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vom:
05.04.2002


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Rede bei der Augsburger Osteraktion 2002, 30.03.02

Klaus Länger (DFG-VK Augsburg)

- Es gilt das gesprochene Wort -



Liebe Freundinnen und Freunde,

Ein Teil eines Krieges ist auch der Krieg um die Köpfe. Denn ungestört Krieg führen kann nur, wer auch die öffentliche Meinung unter Kontrolle hat. Diese Kontrolle läuft in aller Regel nicht über offene Zensur, sondern über eine ganz subtile Meinungsmache. Wie das läuft, haben Berichte über das vom Pentagon nach dem 11.9. geschaffene "Office of Strategic Influence" gezeigt. Diese Abteilung im US-Verteidigungsministerium sollte die öffentliche Meinung im Sinne des US-Militärs beeinflussen - auch durch das Streuen gefälschter Nachrichten. Nach dem Auffliegen dieser Pläne, hier haben wohl auch Meinungsverschiedenheiten innerhalb des Pentagon eine Rolle gespielt, beeilte sich der US-Verteidigungsminister Rumsfeld, die ganze Affäre herunterzuspielen, und die Abteilung zu schließen. Es gibt in der US-Administration aber immer noch genügend andere Stellen, deren Aufgabe ist, Propaganda und Lügen im Sinne der herrschenden Politik zu verbreiten.

Tatsächlich begann der "Kampf um den Verstand und den Willen der Menschen", so Präsident Eisenhower, schon 1951 mit der Schaffung des Psychological Strategy Board (PSB), das Strategien entwickeln sollte, wie man die Öffentlichkeit manipulieren könne, ohne sich den Anstrich eines totalitären Regimes zu geben. So wurde beispielsweise der "Kongress für kulturelle Freiheit" geschaffen, über den Medien, Kongresse, Ausstellungen und sogar Konzerte, auch Preise und Stipendien finanziert wurden. Man versuchte seinerzeit, vornehmlich die nicht-kommunistische Linke zu umgarnen. Als die Arbeit des PSB in Presseberichten öffentlich gemacht und danach von einem Untersuchungsausschuss unter die Lupe genommen wurde, ordnete Präsident Johnsohn 1967 an, dass keine verdeckten finanziellen Unterstützungen mehr an Bildungseinrichtungen oder private Organisationen gehen sollten. Die CIA hat daraus aber wohl geschlossen, man könne weiterhin kommerziellen Organisationen oder internationalen Organisationen mit Sitz im Ausland Gelder zukommen lassen.

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In den 80er Jahren aber dachte man unter der Präsidentschaft von Ronald Reagan, in vielem ein Vorbild von Bush jr., wieder über die direkte Beeinflussung der öffentlichen Meinung nach. Zunächst hieß das Programm "Project Truth", später "Project Democracy. Ziel dieser Projekte war nicht mehr nur die Öffentlichkeit im Ausland, auch die Meinungsbildung im eigenen Land sollte beeinflusst werden. So wollte man unter anderem die Haltung der Menschen zur Unterstützung der verdeckten Aktionen in Nicaragua durch die Reagan-Regierung "korrigieren".

Professionelle Hilfe in Sachen Propaganda wird auch immer wieder in Anspruch genommen. So hat das Pentagon, um den Krieg in Afghanistan besser zu verkaufen und das eigene Image zu polieren, im Oktober letzten Jahres die Werbeagentur Rendon Group für 100.000 Dollar monatlich engagiert. Vor allem, weil das amerikanische Vorgehen gegen den Terrorismus muslimischer Prägung in der arabischen Welt nicht gut ankam, sollte das PR-Unternehmen hier helfen, die Einstellung der Menschen zu ändern. Rendon hat zu Beginn der 90er Jahre bereits für die Regierung von Kuwait gearbeitet, aber auch zusammen mit dem CIA für eine irakische Oppositionsgruppe, die im Zuge der womöglich geplanten Angriffe wieder interessant als ein irakisches Äquivalent für die Nordallianz wird.

Ein Bespiel, wie eine solche PR-Arbeit funktioniert, gibt der Golfkrieg 1991:

Eine junge Kuwaiterin, angeblich Krankenschwester, berichtete vor dem UN-Menschenrechtsausschuss in einer öffentlichen Anhörung darüber, dass die irakischen Besatzer mit Gewehren in Krankenhäuser eingedrungen wären, Säuglinge aus den Brutkästen geholt, auf den kalten Boden geworfen oder verkauft hätten. Eine PR-Agentur ließ von der Aussage einen Film herstellen, der dann an Sender verteilt wurde. Die Meldung ging um die Welt und löste Entsetzen und Empörung bei vielen Zuschauern aus. Zudem gelang es der Agentur, während der Sitzung des Sicherheitsrats der UN am 27.11. Bilder von angeblich gefolterten Kuwaitis an den Wänden zu präsentieren und angebliche Zeugen aussagen zu lassen. Zwei Tage später setzte der Sicherheitsrat dem Irak ein Ultimatum für den Rückzug aus Kuwait, der Startschuss für den Krieg war gegeben.

Später stellte sich heraus, dass die angebliche Krankenschwester die Tochter des kuwaitischen Botschafters in Washington und die ganze Story eine Fälschung war, die allerdings den Beginn des Kriegs entscheidend legitimiert hatte.

Dass eine solche bewusste Irreführung der Öffentlichkeit auch bei uns vorkommt, zeigen der WDR-Bericht "Es begann mit einer Lüge" und der so genannte "Hufeisenplan" mit dem der Krieg gegen Jugoslawien besser begründet werden sollte. Der größte Skandal im Zusammenhang mit dieser Geschichte ist allerdings, dass Scharpings fast über seine Badeabenteuer stolperte und nicht über die bewusste Täuschung von Parlament und Öffentlichkeit.

Mit dem Kosovo-Krieg 1999 wurde auch die "Ausschaltung" feindlicher Medieneinrichtungen als strategische Maßnahme in die Kriegführung integriert: In den Morgenstunden des 23. April zerstörte die NATO das Gebäude des serbischen Rundfunks (RTS) in Belgrad; 15 Menschen starben und 30 wurden verletzt. Auch die europaweite Übertragung des serbischen Fernsehens wurde auf Druck der NATO-Staaten gestoppt, so dass Bilder von getöteten Zivilisten und verwüsteten Wohnhäusern durch fehlgeleitete NATO-Bomben werden nicht mehr zu sehen waren. Auch im aktuellen "Krieg gegen Terror" geraten die Medien immer wieder ins Fadenkreuz: Am 13. Nov. 2001 wurden in Kabul das Al-Jazeera-Büro und die Büros der Associated Press und BBC von US-Bomben getroffen.

Aber oft müssen die Werkzeuge der Verschleierung und Täuschung nicht einmal eingesetzt werden - Die "Schere im Kopf" vieler Journalisten gerade bei etablierten Medien funktioniert schon so gut genug. Denn Krieg ist für solche Sender und Printmedien vor allem ein profitables Ereignis mit höheren Absatzzahlen bzw. Einschaltquoten. Die elektronischen Medien, insbesondere das Fernsehen, sind dabei unter hohem Konkurrenz- und Zeitdruck angewiesen auf aktuelles Material, spektakuläre Bilder und eine Quelle, die den Aufwand für Recherchen verringern. Das sind Bedingungen, die den multimedialen Informationsoffensiven der Militärs in die Hände spielen.

Die einzige Chance, die wir dabei haben, ist uns selbst zu informieren und Informationen zu verbreiten. Nutzen wir möglichst viele Quellen, prüfen wir alle Meldungen quer, bevor wir ihnen glauben und nutzen wir das Internet, um selbst Informationen zu verbreiten, auch wenn deren Reichweite erst mal gering scheint.



E-Mail:   info@augsburger-friedensinitiative.de
Internet: http://www.augsburger-friedensinitiative.de
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