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Erstellt:
12.05.1999


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 8.5.1999
 Berlin


zu: Kosov@: Reden gegen den Krieg

Abschlußkundgebung Berlin 8. Mai 1999

Schlußbeitrag für die Veranstalter

Kathrin Vogler

Liebe Friedensfreundinnen und Friedenfreunde,

Stoppt den Krieg - helfen statt bomben! Unter diesem Motto sind wir heute am achten Mai 1999 hier in Berlin auf der Straße gewesen, um ein deutliches Zeichen zu setzen:

* ein Zeichen des Friedens und der Menschlichkeit
  gegen eine Politik, die von nationalem Größenwahn
  und militärischem Zwangsdenken und diktiert wird;

* ein Zeichen der Solidarität für die Opfer von
  Krieg und Vertreibung, für die vergewaltigten
  Frauen und traumatisierten Kinder, die
  entwurzelten Alten, die jungen Männer, die vor dem
  Zwang zum Kriegsdienst fliehen, für alle, denen
  jetzt das Dach über dem Kopf, gesundes Essen und
  sauberes Wasser fehlen;

* ein Zeichen der Vernunft und der Aufklärung gegen
  die Propagandisten des Krieges. Sie wollen uns
  glauben machen, es gäbe keine Alternative zum
  Bombenwerfen und behaupten immer noch, dieser
  Krieg diene den Menschen, obwohl auch sie es
  inzwischen besser wissen könnten;

* ein Zeichen der Ermutigung für alle, die heute
  noch nicht bei uns waren, obwohl sie so wie wir
  Krieg als Mittel der Politik ablehnen.

Heute sind 50.000 Menschen aus ganz Deutschland, aus unterschiedlichen Motiven und mit ganz vielfältigen persönlichen Erfahrungen hierher gekommen.

Wir sind Menschen aus Friedensinitiativen und pazifistischen Gruppen, Jugendliche aus Schulen, Lehrwerkstätten und Jugendzentren, unter uns sind Verfolgte des Naziregimes und aktive Antifaschisten, wir kommen aus der Flüchtlingshilfe und aus der Menschenrechtsarbeit, arbeiten in Umweltverbänden und Gewerkschaften, berufsbezogenen Gruppen oder Kirchengemeinden, sind parteilos oder in Parteien engagiert, sind Studierende, Mütter, Arbeitslose und tragen die unterschiedlichsten Pässe bei uns.

 zum Anfang


Kosov@: Reden gegen den Krieg
Was wir gemeinsam haben ist die Überzeugung, dass der Krieg keine Probleme löst. Krieg verschärft vielmehr die vorhandenen Probleme und schafft dazu neue.

Auch wenn uns dies von Medien und Politik immer wieder vorgehalten wird: Niemand unter uns unterstützt die serbischen Apartheidspläne für das Kosovo. Unser Ideal einer solidarischen, friedlichen Welt ist nur denkbar ohne nationalistische Abgrenzung und Menschen verachtenden Rassismus. Für uns gehören die zwei Lehren des achten Mai 1945 untrennbar zusammen; "Nie wieder Krieg" und "Nie wieder Faschismus". Das ist ein Akkord, der nur gemeinsam klingt.

Wir wollen in einem Land leben, in dem diese Botschaften lebendig bleiben und praktische Politik werden Ein solches Land ist nach innen und außen offen, solidarisch und zivil. Seinen Reichtum verschwendet es nicht an den Aufbau und die Perfektionierung militärischer Drohpotentiale, sondern nutzt ihn zum Erhalt der Umwelt und zur Bekämpfung von Armut und Unwissenheit.

Alle Menschen in diesem Land genießen die gleichen Rechte und auch die Beziehungen zu anderen Ländern sind vom Prinzip der Gleichheit und Gerechtigkeit beherrscht. Flüchtlingen und politisch Verfolgten leistet dieses Land Schutz und Hilfe. Unterdrückern und Tyrannen bietet es mutig Paroli - mit Fantasie und Zivilcourage statt mit Kasernenhofton und Heldenverehrung.

Unsere Hoffnung ist, dass es im einundzwanzigsten Jahrhundert gelingen kann, den Krieg, dieses Verbrechen an der Menschheit, aus den internationalen Beziehungen zu verbannen. Wir wissen, dass der Weg bis dahin noch weit ist, aber wir haben heute, am achten Mai 1999, hier in Berlin gemeinsam einen Schritt in die richtige Richtung getan. Viele Schritte, große und kleine, müssen und werden folgen.

"Nicht der Krieg, der Frieden ist der Ernstfall, in dem wir uns alle zu bewähren haben", diesen Satz von Gustav Heinemann kann man gerade in Kriegszeiten wie diesen nicht oft genug bedenken, zumal die große Mehrheit der Potitikerinnen und Politiker in diesem Land ihn scheinbar vergessen hat sich nicht darüber im Klaren ist, dass man leichter Krieg beginnen als Frieden gestalten kann.

Selbst wenn es gelänge, den Krieg um Kosovo schnell und ohne noch viel mehr Opfer zu beenden - was wird dann?

Wie kann noch vor dem Winter die Rückkehr von Hunderttausenden gelingen, wenn doch viele Wohnhäuser und ein großer Teil der Infrastruktur zerstört sind? Wie lange wird der Prozess der Versöhnung dauern? Können Opfer und Täter jemals wieder friedlich miteinander leben?

Wird dieser Krieg für die NATO zum Schnittmusterbogen für den Umgang mit künftigen Konflikten? Oder kann es gelingen, neue zivile Wege der Konfliktbearbeitung zu beschreiten?

 zum Anfang


Kosov@: Reden gegen den Krieg
Viele Ideen und Konzepte dafür haben Friedensforschung und Friedensbewegung in den letzten Jahren entwickelt. Doch wir haben erkennen müssen, dass es nicht ausreicht, die besseren Konzepte zu haben - wir müssen auch in der Lage sein, sie gegen den Widerstand der Militärlobby durchzusetzen. Die Kraft dazu hat uns in den letzten Jahren gefehlt. Und das ist keine theoretische sondern eine ganz praktische politische Frage. Deshalb ist es notwendig, unsere Bewegung gegen den Krieg weiter zu entwickeln zu einer Friedensbewegung, die nicht nur gegen einzelne militärische Projekte und bestimmte Kriegseinsätze aufsteht, sondern mit dem berühmten langen Atem für eine Friedenspolitik eintritt; die diesen Namen verdient.

Ich hoffe, dass wir heute von dieser Demonstration mit vielen Ideen und Impulsen dafür nach hause fahren. Und rufe euch auf, auch dort gewaltfrei und fantasievoll für die notwendige Bewegung zu sorgen:

* Stellen wir unsere Forderungen zur Diskussion wo
  immer es nötig und möglich ist; in Schulen und
  Unis, in den Medien, in Vereinen und Parteien, in
  den Rathäusern und auf den Straßen. Sorgen wir
  dafür, dass unsere Bedenken auch gehört werden wo
  man sie nicht hören will. Zum Beispiel mit
  öffentlichen Bürgerversammlungen in Rathäusern und
  Parteibüros.

* Verbreiten wir unterdrückte Informationen und
  überzeugen wir möglichst Viele von der Absurdität
  dieses Krieges! Fragen wir nach den Hintergründen
  und Nutznießern des Krieges und machen wir zivile
  Alternativen bekannt.

* Organisieren wir in allen Orten Mahnwachen,
  Kundgebungen und Veranstaltungen gegen den Krieg!
  Stärken wir die lokalen Friedensgruppen und
  gründen wir neue - der Frieden muss organisiert
  werden!

* Durchbrechen wir die Heuchelei, die den
  Vertriebenen mit Bomben helfen will, aber nicht
  bereit ist, Sie in den reichen Ländern Europas
  aufzunehmen. Setzen wir uns dafür ein, dass
  Kommunen und Länder ihre Türen für die Flüchtlinge
  öffnen, organisieren wir private Flüchtlingshilfe.

* Unterstützen wir Befehlsverweigerer und
  Fahnenflüchtige aller Seiten! Ermutigen wir auch
  die Soldaten der Bundeswehr zur Verweigerung und
  setzen wir uns dafür ein; dass verfolgte
  Kriegsdienstverweigerer und Deserteure Asyl
  erhalten, zum Beispiel durch Beschlüsse der Stadt-
  und Gemeinderäte und notfalls auch mit Hilfe des
  Kirchenasyls.

* Sorgen wir in den Betrieben dafür, dass
  Rüstungsgüter, Waffen und Munition nicht
  produziert werden, zumindest so lange dieser Krieg
  anhält. Auch hier gibt es zivile, sozial und
  ökologisch sinnvolle Alternativen, die aber von
  unten durchgesetzt werden müssen.

* Behindern wir gewaltfrei den Militärbetrieb, wie
  das Gruppen der Friedensbewegung seit einigen
  Wochen regelmäßig in der US-Airbase in Spangdahlem
  tun und wie bei der Blockade an der Hardthöhe
  heute.

Lasst uns der Bundesregierung heute von hier aus versprechen: wir kommen wieder, so oft es nötig ist. Und jedes Mal werden wir mehr sein, lauter sein. Ihr könnt eure Augen und Ohren verschließen - wir werden dafür sorgen dass ihr trotzdem sehen und hören müsst, was wir von euch fordern:

 zum Anfang


Kosov@: Reden gegen den Krieg
Stoppt den Krieg! - Helfen statt bomben!



Kathrin Vogler ist Bundesgeschäftsführerin der DFG-VK

E-Mail:   k_vogler@muenster.de





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