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Ostermär-
sche 2002


vom:
06.04.2002


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Ostermärsche und -aktionen 2002:

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Rede zum Ostermarsch 2002 in Augsburg, 30.03.02

Christian Artner-Schedler

- Es gilt das gesprochene Wort -



Liebe Teilnehmer und Teilnehmerinnen des Augsburger Ostermarsches!

"Der Krieg ist eine Wunde in der Seele der Menschen, deren Schmerz nach immer grausameren Taten ruft. Doch kein Krieg schließt die Wunde. Jeder neue Krieg macht sie von Mal zu Mal nur noch tödlicher." (Eugen Drewermann)

Im Namen der internationalen katholischen Friedensbewegung pax christi möchte ich Sie ganz herzlich begrüßen. Die Christen haben gestern den Karfreitag begangen: "hinabgestiegen in das Reich des Todes."

damals - ein Mensch wird umgebracht, ans Kreuz genagelt

damals - den religiösen und politischen Führern ein Dorn im Auge

damals - einer, der sich querlegte und dafür mit dem Leben bezahlte.

heute - Menschen in Afghanistan sterben für Interessen der Großmächte USA und Europa

heute - Kinder im Irak sterben wegen eines Embargos

heute - weltweit opfern wir Menschen unseren globalen Wirtschaftsinteressen - einer neuen Form des Kolonialismus - diesmal weltweit

damals - angenagelt der Mensch

heute - durchbohrt von deutschen Kugeln und Gewehren - Menschen in allen Kontinenten

damals - ein vordergründiger Sieg der Machthaber

heute - ein vordergründiger Sieg der einzig verbliebenen Supermacht - auch mit Blut an den Händen.

heute ist Karsamstag: der Tag der Grabesruhe

damals und heute: das große Schweigen zum Unrecht am Menschen; in Jerusalem, Ramallah, in Kabul, in Washington, in Berlin und anderswo

Unser Engagement ist immer ein Engagement für eine lebenswertere Welt für unsere Kinder.

Liebe Zuhörerinnen und Zuhörer - ich möchte Ihnen nun einen Text von Hans-Martin Grosse-Oetringhaus vorlesen:

An mein Kind:
Ich kann dir
die Stadt nicht geben,
die für Kinder
und nicht für Autos gebaut ist.

Ich kann dir
die Schule nicht geben,
die dir hilft, zu fragen
und nicht deine Fragen erstickt.

Ich kann dir
die Wälder nicht geben,
die üppiges Leben zeigen
und nicht ihr eigenes Sterben.

Ich kann dir
die Luft nicht geben
die dich frei atmen lässt
und nicht krank macht.

 zum Anfang


Ostermär-
sche 2002
Ich kann dir den Frieden nicht geben,
der dich zum Schmetterling macht
und nicht zum Wolf

Ich kann dir
die Gerechtigkeit nicht geben,
die dich davor bewahrt,
anderen Unrecht zu tun.

Das alles kann ich nicht.
Nur eines kann ich;
dich lehren,
für dies alles zu kämpfen.
Und wie könnte man
besser lehren,
als durch
Vorleben?

Lasst uns nicht beim Karfreitag und Karsamstag stehen bleiben.
Lasst uns gemeinsam aufstehen für den Frieden - Ostern ist Aufstand für das
Leben - gegen die Interessen des Todes und seiner Repräsentanten.

Lasst uns gemeinsam kämpfen für ein Leben in Frieden und Gerechtigkeit - weltweit. Lasst uns selbstbewusst und nicht unterwürfig unseren Protest gegen den politischen Mainstream, der auf Waffen setzt - auch unter rot-grun - erheben. Eindeutig und klar, aber nicht mit Hass.

Amerika, Europa, Deutschland und alle die mit ihrer uneingeschränkten Solidarität dazugehören wollen, hört auf

 die Welt in eine zivilisierte und unzivilisierte einzuteilen.

 hört auf uns als die Guten zu bezeichnen und die Anderen als die Bösen: Wo ist der Unterschied von Terror, der unschuldige Menschen mordet und dem Terror durch Krieg von Staaten, der ebenso unschuldige Menschen ermordet.

 hört auf, eure Gehirne zur Entwicklung für sog. Miniatombomben zu gebrauchen, sondern stellt endlich spürbare Summen für wirklich zivile Friedens- und Außenpolitik bereit.

 Wir müssen endlich anfangen, uns mit Robert Bowman zu fragen: "Warum wir das Ziel von Terroristen sind? Nicht weil wir für Demokratie, Freiheit und Menschenrechte stehen, sondern weil unsere Regierung fast weltweit für Diktatur, Sklaverei und Ausbeutung steht.

 Wir werden gehasst, weil unsere Regierung hassenswerte Taten begangen hat" - so zu Recht der ehemalige amerikanische Kampfjetpilot.

Christen feiern morgen Ostersonntag:

Ostersonntag aus den Kirchen in den Alltag geholt heißt: Nicht die Spirale von Gewalt und Hass weiterdrehen, sie bedeutet Tod. Richtig verstandenes Ostern ist die uneingeschränkte Solidarität für das Leben. Lassen wir uns vom Hass - egal von welcher Seite - nicht anstecken. Mit dem großen Amerikaner M.L. King stimmen wir überein: "Die ultimative Schwäche der Gewalt ist, dass sie eine abwärtsgerichtete Spirale ist, die genau das erzeugt, was sie zu zerstören sucht. Stall das Übel zu vermindern, vermehrt sie es .. . Durch Gewalt tötest du den Hasser, aber du tötest nicht den Hass. Im Gegenteil: Gewalt erzeugt nur noch mehr Hass".

Hass und Gewalt stehen aber für Karfreitag. Lasst uns mitarbeiten am Aufstand für das Leben. Es gibt Alternativen von unzähligen Menschen und Friedensgruppen entwickelt. Unterstützt alle Bemühungen gegen weitere Kriege. Zivil ist die Zukunft!

In diesem Sinne frohe Ostern!

Vielen Dank für Ihre/Eure Aufmerksamkeit.


Christian Artner-Schedler ist Referent für Friedensarbeit bei pax christi Bistumsstelle Augsburg

E-Mail:   pc.augsburg@gmx.de
Internet: http://www.augsburg.paxchristi.de
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