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Erstellt:
27.03.1999


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zu: Kosov@: Stellungnahmen Dritter zum Krieg

Friedensbewegung in der Zwickmühle

AP-Meldung

Kriegsgegner zerrissen zwischen Loyalität zu Rot-Grün und Widerstand - Protestwelle gegen Luftschlag bleibt zunächst aus

Frankfurt/Main (AP) Im Unterschied zum Golfkrieg 1991 reagiert die Friedensbewegung deutlich zurückhaltend auf die Nato-Luftangriffe gegen Jugoslawien. In mehreren deutschen Städten trafen sich am Donnerstag Kriegsgegner zu Mahnwachen, doch der große öffentliche Protest bleibt aus. Die Beweguny steckt in einer Zwickmühle: Ausgerechnet die jahrelang gegen Hochrüstung kämpfenden Grünen tragen als Regierungspartei die Luftschläge mit. Daher wüßten viele Kriegsgegner noch nicht, "ob sie loyal zur Regierung stehen oder ihrer pazifistischen Überzeugung treu bleiben soll", sagt der friedenspolitische Sprecher des Komitees für Grundrechte und Demokratie, Andreas Buro.

Doch die Experten rechnen mit Zulauf zu den bevorstehenden Ostermärschen, sollten deutsche Soldaten in Serbien ums Leben kommen. "Wenn die ersten deutschen Opfer zu beklagen sein werden, gehen die Emotionen hoch", sagt Hans-Joachim Grießmann vom Institut für Friedensforschung und Sicherheitspolitik an der Hamburger Universität.

Die derzeitige Lethargie der Friedensbewegung und ihr nahestehender Menschen habe drei Gründe. Zum einen löse das Leiden der auf der Flucht befindlichen Kosovo-Albaner Mitleid aus. Weite Teile der Bevölkerung seien sich darüber einig, daß Verbrechen gegen die Menschlichkeit mit Gewalt bekämpft werden sollten. Spätestens seit den Massakern im bosnischen Srebrenica im Jahr 1995 sei auch das Vertrauen geschwunden, der Westen könne mit friedlichen Mitteln die Problemen auf dem Balkan lösen.

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Kosov@: Stellungnahmen Dritter zum Krieg
Geblieben sei Hilflosigkeit "Das äußert sich darin, daß wir zu Gewalt greifen, um Gewalt einzudämmen", sagt der Wissenschaftler. Dazu komme, daß vielen Menschen aktuelle Probleme wie beispielsweise die Arbeitslosigkeit zunehmend wichtiger seien als internationale Konflikte. Zudem leidet die Friedensbewegung nach den Worten von Kristian Golla vom Bonner Netzwerk Friedenskooperative darunter, daß Engagement nicht mehr in ist.

"Balkan-Marshallplan" als Alternative gefordert

Wie ein Stein im Magen liegt der Friedenskooperative, dem größten deutsche Dachverband von Friedens- und Menschenrechtsgruppen, die Haltung der Grünen - Daß die einstigen Friedenskämpfer die einfachste Lösung - "Bomben und drauf und fertig" - akzeptierten, sei erschreckend, meint Sprecher Golla. Die neue Regierung knüpfe nahtlos an die Politik der alten an und habe "nicht für zehn Pfennig" Ansätze zu einer Konfliktlösung ohne Gewalt. Nun gebe es keine große Partei mehr, bei der das Unbehagen über den Militäreinsatz Widerhall finde.

Als Alternative zum Luftkrieg empfiehlt der Bund für soziale Verteidigung, unter anderem getragen von christlichen Friedensgruppen, die Schaffung einer institutionellen Dauerkonferenz. Diese solle einen "Balkan-Marshallplan" möglich machen. Zudem solle ein internationales Protektorat unter UN-Kontrolle errichtet worden. Des weiteren müßten diejenigen Kräfte im Kosovo unterstützt werden, die offen für politische Lösungen seien.

Auf dem Zenit der Friedensbewegung hatten sich im Juni 1982 im Bonner Hofgarten rund 400.000 Menschen gegen die im Nato-Doppelbeschluß von 1979 vereinbarte Nachrüstung versammelt. Im Herbst 1983 demonstrierten Zehntausende gegen die Stationierung der amerikanischen Mittelstreckenraketen Pershing II und Cruise Missile. Seither jedoch bröckelt die Unterstützung für die Friedensbewegung immer mehr ab. 1994 kamen nur noch 35.000 Ostermärschler zusammen; seitdem gibt es keine offiziellen Angaben mehr über Teilnehmerzahlen.

Doch für tot erklären lassen will sich die Friedensbewegung noch lange nicht. Die aktiven Kerne haben immer gelebt und können auch wieder mobilisiert werden", sagt Friedenskooperative-Sprecher Golla. Friedensforscher Buro geht von einem erneuten Aufbäumen der Bewegung aus, sollten sich die NATO-Luftschläge in Serbien zu einem Dauerbombardement entwickeln. "Spätestens dann werden die Menschen begreifen, daß Krieg niemals eine Lösung sein kann."

ap, 25.03.1999, 13.53 Uhr







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