereitung« organisieren Sie am kommenden Sonntag eine Konzertaktion vor dem Bombenabwurfplatz bei Wittstock im Norden Brandenburgs. Was und wen wollen Sie mit dieser Aktion erreichen?

Andreas Peters: In erster Linie wollen wir mit der Aktion die örtliche Bevölkerung ansprechen. Sie haben die Belastungen 40 Jahre erdulden müssen. Sie müssen in ihrem Widerstand immer wieder motiviert werden, indem man zeigt, daß aus dem ganzen Bundesgebiet Zuspruch und Solidarität kommt. Das ist ein wichtiger Ansatz dieser Aktion.

jW: Wieso wollen Sie die Aktion am 6. August durchführen?

Andreas Peters: Das ist ein historisches Datum, denn vor 55 Jahren wurde an diesem Tag die erste Atombombe auf Hiroshima abgeworfen. Das ist eine wichtige Verbindung. Zumal die Bundeswehr in Wittstock Abwürfe von Kernwaffen im Rahmen von Manövern übt. Noch vor wenigen Jahren wäre das undenkbar gewesen, daß deutsche Flieger den Einsatz von Atomwaffen proben.

jW: Nun hat die Friedensbewegung in den vergangenen Jahren nicht mehr die Massen mobilisieren können. Wie viele Leute erwarten Sie denn zu dieser Aktion?

Andreas Peters: Wir rechnen mit etwa 70 Aktivisten, die in dieser Woche vom 1. bis zum 7. August sowohl an dem Aktionscamp als auch an der geplanten Aktion teilnehmen werden. Dann werden in der Woche immer wieder einzelne kleinere Aktionen mit kleineren Gruppen rund ums Bombodrom stattfinden. Höhepunkt der ganzen Woche wird das Klassik-Konzert sein, wo wir 300 bis 500 Menschen erwarten.

jW: Versuchen Sie, mit dieser Aktionsform auch Gruppen zu mobilisieren, die normalerweise nicht zu den Aktionen kommen würden?

Andreas Peters: Ja, denn ich denke, klassische Musik ist in dieser Form der Aktion etwas fremd. Da das Moment des zivilen Ungehorsams dabei immer eingeplant ist, gehen die Musikerinnen und Musiker selbst auch gewisse Risiken ein. In dieser Spannung zwischen klassischer Musik und Widerstand entsteht meines Erachtens auch Kraft, die dazu motiviert, weiterzumachen.

jW: Was bewegt die Musiker, an dieser Aktion teilzunehmen?

Andreas Peters: Die Aktion Lebenslaute gibt es seit Anfang der 80er Jahre. Die Gruppe organisiert jedes Jahr ähnliche Aktionen in verschiedenen Orten. An der Aktion nehmen Musiker von 17 bis 71 Jahre statt. Es sind sowohl Laien als auch Profis. Die Motivationen sind sicherlich unterschiedlich. Ein Teil kommt aus Ostdeutschland, andere Musiker stammen aus gewaltfreien Aktionsgruppen in Westdeutschland. Es ist also sehr bunt gestreut, auch von den Auffassungen her. Religiöse Menschen nehmen daran genauso teil wie politisch in den verschiedensten Gruppierungen engagierte Menschen.

Interview: Christian Kliver



quelle: Austrian Press Agentur (APA) 04.08.2000 - 8:34 Uhr

Hiroshima- und Nagasaki-Gedenken

Wien - Mit Gedenkveranstaltungen wird in den kommenden Tagen in Österreich an die amerikanischen Atombombenabwürfe auf die japanischen Städte Hiroshima und Nagasaki vor 55 Jahren erinnert. Die zentrale Hiroshima-Kundgebung beginnt am Sonntag (17.00 Uhr) auf dem Wiener Stephansplatz und wird mit einem Laternenmarsch zur Karlskirche abgeschlossen. Am Mittwoch (9. August) findet am Abend die traditionelle buddhistische Lichterzeremonie zum Gedenken an die Atombombenopfer von Hiroshima und Nagasaki bei der Wiener Friedenspagode statt, wie die Wiener Friedensbewegung mitteilt.

Zahlreiche Persönlichkeiten haben Grußadressen an die Hiroshima- und Nagasaki-Gedenkveranstaltungen gerichtet. "In einer Welt, in der der Egoismus zunimmt und die Rücksicht auf andere abnimmt, wird auch das Gegeneinander stärker als das Miteinander. Um aber in einer Welt des Friedens zu leben, müssen wir immer mehr besorgt sein über das Miteinander; denn das Gegeneinander stärkt den Unfrieden", heißt es in der Botschaft des Wiener Alterzbischofs Kardinal Franz König.

Lippenbekenntnisse zur atomaren Abrüstung alleine reichten nicht aus, erklärte SPÖ-Vorsitzender Alfred Gusenbauer. Konkrete Abrüstungsschritte seien "vorzugsweise von jenen zu setzen, die sich verpflichtet haben, diese Waffentechnologie nicht an andere weiter zu geben, womit sie ihr Monopol auf diesem Gebiet festgeschrieben haben."

Die USA stellten mit dem neuen Raketenabwehrprogramm (NMD) den mühsam entwickelten nuklearen Abrüstungsprozess grundsätzlich in Frage, kritisierte Grünen-Bundessprecher Alexander Van der Bellen. US-Politiker, die deswegen das ABM-Abkommen brechen, würden damit jede rationale Auseinandersetzung über das Zusammenleben von Völkern und Nationen beenden.

"Wir sind es den bedauernswerten Opfern und unseren Kindern schuldig, auf eine Welt ohne Atomwaffen weiterhin beharrlich hinzuarbeiten", betonte Wiens Bürgermeister und Landeshauptmann Michael Häupl. "Wie gerne würden wir Worte wie `Atomkrieg` aus unserem Gedächtnis streichen, doch unzählige Menschen, die noch immer unter den Auswirkungen der Strahlenbelastung leiden, verbieten uns das Vergessen. Ihr Schicksal ist unser Auftrag!"

Es gehe nicht nur darum, der Toten von Hiroshima und Nagasaki zu gedenken, sondern vor allem auch darum, "den Mächtigen der Atomstaaten ein klares und friedliches Signal zu senden, das nur lauten kann: Atomwaffen müssen geächtet und die vorhandenen Arsenale vernichtet werden", unterstrich der frühere Innen- und Wissenschaftsminister Nationalratsabgeordneter Caspar Einem.

Die atomare Bedrohung gehe nicht nur von den Atombombenarsenalen aus, sondern auch von der mangelnden Sanktionsfähigkeit der internationalen Rechtsordnung, hob der Präsident des Internationalen Friedensinstituts, Ex-Außenminister Erwin Lanc, hervor. Österreichs Neutralitätsstatus sei kein Relikt aus dem Kalten Krieg, sondern hochaktuell, denn gerade ein neutraler Staat habe die Verpflichtung friedenserhaltend zu wirken. Österreich habe keine militärischen Interessen und Verpflichtungen, "sein einziges Interesse ist die Friedenserhaltung". Ernst gemeinte Neutralitätspolitik sei Friedenspolitik, erklärte Lanc.

APA/jum





aus: Junge Welt [http://www.jungewelt.de] 6.8.2000

Ein politischer Familienausflug

Internationale Friedensradtour ging am Sonntag in Strasbourg zu Ende

Am Sonntag endete in Strasbourg die internationale Friedensradtour 2000 mit einer Kundgebung zum 55. Jahrestages des Atombombenabwurfs von Hiroshima, die zusammen mit der »Union pacifiste de France« (U.P.F.) durchgeführt wurde. Vor acht Tagen waren die Friedensaktivisten im österreichischen Bregenz gestartet, um in vier Staaten für ein ziviles und gewaltfreies Europa ohne Armeen zu demonstrieren. »Trotz des Regens war die Stimmung immer gut«, resümierte Tourteilnehmer Achim Schmitz, Landesgeschäftsführer der Deutschen Friedensgesellschaft - Vereinigte Kriegsdienstgegner von Baden-Württemberg und Mitorganisator der Radtour. »Die Aktion war eine Stärkung für uns und für die regionalen Gruppen, mit denen wir an den Etappen gemeinsame Aktionen gemacht haben.«

So wurden am Rheinfall von Schaffhausen zusammen mit den Jungsozialisten Flugblätter verteilt. Motto: »Militär ist ein Reinfall«. In der Schweiz protestierten die Radfahrer zusammen mit der »Gruppe Schweiz ohne Armee« (GSoA) gegen den 37 Millionen Franken teuren Ausbau der Kaserne Liestal im Kanton Baselland. Im südbadischen Müllheim fand eine Friedenskundgebung vor der deutsch-französischen Kaserne statt. »Spätestens seit dem jüngsten NATO-Krieg in Jugoslawien sollte doch jedem klar geworden sein, daß Krieg keine Probleme löst, sondern neue schafft«, meinte Klaus Lipps, ein Lehrer aus Baden-Baden, der zusammen mit Frau und Tochter fünf Tage mitgeradelt war. »Für uns war das ein politischer Familienausflug«, sagte er.

Als die 40 Teilnehmer der »Internationalen Friedensfahrradtour 2000« am Freitag nachmittag den Freiburger Rathausplatz erreichten, erwartete sie ein schöner Empfang: Der Platz war mit schwarzen Luftballons und Transparenten geschmückt, das Freiburger Duo »Goschehobel« sang Friedenslieder, und Stadträte der SPD und der Linken Liste sowie Sprecher verschiedener Friedensgruppen begrüßten die Radler gegen Rüstung. »Die Entmilitarisierung Europas ist zwar eine Utopie, doch sie ist umsetzbar, wenn wir uns nicht entmutigen lassen«, sagte SPD-Stadtrat Walter Krögner. Andreas Quartier von der »Gewaltfreien Aktion Atomwaffen Abschaffen« forderte die Abrüstung aller in Deutschland gelagerten Atomwaffen. Er erinnerte daran, daß in Büchel und Ramstein noch immer 66 Atombomben stationiert sind. »Es ist ein offenes Geheimnis, daß auch die Bundeswehr Soldaten dazu ausbildet, diese Atombomben einzusetzen«, sagte Quartier.

»Eine tolerante und gewaltfreie Gesellschaft wird es nur geben, wenn alle Armeen abgeschafft sind«, so Alexander Kauz vom Rüstungs-Informationsbüro Baden-Württemberg auf der Kundgebung. Ein Weg dorthin sei die internationale Abrüstungskampagne »Fünf für Frieden«, die eine jährliche Senkung der Militär- und Rüstungshaushalte um fünf Prozent beinhaltet. Statt für Rüstung solle das Geld für Friedensarbeit eingesetzt werden, forderte auch Hubert Hirt von der Freiburger Regio-Gruppe der Peace Brigades International.

Martin Höxtermann





WDR Hörfunk-Nachrichten 6.8.2000

Gedenken an Atombomben-Abwurf in Hiroshima (10:51)

In der japanischen Stadt Hiroshima haben etwa 50.000 Menschen der Opfer des Atombomben-Abwurfs vom 6. August 1945 gedacht.

Bei einer Veranstaltung im Friedenspark der Stadt rief der japanische Ministerpräsident Mori die Verantwortlichen in aller Welt dazu auf, auf Atomwaffen zu verzichten. Der Park liegt an der Stelle, über der 1945 zum ersten Mal in einem Krieg eine Atombombe abgeworfen wurde. Die USA wollten damit den Zweiten Weltkrieg im Pazifik für die Alliierten entscheiden. Japan ergab sich nach einem zweiten Atombomben-Abwurf am 9. August auf Nagasaki. In Hiroshima starben bis Ende 1945 etwa 140.000 Menschen, in den folgenden Jahren wurden weitere 60.000 Menschen durch die radio-aktiven Strahlen getötet





Aus: Neues Deutschland 5./6. August

Hiroshima: Atomarer Virus noch nicht besiegt

IPPNW-Sprecher Lars Pohlmeier: Mehr als 430.000 Tote im Gefolge von Nukleartests


Frage: Am Sonntag jährt sich zum 55. Mal die atomare Zerstörung Hiroshimas durch die USA. Auch zu schlimmsten Kalten-Kriegs-Zeiten wurden keine Kernwaffen eingesetzt. Heute gibt es zahlreiche Verträge zur nuklearen Rüstungskontrolle und Abrüstung. Ist die atomare Gefahr gebannt?

Pohlmeier: Keineswegs. Im Gegenteil: Die Atommachte setzen wieder verstärkt auf atomare Abschreckung. So hat Russland zu Jahresbeginn den atomaren Erstschlag in seine Militärdoktrin aufgenommen. Die USA geben heute für Kemwaffenforschung mit etwa 10 Milliarden Mark pro Jahr mehr aus als Ende der 80er Jahre.

Frage: Womit erklären Sie sich das?

Pohlmeier: Die Militärstrategie der atomaren Abschreckung ist fast wie eine Krankheit, wie ein Virus, das noch nicht besiegt ist. Zu viele Politiker und Militärs sind noch immer überzeugt, dass Atomwaffen Frieden schaffen und erhalten würden. Damit ignorieren sie die große Gefahr, die von ihnen ausgeht, die enormen finanziellen Kosten und auch die vielen Opfer der mehr als 2000 Atomtests. Unsere Organisation Internationale Ärzte gegen Kernwaffen (IPPNW) geht davon aus, dass mehr als 430000 Menschen im Gefolge der Tests durch Krebs umgekommen sind.

Frage: Dieser Virus scheint ja auch die Führung der Republikanischen Partei der USA nachhaltig angesteckt zu haben. Bei dem eben beendeten Nominierungskonvent für Bush jun. stand militärische Stärke und atomare Abschreckung ganz oben auf der Agenda.

Pohlmeier: Viele USA-Politiker meinen, ihr Land sei als einzige verbliebene Weltmacht berufen, die anderen Staaten zu kontrollieren. Wir aber glauben, dass Sicherheit ein kollektiver Prozess ist und immer auch die Sicherheit des anderen bedeutet. Die Vorstellung der amerikanischen Politik Sicherheit national definieren zu können und sich zu 100 Prozent gegen jede äußere Bedrohung verteidigen zu können, ist ein fataler Irrtum.

Frage: Sie haben die so genannte National Missile Defense (NMD) im Auge?

Pohlmeier: Der Raketenschild ist ein Ausdruck dieser Philosophie, aber natürlich steht dieser Schild ebenso wie die atomaren Rüstungsprogramme für ein rein militärisches Sicherheitsdenken. Und man sieht ja auch, dass die weltweiten Rüstungsausgaben jetzt wieder ansteigen. Zugleich ist die internationale Staatengemeinschaft nicht in der Lage - man sah es an dem Aids-Gipfel in Südafrika - für die Bekämpfung dringender globaler Probleme Geld zur Verfügung zu stellen.

Frage: Nach dem jüngsten fehlgeschlagenen Versuch für das Raketenschildprojekt verbreitet sich die Ansicht: Das hat sich vielleicht erledigt.

Pohlmeier: Das halte ich für Wunschdenken. Es sind bereits etwa 120 Milliarden Mark in das Projekt investiert worden. Es gibt eine sehr starke Lobby in den USA, dieses Programm weiterzutreiben. Es mehren sich jetzt zwar kritische Stimmen aus der Wissenschaft, aber es gibt nach wie vor starken politischen Druck auf Präsident Clinton und natürlich wird auch der künftige USA-Präsident dem ausgesetzt sein.

Frage: USA-Wissenschaftler wenden sich gegen den Raketenschild. Aber sonst hört man relativ wenig von Widerstand gegen Nuklearrüstung. Wie beurteilen Sie die 4ktionen der Pflugscharbewegung bei denen Kernwaffen - jüngst wurde das Tndent-Kommunikationssystem im USA-Staat Wisconsin gestört - symbolisch »abgerüstet« werden?

Pohlmeier: Der Internationale Gerichtshof in Den Haag hat ja 1996 festgestellt, dass die Androhung und der Einsatz von Atomwaffen völkerrechtswidrig sind. Dazu kommt, dass zwar die Atommächte von Nichtatomwaffenstaaten Inspektionen fordern, selber aber keine Inspektionen zulassen. Insofern unterstützen wir auch Aktivitäten, mit denen Menschen deutlich machen, dass jegliche nukleare Militärstrategie gegen das Völkerrecht gerichtet ist.

Frage: Auch in Deutschland sind weiter Kernwaffen stationiert - kaum ein Thema in der Öffentlichkeit.

Pohlmeier: Für uns ist ganz klar, dass alle Atomwaffen, die auf deutschem Boden stationiert sind, abgezogen werden und in ihr Heimatland, das heißt in diesem Falle in die USA, zurückgebracht werden müssen. Außerdem fordern wir von der Bundesregierung, dass sie sich nachdrücklich für den Verzicht auf einen Atomwaffenersteinsatz in der NATO-Strategie einsetzt und die nukleare Teilhabe, das heißt den deutschen Zugang zu Kernwaffen im Kriegsfall, aufgibt.

Frage: Wie viele Atomwaffen gibt es nach IPPNW-Erkenntnissen in Deutschland?

Pohlmeier: Die Zahlen sind geheim, laut Schätzungen sind es zwischen 20 und 70. Wo die stationiert sind, gibt die NATO nicht bekannt. Ein Teil soll in Büchel (Rheinland-Pfalz) lagern.

Frage: Besteht nicht auch die Gefahr; dass die Bundesrepublik Teilnehmer einer europäischen Kernwaffenstreitmacht wird?

Pohlmeier: Wir haben mit großer Sorge gesehen, dass der französische Außenminister Vendrine dieser Tage in einem Interview für die italienische Zeitung "Repubblica" betonte, wie wichtig es sei, dass innerhalb der EU eine gemeinsame atomare Schlagkraft entwickelt wird. Wir wollen vielmehr, dass Europa bei der atomaren Abrüstung vorangeht.

Frage: 55 Jahre Hiroshima - was wünschen Sie sich zu solch einem Datum?

Pohlmeier: Ich wünsche mir, dass solche Gedenktage dazu beitragen, dass wir endlich zu beginnen zu verstehen, dass atomare Rüstung keine akademische Frage ist, sondern eine Frage von Leben oder Tod von Millionen von Menschen; Es ist immer noch so, dass innerhalb eines Nachmittags unser Land und unser Kontinent für immer vernichtet werden kann.

Fragen: Jochen Reinert





aus: Frankfurter Rundschau, Hessenseite, 5.8.2000

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http://www.fr-aktuell.de]

Hiroshima soll auch 20-Jährigen etwas sagen

Darmstadt gedenkt mit einer Veranstaltungsreihe des Atombombenabwurfs vor 55 Jahren

DARMSTADT. Die Darmstädter fühlen sich ganz besonders dem Gedenken an den Atombombenabwurf auf die japanischen Städte Hiroshima und Nagasaki (6. und 9. August 1945) verpflichtet. "Um zu bekunden, wir stehen auf der Seite der Opfer", so Oberbürgermeister Peter Benz (SPD), hat sich die Stadt nach einem Parlamentsbeschluss vor zwei Jahren zur atomwaffenfreien Zone erklärt und ist dem Hiroshima/Nagasaki-Bündnis beigetreten. Zwei Einrichtungen in Darmstadt - die Interdisziplinäre Arbeitsgruppe Naturwissenschaften, Technik und Sicherheit (Ianus) der TU und das Friedensforum - hatten den Anstoß dafür gegeben. In diesen Tagen nun - 55 Jahre nach dem Abwurf der Atombombe - laden die Initiatoren zu einer Veranstaltungsreihe ein.

Heute, am 5. August, um 11 Uhr wird in der Stadtbibliothek (Justus-Liebig-Haus, Große Bachgasse 2) eine Fotoausstellung des Hiroshima Peace Memorial Museums eröffnet. 32 Dokumente zeigen (bis zum 30.9.) die verheerenden Folgen der Atombomben, ergänzt um Informationen über den Stand der Atomrüstung heute und einen Blick in eine mögliche atomwaffenfreie Welt. Die Dokumente gehören dem Darmstädter Friedensforum und können auch weiterhin ausgeliehen werden (Telefon 0 61 51/ 59 34 11). Die Ausstellung richtet sich vor allem an Jugendliche und an Schulklassen, "an die heute 20-Jährigen, die von Atomwaffen und Nato-Nachrüstungsbeschluss keine Ahnung mehr haben", sagt Forumsmitglied Peter Rieth.

Zu einer Diskussion am 7. September zum Thema "Atomwaffen - Zwilling der Atomenergie" laden Christian Küppers vom Öko-Institut und Lars Pohlmeier, Vorstandssprecher der Internationalen Ärzte zur Verhütung des Atomkrieges (IPPNW) für 19.30 Uhr ins Justus-Liebig-Haus ein. Am 25. September geht es dort um "Schritte in die atomwaffenfreie Welt". Das Katholische Bildungszentrum, Nieder-Ramstädter Straße 30, beginnt am 25. August mit einer Filmreihe. "Das stumme Licht" schildert die Folgen des Atombombenabwurfs auf Hiroshima. (vor)

Copyright (c) Frankfurter Rundschau 2000





aus: Main-Taunus-Kurier, Wiesbaden, 5.8.2000

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http://www.main-rheiner.de]

Hiroshima ist unvergessen Gedenkstein mit erneuerter Inschrift

/ Sonntag um 11 Uhr Kundgebung

(la.) Eine Anregung der "Main-Spitze" hat Gehör gefunden. Der Rüsselsheimer Bildhauer und Steinmetz Reinhard Völker er hat den Hiroshima-Stein auf dem Friedensplatz vor fünf Jahren auch gehauen schwang gestern den feinen Pinsel und verhalf der Inschrift wieder zu deutlicher Lesbarkeit.

Es geschieht rechtzeitig zum 55. Jahrestag des Atombombenabwurfes der Amerikaner auf Hiroshima am morgigen Sonntag, wo die Friedensinitiative (wir berichteten) für 11 Uhr zur Kundgebung am Hiroshima-Stein aufruft.

"Er sollte ursprünglich nur für drei Tage sitzen", erzählte der Künstler während seines "Happenings" mit Farbtopf und Pinsel. "Und er sollte auch in drei Tagen fertig gestellt werden." Der Stein aber, Idee von Pfarrer Willi Göttert, des Sprechers der Rüsselsheimer Friedensinitiative, gehört inzwischen zum festen Bestandteil des Stadtbildes. Dem Krieg in den Weg gestellt. Hiroshima. Nagasaki. 6. und 9. August 1945 steht auf dem Quader, einem Geschenk übrigens, zu lesen.

Sozialdezernent Jo Dreiseitel und der ehemaligen SPD-Landtagsabgeordnete Martin Schlappner werden bei der dreiviertelstündigen Veranstaltung am morgigen Sonntag kurze Ansprachen halten, ebenso folgen Worte Pfarrer Götterts. Bemühungen der Friedensinitiative, einen Gesangverein oder eine Musikgruppe für die alljährliche Veranstaltung gewinnen zu können, waren indes nicht von Erfolg gekrönt. Auch der Einladung der Friedensinitiative an einen Vertreter der japanische Botschaft, mit dem Göttert lange telefoniert hatte, folgte schließlich doch eine höfliche Absage.

"Auf jeden Fall", so Pfarrer Göttert unverzagt, "singen wir gemeinsam das Friedenslied." Und: "Nach Reden und dem Lied soll eine Schweigeminute für die Strahlen- und Kriegsopfer eingelegt werden. Gedenken, danken und an die Zukunft unserer Kinder denken, das ist an diesem Tag unser gemeinsames Anliegen."





aus: Würzburger Volksblatt, 5.8.2000

Erste Atombombe fiel vor 55 Jahren

Die Lippen rollten sich nach oben

TOKIO (AP) Noch heute erinnert sich Seiko Ikeda genau an den Morgen des 6. August 1945.

VON MARI YAMAGUCHI

Und sie weiß, es muss einen Grund geben, warum sie diesen Tag, den Abwurf einer amerikanischen Atombombe auf Hiroshima, überlebt hat.

Sie hat überlebt, um ihre Geschichte erzählen zu können - damit so etwas Schreckliches nie wieder passiert. "Das ist meine Pflicht", sagt die 67-jährige Hausfrau. Etwa 140 000 Menschen sind vor 55 Jahren durch die Atombombe ums Leben gekommen, mindestens 60 000 starben später an den Folgen der radioaktiven Strahlung.

Zwölf Jahre alt

Seiko Ikeda war damals zwölf Jahre alt und zur Arbeit in einer Fabrik verpflichtet. Sie war gerade dabei, das leere Gebäude zu reinigen, als sie einen riesigen Blitz am Himmel sah. Kurz darauf hörte das Mädchen ein donnerndes Geräusch und wurde bewusstlos.

Als sie wieder aufwachte, war ihr Haar verbrannt, ihre Kleider zerrissen, und Haut und Fleisch hingen in Fetzen von ihren nackten Armen und Beinen. Weinend vor Schmerz und Angst schloss sie sich einer Menschenmenge an, die auf den Fluss zulief.

Alle sahen aus wie Zombies, erinnert sich Ikeda. Sie musste über ein Meer von verkohlten Menschen steigen. Manche riefen nach Hilfe. Eine Hand hielt sie am Knöchel fest, der Verletzte bat um Wasser. "Ich lief einfach weiter. Ich musste das tun", erzählt Ikeda. "Aber die Erinnerung daran holt mich immer noch ein. Ich frage mich immer noch, was wohl mit ihnen passiert ist."

Nach wochenlangem Leiden kehrte Ikeda allmählich ins Leben zurück. Ihr Gesicht fühlte sich merkwürdig an, aber es gab keinen Spiegel weit und breit. Eines Tages fand sie einen. "Was ich sah, war so furchtbar, dass ich meinen Augen nicht traute", sagt sie.

Ihr Gesicht war dunkelrot, die Lippen rollten sich nach oben, und ihr Kiefer klebte an ihrem Hals. 15 Operationen hat sie bis heute hinter sich, und die Narben auf der Haut sind fast verheilt. Nicht so die Narben auf der Seele.

Seit fünf Jahrzehnten kämpft Ikeda für den Frieden. Ihre Botschaft für nukleare Abrüstung trägt sie unermüdlich in die Welt hinaus - auch zu den Atommächten USA, China und Indien: "Opfer gibt es nicht nur in Hiroshima und Nagasaki."





aus: Burische Zeitung, Gelsenkirchen

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http://www.westline.de] 5.8.2000

Bilder dokumentieren die Hölle auf Erden

(kar) Eine Frau und ein Kind, denen die Haut wie Seealgen von den vorgestreckten, blutigen Armen und Fingern hängt. Ihre Gesichter - die von Gespenstern. Die Hölle.

Das farbige Foto mit diesem Titel ist entsetzlich. Die Hölle auf Erden ging im August 1945 auf Hiroshima und Nagasaki in Form von Atombomben nieder. Doch die meisten Bilder der Ausstellung "Die Atombombe und der Mensch" des Nihon Hidankyo - dem 1956 in Japan gegründeten Verband der Atomopfer - dokumentieren das Grauen, den weißen Blitz, den schwarzen Regen, die atomaren Schäden und Schmerzen der Hibakusha (Überlebenden) eher seltsam distanziert.

Vielleicht, weil ihre Unterschriften von einem nicht vorstellbaren Umfang des Leidens sprechen, einem das Bilder und Fotos nicht wiedergeben können. Von Städten, die in Sekunden dem Erdboden gleichgemacht, Menschen die von mehreren Millionen Grad Celsius verbrannt oder von riesigen Druckwellen zerrissen werden; von jahrzehntelangem Krebs- und Krankheitsleiden der Überlebenden.

Aber "Die Atombombe und der Mensch" ist nicht allein der Katastrophe und ihren Folgen in Japan gewidmet. Sie ruft auch die 467 Atombombenexplosionen ins Gedächtnis, die die Sowjetunion in Kasachstan herbeiführte - fast alle, ohne die Bevölkerung zu informieren. Zeigt ein Kind mit verbrannter Kopfhaut, das mit schneeähnlichem Pulver, radioaktivem Abfall spielte.

Das Schicksal des Amerikaners John Smithermans, der 1946 als "Feuerwehrmann" auf dem Bikini-Atoll im Einsatz war, steht für das mehrerer Hunderttausender US-Soldaten. Smithermans Beine schwollen so an, dass sie amputiert werden mussten. Das Portrait zeigt ihn ab Gürtellinie mit einer riesigen linken Hand. Smitherman starb 1983 mit Krebstumoren im ganzen Körper.

"Die Atombombe und der Mensch" ist bis zum 14. August im Katholischen Zentrum, Propsteihof 10, zu sehen; auf Initiative von der Gruppe Internationale Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges, der Frauen-Friedensinitiative, Pax Christi, des Friedensforums, des DFG/VK Bildungswerkes und der Initiative NaturwissenschaftlerInnen Verantwortung für Friedens- und Zukunftsfähigkeit.

Auf ihre Anregung hin wird am Samstag (5.8.) der bisher unbenannte Platz östlich der Propsteikirche südlich der Schwarze-Brüder-Straße und nördlich der Propsteiarkaden als "Platz von Hiroshima" benannt. Die Feier, an der u.a. auch Bürgermeister Adolf Miksch und der Schriftsteller Josef Reding teilnehmen, beginnt um 11 Uhr. Die offizielle Eröffnung der Ausstellung erfolgt um 14 Uhr.





Quelle: Presseagentur epd

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http://www.epd.de] 4.8.2000 - 14.02 Uhr

Gedenktage/Hiroshirna

Friedensgruppen erinnern an Atombombenabwürfe auf Japan

Frankfurt a.M. (epd). Bei Veranstaltungen zum 55 Jahrestag der Bombombenabwürfe auf Japan wollen Friedensgruppen am Sonntag gegen die Pläne der USA für ein Nationales Raketenabwehr-Programm protestieren. Wie das Netzwerk Friedenskooperative am Freitag in Bonn erklärte, würde dies "ein neues nukleares Wettrüsten einleiten". Zum Hiroshima- und Nagasaki-Tag am 6. beziehungsweise 9. August werde es bundesweit mehr als 50 Veranstaltungen geben.

Die atomare Bedrohung sei "kein akademisches Thema", betonten die Internationalen Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges (IPPNW) in Berlin. Allein für die Entwicklung des Raketenabwehr-Programms hätten die USA bereits mindestens 120 Milliarden Mark ausgegeben. Immer mehr Staaten verschafften sich zudem Zugang zur Atomwaffentechnik.

Bei der Expo in Hannover wollen rund 1.200 Jugendliche aus 25 Ländern am Sonntag an die Opfer erinnern und gleichzeitig ein Zeichen gegen echte Gewalt setzen. Die Jugendlichen nehmen an einem Camp im Rahmen der Expo teil, das unter dem Motto "Ohne Frieden keine Zukunft" steht, erklärte der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge als Veranstalter. Hannover ist seit 1983 Partnerstadt des japanischen Hiroshima.

Nach dem Atombombenabwurf auf Hiroshma am 6. August 1945 kamen direkt und in der Folge mehr als 200.000 Menschen ums Leben. Am 9. August tötete eine weitere Bombe auf die Stadt Nagasaki mehr als 70.000 Menschen, weitere 70.000 starben bis 1950. Die Atom-Angriffe der US-Luftwaffe beendeten in Asien den Zweiten Weltkrieg, in dem Japan an der Seite des nationalsozialistischen Deutschland gestanden hatte. (6632/4.8.00)

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