Ostermär-
sche 2000


vom:
31.03.2000

update:
21.04.2000


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Ostermärsche 2000 - Inhalt

 Echo/Presse

Presse im Vorfeld

verschiedene Zeitungen

junge Welt 31.03.: Gegen Geschäft mit dem Tod

Neues Deutschland 11.04.: Aufruf zu Ostermärschen

Frankfurter Rundschau 14.04.: Bloß keinen "Zählappell"

Saarbrücker Zeitung 18.04.: Gegen Rüstungs-Exporte: Ostermarschierer wieder unterwegs

Berliner Morgenpost 18.04.: Ostermarsch gegen die Auslandseinsätze der Bundeswehr

taz 20./21.04.2000, S. 7

ND 20.04: Für eine Welt ohne Kriege

ND 20.04: Interview

Interview aus: Junge Welt 20.04.2000

Stuttgarter Nachrichten 20.04.: Ostermarsch mit Aktionen vor US-Kommandozentrum

Die Welt, Bremer Ausgabe, 20.4.2000: Interesse an Ostermärschen schwindet

Kreiszeitung Syke, 19.04.2000: Bremer Friedensforum ruft am Sonnabend zum Ostermarsch auf





junge Welt, Reimar Paul

Gegen Geschäft mit dem Tod

Bei Ostermärschen demonstriert die Friedensbewegung. Kundgebungen im ganzen Land

Ungebrochen lebendig, regional sehr verschieden, besonders an den neuen Militärstandorten in Ostdeutschland im Aufwind, nicht über einen Kamm zu scheren, thematisch vielfältig und längst nicht mehr der »Zählappell« der Friedensbewegung - die Ostermärsche. Mehrere Dutzend Demonstrationen, Kundgebungen und Fahrradtouren sind in diesem Jahr angekündigt, außerdem gibt es zahlreiche Mahnwachen, Gottesdienste und Diskussionsveranstaltungen. Der NATO-Krieg gegen Jugoslawien, Rußlands Krieg in Tschetschenien und die umstrittene Rüstungsexportpolitik der Bundesregierung stehen dabei im Mittelpunkt der diesjährigen Aktionen.

In den Aufrufen erinnert die Friedensbewegung an den Bruch des Völkerrechts im Krieg gegen Jugoslawien, an die vielen materiellen und politischen »Kollateralschäden« und an das Versagen der NATO/KFOR bei der Förderung eines friedlichen Zusammenlebens der Völker im Kosovo. Gewarnt wird vor neuen Gewalttaten, insbesondere den bereits absehbaren kriegerischen Auseinandersetzungen in Südserbien und Montenegro, sowie den die ganze Region gefährdenden Plänen der ehemaligen UCK für ein Großalbanien. Rußland, so die Meinung vieler Friedensgruppen, folgt im Kaukasus dem schlechten NATO-Beispiel des Rechts des Stärkeren mit der »Renaissance einer menschenverachtenden Großmachtpolitik«, der die westlichen Staaten keine glaubwürdige Kritik entgegensetzen können. Auch das rot- grüne Geschäft mit dem Tod ist Thema der diesjährigen Ostermärsche. Die Versprechungen der Bundesregierung zu einer konsequenten Friedenspolitik haben sich in den Augen der Friedensbewegung schon jetzt als hohl erwiesen. Deutsche Außenpolitik ist Wirtschaftspolitik, das zeige sich gerade wieder bei den geplanten Rüstungsexporten in die Türkei oder in den Nahen Osten.

Entstanden ist die »Ostermarschbewegung« in England, wo sich unter der Regie des britischen Philosophen Bertrand Russel am Karfreitag 1958 erstmals rund 10.000 Menschen in London versammelten, um für nukleare Abrüstung zu demonstrieren. In der Bundesrepublik wurde der erste Ostermarsch in Norddeutschland 1960 organisiert. jW gibt nachfolgend einen Überblick der bislang bekannten Osteraktionen des Jahres 2000.

Quelle: junge Welt, 31.03.2000





Neues Deutschland 11.04.

Aufruf zu Ostermärschen

Bonn (dpa/ND). Der Krieg der NATO gegen Serbien, Russlands Krieg in Tschetschenien und die angestrebte Öffnung der Bundeswehr Tür Frauen stehen im Mittelpunkt der diesjährigen Ostermärsche. Das bundesweite Netzwerk Friedenskooperative in Bonn kündigte an, von Karfreitag bis Ostermontag werde es in zahlreichen Städten Ostermärsche, Kundgebungen, Friedensfeste und andere Aktionen geben. Größere Veranstaltungen sind nach Angaben des Netzwerks in Berlin, München, Frankfurt (Main), Düsseldorf, Hamburg, Saarbrücken, Chemnitz und dem Ruhrgebiet geplant. Wie die Kooperative weiter mitteilte, wollen Friedensgruppen an den Bruch des Völkerrechts im Krieg gegen Jugoslawien erinnern. Auch Russland soll wegen der "Renaissance einer menschenverachtenden Großmachtpolitik" in Tschetschenien kritisiert werden. Wie es weiter heißt, erwiesen sich "die rot-grünen Versprechungen zu einer konsequenten Friedenspolitik als hohl".





Aus: Frankfurter Rundschau 14.04.

Bloß keinen "Zählappell"

Themenmangel gibt es beim Ostermarsch nicht - "egal, ob zehn oder zehntausend kommen"

Von Judith von Sternburg (Frankfurt/M.)

Die Augsburger erklären: "Wir haben nicht vergessen." Die Bruchköbeler betonen: "Wir bleiben dabei: Schluss mit Rüstung und Krieg." Und auch in Chemnitz, Dortmund, Essen, Fretzdorf ruft die Friedensbewegung zu Ostermärschen auf.

Kristian Golla, Koordinator des Netzwerkes Friedenskooperative in Bonn, sagt eigentlich jedes Jahr das Gleiche, und das mit gutem Grund. Dass eine Sache richtig sei, sagt er, habe doch nichts damit zu tun, ob zehn Leute kommen oder zehntausend. Das Problem, Menschen zum Engagement zu bewegen, sei Sportvereinen so vertraut wie der Friedensbewegung, sagt Golla. Und die erlebe wie alles in der Gesellschaft Aufs und Abs. Derzeit, das sei eben ein Ab. "Man kann doch auch umgekehrt fragen: Warum kommen die Menschen immer noch." Der Ostermarsch, so die offizielle Formulierung, sei kein "Zählappell der Friedensbewegung", aber doch "ungebrochen lebendig".

Im Netzwerk laufen die Ostermärsche zusammen, deren Themen divers sind und die von vielen Einzelinitiativen getragen werden. Der Krieg in Tschetschenjen, betont Golla, sei in diesem Jahr ein Schwerpunkt, jedoch sei auch das Thema Kosovo nicht vom Tisch - das Bombardement Jugoslawiens durch die Nato vor einem Jahr, aber auch etwa das aktuelle Aufflammen des albanischen Nationalismus in Südserbien. "Konfliktlösung wäre da vielleicht ein Überbegriff", erklärt Golla. Im vergangenen Jahr, mitten im Kosovo-Krieg, habe sich ja eine "gewisse Kriegsbegeisterung" breit gemacht. "Jetzt muss doch für jeden offensichtlich geworden sein, dass weder der Westen noch Russland da ein sinnvolles Konzept hat."

Andere Initiativen rufen dazu auf, gegen deutsche Rüstungsexporte auf die Straße zu gehen, aber auch gegen die Entscheidung, Frauen in der Bundeswehr künftig an die Waffen zu lassen. Das sind doch Dinge, sagt Golla "die uns berühren". Mitnichten weniger scharf als im vergangenen Jahr muss sich dabei die Bundesregierung anfahren lassen: "Die rot-grünen Versprechungen zu einer konsequenten Friedenspolitik erweisen sich als hohl", erklärt die Friedenskooperative. Zumal mit Blick auf Rüstungsexporte erweise sich einmal mehr: "Deutsche Außenpolitik ist Wirtschaftspolitik." Drei Dutzend Angebote finden sich bisher der noch anschwellenden Terminliste Kooperative im Internet (www.Friedenskooperative.de). Andrang wird vor allem beim Ostermarsch Ruhr erwartet, der am Karsamstag (22. April) in Duisburg beginnt, sich am Ostersonntag von Essen nach Bochum bewegt und am Ostermontag in Dortmund endet. "Im Aufwind", konstatiert die Friedenskooperative seien aber auch die Aktionen an den Bundeswehrstandorten in den neuen Ländern. So begibt man sich in Fretzdorf (Brandenburg) am Ostersonntag für die zivile Nutzung des ehemaligen russischen Bombenabwurfplatzes Wittstock auf den Dorfplatz und kann Horst-Eberhard Richter zuhören. Von Wolmirstedt (Sachsen-Anhalt) aus geht es am selben Tag in die Colbitz-Letzlinger Heide, aus dem gleichen Grund. Am Ostermontag gibt es in Berlin, Frankfurt am Main, Hamburg, Stuttgart, Nürnberg und - schon ab Samstag - München Mahnwachen, Protestzüge und Kundgebungen. Massen zu erwarten, sei illusorisch, sagt Golla und bleibt gelassen neugierig: "Mal sehen - man kann in die Leuteja nicht reingucken."





Saarbrücker Zeitung 18.04.2000
http://www.sz-newsline.de/pol/pol10.htm

Gegen Rüstungs-Exporte: Ostermarschierer wieder unterwegs

Friedensbewegung ruft ab Karfreitag bundesweit zu Demos auf - Kundgebung am Ostersamstag auch in Saarbrücken

Düsseldorf/Saarbrücken (ap/red). Die deutsche Friedensbewegung gibt sich wenige Tage vor den traditionellen Ostermärschen ab Karfreitag zuversichtlich, Zehntausende von Demonstranten für ihre Aktionen begeistern zu können. Insgesamt gibt es nach Angaben des Netzwerks Friedenskooperative in Bonn in West- und Ostdeutschland in diesem Jahr rund 40 Veranstaltungen, Protestkundgebungen, Friedensmärsche und sonstige Aktionen. Im Mittelpunkt der Kritik stehen die geplanten Rüstungs-Exporte der rot-grünen Bundesregierung, der Tschetschenien-Krieg und der bevorstehende Einsatz von Frauen an der Waffe. Bis zum Ostermontag wollen die zahlreichen Veranstalter auch an den ihrer Ansicht nach erfolgten Bruch des Völkerrechts im Krieg gegen Ex-Jugoslawien erinnern und an "das Versagen von Nato und Kfor in der Förderung eines friedlichen Zusammenlebens der Völker im Kosovo". Die Ostermarschierer wollen zudem auch die Bundesregierung wegen "hohler Versprechungen" zur Friedenspolitik an den Pranger stellen. "Gerade auch bei der Praxis der Rüstungsexporte erweist sich: Deutsche Außenpolitik ist Wirtschaftspolitik", kritisierten die Sprecher der Friedenskooperative.

In
Saarbrücken findet der traditionelle Ostermarsch am Ostersamstag, 22. April, 11 Uhr, statt. Start ist an der Johanneskirche. Der Ostermarsch schließt mit einer Kundgebung auf dem St. Johanner Markt. Es spricht Arno Neuber, Karlsruhe, von der Informationsstelle gegen Militarisierung. Das Thema: "Keine Pflugscharen zu Schwertern!"





Aus: Berliner Morgenpost 18.04.2000

Ostermarsch gegen die Auslandseinsätze der Bundeswehr

Die Berliner Friedensbewegung ruft für den 24. April zu ihrem traditionellen Ostermarsch auf. Dieser richte sich gegen Bundeswehrauslandseinsätze und Waffenexporte, so die Veranstalter. Man wolle zudem gegen Pläne der Nato protestieren, wonach sich das Verteidigungsbündnis selbst Mandate für Einsätze außerhalb des eigenen Gebietes («Out-of-Area») geben könne.

Roland Roth vom Bündnis für Grundrechte der Demokratie sagte, der Nato-Einsatz im Kosovo habe gezeigt, dass Krieg niemals dauerhaft zum gewünschten Erfolg führe. Roth betonte allerdings, er rechne in absehbarer Zukunft mit einer «relativ großen Mobilisierungsschwäche» der Friedensbewegung. Als Grund gab er an, die Disku8sion um Durchsetzung der Menschenrechte ohne Waffeneinsatz sei «keine Veranstaltung der Betroffenheit, sondern eine hochintellektuelle Debatte».

Jens Peter Steffen von der Organisation Ärzte gegen den Atomtod sagte, auf dem Ostermarsch wolle man auf die drohende Neuausrichtung der Nato-Doktrin aufmerksam machen. Dort plane man, so Steffen, gleich den USA den Ersteinsatz von Atomwaffen auch gegen Länder zuzulassen, die nicht über Kernwaffen verfügten. Zudem befinde sich der auch von den Atommächten unterzeichnete Kernwaffensperrvertrag in einem «bedauernswerten Zustand». Das Ziel, Kernwaffen abzuschaffen, werde derzeit «um Jahre verzögert».

Traudl Vorbrodt von Pax Christi meinte, ihre Organisation fordere die Abschaffung der Nationalgrenzen und der Bundeswehr.

Der Ostermarsch beginnt am Montag um 13 Uhr vor der Neuen Wache in Mitte, führt durch das Brandenburger Tor, vorbei am Regierungsviertel und endet mit einer Kundgebung vor dem Roten Rathaus. Die Veranstalter erwarten mehrere tausend Teilnehmer.

Man rechne jedoch nicht mit den durch den Kosovo-Krieg bedingten 25.000 Teilnehmern des letzten Jahres. Ostermärsche der Friedensbewegung werden in Berlin mit Unterbrechungen seit 1960 organisiert. sts







Aus: taz 20./21.04.2000, S. 7

OSTERMÄRSCHE

50 Demos geplant

Die Friedensbewegng will in und 50 Orten der Bundesrepublik ihre traditionellen Ostermärsche veranstalten. Die meisten Teilnehmer werden beim Ostermarsch Ruhr; bei Demonstrationen an Militärstandorten in Ostdeutschland sowie in Berlin erwartet. (afp)









Aus: Neues Deutschland 20.04.2000, S. 1

Ostermärsche:

Für eine Welt ohne Kriege

Berlin (dpa/ND). Im Mittelpunkt der diesjährigen Ostermärsche 2000 stehen neben dem Kosovo-Krieg vor allem der Konflikt in Tschetschenien und die umstrittenen Rüstungsexporte der rot-grünen Bundesregierung. Schwerpunkte der mehr als 50 Aktionen sind in diesem Jahr Leipzig, das Ruhrgebiet, Frankfurt (Main), Kassel und München. Im letzten Jahr beteiligten sich schätzungsweise 50000 Menschen an den Aktionen.

Bei Demonstrationen, Sternfahrten und ökumenischen Gottesdiensten wollen zahlreiche Gruppen und Netzwerke ihre Anliegen zum Ausdruck bringen. Am Karfreitag startet in Leipzig eine dreitägige Fahrradtour in das sächsische Schneeberg, wo Krisenreaktionskräite der Bundeswehr stationiert sind. Regionale Kundgebungen finden am Samstag unter anderem in Augsburg, Mainz, Rostock und Suhl statt. Am Ostersonntag werden im brandenburgischen Fretzdorf und der Colbitz-Letzlinger Heide die Übungsgelände der Bundeswehr ein Ziel der Ostermarschierer sein.

Am Montag sind in zahlreichen Großstädten Osteraktionen geplant. Unter dem Motto »Eine Welt ohne Kriege, ohne Waffen wollen wir« wird in Berlin, Dortmund und Düsseldorf demonstriert. Kriegsgegner wollen in Stuttgart vor der Europa-Zentrale der US-Streitkräfte gegen Rüstungswahn protestieren. In Hamburg lauten die Forderungen: »Bundeswehr abrüsten« und »keine deutschen Waffen an die Türkei«.





Interview Seite 8:

Fragwürdig:

Ostermärsche überlebt?

Willi van Ooyen
Sprecher des zentralen Ostermarschbüros in Frankfurt (Main).

Frage: Die ersten Ostermarschierer waren bereits am letzten Wochenende auf der Straße. Wie lief es an?

Willi van Ooyen: In Oldenburg und Baden-Württemberg gab es Sonnabend. erste Ostermärsche, die Beteiligung war recht gut. In Oldenburg hatte das Friedensbündnis die Kinderbuchautorin Gudrun Pausewang als Kundgebungsrednerin eingeladen.

Frage: Warum gingen die Ostermärsche dieses Jahr so früh los?

Willi van Ooyen: Die Friedensbewegung ist schon seit vier Wochen aktiv, um an den Kosovo-Krieg zu erinnern. Anlässlich des Jahrestages des NATO-Angriffs auf Jugoslawien am 24. März gab es in zahlreichen Orten Veranstaltungen und Mahnwachen. Das ging dann nahtios in die Ostermarschaktivitäten über.

Frage: Was ist am Osterwochenende geplant?

Willi van Ooyen: Die Friedensbewegung bereitet wirklich flächendeckend Osteraktionen vor. Es gibt von Wedel in Schleswig-Holstein bis Müllheim an der Grenze zur Schweiz, von Duisburg bis Chemnitz Aktivitäten. Dazu kommen internationale Begegnungen, etwa in Basel oder in den Niederlanden. Die Aktionsformen sind ganz unterschiedlich. Das fängt an bei Gottesdiensten und Kundgebungen und geht bis zum dreitägigen Ostermarsch durch das Ruhrgebiet. In Braunschweig, Leipzig und noch einigen anderen Orten ist die Friedensbewegung auch mit Fahrrädern unterwegs.

Frage: Wogegen richten sich die Ostermärsche dieses Jahr, wofür werben sie?

Willi van Ooyen: Die Ostermarschaufrufe hatten schon immer starke regionale Bezüge, das ist auch dieses Jahr so. In den neuen Ländern richten sich mehrere Aktionen beispielsweise gegen Truppenübungsplätze oder Bombenabwurfplätze, in Baden-Württemberg sind Kasernen oder andere Militäreinrichtungen Ziele. In Hamburg gibt es Proteste an der Hochschule der Bundeswehr, in Schleswig-Holstein an verschiedenen Marine-Standorten.

Frage: Gibt es auch eine gemeinsame inhaltliche Klammer der Ostermärsche?

Willi van Ooyen: In den meisten Aufrufen finden sich ähnliche politische Forderungen und Ziele. Dazu zählt zum Beispiel ein Verbot der Panzerexporte in die Türkei, die Ablehnung des Dienstes an der Waffe für Frauen in der Bundeswehr, die Forderung` nach Aufhebung des Embargos gegen Jugoslawien. Angesichts der wieder drohenden Eskalation müssen Serbien und Montenegro in den Balkan-Stabilitätspakt einbezogen werden. NATO und EU müssen jede Drohung unterlassen, dass sie mit Gewalt eingreifen wollen. Weiteres Thema ist der Krieg in Tschetschenien, wo Russland dem schlechten NATO-Beispiel gefolgt ist und seine Großmachtinteressen gewaltsam durchgesetzt hat.

Frage: In den vergangenen Jahren waren die Ostermärsche nicht gerade gut besucht. Braucht die Friedensbewegung nicht neue Bündnispartner?

Willi van Ooyen: Unbedingt, nicht nur neue, auch die alten. Der Erfolg von Ostermärschen misst sich zwar nicht alleine an der Teilnehnerzahl, doch wir müssen für unsere Ziele wieder verstärkt werben, in den Gewerkschaften, in der SPD und bei den Grünen. Seit beide Parteien in der Regierung sind, haben sie sich aus der Friedensbewegung völlig verabschiedet. Von der Aussage »Deutsche Außenpolitik ist Friedenspolitik« ist nichts mehr übrig geblieben. An der Basis gibt es aber Unzufriedenheit mit diesem Kurs. Da müssen wir ansetzen.

Frage: Haben sich die Ostermärsche als Aktionsform nicht überlebt?

Willi van Ooyen: Ich glaube nicht. Ich würde mir zwar wünschen, dass mehr Menschen uns begleiten und dass die Friedensbewegung ihre Anliegen nicht nur an den Ostertagen öffentlich macht. Aber das ist nicht zu erzwingen. So lange bei vielen die Bereitschaft da ist, Ostern für unsere Ziele zu demonstrieren, so lange sollten wir das auch tun.

Fragen: Reimar Paul





Interview

aus: Junge Welt 20.04.2000

Was erwartet Ostermarschierer in Berlin?

jW sprach mit LauraN von Wimmersperg, Moderatorin der Berliner Friedenskoordination


jW: Am Ostermontag findet wie in den meisten deutschen Städten auch in Berlin wieder der Ostermarsch statt. Wie wird der diesjährige ablaufen, und was sind die Besonderheiten?

Laura von Wimmersperg: Treffpunkt für den diesjährigen Ostermarsch ist die Neue Wache Unter den Linden um 13 Uhr. Das Ende ist gegen 16 Uhr am Neptunbrunnen geplant. Reden werden unter anderem Frau Dr. Angelika Clausen, IPPNW-Vorsitzende der Deutschen Sektion, Frau Dr. Nienhaus vom SF Biz, Traudl Vorbrodt von pax christi und Roland Roth vom Komitee für Grundrechte und Demokratie. Auf der Abschlußkundgebung wird eine Frau vom Mumia-Abu-Jamal-Komitee sprechen. Wir wollen den Abschluß als eine Art Geburtstagsgruß für Mumia Abu-Jamal gestalten, der nun schon über 15 Jahre in seiner Todeszelle sitzt.

jW: Ist vor dem Hintergrund des NATO-Krieges gegen Jugoslawien die Friedensbewegung stärker geworden?

Laura von Wimmersperg: Das ist eine Suggestivfrage. Ob der Ostermarsch oder die Friedensbewegung stärker geworden ist durch den Krieg - also, ich denke schon, daß sich da einiges verändert hat hier bei uns. Durch diese Menschenrechtskampagne, die vor einem Jahr in der Presse geführt worden ist, sind aber auch viele Menschen verunsichert worden, die sich eigentlich der Friedensbewegung zugerechnet haben. Auf der anderen Seite sind auch viele neu dazugekommen. Der Krieg beschäftigt immer noch viele Menschen. Das wird sicher auch in diesem Jahr eine Rolle spielen. Ich denke, daß vor allem bei dem Redner vom Komitee für Grundrechte die neue NATO- Struktur eine Rolle spielen wird. Der Jugoslawien-Krieg war in unseren Augen ein Präzedenzfall. Das spielt schon beim Ostermarsch eine Rolle, wie auch die Tatsache, daß in der NATO-Struktur von Atomwaffen die Rede ist, vom Erstschlag, und auch die russische Regierung in Antwort auf diese NATO-Struktur im Sommer geäußert hat, daß sie jetzt die Erstschlagsoption für sich in Anspruch nimmt.

Deshalb ist es wichtig, über die Atomwaffen noch mal zu sprechen. Wir haben das berücksichtigt mit der Rednerin von IPPNW, die zum Atomtod und der Verbindung zu der Atomnutzung allgemein etwas sagen wird.

jW: Wie sieht die Zusammenarbeit der Friedensbewegung mit Gewerkschaften aus?

Laura von Wimmersperg: Das ist im letzten Jahr schwierig gewesen. Einmal hat der Krieg auch hier einen Riß durch die Gruppen gezogen. Die Diskussion um die eine oder andere Position für oder gegen den Krieg ist dort genauso kontrovers geführt worden wie überall in der Gesellschaft. Dann kommt hinzu, daß ein Teil der Gewerkschaften, mit denen wir zusammenarbeiten, durch ihre Ver.di-Gründung so absorbiert war, daß viele andere wichtige Fragen nicht so im Blickfeld waren. Aber ich denke, das Interesse an Zusammenarbeit ist vorhanden. Die HBV hat, wie schon vorher die IG Medien, unseren Aufruf zum Berliner Ostermarsch auch unterstützt, allerdings erst im allerletzten Moment, so daß wir sie nicht mehr auf unsere Flugblätter drucken lassen konnten.

jW: Welche Rolle spielen junge Leute in der Friedensbewegung?

Laura von Wimmersperg: Schwer zu sagen. Es gibt immer wieder Veranstaltungen wie das Tribunal gegen den NATO-Krieg gegen Jugoslawien am letzten Sonntag in Hamburg. Da waren eine ganze Menge junger Leute zu sehen. In die Friedenskoordination verirrt sich auch hin und wieder mal ein junger Mensch. Wenn man die jungen Menschen richtig anspricht, ist da ein gewisses Potential vorhanden. Wie andere Gruppen finden auch sie, daß die Friedensfrage wichtig ist.

Interview: Jürgen Horn





aus: Stuttgarter Nachrichten 20.04.

Ostermarsch mit Aktionen vor US-Kommandozentrum

Friedensinitiativen, christliche Friedensgruppen und Gewerkschaften veranstalten am Ostermontag, 24. April, den landesweiten Ostermarsch in Stuttgart. Im Vorfeld der Veranstaltung, die um 13 Uhr in der Lautenschlagerstraße beim Hauptbahnhof beginnt, sind von 11 Uhr an Aktionen rund um das US-Kommandozentrum Eucom in Vaihingen geplant. In der City führt der Marsch vom Bahnhof zum Marktplatz, wo von 14 Uhr an mehrere Redner sprechen werden. Die Marschierer fordern Abrüstung und die Verhinderung aller Waffenexporte. rd





aus: Die Welt, Bremer Ausgabe, 20.4.2000

Interesse an Ostermärschen schwindet

Die Teilnahme an den traditionellen Ostermärschen der Friedensbewegung sinkt. Kristian Golla vom Netzwerk Friedenskooperative: "Das Intresse an nicht bezahltem und nicht komsumorientiertem Engagement hat abgenommen." In Bremen haben Friedensgruppen zu einer Kundgebung mit dem Titel "Zivilcourage statt Militärcourage" am Sonnabend um 11 Uhr auf dem Marktplatz aufgerufen. Im Mittelpunkt stehen Abrüstung und Beendigung von Waffenexporten.





aus: Kreiszeitung Syke, 19.04.2000

Bremer Friedensforum ruft am Sonnabend zum Ostermarsch auf

Protest gegen deutsche Rüstungsexporte sowie gegen Krieg/ Das Motto lautet "Zivilcourage statt Militärcourage"

Bremen (epd) Beim bevorstehenden Ostermarsch des Bremer FriedensForums soll wie bundesweit auch der Protest gegen deutsche Rüstungsexporte sowie gegen die Kriege auf dem Balkan und in Tschetschenien im Mittelpunkt stehen. "Ziviklcourage statt Militärcourage" lautet das Motto der Aktion, sagte jetzt inn einer Presseerklärung Forumssprecher Ekkehard Lentz. Die zentrale Kundgebung beginnt am Sonnabend, 22. April, um 11 Uhr auf dem Marktplatz der Hansestadt. Hauptredner sind die Juristin Antonie Brinkmann und der ehem. Schriftführer der Bremischen Ev. Kirche (BEK), Pastor i.R. Ernst Uhl. Insgesamt seien an den Ostertagen in 40 deutschen Orten Demonstrationen und Aktionen geplant, teilte das Netzwerk Friedenskooperative in Bonn mit. Die Initiativen wenden sich gegen Waffenlieferungen aus Deutschland. Die rot-grüne Koalition löse ihr Versprechen einer konsequenten Friedenspolitik nicht ein, kritisierte auch Lentz.

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