Ostermär-
sche 2002


vom:
03.04.2002

update:
14.04.2002


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Ostermärsche und -aktionen 2002

 Echo/Presse

Pressespiegel, 02.04.02, Teil II
Zeitungen

Netzwerk Friedenskooperative

Märkische Allgemeine: Teilnehmerrekord bei Ostermarsch

Braunschweiger Zeitung: Ostermarsch auf dem Fahrrad durch die Innenstadt hatte 75 Teilnehmer "Kriegspolitik ist ein Fiasko"

Westdeutsche Zeitung: Ostermarsch mit Friedenspreis

Augsburger Allgemeine: Zehntausende bei Ostermärschen gegen Krieg und Terror

Ostthüringer Zeitung: Jenaer demonstrieren für mehr Frieden in der Welt

Neue Ruhr Zeitung: Gemeinsam für den Frieden

Neue Ruhr Zeitung: Erstmals waren die Grünen nicht dabei

Nürnberger Nachrichten: Ostermarschierer: Bundeswehr aus Afghanistan abziehen

ND: Erst bomben, dann "helfen"

Berliner Morgenpost: 5.000 Teilnehmer bei Ostermarsch im "Bombodrom"

taz: 250 Menschen beim Bremer Ostermarsch

taz: Keine Ruhe an der Heimatfront

taz: Kleiner Aufschwung

taz: Ostermarsch gegen Israel

taz: Keine Lust auf Widerspruch

Saarbrücker Zeitung: Protest gegen Krieg und Gewalt

Magdeburger Volksstimme: Ostermarsch 2002 der Bürgerinitiative Offene Heide

Magdeburger Volksstimme: Ostermarsch 2002 und 105. Friedensweg der Bürgerinitiative Offene Heide

Badische Zeitung: Für eine Konfliktlösung ohne jegliches Militär

Neue Presse (Hannover): "Krieg ist meine größte Angst" - 1.000 beim Ostermarsch in der City

HAZ: 1.300 marschieren für den Frieden



Quelle: Märkische Allgemeine, Politik, 1.4.2002

Teilnehmerrekord bei Ostermarsch

WITTSTOCK/BERLIN - Rund 5.000 Menschen haben sich nach Angaben der Veranstalter am Sonntag im Kreis Ostprignitz-Ruppin am 10. Ostermarsch gegen den geplanten Bombenabwurfplatz der Bundeswehr beteiligt. "Das ist ein Teilnehmerrekord", sagte Helmut Schönberg von der Bürgerinitiative "Freie Heide". Die Demonstranten wollten mit dem knapp einstündigen Marsch gegen das umstrittene so genannte Bombodrom in der Kyritz-Ruppiner Heide protestieren. Es war die insgesamt 75. Protestwanderung der Initiative, die seit 1992 gegen die Militär- Pläne für das Gelände streitet, das früher von den Sowjettruppen genutzt worden war.

Der Bundesvorsitzende von Bündnis 90/Grüne, Fritz Kuhn, sagte bei einer Kundgebung: "Diese Region verträgt keinen Bombenabwurfplatz." Dieser würde eindeutig der touristischen Entwicklung der Gegend schaden. Seine Partei werde sich dafür einsetzen, dass das Areal nicht militärisch genutzt werde. Der PDS-Bundestagsabgeordnete Wolfgang Gehrke kündigte an, seine Partei werde den Bundestagsgruppenantrag gegen das Bombodrom geschlossen unterstützen. Der Bürgerrechtler Wolfgang Ullmann sagte, die Bürger seien in der DDR seinerzeit nicht auf die Straße gegangen, damit Truppenübungsplätze weiter militärisch genutzt würden.

Der Umzug hatte an der Kirche in Fretzdorf bei Wittstock begonnen. Dort sprach der Vater der CDU-Bundesvorsitzenden Angela Merkel, Pfarrer i. R. Horst Kasner. Die Osterdemonstrationen in Fretzdorf waren in den vergangenen Jahren immer die zahlenmäßig größten der deutschen Friedensbewegung. Nachdem sich auch in Mecklenburg eine Bürgerinitiative gegen das Bombodrom gegründet hatte, waren auch von dort zahlreiche Demonstranten gekommen. Die Gegner aus Mecklenburg wollen vor allem Tiefflüge über der Seenplatte verhindern. Um das "Bombodrom" wird seit Jahren auch gerichtlich gestritten.

In Berlin haben gestern 7.000 Ostermarschierer für den Weltfrieden demonstriert. Sie forderten den weltweiten Verzicht auf militärische Einsätze, einen Stopp der Rüstungsproduktion und die Einstellung der Rüstungsexporte. Auch die Drohung der USA, den Irak anzugreifen, verurteilten die Demonstranten. Besonders lautstark machte sich bei dem Marsch eine Gruppe bemerkbar, die das Vorgehen Israels gegen die Palästinenser verurteilte.

In ihrem Aufruf kritisierte die Friedenskoordination Berlin, ein Zusammenschluss von rund 60 Initiativen, "dass die politisch Verantwortlichen die Ereignisse vom 11. September als Vorwand nutzen, bereits seit längerem andauernde Konflikte weltweit mit Militärinterventionen weiterzuführen". Das berge die Gefahr eines "permanenten Kriegszustands" und dürfe nicht widerstandslos hingenommen werden. Eine Mitverantwortung weist die Friedenskoordination der Bundesregierung zu. Sie habe die vom Grundgesetz auferlegten Beschränkungen für die Bundeswehr beseitigt. Beendet wurde der Marsch mit einem politischen Kulturprogramm am Brandenburger Tor.



Quelle: newsclick, Lokales, 2.4.2002 (Braunschweig)

Ostermarsch auf dem Fahrrad durch die Innenstadt hatte 75 Teilnehmer "Kriegspolitik ist ein Fiasko"

Von Dieter Schäfer

75 Friedensfreunde traten am Sonnabend tüchtig in die Pedale. Mit einer rund vier Kilometer langen Tour vom Kohlmarkt aus quer durch die Innenstadt warben die Radler für ein friedliches Miteinander aller Menschen. Die Braunschweiger Friedensbewegung hatte zum Ostermarsch gegen den Krieg aufgerufen. Motto: "Stoppt die Spirale der Gewalt. Krieg ist Terror - Frieden ist machbar". Es gab keinerlei Störungen.

Enttäuscht äußerte sich Hans-Georg Hartwig vom "Antiterroristischen Bündnis" über das Ende des kalten Krieges. "Der Weltfriede ist auch jetzt in Gefahr", meinte er.

Gleichzeitig wies er die Einmischung Deutschlands in Verbindung mit der Sharia und der Unterdrückung von Frauen in mehreren Teilen der Welt zurück. Vor dem Hintergrund der eigenen Vergangenheit habe Deutschland nicht das Recht, anderen Völkern ein Stigma aufzudrücken.

Einen Hauch Nostalgie empfand der radelnde 67 Jahre alte ehemalige Pfarrer Dietrich Kuessner aus Offleben (Landkreis Helmstedt). "Auf meinem 35 Jahre alten Fahrrad nahm ich schon 1967 an der Friedensdemonstration teil", sagte er.

Der frühere Pfarrer der evangelischen Studentengemeinde, Kurt Dockhorn, bestritt den Erfolg bisheriger militärischer Friedenseinsätze: "Die Kriegspolitik des Westens ist ein Fiasko", urteilte er. Deutlich waren auch seine Angriffe auf den Präsidenten der Vereinigten Staaten, George Bush: Die USA verfolgten mit ihren militärischen Einsätzen vor allem nationale Interessen.

Die Teilnehmer der Ausfahrt und darauf folgenden Kundgebung blieben weitgehend unter sich. Nur wenige Braunschweiger unterbrachen ihre Ostereinkäufe, um den Rednern zuzuhören.

Als "bedauerlich" empfand es Clemens Haug vom "Bündnis für den Frieden", dass so wenige junge Menschen zur Friedensdemonstration gekommen waren.

"Die Jugend ist entpolitisiert worden", vermutete der junge Mann und blickte pessimistisch in die Zukunft: Es gebe weltweit neue Kriege. Die junge Generation müsse die Folgen tragen. Dr. Elke Schrage von der Organisation "Internationale Vereinigung der Ärzte gegen den Atomkrieg. Ärzte in sozialer Verantwortung" (IPPNW) sah das Thema "Atomare Aufrüstung" wieder aktuell.

Sie spielte damit auf die Mini-Atombomben der Vereinigten Staaten an. "Das sorgt weltweit für Unruhe" war sich die Medizinerin gewiss. Die Dritte Welt bleibe eine soziale Wüste und werde zur nuklearen Wüste.

"Die USA wollen Atomwaffen wieder hoffähig machen", glaubte ihr Kollege Dr. Helmut Käss. Die deutsche Regierung hielt er in diesem Zusammenhang nicht für besser, sondern für "scheinheiliger".



Quelle: Westdeutsche Zeitung, Lokales, 1.4.2002

Düsseldorf Stadt:

Ostermarsch mit Friedenspreis

Düsseldorf. Lange lag sie darnieder, die Friedensbewegung. Vielleicht findet sie nun angesichts der Terrorfolgen und der aktuellen Weltlage wieder mehr Zulauf.

An diesem Wochenende finden in acht Städten in NRW Ostermärsche gegen Krieg und Terror statt. In Düsseldorf haben sich mehrere Initiativen zusammengeschlossen.

Am Samstag werden in der Innenstadt etwa 1.000 Demonstranten erwartet. Beginn der Veranstaltung ist um 14 Uhr auf dem Konrad-Adenauer-Platz. Dort wird der erste "Düsseldorfer Friedenspreis" verliehen. "Er geht an eine Frau aus Düsseldorf, die schon lange in der Friedensbewegung aktiv ist", sagt Organisatorin Erika Bosch vom Antikriegsbündnis "Menschen für den Frieden". Danach rappt dort ein Vietnam-Veteran.

Auf dem Weg durch die Innenstadt zum Rathausplatz könnte es zu kurzzeitigen Straßensperrungen kommen. Die Polizei rechnet aber nicht mit großen Behinderungen. Ab 15 Uhr wird dann auf dem Rathausplatz ein "Friedensfest" gefeiert mit Musik (unter anderem von Antonella Selerio) und einem "afghanischen Friedensfreund".

Die drei Düsseldorfer Friedensgruppen ("Menschen für den Frieden", "Friedensforum" und "Ökumenisches Friedensnetz") werden von Aktiven aus der Region unterstützt. Friedensbewegte aus dem Ruhrgebiet kommen per Zug, solche aus Köln gar per Schiff. Sie legen in der Altstadt an und bringen ein Kunstwerk aus Leitern mit, das von jedem Demonstranten angereichert werden kann.



Quelle: Augsburger Allgemeine, Politik, 1.4.2002

Zehntausende bei Ostermärschen gegen Krieg und Terror

Frankfurt/Main (dpa) - Bei den diesjährigen Ostermärschen der deutschen Friedensbewegung haben nach Veranstalterangaben mehrere 10 000 Menschen gegen Krieg und Terror demonstriert - deutlich mehr als 2001. Bei frühlingshaften Wetter gingen am Montag noch einmal Tausende zu den Abschlusskundgebungen auf die Straße.

Die größten Aktionen gab es in Frankfurt am Main, Berlin, Hamburg, Nürnberg und Kassel. Vielfach wurde auf die aktuellen Ereignisse im Nahen Osten Bezug genommen.

Das Frankfurter Ostermarschbüro zog eine positive Bilanz der Aktionen, die am Karfreitag begonnen hatten. An vier Tagen habe es in gut 70 Städten Demonstrationen gegeben. "Die meisten der beteiligten Veranstalter sprachen mindestens von einer Verdoppelung der Teilnehmerzahlen im Vergleich zum Vorjahr", sagte Sprecher Horst Trapp. Vor allem seien mehr jüngere Teilnehmer dabei gewesen. Die Furcht vor der Weiterführung des Anti-Terror-Krieges treibe die Menschen zu Friedensdemos. "Aber auch das gute Wetter spielte eine Rolle."

In Frankfurt zogen tausende Menschen in einem Sternmarsch aus vier Richtungen in die Innenstadt. Im Vorjahr waren es dort nur etwa 400 gewesen. Bei der Abschlusskundgebung kritisierte der Psychoanalytiker Horst Eberhard Richter die Beteiligung der Bundeswehr am Anti-Terror- Krieg: "Keine noch so gewaltige militärische Überlegenheit schützt vor selbstmörderischer Rachebereitschaft." Deutschland solle endlich "den Mut aufbringen", seine erweiterte Verantwortung nicht militärisch, sondern friedenspolitisch zu zeigen.

IG-Metall-Vorstandsmitglied Horst Schmitthenner äußerte den Verdacht, "dass der grauenhafte Terroranschlag vom 11. September für die Kriegführung instrumentalisiert wurde". Der Zielkatalog des Afghanistan-Krieges sei immer weiter aufgefächert worden, "so dass für fast jeden etwas Passendes zu finden war".

In Berlin protestierten am Montag mehrere tausend Menschen gegen den Krieg in Afghanistan und gegen eine deutsche Beteiligung an weiteren Anti-Terror-Einsätzen. Nach Angaben der Veranstalter beteiligten sich zwischen 5000 und 10 000 Ostermarschierer, die Polizei sprach von 1800 Teilnehmern. Auf Plakaten wurde vor einem Militärschlag gegen den Irak gewarnt.

In Hamburg demonstrierten Tausende vor allem gegen die Politik des israelischen Premiers Ariel Scharon im Konflikt mit den Palästinensern. In Nürnberg kamen etwa 1000 Menschen zum Ostermarsch. In Kassel sprachen die Veranstalter von gut 1200 Teilnehmern. Die Polizei schätzte die Zahl der Teilnehmer dort auf rund 600. Auch in Aschaffenburg, Würzburg, München, Wolfratshausen, Bochum und Dortmund gab es Aktionen.

Rund 5000 Menschen hatten nach Angaben der Veranstalter am Sonntag gegen den geplanten Bombenabwurfplatz der Bundeswehr in der Kyritz- Ruppiner Heide (Brandenburg) demonstriert. Der Bundesvorsitzende der Grünen, Fritz Kuhn, sagte bei der Kundgebung: "Diese Region verträgt keinen Bombenabwurfplatz." Seine Partei werde sich dafür einsetzen, dass das Areal nicht militärisch genutzt wird.



Quelle: Ostthüringer Zeitung, Lokales, 2.4.2002

Jenaer demonstrieren für mehr Frieden in der Welt

Jena (OTZ/tz). Die Friedensinitiative Jena demonstrierte am Sonnabend gegen Krieg und Gewalt in der Welt. Allerdings hielt sich das Interesse in Grenzen: Nur gut 30 Zuhörer fanden sich vor der Jenaer Stadtkirche Sankt Michael ein.

Eine Gruppe traf aus Weimar ein, die sich mit dem Rad auf den Ostermarsch gemacht hatte. Begleitet wurden die Teilnehmer von einem großen LKW, an dem eine Welt-Kriegskarte angebracht war. Darauf hatte der Friedenskreis Weimar die Unruhe-Herde der Erde zusammengefasst.

Michael Ebenau von der Jenaer Friedensinitiative erinnerte an die Tradition der Friedensmärsche. "Leider sind die Mächte der Welt noch nicht von ihrer Politik abgekommen, mit Atomwaffen zu experimentieren", bedauerte er. Als Beispiel nannte der IG-Metaller Mini-Atombomben, die die USA in Afghanistan einsetzen. Trotzdem betonte er seine Hoffnung, dass irgendwann keine Ostermärsche mehr nötig sind, um für Frieden zu demonstrieren. Jedoch äußerte er am Ende seiner Rede die Befürchtung, dass diese Veranstaltungen wohl auch im nächsten Jahr wieder vonnöten seien.

Jenas Sozialdezernet Dr. Albrecht Schröter erzählte von seiner Reise nach Israel. "Wir haben keine Hoffnung mehr", berichtete er, was er vor einem Jahr von mehreren Freunden vor Ort gehört hatte. Er forderte Umdenken von allen Seiten. Nach seiner Ansicht liegt der Schlüssel zur Lösung der Probleme in der westlichen Welt. "Es gibt keinen Weg zum Frieden, der Frieden ist der Weg", sagte Schröter zum Abschluss der Veranstaltung.



Quelle: Neue Ruhr Zeitung, Lokales, 2.4.2002

Gemeinsam für den Frieden

Jung und Alt Seite an Seite: Über 1.000 Menschen zogen vom Hauptbahnhof zum Burgplatz, so viele wie seit Jahren nicht. Kritik am Afghanistan-Einsatz und der amerikanischen Politik.

"Deutsche Soldaten raus aus Afghanistan", "Stoppt die Bush-Politik" und "Kein Krieg gegen den Irak und gegen Somalia" schallte es am Samstagmittag über den Konrad-Adenauer-Platz: Über 1000 friedensbewegte Frauen und Männer hatten sich zum Auftakt des Ostermarsches auf dem Vorplatz des Hauptbahnhofes versammelt, zogen über die Steinstraße und die Heine-Allee zur Friedenskundgebung auf dem Burgplatz. "So viele Teilnehmer hatten wir schon seit Jahren nicht mehr", freute sich Klaus Pantel vom "Friedensforum", das zusammen mit dem "Ökumenischen Friedensnetz" und dem Antikriegsbündnis "Menschen für den Frieden" zum traditionellen Marsch durch die Innenstadt eingeladen hatte. Im Vorjahr hatten sich gerade einmal 350 Anti-Kriegs-Protestler dem Zug angeschlossen.

Politiker der Grünen und der SPD vermisst

"Dass sich in diesem Jahr so viele am Ostermarsch beteiligen, zeigt, dass die Bevölkerung mit der Kriegspolitik der USA, aber auch mit der Beteiligung deutscher Soldaten bei Militäreinsätzen nicht einverstanden ist", glaubt Heike Mette vom Bündnis "Menschen für den Frieden". "Über Jahrzehnte protestierten wir zu Ostern mit SPD- und Grünen-Politikern Seite an Seite gegen Krieg und Aufrüstung. Wo sie die Militär-Einsätze in Jugoslawien und in Afghanistan nun selbst zu verantworten haben, lassen sie sich nicht mehr blicken", ärgerte sich Barbara Gladysch von der Initiative "Mütter für den Frieden".

Schon 1960 beim ersten Ostermarsch durch Düsseldorfs Straßen dabei: Manja Aschmoneit. "Ich habe am eigenen Leib erfahren, was Krieg bedeutet", so die 71-Jährige: "Meine Kindheit war Furcht und Schrecken. Unser Haus in Flingern wurde im Zweiten Weltkrieg ausgebombt, wir standen vor dem Nichts. Damals habe ich mir geschworen, mich zeitlebens für den Frieden einzusetzen."

Mit ihrem Mann protestierte sie gegen die atomare Aufrüstung in den 50er Jahren, später gegen den Vietnam-Krieg und in den 80er Jahren gegen die Stationierung der Pershing-Raketen. "Hunderttausende nahmen damals an den Ostermärschen teil." Für ihr jahrzehnte-langes Engagement in der Friedensbewegung wurde sie am Samstag mit dem "Düsseldorfer Friedenspreis" ausgezeichnet.

Zum ersten Mal schlossen sich die Schülerinnen Sid (18) und Julia (15) dem Marsch an. "Seit dem 11. September verfolge ich regelmäßig die Nachrichten", so Sid: "Ich habe Angst davor, dass sich die militärischen Einsätze der USA nun auf den Irak und andere Länder ausdehnen."

Seit Anfang des Jahres nehmen Julia und Sid an den Montags-Demonstrationen des Antikriegsbündnis "Menschen für den Frieden" teil. Julia: "Ich glaube nicht, dass Krieg das richtige Mittel ist, um den Terrorismus zu bekämpfen." Statt Milliarden von Dollars in Waffen zu investieren, so die Derendorfer Gymnasiastin, solle man das Geld in die Entwicklungshilfe stecken. "Die Ursache des Terrorismus ist die Armut in der Welt", sind beide überzeugt: "Darum demonstrieren wir."



Quelle: Neue Ruhr Zeitungm, Lokales, 2.4.2002

Erstmals waren die Grünen nicht dabei

Das Interesse in der Öffentlichkeit mag gestiegen sein, das Engagement nicht.

"Wir hatten schon auf mehr Teilnehmer gehofft", erklärt Bernd Brack vom Essener Friedens-Forum am Sonntag. Dass deeskalierende Mittel der Politik wieder mehr in den Mittelpunkt des öffentlichen Interesses rücken, meint er bei den Veranstaltungen des Forums erkannt zu haben: "Unsere Treffen werden doppelt so stark besucht wie vorher, es bleiben mehr Menschen an unseren Info-Ständen stehen und diskutieren mit uns."

Zahlenmäßig ausgewirkt hat sich dieses Interesse beim Ostermarsch in Essen jedoch nicht eine Konsequenz der Absage der Grünen, die den Aufruf der Ostermarschbewegung als "ausgrenzend" bezeichnet hatten (die NRZ berichtete)? Brack winkt ab: "Die Grünen haben sich in den letzten Jahren ja mehr still und leise zurückgezogen." Dieses Jahr fehlen sie jedoch vollends, was Brack und seine Mitstreiter von der hiesigen Friedensbewegung bedauern: "Es sind doch die Grünen, die aus Koalitionsräson eingeknickt sind, unsere Forderungen haben sich nicht verändert. Und jeder, der sich ihnen anschließt, ist der Friedensbewegung willkommen."

Was an einem Sonntagmorgen um 10 Uhr aber nur wenige hören möchten. (job)



Quelle: Nürnberger Nachrichten, Lokales, 2.4.2002

Ostermarschierer: Bundeswehr aus Afghanistan abziehen

"Krieg ist keine Lösung" Israel und Palästina sollen verhandeln - Tausend Demonstranten

VON SIEGFRIED ZELNHEFER

Beim traditionellen Ostermarsch hat gestern Arno Weber (Nürnberger Friedensforum) an Israel appelliert, die Truppen aus den Autonomiegebieten der Palästinenser zurückzuziehen und an den Verhandlungstisch zurückzukehren. Die Bundesrepublik forderte er unter dem Beifall von rund 1.000 Demonstranten - fast doppelt so viele wie 2001 - auf, die Bundeswehreinheiten aus Afghanistan und anderen Teilen der Welt abzuziehen.

Lea und Philipp kamen aus Roth, um mitzumarschieren. Die beiden 18-Jährigen sind in keiner Gruppe oder Partei organisiert. Doch für den angehenden Veranstaltungstechniker und die Fachoberschülerin ist es keine Frage, für den Frieden auf die Straße zu gehen. Philipp hat gestern "mehr Leute" erwartet. Er ist aber überzeugt, mit Demos "auf jeden Fall etwas verändern" zu können, "wenn man ganz oft versucht, die Leute zu überzeugen". Auch wenn es im Nahen Osten "im Moment schlecht aussieht", wie Lea meint, setzt Philipp darauf, dass bald ein Schlichter eingreift.

Auch Jürgen Maass hat nicht resigniert. Die Friedensdemonstrationen, an denen er teilgenommen hat, kann der 67-Jährige schon nicht mehr zählen. 1946 hat er bereits mit dem SPD-Urgestein Herbert Wehner in Hamburg Plakate geklebt. Auch wenn er sich (partei-)politisch nicht mehr binden will, ist es für Maass selbstverständlich, beim Ostermarsch mitzumachen: "Ich habe mein ganzes Leben lang an Idealen festgehalten."

Als Antwort auf den US-Präsidenten George W. Bush, der das Jahr 2002 zum "Kriegsjahr" erklärte, stand der Nürnberger Ostermarsch heuer unter dem Motto: "Kein Kriegsjahr! Krieg ist keine Lösung!" Nach Demonstrationszügen durch die Stadt fand die Abschlusskundgebung vor der Lorenzkirche statt. "Wir wollen kein Jahr des Tötens, des Sterbens und Mordens", rief Weber. Mit Transparenten wie "Dieser Krieg ist nicht unserer, Herr Schröder" oder "Krieg ist kein Mittel gegen Terror" unterstrichen die Teilnehmer ihre Forderungen.

Im Mittelpunkt der Reden standen die Kämpfe im Nahen Osten und in Afghanistan. Nazile Özer von der "Föderation demokratischer Arbeitervereine DIDF" äußerte Zweifel daran, ob die "Vergeltungsschläge" der USA nach dem 11. September als "Kampf des Guten gegen das Böse" zu bezeichnen seien. Ihrer Ansicht nach "wurde nicht gegen den Terror angegangen". Die "westlichen Mächte" versuchten stattdessen, ihre "eigenen politischen, wirtschaftlichen und militärischen Interessen durchzusetzen". Ausländer und Deutsche müssten "jetzt mehr zusammenhalten". Geld sollte in Arbeits- und Ausbildungsplätze statt in die Rüstung gesteckt werden. Laut Wilfried Haarstrick-Pälloth (IG Metall) - die Rede des erkrankten Gewerkschafters wurde verlesen - soll der Rüstungsetat angezapft werden, um Unterentwicklung und Armut in der Welt zu begegnen. Damit könnten zwar nicht alle Probleme gelöst werden, "aber es wäre ein Anfang".



Quelle: Neues Deutschland Politik 1.4.2002

Erst bomben, dann "helfen"

5.000 Demonstranten beim Ostermarsch in der Kyritz-Ruppiner Heide

Von Velten Schäfer, Fretzdorf

Bei gutem Wetter wanderte am Ostersonntag ein breites Bündnis zum geplanten Bombenabwurfplatz der Bundeswehr im Norden Brandenburgs. Doch die Einmut hatte auch Grenzen, ein Hauch von Wahlkampf lag über der Veranstaltung.

Achtung. Tiefflieger von rechts" steht auf dem Transparent am Ortseingang von Fretzdorf. Auf dem Fußballplatz sammeln sich Autos nicht nur aus der Umgebung. Auch Hamburger, Berliner und Rostocker, selbst Leipziger Kennzeichen sind zu sehen. Ein alter Mann lehnt am Gartenzaun und winkt den Ankömmlingen freundlich zu.

Etwa 400 Einwohner hat der kleine Ort in der Nähe des "Bombodroms" in der Kyritz-Ruppiner Heide. Mindestens zehn Mal mehr versammeln sich Sonntagmittag vor der kleinen Dorfkirche. Die Veranstalter der inzwischen 75. Protestwanderung gegen den hier geplanten Luft-Boden-Schießplatz der Bundeswehr sprechen später sogar von 5000 Teilnehmern.

Äußerlich reicht das Spektrum von Jägerkluft bis zu Rastalocken. "Urlaubsplätze sind unsere Arbeitsplätze", heißt es an der Spitze des sich formierenden Zuges auf einem Transparent. "Boote statt Bomben" steht auf einem anderen Spruchband. Auf einem weiteren wird das "Bombodrom" als "grauenvoller Jobkiller" in einer "aufstrebenden Torurismusregion" gegeißelt. Hier beherrschen Organisationen wie "Pro Heide - die Unternehmerinitiative" das Bild. Weiter hinten sind dagegen rote und schwarz-rote Fahnen zu sehen. "An Bush, Schröder, Blair: Eure Kriege sind Staatsterror" steht auf Plakaten,

oder: "Erst Bomben, dann >Helfen<". Junge Leute tragen Che-Hemden und Organisationen wie die Deutsche Friedensgesellschaft-Vereinigte KriegsgegnerInnen verteilen Broschüren für die Abschaffung der Bundeswehr. Flugblätter "Gegen den Imperialismus" werden verteilt, während der Posaunenchor der Gemeinde vor dem Kriegerdenkmal geistliche Melodien intoniert.

"Militärischer Sicherheitsbereich. Blindgänger. Lebensgefahr. Unbefugtes Betreten ist verboten und wird strafrechtlich verfolgt. Der Kommandant". Auf dem Weg zum Versammlungsort am Schießplatz passiert der Zug alle 500 Meter ein solches Schild. Fast alle halten sich an das Verbot. Im Hintergrund wacht darüber die Polizei, auch Feldjäger sind hin und wieder zu sehen. Der Zusatz "Grenze des Truppenübungsplatzes. Schieß- und Übungsbetrieb" musste auf den Schildern jedoch kürzlich überklebt werden. Seit der Bund im Dezember 2000 mit einem Revisionsantrag vor dem Bundesverwaltungsgericht scheiterte, muss die Bundeswehr anerkennen, dass das Gelände bis zum Abschluss des Verfahrens nicht zweckbestimmt ist. Es darf daher bis auf weiteres nicht für Schießübungen genutzt und auch nicht als Truppenübungsplatz bezeichnet werden. Auch wenn eine endgültige Entscheidung weiterhin aussteht, schreibt die Bürgerinitiative Freie Heide in einer Presseerklärung, dies sei "mehr als ein symbolischer Sieg".

Am Kundgebungsort spricht als erster Wolfgang Ullmann. Der Bürgerrechtler und Politiker von Bündnis90 aus der DDR sieht sich als Teil einer "außerparlamentarischen Opposition gegen die Neuauflage der alten Kriegspolitik". Die deutsche Beteiligung an Kriegseinsätzen widerspreche dem Geist des 2+4-Vertrages. Krieg sei nicht als "ultima ratio" der Politik zu rechtfertigen, es gebe im Gegenteil "überhaupt keine ratio, die Kriegspolitik begründen könnte". Dafür, sagt er, "haben wir die friedliche Revolution 1989 nicht gemacht". Unter lebhaftem Beifall verlässt Ullmann die Bühne.

Einer applaudiert nicht. In der ersten Reihe, umlagert von Kameras, steht Fritz Kuhn. Offensichtlich fühlt sich der Grünen-Parteichef von Ullmanns Worten an manchen unangenehmen Parteitag der jüngsten Zeit erinnert. Nervös nestelt Kuhn an seinem Kragen, während Ullmann spricht. Als dieser dann wortlos an ihm vorbei geht, verschränkt er die Arme. Selbst auf der Bühne, sieht sich Kuhn zunächst einem Pfeifkonzert ausgesetzt. "Kriegstreiber" - der Zwischenruf ist mehrfach zu hören und kommt nicht nur aus einer Richtung. Es dauert einige Minuten, bis der grüne Spitzenpolitiker zu Wort kommt. Er spricht von Regionalentwicklung, von ökologischem Landbau und sanftem Tourismus. Das Übungsgelände sei Gift für die Region, sagt er. Für die zivile Nutzung der Heide will er sich im Parlament stark machen, wenn über den entsprechenden interfraktionellen Antrag entschieden wird. Das allerdings kann noch eine Weile dauern, denn der von grünen und SPD-Abgeordneten initiierte Antrag hängt seit über einem Jahr in den parlamentarischen Mühlen fest. Auf Militärpolitik kommt Kuhn nicht zu sprechen.

Als dritter Politiker spricht Wolfgang Gehrcke. Der stellvertretende Vorsitzende der PDS-Bundestagsfraktion kündigt an, Kuhn "beim Wort zu nehmen". Gehrcke fasst sich kurz. "An ihren Taten sollt ihr sie erkennen", sagt er. "Ich möchte nicht, dass hier geübt wird, was anderswo blutige Realität ist."

Die größte Protestwanderung seit langem in der Kyritz-Ruppiner Heide - für Benedikt Schirge, Fretzdorfer Pfarrer und langjähriger Mitorganisator des Widerstandes gegen das "Bombodrom" ein klarer Erfolg. Auch Bernd Messmann aus Neustrelitz ist optimistisch. Die Proteste zögen immer weitere Kreise. Schließlich sei auch er das erste Mal gekommen. Im benachbarten Landkreis Mecklenburg/ Strelitz ist man erst kürzlich "aufgewacht", wie er sagt: Ende Januar wurde in Mirow gegen die Tiefflieger die Bürgerinitiative "Freier Himmel" gegründet. Auch er sei ja gegen das Militär, meint er mit Blick auf einen pazifistischen Informationsstand. Primär geht es ihm aber um die Umwelt. "Mit der Tourismus-Schiene" komme man weiter als mit großen Reden über die Weltpolitik, meint er - auch wenn er selbst die Voraussetzungen für Tourismus in der Gegend um die Kyritz-Ruppiner Heide für ungünstig hält: "Hier gibt`s doch nicht mal einen See". Afghanistan, Somalia, Irak, selbst Jugoslawien seien den Meisten jedenfalls viel zu weit weg. Wichtig sei jedoch, sich nicht spalten zu lassen.

Etwas anders sieht das Stefan Liebmann aus Hamburg. "Die ganzen Politiker - das ist doch nur Wahlkampf hier", argwöhnt der 25-Jährige. Er zeigt auf das große Transparent hinter der Bühne. "14000 Hektar Heimat - Kein Bombodrom" steht darauf. Der junge Hamburger ärgert sich über so viel "Folklore". Viele Demonstranten sind ihm "zu unpolitisch". Aus aktuellem Anlass hatte er "mit mehr Empörung gerechnet". Wiederkommen werde er aber trotzdem.

Ganz sicher einen Erfolg zu verbuchen haben die Fretzdorfer Jugendlichen, die auf einem breiten Sofa am Straßenrand sitzen, die ungewohnten Massen von Passanten vorbeidefilieren lassen und dabei um Spenden bitten. Mindestens 200 Euro haben sie am Schluss in ihrer Schatulle. Für das undichte Dach ihres kleinen Jugendhauses - das sagen sie zumindest.



Quelle: Berliner Morgenpost, Lokales, 1.4.2002

5.000 Teilnehmer bei Ostermarsch im "Bombodrom"

ddp Fretzdorf - Knapp 5000 Menschen haben nach Schätzung der Veranstalter am Sonntag mit einem Ostermarsch im brandenburgischen Fretzdorf für Frieden und gegen das Bombodrom Kyritzer Heide demonstriert. Das sei die höchste Beteiligung seit zehn Jahren, sagte der Chef der Bürgerinitiative Freie Heide, Helmut Schönberg. Grünen-Parteichef Fritz Kuhn wurde zunächst mit Pfiffen empfangen. Er sagte den Demonstranten zu, sich gegen die militärische Nutzung der Kyritz-Ruppiner Heide durch die Bundeswehr einzusetzen. Entsprechende Pläne des Bundesverteidigungsministeriums seien für die touristische Entwicklung der Region schädlich.

Bürgerrechtler Wolfgang Ullmann forderte, dass es für das Bombodrom keine neuen Hausherren geben dürfe. Die Bundeswehr will auf dem ehemaligen sowjetischen Militärgelände einen Bombenabwurfplatz betreiben. Die Gegner befürchten, dass diese Pläne die Ansiedlung zivilen Gewerbes verhindern und der Tourismus in der Region stark geschädigt wird.

Aufgerufen zu der Protestwanderung hatten die Bürgerinitiative Freie Heide Kyritz - Wittstock - Ruppin und die Brandenburger Grünen. Neben Kuhn und Ullmann traten zahlreiche weitere Redner auf, darunter auch der Templiner Pfarrer Horst Kasner, Vater von CDU-Chefin Angela Merkel. Im vergangenen Jahr hatten 3000 Demonstranten an dem Protestmarsch teilgenommen.



Quelle: TAZ, Lokales, 1.4.2002 (Bremen)

250 Menschen beim Bremer Ostermarsch

IG-Metall-Vorstand kritisiert Militärprogramm von Rot-Grün

Rund 250 Menschen beteiligten sich am Samstag am Bremer Ostermarsch, etwa so viele wie in den letzten Jahren. Sie forderten eine Senkung der Rüstungsausgaben und ein Ende der Bundeswehreinsätze im Ausland. Stattdessen müsse die Bundesregierung verstärkt diplomatische Friedensinitiativen ergreifen. Aufgerufen zu der traditionellen Friedensdemonstration hatte das Bremer Friedensforum.

Vom Treffpunkt am Hauptbahnhof zogen die DemonstrantInnen gegen Mittag über den Blumenmarkt zur Abschlusskundgebung vor den Bremer Dom. IG-Metall-Vorstandsmitglied Horst Schmitt-henner kritisierte in seiner Rede die NATO-Interventionspolitik, die nicht mehr auf Landesverteidigung, sondern auf militärische Interessenvertretung in allen Teilen der Welt ausgerichtet sei. Auch mit dem Militärprogramm der rot-grünen Bundesregierung ging der Gewerkschafter hart ins Gericht. Die Milliarden Euro, die jährlich der Rüs-tungsindustrie zugute kämen, sollten lieber in den Aufbau des öffentlichen Personennahverkehrs, eine ökologische Energieerzeugung, Energiesparkonzepte, den Ausbau des Gesundheits- und des Pflegesys-tems sowie in den Bildungsbereich fließen. Mit Blick auf die Bremer Rüstungsbetriebe betonte Schmitt-henner: "Wer eine aggressive Außenpolitik befürwortet, weil dies angeblich Arbeitsplätze schafft, handelt unredlich. Rüstungskonversion heiße nicht, Soldatenhelme in Kochtöpfe umzustanzen, sondern für die vielfach im Hochtechnologiebereich Beschäftigten sinnvolle Arbeitsplätze zu schaffen.

Erstmals gab es dieses Jahr auch in Bremerhaven eine österliche Friedensaktion. hoi

Das Bremer Friedensforum trifft sich jeden 1. Donnerstag im Monat um 18.30 Uhr in der Villa Ichon

taz Bremen Nr. 6714 vom 2.4.2002, Seite 21, 26 Zeilen (TAZ-Bericht), hoi



Quelle: TAZ, Lokales, 1.4.2002 (Hamburg)

Keine Ruhe an der Heimatfront

Über 4.000 TeilnehmerInnen beim Ostermarsch in Hamburg. Kritik an Scharon, Bush, Fischer und der Rasterfahndung

Von Magda Schneider

Die Zuspitzung im Nahen Osten und die militärische "Terrorismusbekämpfung" der USA treiben wieder mehr FriedensaktivistInnen auf die Straße: Mehr als 4.000 Menschen nahmen gestern trotz Ausflugswetters am Hamburger Ostermarsch vom Holstenglacis durch St. Pauli zum Hafentor teil. Aufgerufen hatte das Hamburger Forum unter dem Motto: "Aufstehen für den Frieden - eine andere Welt ist möglich."

Neben den traditionellen Jung-und-Alt-FriedensmarschiererInnen prägte diesmal äußerlich vor allem der Protest gegen die Besetzung der palästinensischen Autonomiegebiete durch die israelische Armee das Bild der Demonstration. Mehrere hundert aufgebrachte PalästinenserInnen waren mit Transparenten "Freiheit für Palästina" und PLO-Fahnen gekommen. "Kindermörder Scharon" und "Scharon ist ein Mörder und Faschist", so die Sprechchöre. Einen Redebeitrag palästinensischer Gruppen gab es aber nicht.

Für die OrganisatorInnen des Ostermarsches stand das Säbelrasseln der USA im Vordergrund des Protestes. Sibylle Kirstein und Lühr Henken vom Hamburger Forum warfen den Vereinigten Staaten vor, unverhohlen einen Angriffskrieg auf den Irak vorzubereiten - angeblich, um die "Achse des Bösen" zu zerschlagen. "Es wird uns nicht überraschen, wenn die US-Geheimdienste zur richtigen Zeit Erkenntnisse präsentieren, dass es eine Verbindung zur Al Quaida gibt", sagte Kirstein. Dabei gehe es nicht um einen "Kreuzzug gegen das Böse", sondern vorrangig "um die Vorherrschaft am Golf und um billiges Öl". Noch lehne der grüne Außenminister Joschka Fischer zwar verbal eine Beteiligung Deutschlands an einem Irak-Krieg ab, so Kirstein, "aber glauben kann man dem Herrn nicht."

Als besorgniserregend bezeichnete Henken auch die Drohungen, Nuklearwaffen gegen den "angeblichen Terror" einzusetzen. So herrsche unter den US-Strategen zurzeit die "wahnsinnige Vorstellung", Mini-Atombomben zu entwickeln, um die Wirkung räumlich zu begrenzen. "Mit den ,Mini Nukes` werden selbst Staaten bedroht, die über keine Atomwaffen verfügen", kritisiert Henken: "Die Schwelle des Einsatzes sinkt, die Gefahr eines Atomkrieges wächst."

Für den Hamburger Rechtsanwalt Jürgen Schneider stehen die neuen Sicherheitsgesetze wie die Rasterfahndung im engen Zusammenhang mit dem Engagement der Bundeswehr als Interventionsarmee. "Krieg nach außen hat schon immer mit der Repression nach innen eine Allianz gebildet", sagte Schneider: "Wer Krieg machen will, braucht Ruhe an der Heimatfront - das war schon so beim Kaiser und beim Führer, und das ist auch so beim Kanzler."

Die Friedensbewegung kündigte an, wieder mehr in die Offensive zu gehen. Bereits am 21. Mai soll anlässlich des Besuchs von US-Präsident George W. Bush in Deutschland zentral in Berlin, aber auch in Hamburg demonstriert werden. Motto: "Stoppt Bushs globalen Krieg".

taz Hamburg Nr. 6714 vom 2.4.2002, Seite 21, 42 Zeilen (TAZ-Bericht), Magda Schneider



Quelle: TAZ, Lokales, 1.4.2002 (Berlin)

ostermarsch:

Kleiner Aufschwung

Ostermärsche, die nach dem Ende des Kalten Krieges unter Teilnehmerschwund litten, haben zuletzt dann Zulauf erhalten, wenn Kriegsbilder die Nachrichten dominierten. Waren in Berlin 1997 und 1998 nur einige hundert unterwegs, so marschierten 1999 aus Protest gegen den Kosovokrieg über 5.000 durch die Hauptstadt. Dieses Jahr, angesichts von Afghanistankrieg und Palästinakonflikt, beteiligten sich knapp 10.000 Menschen am Berliner Ostermarsch, zehnmal so viel wie vor einem Jahr. In den 60ern gab es bundesweit bis zu 300.000 Teilnehmer. Diese Zahl wurde nur auf dem Höhepunkt der Rüstungsdebatte in den 80ern nochmals erreicht.

taz Berlin lokal Nr. 6714 vom 2.4.2002, Seite 21, 24 Zeilen (TAZ-Bericht)



Quelle: TAZ, Lokales, 1.4.2002 (Berlin)

Ostermarsch gegen Israel

Nahezu zehntausend demonstrierten gegen die israelische Besatzungspolitik und gegen einen drohenden Krieg im Irak. Dominiert wurde der gestrige Ostermarsch von etwa 5.000 Palästinensern

von UWE RADA

"Kindermörder Israel!" Ein etwa achtjähriger palästinensischer Junge wartet, bis die Menge den Spruch skandiert hat. Dann schwenkt er eine grüne Fahne mit arabischen Schriftzeichen und schreit selbst "Kindermörder Israel!". Die palästinensischen Jugendlichen, aber auch ihre Väter und Mütter, haben inzwischen andere Parolen angestimmt, zum Beispiel: "Scharon ist ein Mörder und Faschist" und: "Intifada bis zum Sieg".

Palästinensische Parolen

Dass ein Ostermarsch von einer Gruppe für ihr Anliegen genutzt wird, ist spätestens seit den serbischen Demonstranten vor drei Jahren nichts Neues. Doch anders als damals, als der serbische Block mit seinen nationalistischen Parolen vom Rest der Demonstration faktisch isoliert war, geriet gestern der gesamte Ostermarsch mit seinen knapp 10.000 Teilnehmern zu einer antiisraelischen Demonstration.

Das lag nicht nur an den zahlreichen Transparenten wie "Israel ist ein terroristischer Staat" und "Stoppt die finanzielle Unterstützung Israels". Auch bei den zahlreichen Rednern stand neben der Teilnahme deutscher Soldaten bei den Kampfeinsätzen in Afghanistan oder am Horn von Afrika sowie einem drohenden Krieg gegen den Irak die israelische Besatzungspolitik im Westjordanland und im Gaza-Streifen im Vordergrund.

Schon zur Auftaktkundgebung am Alexanderplatz, an der etwa 2.000 Demonstranten teilnahmen, sagte Jutta Kausch von der Berliner Friedenskoordinaion: "Im Nahen Osten herrscht ein furchtbarer Krieg, in dem fast ein Volk ausgelöscht wird." In Anspielung auf die US-Politik von Präsident George W. Bush sagte Kausch weiter: "Es geht nicht um Krieg gegen Terror. Die Kriege, die jetzt geführt werden, sind selbst der Terror." Von einer Verurteilung palästinensischer Selbstmordanschläge war auf dem gestrigen Ostermarsch keine Rede.

Nach Jutta Kausch sprachen zwei Studenten, beide in weißen Strahlenschutzanzügen. Neben der Einschränkung der Freiheitsrechte durch die Bundesregierung und den "Otto-Katalog" thematisierten auch sie die Lage in Nahost: "Wir fordern ein Ende des Terrors gegen die palästinensische Bevölkerung."

Al-Aksa-Fotos

Solche Sätze finden bei den zahlreichen Palästinensern unter den Demonstranten großen Beifall. Viele der Jugendlichen haben sich Bänder in den palästinensischen Farben um die Stirn gebunden. Auf vielen Spruchbändern und Tüchern ist die Al-Aksa-Moschee abgebildet. Eine Frau Mitte fünfzig sagt: "Was derzeit in Palästina passiert, ist das Schlimmste, was es gibt. Es müssten auch hier in Deutschland Attentate wie in Israel stattfinden. Israel muss raus aus ganz Palästina, nicht nur aus Gaza und Westjordanland." Einige Jugendliche nicken, andere widersprechen. "Wir leben hier schon seit Jahren friedlich miteinander, aber die Deutschen müssen endlich mehr Druck auf Israel ausüben."

Es sind nicht die nachdenklichen Töne, die auf dieser Demonstration dominieren, das zeigen allein schon die Parolen. Aber es ist auch keine ausgesprochen aggresive Stimmung zu bemerken. Eher scheint es so, als würden die schließlich etwa 5.000 Palästinenser die Öffentlichkeit des Ostermarsches nutzen, weil sie hoffen, dass ihnen auf dieser Demonstration mehr Aufmerksamkeit zuteil wird als auf den Palästinsenerdemos einige Tage zuvor. Doch der Beifall und der Zuspruch für die Parolen sind auch ein Hinweis auf die Stimmung unter den Palästinsensern. "Die Besatzung löst nicht das Problem", sagt einer, "die Besatzung ist das Problem."

Positive Bilanz

Neben der Lage im Nahen Osten gingen die anderen Themen des gestrigen Ostermarschs fast etwas unter. So forderten einige irakische Demonstranten die "Aufhebung der Wirtschaftsblockade gegen das irakische Volk". Andere Teilnehmer warnten vor einem Angriff der USA auf Korea. Mit auf der Demo waren auch ein kleiner Block der Globalisierungsgegner von Attac sowie eine Gruppe, die sich mit ihrem Transparent beinahe stoisch an den Rand der Demonstration gestellt hatte. Auf dem Tuch stand lediglich "Tucholsky!".

Angesichts der hohen Teilnehmerzahl sagte gestern Laura von Wimmersperg von der Berliner Friedenskoordination: "Je größer die Gefahr, desto bedeutender ist unsere Bewegung." Allerdings seien die Zeiten so gefährlich, dass eigentlich noch mehr Menschen hätten kommen müssen. Im vergangenen Jahr waren zum Ostermarsch der Friedensbewegung in Berlin tausend Teilnehmer gekommen.

Das bundesweite Ostermarschbüro in Frankfurt am Main sprach angesichts der zahlreichen Ostermärsche in deutschen Städten unterdessen von einer lebendigen Protestbewegung und verwies auf eine stärkere Beteiligung vor allem junger Menschen. Zudem seien zu den seit Jahren arbeitenden Basisgruppen viele neue Friedensinitiativen kurzfristig hinzugekommen.

Auch das Netzwerk Friedenskooperative in Bonn zog eine "sehr positive Bilanz" der Aktionen und sprach von einer sich neu formierenden Bewegung gegen die derzeitigen und die noch drohenden Kriege. Damit sei das Image einer unattraktiven Veteranenbewegung abgestreift worden.

taz Berlin lokal Nr. 6714 vom 2.4.2002, Seite 21, 173 Zeilen (TAZ-Bericht), UWE RADA



Quelle: TAZ, Lokales, Kommentar, 1.4.2002 (Berlin)

ostermarsch

Keine Lust auf Widerspruch

Dass die zahlreichen Palästinenser den gestrigen Ostermarsch nutzten, um auf ihre Forderungen aufmerksam zu machen, verwundert nicht. Schließlich ist es mittlerweile Allgemeingut, dass Politik über Symbole funktioniert. Und ein antiisraelischer Ostermarsch ist ein Symbol, das es in dieser Stadt bislang noch nicht gegeben hat.

von UWE RADA

Umso erstaunlicher ist allerdings, wie wenig Inhalt diejenigen zu bieten hatten, deren Landsleute nicht mit dem Rücken zur Wand stehen. Wer von einem "terroristischen Staat Israel" spricht, ohne zugleich von den palästinensischen Selbstmordattentätern" zu reden, macht sich unglaubwürdig, vor allem, wenn er vorgibt, für Frieden und Menschenrechte einzutreten. Der Terror mitsamt seinen Folgen beginnt schließlich nicht erst mit dem US-Angriff auf Afghanistan oder dem Wiedereinmarsch der Israelis in den palästinensischen Autonomiegebieten.

So gesehen hat der Berliner Ostermarsch wieder einmal bewiesen, dass er alter Wein in nicht einmal neuen Schläuchen ist, ein Relikt aus einer Zeit, in der die Welt noch in böse und gut zu unterteilen war. Statt Lust auf Widerspruch gab es nur die Bestätigung alter Feindbilder. Selbst die PDS als selbst ernannte Antikriegspartei hat das offenbar geahnt und blieb dem Aufzug nahezu komplett fern.

Bleibt das verständliche Anliegen der Palästinenser. Aber auch dem hätte es nicht geschadet, wäre man ihm mit mehr Lust am Widerspruch begegnet. Dann hätte man etwa thematisieren können, warum auch in Berlin der Protest gegen die israelische Kriegspolitik immer mehr religiöse Züge annimmt.

taz Berlin lokal Nr. 6714 vom 2.4.2002, Seite 21, 62 Zeilen (Kommentar), UWE RADA, Lokalspitze



Quelle: Saarbrücker Zeitung, Politik, 1.4.2002

Protest gegen Krieg und Gewalt

Saarbrücken/Frankfurt (dtu/ap). Mit rund 300 Teilnehmern hatte der Ostermarsch in Saarbrücken wieder mehr Zulauf als im vergangenen Jahr. Unter dem Motto "Dies ist nicht mein Krieg!" demonstrierten Kriegsgegner gegen den Kampf der USA in Afghanistan und die weltweiten Einsätze der Bundeswehr. Roland Röder von der Aktion Dritte Welt Saar beklagte bei einer Kundgebung auf dem St. Johanner Markt, dass den Menschen der Krieg in Afghanistan "schmackhaft" gemacht worden sei mit den Argumenten "Kampf gegen die Verletzung von Menschenrechten" und "Befreiung der afghanischen Frauen". Zu Taliban-Zeiten habe sich niemand dafür interessiert. Die Terroranschläge vom 11. September seien für die Amerikaner ein willkommener Anlass gewesen, geostrategische Ziele mit Waffengewalt umzusetzen. Terroranschläge bezeichnete auch Röder als kriminelles Unrecht. Danach seien aber nicht völkerrechtswidrige Sanktionen gegen Staaten, sondern das internationale Strafrecht gegen kriminelle Täter das angemessene Instrument gegen den Terrorismus.

Das bundesweite Ostermarschbüro in Frankfurt wertete die Veranstaltungen in vielen deutschen Städten als Erfolg. Der Zulauf sei größer als im Jahr 2001 gewesen. Dies zeuge von einer lebendigen Protestbewegung gegen den Krieg.



Quelle: Magdeburger Volksstimme, 02.04.02

Ostermarsch 2002 der Bürgerinitiative Offene Heide / MdB: "Bomben bringen keinen Frieden"

Von Axel Haase

Colbitz/Gardelegen - Der Ostermarsch 2002 von der Mahn- und Gedenkstätte Feldscheune Isenschnibbe bis zur Innenstadt von Gardelegen vereinte am Ostersonntag rund 150 Teilnehmer. Der 105. Friedensweg der Bürgerinitiative Offene Heide war begleitet von einer Radtour des Friedensweges aus Leipzig am Sonnabend. Dieser führte von Magdeburg nach Gardelegen mit Besichtigung der Denkmäler zum Todesmarsch von 1945 und einer Exkursion durch die Heide.

Bei einem besinnlichen Auftakt vor der Feldscheune Isenschnibbe machten PDS-Landtagsabgeordnete Gerda Krause und Gardelegens Bürgermeister Konrad Fuchs (SPD) klar: Es gehe, besonders in der Vorwahlzeit, am Ort der Gedenkstätte nicht um politische oder weltanschauliche Bekundungen, sondern um die Ehrung der Opfer der faschistischen Bluttat vom 13. April 1945 und beim Ostermarsch selbst um den Kampf gegen Krieg und Gewalt. "Bei diesem Anliegen stehe ich voll hinter Ihnen", sagte Fuchs vor den Teilnehmern.

So wurden Plakate und Transparente beim Betreten der Mahn- und Gedenkstätte abgelegt. Die Friedhofsruhe wurde geachtet. Die Teilnehmer des Ostermarsches legten symbolisch 1016 Blumen auf die Gräber der Ermordeten.

Pfarrer Johannes Lewek von der Arbeitsstelle "Eine Welt" der Evangelischen Kirche betonte, dass Politik die Erinnerung an das Vergangene brauche. Ziel solcher Erinnerung an Festtagen wie Karfreitag und Ostern müsse es sein, die derzeit in der Politik überwiegende Stärke sowie menschliches Leid und Tod zu überwinden.

Auf dem Rathausplatz Gardelegens mündete der Ostermarsch 2002 in eine Kundgebung. Bundestags-Vizepräsidentin Petra Bläss (PDS) ging auf das zweifache Anliegen des 105. Friedensweges ein. Es gehe um die Ehrung der Opfer von Gardelegen-Isenschnibbe und um die Fortführung der Tradition der Ostermärsche. Entsprechend dem Motto "Gewaltspirale beenden - Gewaltursachen bekämpfen!" müsse, so Bläss, ein "Zeichen des Friedens aus der Region gesetzt werden".

Sie mache sich große Sorgen um eine neue Eskalation der militärischen Gewalt, besonders bei der erneut drohenden atomaren Aufrüstung. Untrennbar sei der Kampf um Frieden mit der friedlichen Nutzung der Colbitz-Letzlinger Heide verbunden, nicht erst seit dem 11. September, hob Bläss hervor.

Die PDS-Frau ging auf die Lage in Afghanistan und im Nahen Osten ein und meinte: "Wir haben in den letzten sechs Monaten gesehen, dass Bomben keinen Frieden bringen."

Studentenpfarrerin Sigried Neumann zählt zu den Mitgründern des Kampfes um eine friedliche Nutzung der Heide. "Zwischendurch hatte ich schon den Mut aufgegeben, damals, als im Landtag der Heidekompromiss geschlossen wurde", erinnerte sie an vergangene Jahre.

Die Pfarrerin holte dann Plaste-Spiralen hervor und gab sie Kindern zum Spielen. "Eine Spirale ist aus einem Stück, sie windet sich unaufhörlich", so Sigried Neumanns bildlicher Vergleich. "Wenn Hass und Rache zu einer Spirale werden, setzen sich Hass und Rache immer weiter fort."

Ingrid von Koppelow aus Magdeburg und Liedermacher Gregor Hauser umrahmten die Kundgebung auf dem Gardeleger Rathausplatz mit Rezitationen und Liedern zum Thema Kampf gegen Krieg und gegen Gewalt



Quelle: Magdeburger Volksstimme, 02.04.02

Ostermarsch 2002 und 105. Friedensweg der Bürgerinitiative Offene Heide

Der Ostermarsch 2002 von der Mahn- und Gedenkstätte Feldscheune Isenschnibbe bis zur Innenstadt von Gardelegen vereinte am Ostersonntag rund 150 Teilnehmer. Der 105. Friedensweg der Bürgerinitiative Offene Heide war begleitet von einer Radtour des Friedensweges aus Leipzig am Sonnabend. Dieser führte von Magdeburg nach Gardelegen mit Besichtigung der Denkmäler zum Todesmarsch von 1945 und einer Exkursion durch die Heide.

Bürgermeister Fuchs: "Stätte ist uns heilig"

Bei einem besinnlichen Auftakt vor der Feldscheune Isenschnibbe machten PDS-Landtagsabgeordnete Gerda Krause und Gardelegens Bürgermeister Konrad Fuchs (SPD) klar: Es gehe, besonders in der Vorwahlzeit, am Ort der Gedenkstätte nicht um politische oder weltanschauliche Bekundungen, sondern um die Ehrung der Opfer der faschistischen Bluttat vom 13. April 1945 und beim Ostermarsch selbst um den Kampf gegen Krieg und Gewalt. "Bei diesem Anliegen stehe ich voll hinter Ihnen", sagte Fuchs vor den Teilnehmern. So wurden Plakate und Transparente beim Betreten der Mahn- und Gedenkstätte abgelegt. Die Friedhofsruhe wurde geachtet. Die Teilnehmer des Ostermarsches legten symbolisch 1016 Blumen auf die Gräber der Ermordeten. Der Spendenerlös für die Blumen in Höhe von 150 Euro werde der Bürgerinitiative Offene Heide übergeben, erklärte Gerda Krause.

Fuchs würdigte die Mahnstätte als "Heiligtum der Stadt Gardelegen", wo durch Mittel von Stadt, Landkreis, Land und Toto-Lotto-Gesellschaft bereits Sanierungen erfolgt sind, die fortgeführt werden sollen.

Pfarrer Johannes Lewek von der Arbeitsstelle "Eine Welt" der Evangelischen Kirche betonte, dass Politik die Erinnerung an das Vergangene brauche. Ziel solcher Erinnerung an Festtagen wie Karfreitag und Ostern müsse es sein, die derzeit in der Politik überwiegende Stärke sowie menschliches Leid und Tod zu überwinden.

Auf dem Rathausplatz Gardelegens mündete der Ostermarsch 2002 in eine Kundgebung. Bundestags-Vizepräsidentin Petra Bläss (PDS) ging auf das zweifache Anliegen des 105. Friedensweges ein. Es gehe um die Ehrung der Opfer von Gardelegen-Isenschnibbe und um die Fortführung der Tradition der Ostermärsche. Entsprechend dem Motto "Gewaltspirale beenden - Gewaltursachen bekämpfen!" müsse, so Bläss, ein "Zeichen des Friedens aus der Region gesetzt werden". Sie mache sich große Sorgen um eine neue Eskalation der militärischen Gewalt, besonders bei der erneut drohenden atomaren Aufrüstung. Untrennbar sei der Kampf um Frieden mit der friedlichen Nutzung der Colbitz-Letzlinger Heide verbunden, nicht erst seit dem 11. September, hob Bläss hervor.

Die PDS-Frau ging auf die Lage in Afghanistan und im Nahen Osten ein und meinte: "Wir haben in den letzten sechs Monaten gesehen, dass Bomben keinen Frieden bringen."

Gegen eine Militärpräsenz in dieser Region sprach sich auch Torsten Schleip vom Friedensweg e.V. aus. Gerda Krause dankte den Leipziger Radlern für ihr Engagement beim 105. Friedensweg.

Studentenpfarrerin Sigried Neumann zählt zu den Mitgründern des Kampfes um eine friedliche Nutzung der Heide. "Zwischendurch hatte ich schon den Mut aufgegeben, damals, als im Landtag der Heidekompromiss geschlossen wurde", erinnerte sie an vergangene Jahre. Die Pfarrerin holte dann Plaste-Spiralen hervor und gab sie Kindern zum Spielen. "Eine Spirale ist aus einem Stück, sie windet sich unaufhörlich", so Sigried Neumanns bildlicher Vergleich, "hat sie einmal begonnen, ist sie schwer wieder zu stoppen. Sie wird länger und gerät außer Kontrolle. Sie ist aus einem Material, das sich nicht ändert. Wenn Hass und Rache zu einer Spirale werden, setzen sich Hass und Rache immer weiter fort." Deshalb müsste nicht nur eine solche Spirale beendet, sondern auch deren Ursachen bekämpft werden. "Und deshalb war es gut, in Isenschnibbe aufgebrochen zu sein", so Neumann.

Ingrid von Koppelow aus Magdeburg und Liedermacher Gregor Hauser umrahmten die Kundgebung auf dem Rathausplatz mit Rezitationen und Liedern zum Thema Kampf gegen Krieg und gegen Gewalt. (LRGAR)



Quelle: Badische Zeitung, 02.04.002

Für eine Konfliktlösung ohne jegliches Militär

Demonstration der Ostermarschierer gestern in Müllheim

MÜLLHEIM (bm). Für Abrüstung und nichtmilitärische Konfliktlösungen demonstrierten gestern Nachmittag beim Ostermarsch in Müllheim Mitglieder des Friedensrates, der Bezirkskonferenz des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), der "Internationalen katholischen Friedensbewegung Pax Christi" und der "Deutschen Friedensgesellschaft - Vereinigte Kriegsdienstgegner".

Rund 200 Anhänger der Friedensbewegung versammelten sich um 14 Uhr zu einer Demonstration vor der Robert-Schumann-Kaserne und marschierten von dort durch die Hügelheimer Straße und die Werderstraße zum Marktplatz, wo gegen 15 Uhr eine Abschlusskundgebung stattfand.

Ulrich Rodewald vom Müllheimer Friedensrat zitierte bei seiner Ansprache vor der Kaserne Martin Luther King: "Wir können nichts Fruchtbareres tun, als mit mutiger Entschlossenheit aushalten, gewaltlos gegen alle Hindernisse und Rückschläge ankämpfen." Und mit den Worten des amerikanischen Bürgerrechtlers führte er weiter aus: "Müssen wir Kriege für Gottes Willen halten, uns ihnen geduldig unterwerfen? Gewiss nicht! Die passive Ergebung in ein ungerechtes System macht den Unterdrückten so schlecht wie den Unterdrücker."

Kriege würden immer von langer Hand vorbereitet, sagte Ulrich Rodewald. Die neoliberale Globalisierung bediene sich inzwischen nicht nur wirtschaftlicher Macht und der Macht der Information, um die Vorherrschaft des Profits auf dieser Welt zu realisieren, sondern, nach dem 11. September, auch der Macht des Militärs. Wenn die Rentenfonds den privaten Versicherungsunternehmen geopfert würden, so der Redner weiter, wenn demnächst das öffentliche Gesundheitswesen dem privaten Profit geopfert werden solle, dann habe das etwas mit der "wirklichen Achse des Bösen, dem Internationalen Währungsfonds, der Weltbank und der Welthandelsorganisation" zu tun.

Wenn im Zusammenhang mit der Deutsch-Französischen Brigade von "hoher Professionalität" und "Einsatzbereitschaft" die Rede ist, dann werde nicht gesprochen über die Bekämpfung von Hochwasser, Feuersbrünsten oder von Hunger. Dann werde über Krieg gesprochen, also über Töten, so Rodewald.

Gewalt erzeuge nur Gegengewalt, führe zu einer Kette von Eskalationen, sagte Wolf Roßkamp vom DGB-Ortskartell auf dem Marktplatz. Auch heute noch hätten Ostermärsche ihre Berechtigung, legte er dar - als Demonstration gegen Machtmißbrauch der Weltwirtschaft, Hochrüstung, Staatsterror und territoriale Kriege, als Erinnerung an die Armut in der Welt und als Protest gegen Kinderarbeit, Kinderprostitution und Kindersoldaten.

Die Firma Buck in Neuenburg und den Konzern Rheinmetall forderte Wolf Roßkamp vor dem schwelenden Konflikt im Nahen Osten dazu auf, Rüstungsaufträge an Israel sofort einzustellen. Gleichzeitig warnte er vor einem aufkommenden neuen Antisemitismus. Das Judentum habe mit dem Konflikt in Palästina nichts zu tun. Kritik übte der DGB-Vertreter an der amerikanischen Aufrüstung sowie an US-Plänen, Krieg gegen weitere "Schurkenstaaten" zu führen. Rücksichtslose Ausbeutung ziehe weltweit Armut und Umweltzerstörung nach sich.

Abschließend zitierte Roßkamp den Lyriker Erich Fried mit dem Satz: "Wer will, dass die Welt so bleibt, wie sie ist, der will nicht, dass sie bleibt. Wer aber nicht will, dass die Erde so bleibt, wie sie ist, der will, dass sie bleibt."



Quelle: Neue Presse (Hannover), 02.04.02

"Krieg ist meine größte Angst" - 1.000 beim Ostermarsch in der City

Der Ostermarsch ist wieder auferstanden: 1.000 Demonstranten marschierten Samstag durch die City - zum ersten Mal seit rund zehn Jahren.

HANNOVER. Schilder ragen aus der Menge, darauf Parolen wie "Irak - es riecht nach Öl" oder "Rückzug der Bundeswehr - sofort!" Kriegsgegner haben sich auf dem Opern- platz versammelt. Niemand brüllt, kaum jemand redet laut - ein schweigsamer Protest. Um kurz nach zwölf Uhr am Samstag beginnt der Ostermarsch und bewegt sich Richtung Aegidienkirche. Vorweg: ein VW Polo mit aufmontierten Lautsprechern. Daraus hallt: "Eine Welt ohne Krieg ist möglich."

Unter den Demonstranten ist auch Riyad Mobarak. Vor dreieinhalb Jahren kam er aus Palästina nach Hannover, studiert seitdem hier Physik. Mit Freunden hält er eine palästinensische Flagge hoch. "Meine Familie wohnt im Gaza-Streifen", sagt der 31-Jährige. "Jeden Tag hören sie Schüsse vor dem Haus." Er sorgt sich um die Eltern und seine fünf Geschwister. "Ein Krieg ist meine größte Angst", verrät Riyad leise. Dann werden seine Augen feucht, die Stimme zittert: "Vor ein paar Tagen wurde mein Nachbar erschossen, auf dem Weg nach Hause zu seiner Familie."

Der Ostermarsch ist am Rathaus angelangt. Ein junger Punk hat es sich mit Freunden an der Rathaustreppe bequem gemacht. Dem 16-jährigen Gymnasiasten reichen die 1000 Demonstranten nicht: "Es sollten noch mehr Leute zeigen, was sie von Krieg und Mord halten." Um kurz nach 14 Uhr erreicht der Ostermarsch die Marktkirche - Abschlusskundgebung. Fred Schulz vom DGB spricht davon, dass "der Krieg von Regierenden als inzwischen normales Mittel zur Konfliktlösung genutzt wird". Vor der Bühne steht Riyad. Er hat nicht mehr viel Zeit: "Ich muss meine Sachen packen", sagt er. Morgen will er zu seiner Familie fliegen - trotz Todesangst: "Sie braucht mich jetzt ..."



Quelle: Hannoversche Allgemeine Zeitung, 02.04.002

1.300 marschieren für den Frieden

Hannover hat wieder eine Friedensbewegung.

Rund 1.300 Menschen zogen am Sonnabend durch die Innenstadt. Sie demonstrierten gegen US-amerikanische Militärstrategien, den Einsatz deutscher Soldaten in Afghanistan und die israelischen Übergriffe in Palästina. Ein Bündnis aus DGB, ver.di, Dritte-Welt- und Kirchengruppen sowie Globalisierungsgegnern von Attac hatte zu der Demonstration aufgerufen. Damit hat das Friedensbündnis zehn Jahre nach dem letzten Ostermarsch in Hannover eine rund 40 Jahre alte Tradition erfolgreich wiederbelebt. Der älteste Teilnehmer des auf weiten Strecken schweigsamen Zuges durch die Innenstadt war 79 Jahre alt. Auf Transparenten sprachen sich die Demonstranten "für soziale Gerechtigkeit weltweit" aus. "Die Globalisierung wird als Terror der internationalen Finanzmärkte erlebt, das kann keinen Frieden bringen", sagte der Vorsitzende des DGB in der Region Niedersachsen Mitte, Fred Schulze, auf der Abschlusskundgebung vor der Marktkirche. Hermann Beddig, ehemaliger SPD-Ratsherr und Mitbegründer des hannoverschen Friedensbüros forderte: "Die Zeit ist da für ein Nein ohne jedes Ja." (mad Koch)



E-Mail: friekoop@bonn.comlink.org

Website: www.friedenskooperative.de
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