Ostermär-
sche 2000


vom:
23.04.2000


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Ostermärsche 2000 - Inhalt

 Echo/Presse

Presse vom Ostersamstag, 22.4.

verschiedene Zeitungen

Neue Presse Wien

Südwestpresse:

FR-online.de, Interview mit Willi van Ooyen

Mainpost (Würzburg)

Express (Köln) bzw. dpa: Friedensbewegung fordert Änderung der Außenpolitik

Mainpost: Ostermarsch-Auftakt: Kritik an Regierung

Leipziger Volkszeitung

FR-online.de (21.04.): Polizei stellt Flugblätter von Friedensgruppe sicher

Ruhr Nachrichten Lokales 21.4.2000

Giessner Anzeiger

Freie Presse Chemnitz

Taz überregional

taz Berlin Lokalteil

taz Hamburg Lokalteil

Südkurier

FAZ: Ostermarsch ins Abseits





Neue Presse Wien

Ostermärsche in Deutschland

FRANKFURT (ag.). Die deutsche Friedensbewegung hat am Karfreitag mit ihren traditionellen Osterdemonstrationen begonnen, die diesmal unter dem Motto "Schluß mit Rüstung und Krieg" stehen. Im Vordergrund stehe die Forderung nach einer Änderung der deutschen Außenpolitik, die bisher in erster Linie auf militärische Konfliktlösung setzte, hieß es im Ostermarsch-Büro. Konkret wird etwa Verzicht auf jegliche Militäreinsätze, Abschaffung aller Atomwaffen sowie ein Verbot von Rüstungsexporten, darunter auch der Lieferung deutscher Panzer an die Türkei, verlangt.

(c) Die Presse | Wien





http://www.suedwest-presse.de/dc/html/news/news-ulm_ul/20000422u
l_loka0034.htm


Südwestpresse:

DGB ruft auf

Der DGB Alb-Donau-Ulm ruft für Ostermontag zur Teilnahme am Ostermarsch auf. Die Veranstaltung beginnt um 13 Uhr am Hauptbahnhof Stuttgart. Russland führe in Tschetschenien einen Krieg, in der jugoslawischen Teilrepublik Montenegro bahne sich Kriegsgefahr an, dagegen und für Frieden wolle der DGB demonstrieren, teilte Kreisvorsitzender Karl-Heinz Becker mit.





FR-online.de

"Die friedenspolitische Debatte ist unverzichtbar"

Willi van Ooyen über die Zukunft des Ostermarsches und Vorwürfe, die Friedensbewegung argumentiere einseitig

Zu Ostern ruft die Friedensbewegung wieder bundesweit zu den Ostermärschen auf. Auf dem Römerberg gibt es am Montag um 13 Uhr eine Kundgebung. FR-Redakteur Martin Müller-Bialon sprach mit dem Sprecher des Frankfurter Ostermarschbüros, Willi van Ooyen (53).

Frankfurter Rundschau: Herr van Ooyen, was glauben Sie, wie lange es noch Ostermärsche geben wird?

Willi van Ooyen: Die Ostermarschbewegung wird und muss solange aktiv bleiben, wie Krieg und Aufrüstung Mittel der Politik sind. Der Ostermarsch ist ein Beitrag der Friedensbewegung gegen eine solche Politik, und es muss uns immer wieder gelingen, Menschen davon zu überzeugen, für eine solche Position einzutreten.

Frankfurter Rundschau: Aber es werden immer weniger, die mitmarschieren wollen.

Willi van Ooyen: Das ist ein Wechselspiel. Wir haben 1980 mit einem Osterspaziergang angefangen. Da waren 80 Leute dabei. Dieser aktive Kern wird immer noch überboten. In den 80er Jahren gelang es der Friedensbewegung, für ein strategisches Ziel, nämlich die Verhinderung der Raketenstationierung, breite Massen zu mobilisieren. Wir müssen in die Lage kommen, solche Bündnisse wieder herzustellen, auch wenn wir sagen müssen, dass die Friedensbewegung in den 80er Jahren am wenigstens pazifistisch war. Das war eine Massenbewegung gegen Atomraketen, und dieses Spezifikum wird uns immer wieder vorgehalten. Es gab immer einen Kern von Überzeugungstätern.

Frankfurter Rundschau: Und das sind die wahren Pazifisten?

Willi van Ooyen: Natürlich hat die Friedensbewegung im Kern eine pazifistische Position. Wir wissen, dass wir mit einer solchen Position abseits gestellt werden. Aber es ist unsere Aufgabe, eine auf Abrüstung und Demilitarisierung abzielende Bewegung zu initiieren.

Frankfurter Rundschau: Gibt es denn noch Menschen, die dafür auf die Straße gehen? Die Zahl der Marschierer ist rückläufig.

Willi van Ooyen: Das ist eine Auf- und Abbewegung. Es hat regional unterschiedliche Akzente bei den Ostermärschen gegeben, die zum Beispiel verhindert haben, dass ein Truppenübungsplatz eingerichtet wurde. Wir leben nicht, wie uns Schröder und Joschka Fischer klar machen wollen, im Zustand des himmlischen Friedens. Und solange das nicht so ist, sehe ich keinen Anlass, dass sich Friedensbewegte zurückziehen könnten.

Frankfurter Rundschau: Sehen das junge Leute auch so?

Willi van Ooyen: Es wächst schon was nach in der Friedensbewegung. Wir werden keine Versammlung von Greisen sein.

Frankfurter Rundschau: Warum erkennen Sie nicht an, dass Politiker wie Scharping oder Fischer sich Entscheidungen wie die für einen militärischen Einsatz im Kosovo nicht leicht gemacht haben?

Willi van Ooyen: In der Frage des Jugoslawienkrieges standen wir ja nicht allein, sondern mit rechtspolitischen Positionen gemeinsam. Da ist die Verfassung gebrochen worden. Und die Vorkriegszustände halten in der Region an. Die Frage ist, wie die Regierung ihre strategische Position weiter entwickelt. Stichwort 1000 Panzer in die Türkei. Das ist kein Mittel, um friedliche Aktionen voranzutreiben. Ein weiterer Punkt ist Tschetschenien, den wir immer thematisiert haben. Am 16. Dezember haben wir dazu eine Aktion gemacht, und wer nicht kam, waren die, die uns immer vorhalten, wir würden das nicht thematisieren.

Frankfurter Rundschau: Ist die Wahrnehmung also falsch, dass die Aufregung der Friedensbewegung über den Kosovo-Krieg größer war als über Tschetschenien?

Willi van Ooyen: Im Kern der Friedensbewegung gab es auch Debatten darüber. Der Fall Tschetschenien ist nicht so leicht zu bewerten wie nach dem Motto: Da sind die bösen Russen dran schuld. Auch die Bundesregierung ist da beteiligt, indem sie latente Absicherung signalisiert.

Frankfurter Rundschau: Trotzdem: In Tschetschenien ist Krieg als Mittel der Politik gewählt worden.

Willi van Ooyen: Ja, wie in Jugoslawien. Dagegen haben einige Mahnwachen durchgeführt. Wir bedauern auch, dass nicht mehr Leute gekommen sind.

Frankfurter Rundschau: Wird Tschetschenien bei der Kundgebung am Montag ein Thema sein?

Willi van Ooyen: Natürlich, in unserem Aufruf ist das auch erwähnt. Es wird bei den Ansprachen eine große Rolle spielen. Wir machen da nicht die Augen zu. Auch in der Afghanistan-Diskussion hat die Friedensbewegung durchaus differenzierte Positionen eingenommen.

Frankfurter Rundschau: Sie waren nur nicht so klar wie im Golf- oder Kosovo-Krieg.

Willi van Ooyen: In verschiedenen Einheiten schon. Aber die Mobilisierung hat immer auch zu tun mit der Wahrnehmung der Leute. Der Golfkrieg wurde als bedrohlich empfunden, entsprechend höher war die Mobilisierung. Auch in den 80er Jahren, als Willy Brandt gesprochen hat, war sich die Friedensbewegung nicht einig, ob man die Nato auflösen sollte und wie man eine friedfertige europäische Landschaft entwickeln kann. Da gab es immer Diskussionen.

Frankfurter Rundschau: Können Sie Beispiele nennen, wo politische Strategien Kriege oder Gewalt verhindert haben?

Willi van Ooyen: Man hat uns ja noch nie dran gelassen. Die machtpolitischen Konstellationen waren immer so, dass gesagt wurde, da muss Krieg sein. Es gab nichtstaatliche Peacekeeping-Organisationen, die im Kosovo massiv präsent waren und auf Befehl der Nato und Washingtons rausgezogen wurden, damit militärisches Handeln als einzig mögliche Ratio erschien. Es ist naiv zu glauben, man könne mit Waffengewalt irgendeinen Konflikt lösen.

Frankfurter Rundschau: Mit wie vielen Teilnehmern rechnen Sie am Montag?

Willi van Ooyen: Eine Resonanz wie 1998 wäre zufrieden stellend. Es muss uns aber gelingen, mehr Menschen zu gewinnen. Wir können nicht sagen: Das genügt uns. Es gibt bundesweit eine stabile Friedensbewegung, die zu Ostern gemeinsam auftritt.

Frankfurter Rundschau: Und das wird auch in zehn Jahren noch so sein?

Willi van Ooyen: Das verspreche ich, weil nicht zu erwarten ist, dass sich die politischen Verhältnisse so schnell ändern, dass wir auf eine friedenspolitische Debatte in unserem Land verzichten könnten.Ich befürchte eher, dass die Militarisierung der Politik zunimmt und wir es in den nächsten Jahren mit noch mehr Kriegen zu tun haben werden.

Copyright (c) Frankfurter Rundschau 2000; Dokument erstellt am 21.04.2000 um 23:54:27 Uhr; Erscheinungsdatum 22.04.2000





http://www.mainpost.de/nl2view/?id=9V33P

Mainpost (Würzburg)

Ökopax ruft auf

Heute ist Ostermarsch

ALTSTADT (RL) Zum 16. Würzburger Ostermarsch ruft der Verein Ökopax am heutigen Samstag um 11 Uhr am Vierröhrenbrunnen auf. Das Thema der Veranstaltung lautet "Nach dem Krieg ist vor dem Krieg - Kosovo und die Folgen".





http://express.de/politik/358567.html

Express (Köln)

Friedensbewegung fordert Änderung der Außenpolitik - Ostermärsche begannen mit Protesten gegen Militärgewalt

Frankfurt/Main (dpa) - Mit Protesten gegen militärische Gewalt haben am Karfreitag die Ostermärsche der Friedensbewegung begonnen. In mehreren Städten wandten sich Demonstranten gegen Rüstungsprojekte wie den Eurofighter oder Panzerlieferungen an die Türkei und gegen Auslandseinsätze der Bundeswehr. Nach Auskunft des zentralen Ostermarsch-Büros in Frankfurt sind bis zum Ostermontag Demonstrationen, Fahrradstaffeln, Sternmärsche und andere Aktionen in mehr als 60 deutschen Städten geplant.

Wie am Freitag bekannt wurde, hatte die Polizei in Stuttgart am Mittwoch die Räume der Friedensorganisation "Ohne Rüstung Leben" durchsucht und zahlreiche Flugblätter beschlagnahmt. Darin war nach Darstellung der Organisation für Ostermontag nicht nur zu einer Mahnwache vor der europäischen Kommandozentrale der US-Streitkräfte (Eucom) in Stuttgart-Vaihingen, sondern auch zu einer Blockade des Zufahrtstors aufgerufen worden. Dies habe die Polizei als öffentliche Aufforderung zu einer Straftat gewertet.

An den Ostermarschaktionen in Sachsen beteiligten sich nach Angaben der Veranstalter am Karfreitag rund 400 Kriegsgegner. In Chemnitz demonstrierten rund 300 Menschen unter dem Motto "Kein Krieg! Nirgends." gegen Kriege in aller Welt. In Leipzig starteten rund 100 Fahrradfahrer zu einer Fahrt nach Schneeberg. "Wir demonstrieren gegen Rüstungsexporte der Bundesregierung", sagte Mitorganisator Torsten Schleip. In Schneeberg, wo am Ostersonntag die Fahrradfahrt enden soll, sind Krisenreaktionskräfte der Bundeswehr stationiert.

Mit einer Kundgebung in Bruchköbel (Main-Kinzig-Kreis) begannen am Freitag die Ostermärsche in Hessen. Rund 120 Teilnehmer versammelten sich nach Auskunft der Hanauer Polizei, um gegen Rüstung und Krieg zu demonstrieren. Der hessische DGB-Landesvorsitzende Dieter Hooge kritisierte in einer in Frankfurt verbreiteten Mitteilung den Umgang der Bundesregierung mit Rüstungsprojekten. Während der Bevölkerung ein Sparkurs auferlegt werde, sollten Rüstungsvorhaben weitgehend von Sparmaßnahmen ausgenommen werden.

Die Ostermarsch-Bewegung entstand vor gut 40 Jahren in London. In ihrer Hoch-Zeit demonstrierten Hunderttausende gegen die atomare Rüstung. Als geistiger Vater gilt der britische Philosoph Bertrand Russell.

(dieser dpa Bericht ist in weiteren 12 Zeitung abgedruckt)





http://www.main-echo.de/HTML/lok/hei/2204marsch.html

Mainpost

Ostermarsch-Auftakt: Kritik an Regierung

Bruchköbel/Frankfurt . Mit einer Kundgebung in Bruchköbel (Main-Kinzig-Kreis) haben gestern die Ostermärsche in Hessen begonnen. Rund 120 Teilnehmer versammelten sich laut Polizei, um gegen Rüstung und Krieg zu demonstrieren.

Der hessische DGB-Landesvorsitzende Dieter Hooge rief zur Teilnahme an den Ostermärschen am Montag in Frankfurt auf. In einer am Freitag in Frankfurt verbreiteten Mitteilung kritisierte er den Umgang der Bundesregierung mit Rüstungsprojekten. Während der Bevölkerung ein Sparkurs auferlegt werde, sollten Rüstungsvorhaben weitgehend von Sparmaßnahmen ausgenommen werden.





http://www.lvz-online.de/lvz/zeitung/news/47221.html

Leipziger Volkszeitung, Meldungen aus der Region Borna/Geithain

Ostermarsch führte über Frohburg

Die knapp 100 Teilnehmer radeln dieses Jahr unter dem Motto "Krieg dem Kriege!"

Frohburg. Die knapp 100 Teilnehmer des diesjährigen Leipziger Ostermarsches machten gestern nachmittag in Frohburg Station. Gegen 14.30 Uhr trafen Radler und Begleitfahrzeuge auf dem Marktplatz ein. Ein InfoStand wurde aufgebaut. Doch kaum ein Bürger ließ sich auf dem Markt blicken. Nach einer kurzen Rast starteten die Teilnehmer zur nächsten Etappe nach Chemnitz, dort wie auch in Aue und dem Endpunkt Schneeberg hofften die Organisatoren auf größere Resonanz. Ein Teil der Tour führt entlang der Todesmarschstrecke der Häftlinge des Konzentrationslagers Sachsenburg. Der Ostermarsch 2000 steht unter dem Motto "Krieg dem Kriege!" und richtet sich gegen "friedenserzwingende Maßnahmen in Form von Bombenkriegen". Jedes Jahr widme man sich einem neuen aktuellen Thema, so die Leipzigerin Susanne Weller vom Org.-Büro Ostermarsch e. V. Die diejährige dreitägige Fahrradtour für den Frieden ist bereits der 9. Ostermarsch, der sich von Leipzig aus in Bewegung setzt. Die bergige Geithainer Region habe man bisher gemieden, lachte Mitorganisatorin Petra Ertel. Zwei Teilnehmer stiegen zwischen Borna und Frohburg zeitweise vom Rad ins Begleitfahrzeug um. Die Teilnehmer kommen aus der ganzen Bundesrepublik bis München hin. Die Jüngsten sind um die 13. Ältester Radler war mit 65 Jahren Klaus Männel aus der Oberlausitz. Auch eine tschechische Schulklasse ist traditionell dabei. - Inge Engelhardt -





FR-online.de (21.04.): Ostermärsche

Polizei stellt Flugblätter von Friedensgruppe sicher

FRANKFURT A. M., 21. April (dpa). Mit Protesten gegen militärische Gewalt haben am Karfreitag die Ostermärsche der Friedensbewegung begonnen. In mehreren Städten wandten sich Demonstranten gegen Rüstungsprojekte wie den Eurofighter oder Panzerlieferungen an die Türkei und gegen Auslandseinsätze der Bundeswehr. Nach Auskunft des zentralen Ostermarsch-Büros sind bis Ostermontag Demonstrationen in gut 60 Städten geplant. Wie am Freitag bekannt wurde, hatte die Polizei in Stuttgart am Mittwoch bei der Friedensorganisation "Ohne Rüstung Leben" Flugblätter beschlagnahmt. Darin war für Montag zur Blockade der europäischen Kommandozentrale der US-Streitkräfte aufgerufen worden. Dies wertete die Polizei als Aufforderung zur Straftat.

Copyright (c) Frankfurter Rundschau 2000; Dokument erstellt am 21.04.2000 um 20:54:11 Uhr; Erscheinungsdatum 22.04.2000





http://www.westline.de/city/bochum/bo_0010.htm===

Ruhr Nachrichten Lokales 21.4.2000 21:12

Die Ostermarschierer kommen durch Bochum

"Eine Welt ohne Krieg, ohne Waffen wollen wir" steht als Motto über dem Ostermarsch 2000, der am Ostersonntag und Ostermontag auch wieder durch Bochum führen wird.

Die Teilnehmer am Ostermarsch werden von Essen über Gelsenkirchen am Ostersonntag gegen 13.15 Uhr den August-Bebel-Platz in Wattenscheid erreichen, wo an der Friedenskirche die Zwischenkundgebung sein wird. Danach führt der Ostermarsch über Herne (14.15 Uhr Kreuzkirche) zum Tagesabschluss gegen 15 Uhr zum Bahnhof Langendreer. Am Ostermontag findet zunächst um 10 Uhr ein Friedensgottesdienst in der Ev. Kirche in Werne statt, dann ist um 11 Uhr am Erich-Brühmann-Haus an der Kreyenfeldstraße in Werne die Auftaktkundgebung. Danach ziehen die Ostermarsch-Teilnehmer über Lütgendortmund in die Dortmunder City weiter, wo um 14 Uhr das Friedensfest vor dem Schauspielhaus stattfinden wird.

(c) Westline





Giessner Anzeiger:

Ostermarsch-Demonstrationen angelaufen

In rund 60 Städten Aktionen der Friedensbewegung geplant - Bundesregierung zur Änderung der Außenpolitik aufgefordert

FRANKFURT/MAIN (AP). Die Friedensbewegung hat am Karfreitag ihre traditionellen Osterdemonstrationen gestartet, die diesmal unter dem Motto "Schluss mit Rüstung und Krieg" stehen. Bis Ostermontag sind Aktionen in rund 60 Städten geplant, teilte das Ostermarsch-Büro in Frankfurt mit. Zum Auftakt fanden Friedensgottesdienste, Wanderungen, Fahrraddemonstrationen und Kundgebungen statt. An einem ersten Demonstrationszug durch die Chemnitzer Innenstadt beteiligten sich nach Polizeiangaben am Vormittag rund 200 Menschen.

Am Nachmittag fand eine Kundgebung im hessischen Bruchköbel (Main-Kinzig-Kreis) statt. In Dortmund gedachten Friedensgruppen am Mahnmal in der Bittermark der Ermordung sowjetischer Kriegsgefangener. In Leipzig startete eine dreitägige Fahrradtour mit dem Tagesetappenziel Chemnitz. Am Samstag stehen wesentlich zahlreichere Veranstaltungen unter anderem in München, Duisburg und Rostock auf dem Programm. Unter dem Motto "Wir haben nicht vergessen" werden in Augsburg die Folgen des Kriegs gegen Jugoslawien thematisiert. In Überlingen will eine Friedensinitiative "Gegen Nato - Gegen den Missbrauch der Menschenrechte" demonstrieren.

Das Ostermarsch-Büro erwartet in etwa den gleichen Zulauf, den die Veranstaltungen im vergangenen Jahr hatten, als der Protest gegen den Krieg in Jugoslawien im Vordergrund stand. Traditionell gehen am Ostermontag die meisten Menschen für die Friedensbewegung auf die Straße. Größerer Zulauf wird bei den Demonstrationen in Berlin und Frankfurt erwartet.

Die Friedensbewegung fordert einen Verzicht auf jegliche Militäreinsätze, eine Absage an Auslandseinsätze der Bundeswehr, Abschaffung aller Atomwaffen, Abrüstung und Verwendung der frei werdenden Mittel für soziale und kulturelle Aufgaben und ein Verbot von Rüstungsexporten.

Von der Bundesregierung verlangt die Ostermarsch-Bewegung eine "friedenspolitische Wende". Statt in der Außenpolitik auf militärische Konfliktlösung zu setzen, müsse der Anspruch der Koalitionsvereinbarung von 1998, wonach deutsche Außenpolitik Friedenspolitik sei, endlich umgesetzt werden, erklärte das Ostermarsch-Büro. "Wahnsinnsprojekte wie der Eurofighter müssen sofort gestoppt und die Panzerlieferungen an die Türkei verhindert werden."

Das Netzwerk Friedenskooperative in Bonn erklärte: "Nach den bisherigen Enttäuschungen der rot-grünen Versprechungen zu einer konsequenten Friedenspolitik ist für die Gruppen der Friedensbewegung `kein Frieden mit Rot-Grün` zu machen." Das Netzwerk forderte die Bundesregierung und die westlichen Staaten auf, den Druck auf die russische Regierung zu verstärken, um eine politische Lösung in der Kaukasusregion zu erreichen. Die Friedensbewegung appellierte an Moskau, die Bemühungen des tschetschenischen Präsidenten Aslan Maschadow um Waffenstillstand und Freilassung von Kriegsgefangenen als Chance für die Einleitung einer politischen Lösung zu nutzen.





Freie Presse Chemnitz:

CHEMNITZ: Protest trotz aller Selbstzweifel

250 Chemnitzer machen bei Ostermarsch ihrem Ärger über Politik von Rot-Grün Luft

(ROY). Der Aufruf von Chemnitzer Friedensinitiativen gegen Krieg und die Ausbeutung natürlicher Ressourcen hat am Freitag 250 Chemnitzer zum 11. Ostermarsch gezogen. Auf ihrer Tour über den Sonnen - , den Schloß und den Kaßberg zeigten sich die Teilnehmer verbittert über deutsche Rüstungsexporte sowie die rot-grüne Wirtschafts- und Außenpolitik. Der Bundesregierung wurde vorgeworfen, auf dem Balkan Unfrieden zu erzeugen. Als einer der Initiatoren beklagte Hans-Jochen Vogel eine geringe Aufmerksamkeit für die Ziele der Friedensbewegung. Trotz aller Selbstzweifel und Resignation gelte es jedoch, weiter zu machen. Vogel: "Nach dem Aggressionskrieg in Jugoslawien können wir nicht einfach zur Tagesordnung zurückkehren."

Warum sie am Ostermarsch teilnehmen, wollte "Freie Presse" von einzelnen Demonstranten wissen: Constanze Lasch (15): "Ich will zeigen, dass der Jugend das Thema Frieden nicht egal ist. Die Leute kapieren nicht, was in der Welt passiert." Heinz Oehme (60): "Ich nehme wegen der Menschenrechtsverletzungen in Tschetschenien teil. Ständig trifft es das einfache Volk." Stefan Gläser (39): "Ich demonstriere gegen die deutsche Wirtschafts- und Kriegspolitik. Faschismus und Fremdenhass sind allesamt Folgeerscheinungen dieser Entwicklung." Ursula Hess (54): "Frieden ist ein Grundbedürfnis. Die Gewalt in der Welt wächst doch immer mehr, vor allem, wenn Nationalismus im Spiel ist." Wie alles begann Die Ostermarschbewegung entstand in der fünfziger Jahren, als friedensbewegte Briten gegen die nukleare Aufrüstung in ihrem Land demonstrierten. Pazifisten in der Bundesrepublik nahmen sich erstmals 1960 die Aktionen in Großbritannien zum Vorbild, bis die Ostermärsche 1968 bundesweit rund 300.000 Menschen auf die Straßen zogen. Nach der Notstandsgesetzgebung von 1968, der Bildung der sozialliberalen Regierung 1969 und dem Austritt führender Mitglieder zerfiel die Sammlungsbewegung 1970. 1982 führte die Diskussion um die Nato-Nachrüstung zur Wiederbelebung der Proteste. In Chemnitz war der Golfkrieg 1990 Auslöser für den ersten Ostermarsch.





Taz überregional:

Ostermärsche gegen Rüstung

FRANKFUR/MAIN(dpa) Mit Protesten gegen militärische Gewalt haben Karfreitag die Ostermärsche der Friedensbewegung begonnen. Gegen Rüstungsprojekte wie den Eurofighter oder Panzerlieferungen an die Türkei und gegen Auslandseinsätze der Bundeswehr ging in diversen Städten bereits gestern hunderte Menschen auf die Straße. Laut Ostermarsch-Büro sind bis Montag Demos, Fahrradstaffeln, Sternmärsche und andere Aktionen in mehr als 60 deutschen Städten geplant. Die Polizei durchsuchte gestern das Büro von "Ohne Rüstung Leben" und beschlagnahmte zahlreiche Flugblätter.

tazNr. 6125 vom 22.4.2000 Seite 2 Aktuelles 21 Zeilen





taz Berlin Lokalteil

Die meisten wollen nur Spaß

Der Schüler René Schneider (19) geht zum zweiten Mal mit großer Überzeugung zum Ostermarsch. Als Mitglied der Sozialistischen Deutschen Arbeiter Jugend ist er eine Ausnahme unter seinen Altersgenossen

taz: Die Mehrheit der Leute zieht sich vom Ostermarsch zurück, du bist jetzt das zweite Mal dabei. Warum?

René Schneider: Seit letztem Jahr hat der Ostermarsch durch den Kosovo-Krieg wieder eine Bedeutung erlangt. Der Ostermarsch ist ja nichts anderes als ein Friedensmarsch, und ich finde, dafür muss man auf die Straße gehen. Wenn ich mich zeige, dann ist es vielleicht ein Anlass für andere Leute, auch mitzulaufen.

taz: Wieso bist du im letzten Jahr mitgelaufen?

René Schneider: Ich habe mitgekriegt, dass die Nato in Jugoslawien einen Krieg führt, der gar nicht hätte sein müssen. Das war ein Hauptthema auf dem Ostermarsch, und deshalb bin ich da mitgelaufen.

taz: Der Krieg in Jugoslawien ist jetzt vorbei. Warum gehst du in diesem Jahr wieder auf die Straße?

René Schneider: Weil ich für Frieden bin. Der Jugoslawien-Krieg wird dieses Jahr auch wieder im Mittelpunkt stehen. Ich will auch zeigen, dass so etwas nicht noch einmal vorkommen darf.

In Deutschland wurde doch nach dem Zweiten Weltkrieg verboten, Auslandseinsätze mit Waffen durchzuführen. Dass sie das jetzt trotzdem geschafft haben, sich als angebliche Friedenstruppen wieder einzumischen, finde ich einen echten Hammer.

taz: Wie sieht das Engagement in deinem persönlichen Umfeld aus? Gehst du mit deinen Freunden da hin?

René Schneider: Ja, mit ein paar Freunden und mit der Sozialistischen Deutschen Arbeiterjugend. Dort engagiere ich mich, lerne viel politische Theorie, diskutiere und bereite Veranstaltungen vor.

taz: Was ist deine Hauptmotivation dabei?

René Schneider: Die Gesellschaft zu verändern. Das klingt jetzt vielleicht utopisch, aber ich würde gerne einen Staat kreieren, der die Menschenrechte einhält und in dem es keine Klassenunterschiede gibt. Ich finde es auch schrecklich, dass die Industrie so viel in der Politik mitmischen kann.

Ich bin in der DDR aufgewachsen und will das System jetzt nicht in den Himmel heben, aber das Zusammenleben war dort harmonischer, als es heute ist. Es gab nicht so viel Druck von außen. Ich glaube, ich hatte eine schönere Kindheit als viele Kinder heute.

taz: Nach der Shell-Jugendstudie engagieren sich Jugendliche politisch vor allem dann, wenn der Spaßfaktor stimmt und ein kurzfristiger Erfolg in Aussicht ist. Das ist beim Ostermarsch wohl kaum der Fall. Wie versuchst du Jugendliche davon zu überzeugen, dass sie daran teilnehmen?

René Schneider: In der Schule diskutieren wir eigentlich in jeder großen Pause mit ein paar Leuten. Neuen Interessierten erzählen wir, was der Ostermarsch ist, und die finden den oft sinnvoll. Aber ich muss schon zugeben, dass die meisten Jugendlichen nur ihren Spaß wollen und nicht richtig wissen, weshalb sie - wenn überhaupt - demonstrieren.

taz: Hast du, abgesehen von den Forderungen der Veranstalter, noch eigene Wünsche?

René Schneider: Es müsste meiner Meinung nach viel mehr in der Bildungspolitik getan werden. Wenn man in Deutschland nicht so viel Geld für Kriegseinsätze rausschmeißen würde, könnte man das Geld viel besser für Bildung einsetzen. Die Lage an den Schulen mit dem Mangel an Lehrern und Lehrmaterial ist ja ziemlich mies.

Interview: SILVIA LANGE

taz Berlin lokal Nr. 6125 vom 22.4.2000 Seite 26 Berlin Aktuell





taz Hamburg Lokalteil

"Unser Marsch ist ein gute Sache..."

Vor 40 Jahren begann in Hamburg die Geschichte der Ostermärsche

Von Bernhard Röhl

Die Wiege des Ostermarsches gegen die Atomwaffen stand in Großbritannien. Die "Campaign for Nuclear Disarmament" (CND) wurde am 15. Januar 1958 ins Leben gerufen. In der Organisation trafen sich linke Gruppen aus der britischen Labour Party, Christen, Intellektuelle und Gewerkschaftsmitglieder, Vorsitzender war Friedensnobelpreisträger Lord Bertrand Russell.

Zu den Unterstützern gehörte auch der Hamburger Lehrer Hans-Konrad Tempel, ein Quäker, der Eid und Kriegsdienst ablehte. Tempel war von der Idee des Ostermarsches begeistert; schon zuvor hatte er sich an Aktionen gegen die Massenvernichtungswaffen beteiligt.

Zum Beispiel am 17. April 1958, als in der Hansestadt 150.000 Menschen auf dem Rathausmarkt eine Großkundgebung gegen die Aufrüstung der Bundeswehr abhielten. "Kampf gegen den Atomtod" war das Motto, "Hamburger, denkt an 1943" lautete die Mahnung, die 15 Jahre zurückliegenden Bombennächte vor nicht zu vergessen.

In der Zeit vor Weihnachten 1959 trafen sich in Hamburg der religiös geprägte "Aktionskreis für Gewaltlosigkeit" mit der linken "Jungen Aktion gegen Atomtod für ein kernwaffenfreies Deutschland". Die SPD-Führung ließ damals die Volksbewegung "Kampf gegen den Atomtod" langsam versanden, die Landesorganisation Hamburg distanzierte sich von der "Jungen Aktion" und betrachtete die Mitgliedschaft darin als unvereinbar mit der SPD-Parteidisziplin.

Der Aktionskreis wählte den Truppenübungsplatz Bergen-Hohne in der Nordheide, auf dem die NATO eine Batterie Honest-John-Raketen mit Atomsprengköpfen stationierte. Die etwa 120 Teilnehmer - meistens im jüngeren Alter - trafen sich am Karfreitag des Jahres 1960 am Hamburger Hauptbahnhof. Auf einem Transparent war zu lesen "Ostermarsch Hamburg-Bergen-Hohne", andere forderten "Keine Atomwaffen auf deutschem Boden" oder verurteilten die "Ausbildung zum Massenmord". In verschiedenen Orten fanden Kundgebungen statt. Auf Flugblättern waren Gebiete skizziert, die Ziele von Atombombenabwürfen darstellten.

Im Text hieß es unter anderem, beide deutschen Staaten sollten darauf verzichten, Atomwaffen herzustellen, zu lagern, zu erproben und anzuwenden. Die Staatsbürger "in Ost und West" sollten den Mut beweisen, "jeden Dienst zu Herstellung, Lagerung, Erprobung und Anwendung von Kernwaffen zu verweigern". Auf diese Weise sollte "Deutschland und der Welt ein Zeichen" gegeben werden.

"Den Flugblättern und dem ersten Ostermarsch gelang es nicht, in den Orten und Kleinstädten größere Bevölkerungskreise zu den Kundgebungen zu locken oder zu erreichen, dass beim Einzug in die Orte Menschen am Straßenrand standen. Das war auch kein Wunder: Der in der Zeit des finstersten ,Kalten Krieges` stattfindende erste Ostermarsch konnte nicht das Misstrauen und den vorherrschenden Antikommunismus durchbrechen", erinnerte sich der Lehrer Horst Bethge, der wegen seiner Friedensaktivitäten aus der SPD ausgeschlossen worden war. Er schilderte später in seinem Buch "Die Bombe ist böse" die Entstehungsgeschichte der Ostermärsche in Hamburg.

Am Ostermontag des Jahres 1960 trafen sich insgesamt 800 Menschen zum Protest in Bergen-Hohne. Trotz Kälte, Regen und Schnee waren auch aus Hannover, Braunschweig, Göttingen und Bremen Ostermarschierer zu diesem Ziel aufgebrochen.

Im Laufe der Zeit entstand aus der geringen Teilnehmerzahl des Jahres 1960 durch die "Kampagne für Abrüstung" die wachsende Os-termarschbewegung, die ab 1963 in die Großstädte führte. Über 100.000 Menschen zogen 1964 in 19 Marschsäulen durch die Bundesrepublik. Prominente Persönlichkeiten riefen damals zur Teilnahme auf, zu ihnen gehörten Kirchenpräsident Martin Niemöller, Erich Kästner, Rolf Hochhuth, Erich Kuby, Gerhard Zwerenz und Hans-Magnus Enzensberger.

Ostern 1966 unterstützten mehr als 10.000 Persönlichkeiten die Ostermärsche, darunter waren 1500 Pfarrer und Theologen, über 1800 Gewerkschaftsfunktionäre sowie 14 SPD-Landtagsabgeordnete. Peter Brandt - Sohn Williy Brandts - zählte zu den Demons-tranten, aus den USA kamen Gegner des Vietnamkrieges, darunter die Folksängerin Joan Baez. Fast 145.000 Menschen demonstrierten Ostern 1966 auf den Straßen der Bundesrepublik.

Zwei Jahre später, am 11. April 1968, demonstrierten kurz nach dem Attentat auf Rudi Dutschke in Hamburg und 24 weiteren Städten empörte Studenten gegen den Springerkonzern. An diesen Ostertagen demonstrierten mindestens 300.000 Menschen. Eine Zahl, die erst 15 Jahre später wieder übertroffen werden sollte. Auf dem Höhepunkt der Friedensbewegung, im Jahre 1983, erreichte die Ostermarschbewegung in Deutschland mit mehr als einer halben Million Menschen einen noch immer bestehenden Rekord.

taz Hamburg Nr. 6125 vom 22.4.2000 Seite 24 Hamburg Aktuell 68 Zeilen





http://www.skol.de/aktuelles/RS/?ressort=STOCK&id=jo0c2ab6

Südkurier: Heute Ostermarsch

Friedensini-Demonstration

Überlingen - Nach einer Pause von fünf Jahren findet der internationale Bodensee Ostermarsch mit Teilnehmern aus Österreich, aus der Schweiz und aus Deutschland in diesem Jahr erstmals wieder statt. Die Friedensinitiative Überlingen-Stockach hat sich mit der Antikriegsbewegung in Österreich und der Schweiz verständigt und ruft zu der Demonstration auf. Der Ostermarsch findet am Samstag, 22. April, statt. Die Veranstaltung steht unter dem Thema: "Gegen den Missbrauch der Menschenrechte durch die NATO. " Nach dem Auftakt um 10.45 Uhr am Westbahnhof bewegt sich der Ostermarsch durch die Innenstadt zum Landungsplatz, wo ab 12. 30 Uhr die Abschlusskundgebung stattfinden wird. Hauptredner ist der Bundestagsabgeordnete Dr. Winfried Wolf, vehementer Gegner der NATO-Offensive gegen Jugoslawien.

Die Friedensinitiative Überlingen-Stockach rechnet mit einer regen Teilnahme am Bodensee-Ostermarsch, da viele Bürger mit der Beteiligung der Bundesrepublik an diesem Krieg in Europa vor einem Jahr nicht einverstanden waren.

(c) SÜDKURIER GmbH





aus: Frankfurter Allgemeine Zeitung 22.04.2000

Ostermarsch ins Abseits

Das Ritual des in Deutschland spät erstarkten Pazifismus zerrinn / Von Reiner Burger

Die Idee, an Ostern für den Frieden zu marschieren, geht auf den britischen Mathematiker und Nobelpreisträger Sir Bertrand Russel zurück. Am 4. April 1958 rief er dazu auf, die achtzig Kilometer zwischen London und dem Atomforschungszentrum Aldermaston zu Fuß zurückzulegen und so gegen die atomare Rüstung zu protestieren. Westdeutsche Pazifisten griffen die Idee auf; 1960 fand der erste deutsche Ostermarsch statt. Die sich daraus entwickelnde Ostermarsch-Bewegung sollte zur dauerhaftesten antimilitaristischen Bewegung des Landes werden.

Der Zweite Weltkrieg hatte bei den Deutschen ein gebrochenes Verhältnis zum Militär hinterlassen. Deshalb konnte der Pazifismus nach 1945 in Deutschland erstmals wirklich breiten Boden gewinnen. Als im 19. Jahrhundert in den angelsächsischen Ländern pazifistische Organisationen entstanden, stieß dies in Deutschland auf wenig Resonanz. Die organisatorische Weiterentwicklung des naturrechtlich-pazifistischen Denkens von Kant, Herder oder Jean Paul wurde durch die nationale Erfahrung und Bewegung gehemmt: Durch Kriege wurde Deutschland von Napoleons Fremdherrschaft befreit, mit Hilfe von Kriegen schuf Bismarck wenige Jahrzehnte später das Deutsche Reich. Es waren zwei Osterreicher, Bertha von Suttner und Alfred Hermann Fried, die 1892 die "Deutsche Friedensgesellschaft" gründeten.

Nach den Erfahrungen der Katastrophe von 1914 bis 1918 beteiligten sich an den "Nie wieder Krieg"-Demonstrationen zwar große Massen - dennoch blieb die pazifistische Bewegung auch in der Weimarer Republik eine Bewegung von Außenseitern. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg, als zum allgemeinen Trauma der Kriegserfahrung das Trauma der deutschen Teilung gekommen war, erstarkte der Antimilitarismus zu einer Massenbewegung. Wie kein Thema seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs wühlte die Deutschen die Auseinandersetzung über die Wiederbewaffnung auf, was zunächst in drei außerparlamentarischen Massen-Kampagnen zum Ausdruck kam: 1950 in der "Ohne-mich-Bewegung", 1951/52 in der "Volksbefragungsbewegung" und 1955 in der "Paulskirchenbewegung"` die sich gegen die Integration Deutschlands in die Nato richtete. Sie wurden von Teilen der evangelischen Kirche, der SPD und den Kommunisten getragen. Nicht zuletzt unter dem Eindruck des raschen Wirtschaftsaufschwungs verloren die Kampagnen jedoch erstaunlich schnell an Schwung.

Die nächste Welle des Protests - die "Kampf dem Atomtod"-Kampagne - kam 1957/58, nachdem der Nato-Oberbefehlshaber gefordert hatte, die Bundeswehr mit Atomwaffen auszurüsten. Doch schon im Juli 1958 lief die Protestwelle aus. Mit dem ersten deutschen Ostermarsch im Jahr 1960 begann ein Jahrzehnt der organisatorischen, nicht aber der inhaltlichen Kontinuität pazifistischer Proteste. Denn im Lauf der sechziger Jahre verlagerte die Bewegung ihre Anliegen schrittweise vom ethisch-pazifistischen zu dem gesellschaftskritischen Ansatz der APQ, was schon die sich wandelnden Titel der Veranstaltungen verdeutlichen: "Ostermarsch der Atomwaffengegner" (1960), "Kampagne für Abrüstung" (1963), "Kampagne für Demokratie und Abrüstung" (1965). Reine Anti-Springer-Kampagnen waren die Märsche der Jahre 1968 und 1969. Zudem begeisterten sich immer mehr Linke für Guerrilla-Bewegungen in den Ländern der Dritten Welt.

Die siebziger Jahre waren das erste Jahrzehnt in der Geschichte der Bundesrepublik, in dem es keine antimilitaristischen Massenproteste gab. Erst nach dem Nato-Doppelbeschluss von 1979 und der sich daran anschließenden Nachrüstungsdebatte gewann die Ostermarsch-Bewegung wieder an Kraft. Ihren Höhepunkt erreichte sie, als 1983, kurz vor der Nachrüstungsentscheidung des Bundestags, 700.000 Menschen auf die Straße gingen. Auch Grüne und Sozialdemokraten riefen zur Teilnahme an dem Marsch auf. Nach dem Ende des Ost-West-Konflikts löste sich die Bewegung beinahe auf. 1991, im Jahr des Golfkriegs, versammelten sich noch einmal 100.000 Menschen zu Ostermärschen.

Die Slogans lauteten damals: "Kein Blut für Öl" oder "Amis raus aus Saudi-Arabien". Gegen den Krieg in Bosnien formierte sich dagegen kein starker Protest. Die Straßen füllten sich immer dann, wenn es galt, gegen die Vereinigten Staaten zu opponieren. Das war auch schon zu Zeiten des Nato-Doppelbeschlusses so gewesen. Gegen die sowjetische Aufrüstung zu protestieren, die ja erst der Anlass für ein Nachrüsten des Westens war, ist den Friedensbewegten nie in den Sinn gekommen.

Nicht anders als blamabel für die Friedensbewegung kann man den Ostermarsch des Jahres 1999 bezeichnen, denn damit betrieb sie die Sache des Milosevic-Regimes. Selbst die Grünen wandten sich von der Bewegung ab. Die Ostermarschierer haben ihre politische Heimat und ihre Themen verloren. In der linksgerichteten "Tageszeitung" schrieb der Hamburger Politikwissenschaftler Wolfgang Kraushaar unlängst: " ... wer aus grundsätzlichen Erwägungen heraus davon überzeugt ist, dass es in keiner Situation, auch in der eines Völkermords nicht, legitim sei, militärische Mittel einzusetzen, der negiert die Tatsache, dass es diese Demokratie ohne die militärische Niederwerfung des NS-Regimes durch die Alliierten nie hätte geben können."



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