Netzwerk Friedenskooperative



Ostermär-
sche 2002


vom:
01.04.2002


 vorheriger

 nächster
 Artikel

Ostermärsche und -aktionen 2002:

  Reden/Kundgebungsbeiträge

Rede für den Ostermarsch 2002 der OFFENen HEIDe in Gardelegen, 31.3.02

Sigried Neumann (ESG Magdeburg)

- Es gilt das gesprochene Wort -



ICH WAR TOT
UND SIEHE
ICH BIN LEBENDIG
UND HABE DIE SCHLÜSSEL
DER HÖLLE UND DES TODES.
(Die Bibel)

Mit
dieser starken Zusage, - liebe Weggefährtinnen und Weggefährten - mit dieser Überzeugung im Rücken, mit dieser auch persönlichen Erfahrung: gegen den Tod - steht das Leben auf! spreche ich zu Ihnen, zu euch, auf diesem Ostermarsch 2002.

Ich spreche zu euch als Christin und bin glücklich darüber, Glied einer Kirche zu sein, deren Bischof als einer der wenigen Stimmen von Kirchenleitenden Persönlichkeiten spontan und öffentlich NEIN gesagt hat:

NEIN zu den Kriegseinsätzen in Bosnien, im Kosovo, in Afghanistan.

Ich spreche zu euch als eine, die seit dem Ostermarsch vor 10 Jahren in Colbitz das Anliegen "zivile Nutzung der Colbitz-Letzlinger Heide" kennt und unterstützt - und die gelegentlich dabei ist, wenn die Heide Stück für Stück "symbolisch in Besitz genommen wird und mit friedlichem Leben erfüllt wird".

Ich spreche auch als eine, die zwischenzeitlich schon aufgegeben hatte, entmutigt durch die Entscheidung im Landtag, - Mitte der 90-iger Jahre, die dann "der Heide-Kompromiss" hieß.

Und ich bewundere alle diejenigen, die seit über 10 Jahren enorme Kraft einsetzen um die monatlichen Friedenswege in unserer Heide zu organisieren, allen voran: Helmut Adolf, Erika Drees, Joachim Späth und Gisela Mühlisch.

Liebe Freundinnen und Freunde,

GEWALTSPIRALE BEENDEN - GEWALTURSACHEN BEKÄMPFEN !

ist HEUTE das Anliegen, für das wir uns auf den Weg gemacht haben.

Ich habe verschiedene Spiralen mitgebracht von zu Hause, wo mindestens alle Kinder, die mich besuchen aber nicht nur die - sie in die Hand nehmen und mit ihnen spielen.

Spiralen haben etwas Faszinierendes an sich, sie springen und tanzen und lassen sich winden.

Wieso also müssen wir eine Spirale stoppen; was hat sie
Gefährliches an sich?

Das Wesen einer Spirale besteht darin, dass sie aus einem Stück besteht und dass sie sich immer weiter hoch schraubt.

 zum Anfang


Ostermär-
sche 2002
Hat die Spirale einmal angefangen sich zu winden, ändert sich das Material nicht mehr. Es ist am Anfang, in der Mitte und am Ende dasselbe.

Beginnt also eine Spirale im Haß oder in Rache-Gefühlen - egal wie verständlich sie sind - kann nichts Gutes dabei herauskommen, sondern nur neuer Haß und neue Rache-Gefühle.

Und das andere: Je länger sie wird, die Spirale - je schwerer ist es, sie anzuhalten oder ihre Dynamik zu stoppen, sie zu beherrschen.

Sie tut dann das,
was sie will. Sie gerät außer Kontrolle.

Sie richtet sich auch gegen diejenigen, die sie in Schwung gesetzt haben. Politisch gesprochen:

"Terror und Krieg treffen immer Unschuldige"

So steht es überlebensgroß am Gewerkschaftshaus in Magdeburg.

Die um ihr Leben betrogenen Menschen überall auf der Welt wie auch

die Terror-Toten vom letzten Jahr wie auch die Anti-Terror-Toten von diesem Jahr sind OPFER derselben Gewaltspirale, die sich dreht und immer neue Opfer hervorbringt.

Liebe Freundinnen und Freunde,

Zunächst eine Bemerkung zur Gewaltspirale:

es ist zwar schwer, aber möglich, Gewaltspiralen zu beenden. (Wir haben es zumindest schon erleben dürfen, dass es geht.)

Manchmal können wir sie unterbrechen, - real und symbolisch - die Erfahrungen der Bürgerinitiative OFFENe HEIDe, auch mit den Menschen, die vor Gericht kämpften für ihre Überzeugung, dass die Bundeswehr kein Recht hatte, hier einzuziehen bzw. die für die Freiheit kämpfen, Kriegssteuer zu verweigern, zeigen das.

(Auf solchem Weg überzeugen wir Menschen davon, dass es Alternativen gibt zu kriegerischer Gewaltanwendung in Konfliktfällen.)

Und zum zweiten Teil unseres Ostermarsch-Mottos:

Ursachen für Gewalt bekämpfen kann JEDE und JEDER. Wir sind bereit dazu - deshalb sind wir hier; deshalb sind wir auch am Ort Isenschnibbe aufgebrochen, wo uns die Toten mahnen, und haben uns auf den Marsch begeben (einem entschiedenen Weg mit einem bewusst gewähltem Ziel) oder wir sind zu dieser Kundgebung auf dem Rathausplatz gekommen und haben damit Entschlossenheit gezeigt, gegen Gleichgültigkeit und versteckter und offener Gewaltanwendung sichtbar aufzutreten.

Wir tun das sonst alle als einzelne auf je unsere Weise und an unserem eigenen Ort. Da ist es schön, heute hier gemeinsam zusammen zu sein und uns damit gegenseitig Mut zu machen.

So möchte ich nun für uns alle Mutmachendes nennen,
Mutmachendes aus unserem Land Sachsen-Anhalt; was möglich ist, weil (auch) hier viele engagierte Menschen gibt, die begonnen haben, mit zivilen Mitteln Gewalt zu überwinden:

Gegen die Spirale von Rache und Vergeltung, gegen die Mentalität: "es gibt das Reich der Guten und das Reich der Bösen - und wir gehören natürlich zu den Guten.." machen mir Mut die FRAUEN IN SCHWARZ in den USA und in Moskau, in Argentinien und in der Schweiz, in Israel und in Palästina und weltweit - mit einer winzigen Gruppe, die sich jeden Monat einmal in
Magdeburg vor Karstadt aufstellt - und für ein Leben ohne Gewalt schweigt und mahnt.

Gegen die strukturelle Gewalt wirtschaftlicher Dominanz westlicher Gesellschaften; gegen die Gewinne auf dem Rücken von ArbeiterInnen z. B. von Näherinnen in Indonesien, die für Adidas, Puma & co. pro Tag bis zu 350 Kleidungsstücke pro Person arbeiten müssen und die von ihren Aufsehern drangsaliert werden und so wenig Lohn bekommen, dass sie gerade mal davon leben können, gibt es die KAMPAGNE FÜR SAUBERE KLEIDUNG, die u.a. auch von den Ev. Studentengemeinden, z.B. in Magdeburg, unterstützt wird.

Gegen den rücksichtslosen Umgang mit natürliche Resourcen wendet sich die OFFENe HEIDe;

- aber auch die Bürgerinitiative PRO ELBE die sich letztes Jahr gegründet hat;

- und in der Volksstimme-Umfrage bezüglich des Verlaufs der A 14 durch die Altmark haben sich 15% der Anrufenden gegen eine Autobahn ausgesprochen - viel zu wenig,

aber immerhin ist fast jedeR Sechster der Meinung, dass die weitere verkehrsmäßige Erschließung so erfolgen sollte, dass die Anwohner Vorteile davon haben.

Gegen Respektlosigkeit anderen Menschen gegenüber, gegen rassistische und faschistische Übergriffe haben sich an vielen Orten in Sachsen-Anhalt Aktionsbündnisse der AKTION NOTEINGANG gebildet, wo Gewerkschaften und Kirchen, Theater und Hochschulen, Engagierte aus bestimmten, im Landtag vertretene Parteien, Medientreff ZONE! bzw. andere örtliche Initiativen sowie 80 Unterstützende institutioneller Art (so in Magdeburg) zusammenarbeiten, damit die öffentliche Meinung deutlicher wird: Wir akzeptieren keine Gewalt gegen Menschen, die bei und mit uns leben.

(Letztes Beispiel nicht aus Sachsen-Anhalt bzw. noch nicht).

Die Gewaltspirale stoppen wollen auch die ca. 30 Friedens-Pilgerinnen und -Pilger aus 6 europäischen Staaten, die Ende nächster Woche für 6 Tage nach Israel und Palästina gehen - und zwar auf Einladung christlicher Kirchen von Jerusalem als auch von israelischen und palästinensischen Menschenrechtsorganisationen.

"Die Pilger treten für die Unverletzbarkeit allen menschlichen Lebens ein, die im Glauben von Juden, Christen und Muslimen Ausdruck findet, wie für die Berufung aller Menschen, Gewalt aus der Kraft der Wahrheit, der Liebe und der Vergebung zu überwinden.

Sie sind überzeugt, dass die aktive Gewaltfreiheit die einzige Kraft ist, die dauernden Frieden zu schaffen vermag." (aus der Pressemeldung der Initiatoren - Pax Christi, Intern. Versöhnungsbund und "Church and Peace").

Am folgenden Sonntag wird die Pilgergruppe in Wien ausgesandt.

5 der PilgerInnen aus Deutschland kenne ich persönlich. Ich hoffe, dass sie wiederkehren, und weitere ihnen folgen - solange, bis die Besatzung der palästinensischen Gebiete beendet ist, solange, bis das israelische Volk ohne Bedrohung und Angst leben kann, solange, bis die Achtung der Menschenrechte aller Menschen die Möglichkeit zu Vergebung öffnet - und damit eine Gewaltspirale abgebrochen wurde.

Wir sind verbunden mit ihnen durch diese Oster-Botschaft: Gegen den Tod - steht das Leben auf! Gegen den Tod - stehen WIR auf:

HEUTE in dieser Stadt Gardelegen, MORGEN an unserem jeweilen Platz im Leben in dieser Region oder wo wir im einzelnen herkommen.

Er setzt sich fort,
der Marsch für das Leben.
Ich freue mich jetzt schon darauf,
SIE und EUCH wiederzutreffen.



E-Mail:   neu.magdeburg@t-online.de
Internet: http://www.uni-magdeburg.de/org/esgumd/
 zum Anfang

 vorheriger

 nächster
  
Artikel

       
Einige weitere Texte (per Zufallsauswahl) zum Thema
Ostermärsche
Ostermärsche
OM 2002 - Aufruf OFFENe HEIDe
OM 2002 - Grußwort DGB Region Niederrhein
OM 2002 - Pressespliegel 30.03.02 -HF/TV-
OM 2002 - Rede E.Bernhard, Aschaffenb., 30.03.02
OM 2002 - Rede H.Hoyer, Erlangen, 01.04.02

Bereich

 Themen 

Die anderen Bereiche der Netzwerk-Website
         
Netzwerk   F-Forum  Termine  Jugo-Hilfe Aktuell