Netzwerk Friedenskooperative



Kosovo-Krieg: 1 Jahr danach - Inhalt


vom:
22.03.2000


 vorheriger

 nächster
 Artikel

Kosovo-Krieg: 1 Jahr danach:

  Stellungnahmen/Aufrufe

Presseerklärung zum Jahrestag des Kriegsbeginns am 24. März 1999

Die humanen Kosten einer "humanitären Intervention"
Die erwartbar negative Bilanz nach einem Jahr Nato-Krieg


Komitee für Grundrechte und Demokratie

Mit welchen Verheißungen und Werten wurde dieser Krieg aufgeladen!
Mit welchen Verheißungen wurde dieser Krieg geführt. Als erster Krieg einer neuen Weltordnung, an deren Spitze die Menschenrechte stünden. Wider bornierte Staaten, wie die BR Jugoslawien, und ihre Herren. Darum, so wurde der Anschein erweckt, war der Krieg der Staatengemeinschaft, der Nato, die den von ihr inszenierten Krieg mit Menschenrechtsblumen schmückte, gar kein Krieg mehr. Nur diejenigen, die unter den Bombenteppichen lebten, halbzivilisiert, die waren im Krieg. Und trugen und tragen, so sie überlebten, seine Folgen.

Mit welchen Werten wurde dieser Krieg aufgeladen, der am 24. März 1999 Nato-bewußt und Nato-gewollt begonnen worden ist. Weltbekannte Philosophen und andere Missionarinnen und Missionare (westlicher) Zivilisation sahen eine Periode "ewigen Friedens" winken, wenn nur eine Weltmacht wie die Nato allzeit bereit gegen bornierte Staatsleute und ihre menschenrechtswidrige Innen-Außenpolitik vorginge. Diese Art kriegerischer Gewalt sei dann legitim. Sie trage zur Geburt einer Welt verminderter Konflikte bei.

Mit welchen Bildern und bildverbundenen Informationen wurde dieser, mit dem Süßstoff der Menschenrechte entkriegte, Krieg medienstark populär gemacht. Nicht nur - schlimm genug - von Flucht und Vertreibung war - zu Recht - die Rede. Ein Genozid im Vollzug wurde bildkräftig gemeldet. Wer da nicht notwendige Gewalt gegen ungebändigt rohe Gewalt einsetze, vergehe sich gegen die Menschen, gegen die Menschheit. Deutschministeroffiziell wurden die schlimmsten Verbrechen des nationalsozialistischen Deutschlands fast wortwörtlich ins Feld geführt. Allerdings und endlich: Die Deutschen auf der Seite der Guten, ja, das Vergangen-Schlimme also wiedergutmachend!

 zum Anfang


Kosovo-Krieg: 1 Jahr danach - Inhalt
Die Bilanz nach einem Jahr fällt in jeder Hinsicht verheerend aus.
Fast ein Blitzkrieg gewiß. Wenn auch nicht ganz so blitzartig wie Nato-erhofft. Ein Krieg auch ohne alle eigenen Menschenverluste der Kriegsführerin, der Nato, und ihrer nordamerikanischen Übermacht. Ansonsten jedoch nur Schäden und Schäden und Schäden.

Wenn man`s denn unbedacht nicht schon vor dem 24. März 1999 gewußt hat, was man, vor allem wenn man Krieg führt oder rechtfertigt, wissen mußte, dann muß es jede und jeder heute wissen. Wenn er oder sie nicht wegschaut. Wenn er oder sie nicht unfähig ist, eigene Fehler einzugestehen. Wenn er und sie, ihr und wir nicht unfähig sein und bleiben wollen, aus eigenen und anderer Taten, aus Fähigkeiten und Unfähigkeiten zu lernen. Damit die mörderischen Konflikte abnehmen. Damit alte Gewalt und ihr gewalttätiges Zerschlagen nicht neue Gewalt hecke. Darauf kommt es nun ein Jahr danach vor allem an:

 Daß es keinen Krieg gibt, der nicht Leben von Menschen fordert, der nicht heutige und zukünftige Lebensbedingungen von Menschen zerstört. In die Tausende gehen die Opfer in Jugoslawien. Die Zerstörung der Lebensbedingungen wird noch anhalten und bei den Kindern und Kindeskindern spürbar sein in schlimmen Folgen. Wer einmal die Biographie des unsympathischen machtbesessenen Ehepaars Milo evi genau studiert hat, wird erkennen, daß diese unter den Kriegsbedingungen des 2. Weltkrieges das geworden sind, was sie heute immer schon gewesen zu sein scheinen. Wieviel neue Gewalt ist durch diesen Krieg gesät worden! Und wer wird diese Gewalt ernten?

 Daß es keine menschenrechtliche Rechtfertigung für Kriege gibt. Wenn es je kriegerische Gewalt um der Menschenrecht willen gäbe, dann nur in äußerst tragischer Zuspitzung. Wenn alle anderen Mittel bis zur Neige ausgeschöpft worden wären. Wenn die ungeheure Gefahr für ungeheure Menschenopfer unmittelbar gegeben wäre. Wenn nach allem menschlichen Ermessen eine Lösung der Konflikte zuhanden wäre, die allein durch den einmaligen Gewaltstopp und darauf sogleich folgende Nichtgewalt mit den durch Gewalt Gestoppten zusammen besser ausgeführt werden könnte. Wenn Gegengewalt gegen Gewalt so minimal und so mit eigenem hohen Risiko eingesetzt werden würde, daß sie sogleich, auch und vor allem der eigenen Opfer bewußt, abgebrochen werden könnte. Und wenn der Gewaltapparat danach sogleich bis auf ein Minimum abgebaut würde. Damit auch die Mächtigen nie und nimmer Politik und Ökonomie durch Militär politmilitärisch und ökomilitärisch ersetzen können. Und auch unter all diesen unwahrscheinlichen Bedingungen gäbe es menschenrechtlich kein reines Gewissen. Für Menschenrechte eintreten heißt zuallererst, skrupulös jedes Menschenopfer zu vermeiden. Deutsche und Amerikaner zählen nicht mehr als jugoslawische Politiker. Und seien sie noch so unsympathisch. Von den Serben und den albanisch/nichtalbanischen Kosovaren nicht zu reden.

 Daß die Nato-Staaten in keiner Hinsicht diesen menschenrechtlichen Minimalbedingungen für äußerste Notfälle entsprachen. Sie waren und sind krud und brut an ihrer eigenen Macht und deren erhaltendem Ausbau interessiert, untereinander dazu noch in höchst spannungsreichem, von den USA dominierten Konsens. Sie haben den längst bekannten Konflikt zwischen der Milosevic-Clique und den ihrerseits nicht multiethnisch friedensseligen Gruppen albanischer Kosovaren spät 1998 und dann rasch in der Pose überlegener Militärmacht militärisch zugespitzt. Sie haben mitnichten alle friedlichen Möglichkeiten ausgeschöpft. Sie haben den einseitigen Krieg ohne jede Perspektive darüber geführt, was danach kommen könnte - außer fahrlässigen Einschätzungen und Versprechungen. Sie haben die schlimmen Wirkungen über Ex-Jugoslawien hinaus interessen- und militärborniert mißachtet.

Und wie steht es um die Kosten?
Darum leben wir nun im Schlamassel der Kosten. Wie steht es denn nun im Kosovo? Und wie steht`s mit den Flüchtlingen? Welche Effekte zeitigte der Krieg im noch währenden Krieg Rußlands gegen Tschetschenien? Hat der Nato-Krieg etwa nicht die weitere Hochrüstung in aller Welt befördert? Und die Menschenrechte wurden zur Legitimationsklebe, jederzeit einsetzbar, wenn`s der Nato, wenn`s den von ihren Mitgliedstaaten vertretenen Interessen frommt. Dieser Nato-Krieg hat nur geschadet. Den Menschen zuerst. Die gemordet worden sind. Die verletzt wurden. Und den Menschenrechten weltweit nicht zuletzt. Als wären letztere ein Spielball der Macht-Staaten. Als hätten just die Nato-Staaten und an ihrer Spitze die USA allein im letzten Jahrzehnt vom Krieg gegen den Irak über Somalia bis nach Ruanda/Burundi sich menschenrechtsherrlich ausgewiesen.

Ob wenigstens diejenigen, die Frieden und Menschenrechte ernst nehmen, innig verzahnt wie beide sind, aus diesem kriegerischen Menschenrechtsfiasko lernen? Dann hätte dieser nur negativ effektvolle Krieg wenigstens eine positive Folge, ohne darum, versteht sich, im mindesten gerechtfertigt zu sein und zu werden.

Prof. Dr. Wolf-Dieter Narr
(Geschäftsführender Vorstand des Komitees)



E-Mail:  Grundrechtekomitee@t-online.de
Internet: http://www.friedenskooperative.de/komitee.htm
 zum Anfang

 vorheriger

 nächster
  
Artikel

       
Einige weitere Texte (per Zufallsauswahl) zum Thema
Kosovo, Kosova
FF2/98 - Und wieder pennt Europa
Resümée des Krieges
Ztg.1 Jahr - Keine Lösung in Sicht
Kosovo2000 - PäadagogInnen für den Frieden
Ztg.1 Jahr - Ökonomie des Krieges
Kosovo2000 FI Ramelsloh und Harburg-Land

Bereich

 Themen 

Die anderen Bereiche der Netzwerk-Website
         
Netzwerk   F-Forum  Termine  Jugo-Hilfe Aktuell