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Ostermär-
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vom:
08.04.2002


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Redebeitrag zum Ostermarsch Rhein-Ruhr 2002 an der Kreuzkirche Herne, 31.03.2002

Harald Rohr

dem 11. September 2001 wissen wir es. 3.000 Menschen werden jeden Tag unschuldig und sinnlos durch Waffen umgebracht auf dieser Welt. Aber dieses eine Bild von mörderischem Fanatismus gerichtet gegen das Symbol globalen wirtschaftlichen Machtanspruches - wird mit uns gehen und wirken, wenigstens eine Generation lang. Es wird wirken in uns und als Instrument einer Machtpolitik, die alle Völker rund um den Globus in Mitleidenschaft zieht (im mehrdeutigen Sinn des Wortes).

Mit Flugzeugen voller Menschen in die Büros tausender anderer Menschen rasen, das signalisiert: es gibt keine verlässlichen humanitären Grenzen, wenn politisch-religiöse Leidenschaften ins Spiel kommen; wenn Menschen mit dieser tödlichen Mischung aus Minderwertigkeitsgefühl und Allmachtswahn infiziert sind - und wenn die andere Seite Jahrzehnt um Jahrzehnt die Zeichen der Zeit nicht erkennt.

Es gibt keine humanitären Grenzen. Das wußten die Opfer des Faschismus und die Opfer der Kriege unserer Zeit schon lange vor dem 11.September 2001. Es gibt keine humanitären Grenzen, sonst hätten im Kongo, im Sudan, Angola, Uganda, Kolumbien, Sri Lanka, Israels/Palästina usw. usw. alles in allem nicht Millionen Zivilistinnen und Zivilisten krepieren dürfen. Nur es hat unsere Seelen nicht betroffen. Diese tödliche Monotonie des Mordens lässt uns auf die Dauer verstummen. Aber der Satz von Präsident George W Bush vom ersten Krieg des 21. Jahrhunderts, ausgelöst durch den terroristischen Massenmord, ist eine unglaubliche Wirklichkeits-Verzerrung, egal ob ahnungslos oder absichtsvoll formuliert.

Seit Oktober 2001 haben wir in Afghanistan nicht den ersten Krieg des Jahrhunderts, sondern einen weiteren, freilich unter einmaligem Vorzeichen. Gerecht bis zur Unerträglichkeit, bis zu Flächen-Bombardements und dem Abwurf von unzähligen grellbunten kleinen Kugeln, die jedes Kinderauge fessseln und bei der geringsten Berührung jedes Kind zerreißen. So gerecht, dass wir alles und jedes gut heißen und gleichzeitig auf die kritische Kenntnisnahme der Kriegswirklichkeit verzichten sollen.

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Eine solche Machtpolitik mit Anspruch auf Blankoscheck hat die Welt in der Tat selten gesehen. Weitere Kriege sind in Vorbereitung. Ihr werdet es rechtzeitig erfahren. Dann dürft ihr nicken und mit ins Feld ziehen. Selbst unseren eigenen Regierenden wird Angst und Bange bei dieser Kriegspolitik, die man ja nicht verleumdet, wenn man sie so nennt, weil sie als solche verkündet wird.

Wir wollen stattdessen "den Frieden vorbereiten". Diesen Aufruf des Ostermarsches Rhein-Ruhr 2002 finde ich gut. Denn er signalisiert: Friede fällt nicht vom Himmel. Als Christ bin ich überzeugt: der Himmel ist auf unserer Seite. Aber Frieden ist zunächst einmal Arbeit. Solide politische Alltagsarbeit. Darum lasst mich einen Teil unserer Schularbeiten kurz aufzählen, wie ich sie verstehe:

-wir widersprechen laut und gegenüber jedermann der Behauptung, dass die Welt sich eindeutig aufteilen ließe in Gut und Böse. Ihre Taten weisen die Herren Bin Laden, Saddam Hussein und Kim Jong II als Plage der Menschheit aus. Aber es gibt auch Nationen und Menschen, in deren Macht es läge, den Hunger und die Krankheiten der Armut von der Erde zu tilgen. Und sie beschränken sich auf Lippenbekenntnisse und Almosen. Das sind wahrlich nicht die Guten mit der weißen Weste

-wir treten deshalb ein für die einzige Globalisierung, die sich lohnt und die wir brauchen: die Globalisierung von Gerechtigkeit Wir wissen, dass uns das etwas kostet. Denn nicht wenige Ungerechtigkeiten unserer Zeit wirken sich angenehm auf unser Portemonnaie aus.

-wir treten ein für die globale Achtung und Förderung der wirtschaftlichen, politischen und kulturellen Menschenrechte. Das betrifft immer zuerst diejenigen, die die Macht haben, solche Menschenrechte zu verletzen und die davon profitieren.

-wir werden nicht in den Weltbürgerkrieg der Religionen und Kulturen ziehen. Ich weiß viel zu viel von der Horrorgeschichte des Christentums, um den friedfertigen Islam mit seinen lebensfeindlichen Karikaturen zu verwechseln. Wir beginnen die Abrüstung gegen den Weltbürgerkrieg der Religionen und Kulturen in dieser Stadt und suchen gemeinsam ihr bestes.

-wir verlangen von jeder Bundesregierung, vor und nach dem 20. September diesen Jahres, dass sie die Ziele einer Friedensförderungs-Politik mit Mitteln des Friedens verfolgt: Keine Kriegseinsätze als humanitäre Hilfe verkaufen; wenn deutsche Soldaten Krieg führen, wie derzeit in Bergregionen von Afghanistan wollen wir das der Regierung nicht aus der Nase ziehen müssen; Klarheit der Mandate bei Polizei-ähnlichen Einsätzen; vor allem, die vorhandenen zivilen Friedensfachdienste politisch fördern und finanziell absichern; kein politisch-finanzieller Druck auf humanitäre Fachorganisationen, sich den bündnispolitischen Zielen der Bundesregierung unterzuordnen; jede deutsche Waffe, die zum besten der Bilanzen über den NATO-Eigenbedarf hinaus auf die Weltmärkte geworfen wird, ist eine zuviel; wir wollen eine aktive Rolle Deutschlands bei den Versuchen, den illegalen Handel mit Kleinwaffen einzudämmen; wir protestieren gegen die neuen Großprojekte der deutschen Landminenrüstung;

-und schließlich, wir werden mit allen Mitteln, die friedenswilligen Bürgerinnen und Bürgern zur Verfügung stehen, gegen die Bagatellisierung und den künftigen alltäglichen Gebrauch von Mini-Atombomben gegen Terroristen - oder wen immer man dazu erklärt aufstehen. Völkerrechtlich ist eigentlich klar, dass jeder Atomwaffen Gebrauch ein Verbrechen gegen die Menschheit darstellt. Die katholische Kirche in den USA sieht das auch so - Gott sei Dank. Aber die Bundesregierung versteckt sich bis heute hinter der NATO.

Es gibt eine Menge zu tun, wenn wir gemäß Ostermarsch-Motto den Frieden vorbereiten wollen. Am wichtigsten finde ich, die Sache zunächst mit dem eigenen Herzen und Gewissen abzumachen: bin ich ganz persönlich bereit, konsequent ohne den trügerischen Schutz der Waffen zu leben. Aber das muss wohl auch hier jede und jeder mit sich persönlich abmachen.



E-Mail:   iz3w.kkherne@cww.de
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