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Ostermär-
sche 2002


vom:
08.04.2002


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Ostermärsche und -aktionen 2002:

  Reden/Kundgebungsbeiträge

Rede zum Ostermarsch Rhein/Ruhr 2002 in Bochum Werne, 01.04.02

Felix Oekentorp

- Es gilt das gesprochene Wort -



Liebe Freundinnen und Freunde,

Einige von Euch sind bereits vor 4 Jahrzehnten zu Ostern auf die Straße gegangen, als sich die Ostermärsche noch vorrangig wenn nicht gar ausschließlich gegen den atomaren Rüstungswahnsinn gewandt haben. Wir Friedensbewegte sind seitdem mit wenigen Ausnahmen Jahr für Jahr zu Ostern auf die Straße gegangen um für den Frieden zu demonstrieren. Die Kernaussagen wechselten über die Jahre, es gab und gibt reichlich Anlässe, um als Friedensfreund Änderungen in der herrschenden Politik einzufordern. Die Atomwaffen sind jedenfalls sowohl im Bewußtsein der Ostermarschiererlnnen und noch viel mehr der "Normalbevölkerung inzwischen weitgehend verdrängt gewesen. Daß sie nach wie vor existent sind, auch hier in Deutschland mag für viele überraschend sein, macht mal eine Straßenbefragung dazu wenn Ihr Zeit und Lust dazu habt.

In Büchel in der Eifel ist ein solches Atomwaffenlager der US-Streitkräfte, ganz in der Nähe des idyllischen Weinstädtchens Cochem. Jahr für Jahr finden dort Aktionen statt. Trotzdem schaffen es selbst Bewohnerlnnen aus der Region, überrascht zu sein was dort in deren unmittelbarer Nachbarschaft stattfindet.

Seit Jahr und Tag, liebe Freundinnen und Freunde setzt Ihr - setzten wir uns ein für eine Welt ohne Waffen, ohne Krieg, seit Jahr und Tag erleiden wir Rückschläge, wie jetzt wieder Anfang März, als die US-Pläne für sogenannte Mini-Nukes verbreitet wurden,

-um gar nicht erst über die Kriegsbeteiligung der Bundeswehr in den Kriegen gegen Jugoslawien, gegen Afghanistan und bald gegen den Irak zu sprechen,

-um auch die unerträglichen Kriege Israel/Palästina und Türkei/Kurdistan jetzt nicht zu erwähnen,

-um auch die vielen Kinder nicht zu benennen, die gezwungen werden, an Kriegen als Soldaten teilzunehmen (TdH macht zu Kindersoldaten ab Dienstag eine Ausstellung im Bochumer Arbeitsamt!).

Diese Mini-Nukes sind nichts neues. Bereits vor 5 Jahren wurde mit der sogenannten B61-11 in den USA experimentiert, ein älterer Atomsprengsatz verbunden mit einem neuen Gehäuse aus gehärtetem Stahl und einer erddurchdringenden Geschossspitze. Die Friedensbewegung warnte und mahnte - weitgehend ungehört. Seit einigen Wochen ist das anders, seit die US-Regierung in einem Papier mit dem Titel "Nudear Posture Review" konkrete Ziele für den Einsatz dieser verharmlosend Mini-Nukes (also Klein-Atomwaffen) genannten Bomben genannt hat, ist Bewegung in den Blätterwald gekommen. Der Spiegel titeltet: "Bush-Krieger planen das Undenkbare", die Frankfurter Rundschau dokumentierte einen Beitrag von Robert Nelson, um nur 2 von vielen guten Beiträgen zu nennen. Der Text des an der Princeton Uni forschenden Physikers Nelson, der bereits Anfang letzten Jahres in den USA publiziert wurde, ist bereits in der Herbstausgabe der "Atomwaffenfrei" in deutscher Übersetzung hier in Deutschland erschienen. Mein Kollege Roland Blach, DFG-VK Landesgeschäftsführer in BaWü ist einer der Verantwortlichen dieser vierteljährlichen Zeitschrift, Elisa Kauffeld, die wir vor einigen Jahren zu Ostern in Langendreer zu Gast hatten, ist die Herausgeberin.

Ich möchte Euch mal kurz eine Vorstellung über diese Mini~Nukes geben, die Zahlen die durch die Medien geistern sind ja alle ähnlich unvorstellbar wie die Zahlen des Rüstungshaushalts der (ich spreche über den der Bundesrepublik) jährlich bei etwa 25 Mrd Euro liegt. Wer kann ernsthaft von sich behaupten sich diese Summe vorstellen zu können: Das entspricht für jeden hier in Deutschland lebenden Menschen Monat für Monat 25 Euro. Aber zurück zu den Aromwaffen; Die Mini-Nukes haben eine Sprengkraft von einer Größenordnung von bis zu 5 Kilotonnen TNT. Das sind 5 Tausend Kilo Sprengstoff. Oder verglichen mit der am 6.8.45 in Hiroshima gezündeten Bombe 40 %. Die Hiroshima Bombe hatte eine Sprengkraft von 12.5 Kilotonnen, die auf Nagasaki 3 Tage später eine Sprengkraft von 20 Kilotonnen.

Im Bereich bis 500 Meter um das Epizentrum starben damals über 90 % der Menschen sofort, im Bereich 1 bis 1,5 km noch immer mehr als die Hälfte. Die Druckwelle zerschmetterte sämtliche Gebäude in einem Radius von 2km. Der geplante Einsatzbereich dieser neuen Waffen ist ein anderer - die Druckwelle wird bei erddurchdringenden Waffen natürlich in der Form ausbleiben, aber die Auswirkungen der Strahlung sind die gleichen. Der Bereich des radioaktiven Fallouts wird besonders groß sein, die Umgebung um den Einsatzort wird auf Jahrhunderte verseucht bleiben, dies um vielleicht einige Terroristen in Bunkern zu töten. In meinen Augen ist ein solcher Einsatz von Atomwaffen der wirkliche Terrorismus.

Liebe OstermarschiererInnen, lassen wir es nicht zu, dass PolitikerInnen, die die Verantwortung für ihr Land von uns, den Wählerlnnen auf Zeit delegiert bekommen haben, derartige Verantwortungslosigkeiten, ja Verbrechen mit unserer Duldung, unwidersprochen begehen dürfen.

Machen wir Druck, wo immer sich die Gelegenheit bietet, organisieren wir unseren Widerstand.

Beispielsweise im Bochumer Friedensplenum, das sich jeden Mittwoch (Ausnahme übermorgen) im Bahnhof Langendreer um 19.30 trifft um Aktionen vorzubereiten oder auch um sich weiterzubilden wie am 17.4. wenn ein Israelischer Friedensaktivist zu Gast ist.

Beispielsweise in der DFG-VK, die zweimal monatlich (am ersten und dritten Donnerstag, Ausnahme der kommende Donnerstag) Beratung für Kriegsdienstverweigerer ebenfalls im Bahnhof Langendreer anbietet.

Beispielsweise auch in anderen Friedensgruppen, es würde zu weit führen, hier alle aufzuführen, Ihr seht viele Friedensfreundlnnen aus vielen Gruppen hier auf dem Marsch

Beispielsweise indem Ihr Euch auf der Jahrestagung Atomwaffen abschaffen, die dieses Jahr Mitte Juni in Erfurt stattfindet speziell zu diesem Thema schlau macht.



E-Mail:   felix_o.@t-online.de
Internet: http://www.felix-o.de


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