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Ostermär-
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vom:
01.04.2002


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Ostermärsche und -aktionen 2002:

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Rede für den Ostermarsch Rhein/Ruhr 2002, 01.04.02 in Bochum

Annemarie Grajetzky (Frauen für den Frieden)

- Es gilt das gesprochene Wort -



Freundinnen und Freunde!

In wessen Namen werden Kriege geführt?

Immer wieder wird Krieg geführt im Namen der Zivilisation, im Namen der Humanität. Der Präsident der USA, George Bush hat ´ Die Achse des Bösen ´ ausgemacht. Im Namen des Guten gegen das Böse führt er seine Kriege gegen Afghanistan und wir fürchten: demnächst gegen den Irak.

Im Namen des Guten gegen das Böse ! Das klingt verdächtig religiös. Mit dieser Masche hat man immer schon Menschen manipulieren können.

Schlimm genug, dass die Kirchen in der Vergangenheit es zuließen, dass Kriege geführt werden konnten im Namen Gottes. Für uns Christen, Frauen und Männer in der Friedensbewegung ist solche Rechtfertigung des Krieges eine Gotteslästerung. Es fängt schon wieder an : das Reden vom sogenannten gerechten Krieg. Verdächtig ist, dass die offiziellen Kirchen dazu schweigen, wenn Krieg geführt wird im Namen einer grenzenlosen Gerechtigkeit so wie jetzt in Afghanistan.

Krieg wird geführt angeblich auch in unserem Namen - so hat der Kanzler es uns auf`s Auge drücken wollen mit seinem Unwort von der uneingeschränkten Solidarität. Freunde und Freundinnen lasst uns unsolidarisch sein mit der Kriegspolitik, die das politische Denken der Bundestags- Parteien - mit einer Ausnahme- beherrscht -

Wir die Ostermarschiererinnen und Ostermarschierer sagen Nein zum Afghanistankrieg .Wir sagen Nein zum Krieg der Israelis gegen die Palästinenser. Wir sagen Nein zu allen Kriegen, die zur Zeit geführt oder neu geplant werden gegen den Irak.

Die Vereinten Nationen haben die Jahre 2001 - 2010 zur internationalen Dekade für eine Kultur des Friedens und der Gewaltlosigkeit erklärt. Damit haben sie allen Regierungen Leitgedanken für die Gestaltung ihrer Außen- und Innenpolitik zu Beginn des neuen Jahrtausends an die Hand gegeben. Aber wir fragen: Welche Regierung nimmt diese UNO-Resolution ernst??

Als Friedensbewegung sehen wir uns auf dem Weg, den die Vereinten Nationen mit ihrer internationalen Dekade für eine Kultur des Friedens und der Gewaltlosigkeit einschlagen .

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Ostermär-
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Willy Brandt wurde gegen Ende seines Lebens gefragt, wofür er besonders dankbar sei. Seine Antwort war : Dass wir ´Deutschland und Frieden` in einem Atemzug nennen können. Schröder ist stolz darauf, dass wir Deutschland und Krieg endlich wieder in Verbindung bringen dürfen. "Nie wieder Krieg ", für den Kanzler und seinen Außenminister ist das eine duckmäuserische Parole . -

"Nie wieder Krieg " diese Lehre aus dem verhängnisvollen 2. Weltkrieg hat sich angeblich überlebt. Die sogenannte Nachkriegszeit sei vorbei. So haben die Regierungsparteien mit Unterstützung der Opposition - mit der Ausnahme einer Partei- den Auftrag der Bundeswehr still und heimlich verändert: Aus einer reinen Verteidigungsarmee wurde eine grenzüberschreitende Eingreiftruppe.

Deutschland geht mit England und Frankreich so weit, das ganz wichtige weltpolitische Potential Europa - Amerika unterzuordnen. "Uneingeschränkte Solidarität " heißt das, und Europa ist zum Vasallen der USA geworden. - Die Chance wird vertan, den USA Einhalt zu gebieten, sie zu korrigieren und sie von ihrer Cowboy-Mentalität abzubringen.

Ausgerechnet seit 2001, dem Beginn der UNO - Friedensdekade, dreht sich die Spirale der Gewalt immer schneller und schneller. Und wir sollen eingeschworen werden auf die gotteslästerliche Parole, die Kriege würden im Namen der Gerechtigkeit geführt.

Antikriegsarbeit ist angesagt, auch besonders angesichts des endlosen Konfliktes zwischen Israel und Palästina. Auf beiden Seiten schüren Hardliner den Konflikt, um ihn immer weiter eskalieren zu lassen. Die Palästinenser und Israelis scheinen sich unversöhnlich gegenüber zustehen. Es ist Krieg! Auch dort ist Antikriegsarbeit angesagt: Keineswegs sind ja alle Menschen in Israel einverstanden mit dieser wahnsinnigen Eskalationspolitik . Unter dem gemeinsamen Motto "Die Besetzung tötet uns alle " haben Friedensgruppen in Israel Demonstrationen mit zehntausenden Teilnehmern und Teilnehmerinnen durchgeführt. Israelische Soldaten und Offiziere, allesamt kampferprobt durch den anhaltenden Krieg mit den Palästinensern, verweigern den Kriegsdienst außerhalb der Landesgrenzen, wollen den Krieg um Siedlungen nicht fortführen. 52 Soldaten ergriffen die Initiative, jetzt sind es schon mehrere Hunderte.

Antikriegsarbeit ist auch dort angesagt und wir fühlen uns der Friedensbewegung palästinensischer und israelischer Frauen zutiefst verbunden:

In Jerusalem führt seit Jahrzehnten die Gruppe "Bat Shalom" (Töchter des Friedens) Mahnwachen als Frauen in Schwarz durch, formuliert Aufrufe, organisiert Demonstrationen, macht Öffentlichkeits- und Informationsarbeit. Bat Shalom ist verbunden mit dem "Center for Woman", einer Friedensgruppe palästinensischer Frauen; zusammen haben sie als Frauen in Schwarz Mahnwachen in Jerusalem gehalten.. Jetzt ist das nicht mehr möglich wegen der Ausgangs- und Straßensperren. Aber sie halten Kontakte und bleiben verbunden mit anderen Gruppen in der Frauen-Vereinigung für einen gerechten Frieden. Sie alle brauchen mehr denn je unsere Solidarität, unsere Unterstützung gerade von außerhalb. Dies umso mehr je gewalttätiger und blutiger der Konflikt wird.

Antikriegsarbeit ist angesagt: Frauen für den Frieden in der Evangelischen Kirche von Westfalen gehören zu einem Netzwerk von Friedensfrauen in der ganzen Welt, auch unsere Gruppe hier in Bochum gehört dazu. So haben wir Kontakte zu Frauen in Israel und in Palästina. Zum internationalen Frauentag im März dieses Jahres haben wir in vielen Städten gemeinsame Mahnwachen gehalten. Wir Frauen für den Frieden in Bochum halten seit Monaten jeden Mittwoch in der Innenstadt von Bochum am Glascafe /Husemannplatz Mahnwachen gegen Krieg und Gewalt an Frauen und Kindern. Wir solidarisieren uns besonders mit den geschundenen Menschen in Israel und Palästina- und in Afghanistan. Mit unseren Mahnwachen wollen wir bekunden, dass Krieg, Gewalt und Menschenrechtsverletzungen keinen Konflikt lösen.

Antikriegsarbeit heißt, den Finger in die Wunde der traumatisierten Menschen zu legen: Beides schlägt tiefe Wunden an Körper und Seele: Das erlittene Unrecht traumatisiert. Aber die Täter des Unrechts traumatisieren sich auch selbst, verlieren ihre Würde - und auch wir, wenn wir nicht Widerstand leisten gefährden unser Menschsein!

Der Terror hinterlässt auf allen Seiten seine Spuren - bei den Opfern und bei den Tätern und bei denen, die sich durch Schweigen schuldig machen.

Antikriegsarbeit ist angesagt:

Freunde und Freundinnen lasst uns auf einen wirklichen Frieden hinarbeiten. Wirklicher Friede ist weit mehr als Abwesenheit von Krieg. Wirklicher Friede, das ist wirtschaftliche Entwicklung und soziale Gerechtigkeit, Wirklicher Friede, das ist globaler Schutz der Umwelt.

Globalisierungs - Gegner wie "ATTAC", raten uns, einen weltweiten Bürgerpakt zu schmieden, um die Vermachtung durch die Weltmärkte zu beenden .Gerade den durch Armut gedemütigten Menschen müssen wir die Perspektive einer solidarischen und freien Zukunft geben. Wirklicher Friede heißt Schluss mit dem weltweiten Waffenhandel. Wirklicher Friede bedeutet Demokratie, Vielfalt und Würde, Achtung der Menschenrechte und Rechtsstaatlichkeit.

Der Bürgermeister der bosnischen Stadt Tusla hat nach den grauenvollen Massakern an der muslimischen Bevölkerung gesagt: "Wenn wir der Gegenwart erlauben, an der Vergangenheit Rache zu nehmen, verspielen wir die Zukunft " .

Ob das den kriegsverliebten Falken in den Regierungen der westlichen Welt klar ist?? Milliarden Euros und Dollars werden verschleudert für die Entwicklung immer neuer Waffen. Genug Geld ist vorhanden, um die Wurzel des tiefen Hasses in der Welt zu bekämpfen mit Brot - Bildung - Gerechtigkeit und Toleranz.

Antikriesarbeit ist angesagt:

Konstantin Wecker drückt das in einem Lied so aus:

... ob als Penner oder Sänger,
Banker oder Müßiggänger,
ob als Schüler oder Lehrer,
Hausfrau oder Straßenkehrer,
ob du sechs bist oder hundert,
sei nicht nur erschreckt, verwundert,
tobe, zürne, bring dich ein
"SAG NEIN"

Wir stimmen Konstantin Wecker zu:

Krieg ist keine Lösung! Frieden - die einzige Hoffnung.

Dafür stehen wir hier. Dafür gehen wir auf die Straße.

Wir verweigern uns allen Kriegen .

Wir Ostermarschiererinnen und Ostermarschierer sagen "NEIN".

Lasst es uns gemeinsam laut und unüberhörbar sagen -heute und immer wieder.

Ich danke Euch.

Schalom!


Annemarie Grajetzky ist aktiv in der Gruppe "Frauen für den Frieden" in der Ev. Kirche von Westfalen (EKvW), Gruppe Bochum

E-Mail:   anhagy@t-online.de
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