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vom:
25.04.2000


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Ostermärsche und -aktionen 2000:

  Reden/Kundgebungsbeiträge

Rede Braunschweig

Heinz (H.G.) Friedrich

Heinz (H.G.) Friedrich sagte am Ostersamstag auf dem Braunschweiger Kohlmarkt bei der Eröffnungskundgebung der Osterfahrrad-Demo:


 Abschaffung aller Atomwaffen in Ost und West

 Keine Stationierung von Atomwaffen auf deutschem Boden

 Atomwaffenfreie Zone in Mitteleuropa

 Atomkraft nur für friedliche Zwecke

Das waren die Forderungen des ersten "Ostermarsches der Atomwaffengegner" in der Bundesrepublik Deutschland 1960. Begonnen haben die Ostermärsche in England von London zum Atomforschungszentrum Aldermaston. Aus England haben wir auch das OM-Symbol übernommen, das in der Zwischenzeit weltweit als das Friedenssymbol anerkannt und verwendet wird.In ihm sind die Buchstaben N und D aus dem internationalen Signalalphabet enthalten. N und D stehen für Nuclear Disarmament - Atomare Abrüstung.

Am Ostersamstag 1960 wurden an der Katharinenkirche in Braunschweig 23 OstermarschiererInnen von Pastor Fritz Wenzel verabschiedet. Drei Tage lang gingen wir 23 schweigend mit Plakaten mit Plakaten und Flugblätter verteilend zu Fuß zum Truppenübungsplatrz Bergen-Hohne (in der Nähe des ehemaligen KZ Bergen-Belsen). Dort waren Raketenabschussrampen stationiert, die in der Lage waren, Atomsprengköpfe zu verschießen. Übernachtet haben wir unterwegs in Scheunen. In Bergen-Hohne trafen wir mit den OstermarschiererInnen aus Hannover und Hamburg zusammen.

In den darauf folgenden Jahren gingen die Ostermärsche von Bergen-Hohne in die genannten Orte. Wir BraunschweigerInnen wurden jeweils an der Magnikirche von Pastor Johann Heinrich Wicke empfangen. Auch in dieser Tradition stehen wir noch heute, wenn gleich Pastor Franz-Georg Gozdek zu uns sprechen wird.

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In den folgenden Jahren gingen die Ostermärsche in unserer Region von Braunschweig nach Salzgitter und Hildesheim nach Hannover. In der Zwischenzeit wurde aus dem Ostermarsch der Atomwaffengegner die "Kampagne für Demokratie und Abrüstung", später wurden die Ostermarschdemonstrationen innerhalb unserer Stadt durchgeführt. Seit 1960 fanden und finden in vielen Ländern der Welt Osterdemonstrationen (in Schweden zu Pfingsten) für Abrüstung und Frieden in der Welt statt.

Der längste Friedensmarsch führte 1961 von San Franzisko nach Moskau. Es war die Ironie des historischen Schicksals, dass die internationale Marschgruppe just an den Tag nach Westberlin gehen wollte, an dem in Ostberlin die Mauer gebaut wurde. Der Durchlass konnte trotz mehrerer gewaltfreier Aktionen nicht erzwungen werden.Es ging dann über die ehemalige CSSR und Polen weiter nach Moskau.

Die Ostermarschbewegung sieht sich in der Tradition der nun schon 108 Jahre alten Friedensbewegung in Deutschland und kann als eine der Säulen der 68er-Bewegung als die größte und aktivste Bürgerrechtsbewegung der damligen Zeit, als Mutter der APO (Außerparlamentarische Opposition) angesehen werden. Ich persönlich bin sehr stolz darauf, dass ich zu den MitbegründerInnen gehörte. Damals, 1960, waren es fast nur ganz junge Menschen (zumindest hier in Braunschweig), die mit uns ihrem Protest Ausdruck gaben. Ich war mit 30 schon"älteres Semester"! Wir haben uns damals gefragt, wo eigentlich die sind, die aus eigener Erfahrung wissen mussten, was Krieg und Militarisimus bedeutet, die den Krieg in all seiner Abscheulichkeit haben kennenlernen müssen und die 1945, auf Deutsch gesagt, die Schnauze voll haben mussten.

Heute möchte ich zum Beispiel mit einigen anderen meines Alters mit meiner Anwesenheit ein Zeichen setzen, dass es das Anliegen aller Menschen, jung und alt, sein muss, gemeinsam für Frieden und Menschlichkeit, für eine zivile Kultur einzutreten und aktiv zu sein.1954, als es um die Wiederbewaffnung der Bundesrepublik ging, habe ich folgende Erklärung der "Internationalen der Kriegsdienstgegner" unterschrieben:

Der Krieg ist ein Verbrechen an der Menschheit! Ich bin daher fest entschlossen, keine Art von Krieg, weder direkt noch indirekt, zu unterstützen und an der Beseitigung aller Kriegsursachen mitzuarbeiten. Und dazu stehe ich heute noch.

Zwar haben sich die Zeiten geändert. Die Ost-West-Spannungen und Bedrohungen gibt es nicht mehr. Aber Kriege in begrenzten Regionen und innerhalb von Staaten gehören heute leider noch zur Realität. Das zeigen uns z. B. der NATO-Luftkrieg gegen Restjugoslawien, der Krieg Russlands gegen Tschetschenien und die Kriegshandlungen in einigen afrikanischen Staaten. Auch die Spannungen zwischen den Atommächten Pakistan und Indien sind noch nicht ausgestanden.

 Alle Menschen bilden die menschliche Familie

 Alle Menschen haben Würde und Gewissen und das Recht auf Unverletzlichkeit

 Alle Menschen sehen sich nach Freiheit und Gerechtigkeit

 Alle Menschen wünschen Frieden

So steht es in der Präambel der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte, die am 10. Dezember 1948 von den Vereinten Nationen der Menschheit gegeben worden ist - 12 Jahre vor dem ersten Ostermarsch in Deutschland und hier in Braunschweig.

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Diese eben genannten Feststellungen sollten in alle Herzen eingehen und das Handeln aller Menschen - besonders der überall Verantwortlichen - bestimmen und wir sollten sie (nicht nur zu Ostern) immer daran erinnern und beim Wort nehmen, immer und unablässig.

Es darf einfach nicht mehr länger sein und hingenommen werden, dass weltweit die Militärmaschinerien auf Hochtouren laufen und gleichzeitig 1,3 Milliarden Menschen unterhalb der Armutsgrenze leben und täglich 35.000 Kinder in den ärmeren Ländern an Hunger sterben, dass immer wieder unzählige Menschen schutz- und hilflos den Naturgewalten ausgeliefert sind.

Wir brauchen statt des kostspieligen Militärs zivile, auf höchstem Niveau ausgebildete und mit dem denkbar besten technischen Knowhow ausgerüstete Katastrophenschutz-Einsatzkräfte, die regional in der Welt stationiert und schnellstens einsatznbereit swind, um Hilfe leisten zu können.

Tretet überall dafür ein, an den Schulen, in den Betrieben, in den Familien, in den Kirchengemeinden und in den Vereinen. Es geht für jeden von uns um global gestaltetes, menschenwürdiges und umweltgerechtes Handeln (wie etwa im Rahmen der Agenda 21). Es geht um unsere Zukunft, es geht um eine lebenswerte Zukunft der Kinder dieser einen Welt, die wir mitzugestalten und mitzuverantworten haben.



E-Mail:  frieder_schoebel@yahoo.de
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