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vom:
02.11.2000


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Hiroshima- und Nagasaki-Tag:

  Echo/Presse

Redaktion WDR 3, "Kritisches Tagebuch"

Ein Botschafter Hiroshimas und Nagasakis. Über den japanischen Friedensaktivisten Kazu Soda

Pressesplitter IV: Hörfunk

Hans-Detlev von Kirchbach über den Besuch des japanischen Atombomben-Überlebenden Kazuo Soda in Deutschland zum 55. Jahrestag von Hiroshima und Nagasaki. Redaktion: Wolfgang Stenke


0-Ton 1 - Kazuo Soda in Dortmund am 5. 8. 2000


"Tens of thausands of people were instantly cast away inta a hell. Some broken to pieces, same instantly evaparating into the air at heat as high as 1.8OO C, and others getting burned all aver mare dead than alive, crying far help in vain. I have been unable to forget the miserable event for 55 years that I encauntered at 11.02 a.m. on August 9. 1945."

(Zehntausende Menschen wurden sofort in die Hölle befördert - manche in Stücke zerbrochen, einige direkt verdampt. Bei einer Hitze um 1.800 Grad, und andere verbrannt, mehr tot als lebendig, vergebens nach Hilfe schreiend. Ich konnte in 55 Jahren das furchtbare Ereignis nicht vergessen, das mir um 11 Uhr 02 am 9. August 1945 zustieß.)

"Wer es nicht erlebt hat, dem kann man es nicht erzählen", so steht auf einer der Bildtafeln der Photoausstellung "Die Atombombe und der Mensch", die Kazuo Soda mit aus Japan nach Deutschland gebracht hat. Und doch muß er, der "Überlebende der atomaren Hölle", immer und immer wieder erzählen, was "nur wir bezeugen können". An jenem 9. August 1945 überlebte der 16-jährige Kazuo den Atombombenangriff auf Nagasaki zweieinhalb Kilometer vom Epi-Zentrum entfernt im Hause seiner Eltern nur deshalb, weil er einer Erkrankung wegen nicht zur Arbeit in die Munitionsfabrik gehen konnte. Das Unvorstellbare, das er, schwerst strahlengeschädigt, überlebte, versucht er seit Jahren als Mahnung für den restlosen Abbau aller Atomwaffen verständlich zu machen. Diesem Zweck dienen seit 1991 auch seine regelmäßigen Besuche in Deutschland zum Gedenken an Hiroshima und Nagasaki auf Einladung Dortmunder und Kölner Friedensinitiativen. So kam es 1995 an der Kölner "Friedens-Klagemauer" auch zu einer von RTL arrangierten denkwürdigen Begegnung mit dem US-Fliegergeneral Sweeney, der am 9. August 1945 als Bomberpilot die nukleare Todesfracht über Nagasaki ausgeklinkt hatte. Kazuo Soda wollte dem General als Zeichen der Versöhnung die Hand reichen, der aber schlug die Geste harsch aus und schnarrte statt dessen, er sei noch heute stolz auf seinen Einsatz und würde immer wieder so handeln.

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Mehr Verständnis fand Kazuo Soda bei den Kommunalpolitikern in Dortmund und Köln, die beide dem "Hiroshima-Bündnis der Städte" angehören. Köln empfingen CDU-Bürgermeister Schramma ebenso wie die grüne OB-Kandidatin Barbara Moritz den freundlichen alten Herrn aus Japan, nahmen papiergefaltete Kraniche als Zeichen des Friedens und Wunsch für Gesundheit und langes Leben entgegen und bekundeten ihre Solidarität mit den Atombombenopfern und ihre Unterstützung der Forderung nach einer atomwaffenfreien Welt. In Dortmund weihte der Stellvertreter des Qberbürgermeisters, Bürgermeister Miksch, am Samstag gemeinsam mit Kazuo Soda den neu benannten "Hiroshima-Platz" ein. Aus diesem Anlaß gab es illustre Grußbotschaften an Kazuo Soda und die Stadt Dortmund - von den Bürgermeistern der Städte Hiroshima und Nagasaki, von Atomphysiker und Friedens-Nobeipreistrager Joseph Rotblat und von Michael Gorbatschow.

Bitter empfindet Kazuo Soda, daß es in Deutschland für die "Hibakusha" mehr Solidarität gebe als in Japan selbst. Die dortigen Politiker, klagt Kazuo Soda, kümmerten sich kaum um die überlebenden Opfer der Atombombe und ihre oft von Erbschäden betroffenen Nachkommen. Es beschäme ihn, daß die japanische Regierung "die Regierung des einzigen Landes, auf das je eine Atombombe abgeworfen wurde", die Forderung nach einer vollständigen Abschaffung der Atomwaffen ablehne.

Als Symptom dafür läßt sich auch die Haltung des in Köln ansässigen "japanischen Kulturinstitutes" werten. Direktor Masaru Sakato lehnte es ab, seinen Landsmann Kazuo Soda zu empfangen und die Fotoausstellung "Die Atombombe und der Mensch" im Kulturinstitut zu präsentieren, "da wir als Kulturinstitut unsere Hauptaufgabe darin sehen, die japanische Kunst und Kultur dem deutschen Publikum bekannt zu machen."

"Die Verdrängung ist unser Hauptproblem", befindet Kazuo Soda mit Blick auf solche offiziellen Reaktionen. Freilich, so erkannten auch die deutschen Initiativen, die Kazuo Soda eingeladen hatten, besteht keinerlei Anlaß zu deutscher Selbstgefälligkeit. Denn zwischen den wohlgesetzten Worten und symbolischen Gesten auf kommunaler Ebene und der realen Außen- und Militärpolitik klafft ein ziemlicher Abgrund. So kritisierten denn auch Vertreter der mitveranstaltenden Ärzteorganisation IPPNW scharf das Festhalten der rot-grünen Bundesregierung am sogenannten Ersteinsatz von Atomwaffen und geißelten den von dieser Bundesregierung mitverantworteten Abwurf von Sprengsätzen mit abgereichertem Uran während des Kosovo-Krieges 1999 als völkerrechtswidriges Kriegsverbrechen. Und auch Kazuo Soda stellte klar: Es gehe ihm nicht nur um die Opfer von Hiroshima und Nagasaki, sondern auch um die ungezählten Opfer über- wie unterirdischer Atomtests, um die Opfer "ziviler" Atomunfälle. Von daher unterstütze er auch die Forderung nach Ausstieg aus der Atomenergie.

Daß seit 1956, als die Vereinigung der Atombombenopfer von Hiroshima und Nagasaki bei ihrer Gründung die restlose Abschaffung aller Atomwaffen forderte, dieses Ziel kaum nähergerückt ist, kann Kazuo Soda nicht entmutigen. So erneuerte er auch dieses Jahr in Dortmund und Köln den Appell der Hibakusha:

0-Ton 2, Kazuo Soda in Dortmund am 5. 8. 2000


"The menace caused by those weapons, and acciden tal or intentional use of thein, pose serbus threat to the survival of the entire humanity and all lives on earth. The coruplete abolition of nuclear weapons 18 the,nost urgent task for securing a peaceful 2lst century."

(Die Bedrohung, die durch diese Waffen und ihre unbeabsichtigt oder beabsichtigte Wirkung verursacht wird, gefährdet ernsthaft das Überleben der gesamten Menschheit und alles Leben auf der Erde. Die vollständige Abschaffung nuklearer Waffen ist die dringendste Aufgabe zur Sicherung eines friedlichen 21. Jahrhunderts.

Copyright: WDR (http://www.wdr.de)

Quelle: WDR 3 (Hörfunk) Sendung: "Kritisches Tagebuch" vom 7. 8. 2000 (http://www.wdr.de/radio/sendungen/kritag/)


Internet: http://www.wdr.de
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