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Ostermär-
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vom:
09.04.2002


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Ostermärsche und -aktionen 2002:

  Reden/Kundgebungsbeiträge

Rede zum Dreiländer-Friedensfest in Basel, 23.03.02

Antoinette Mächtlinger (SFB)

- Es gilt das gesprochene Wort -



Liebe Leute!

Schön dass ihr da seid! Es ist ja nicht selbstverständlich in so kriegerisch-dumpfen Zeiten, dass man ausgerechnet zu einem FRIEDENS-FEST geht. Das zeugt von Optimismus. Und den brauchen wir! So, das war die freundliche Einleitung. Aber jetzt will ich von MISSTRAUEN reden. Ihr habt richtig gehört: Ich will MISSTRAUEN säen.

Wir sind wieder in eine Zeit der grauenhaftesten Kriege hineingeschlittert. Für jeden dieser Kriege gibt es eine Begründung. Eine ausgeklügelte, einleuchtende, pfannenfertige Begründung. Sie wird verbreitet, wiederholt und wiederholt und geglaubt. Medienleute greifen wieder und wieder auf sie zurück. Und unterdessen wird schon der nächste Krieg vorbereitet. In den Denkfabriken rotieren Millionen von grauen Zellen; sie fabrizieren die nächste Begründung.

Bisher wurden wir angehalten, die Kommunisten zu bekämpfen, den Terroristen Arafat zu fürchten, dann den "Hitler" Saddam Hussein zu hassen, später den "Schlächter" Milosevic zu verurteilen. Nun sind die Islamisten an der Reihe. Auf wen wird sich der gesteuerte Volkszorn als nächsten konzentrieren dürfen?

Ein weitsichtiger Mensch namens Bertolt Brecht hat einmal gesagt: "Der da vom Feind spricht ist selber der Feind."

Wir alle wissen von den Plänen der US-Regierung für Angriffskriege, für Weltraumrüstung und Atomwaffenentwicklung. Wir haben sogar diese Woche in der NZZ (18.3. 2002) gelesen, dass die Aufstockung ihres Militärbudgets (nur die Aufstockung!) das 90-fache des gesamten Staatshaushalts der Schweiz ausmacht. Aber wenn es soweit sein wird mit dem nächsten Krieg, wird eine Begründung mitgeliefert werden, die wir uns jetzt noch nicht ausmalen können. Seid misstrauisch! Erinnert euch an das, was wir einmal gewusst haben!

Zum Beispiel an den Vietnamkrieg!

1964 Golf von Tonking. Da wurde ein amerikanisches Schiff versenkt. Worauf die USA den Krieg auf das kommunistische Nordvietnam ausdehnen "mussten". Das war einleuchtend. Bis die Wahrheit ans Licht kam, dauerte es SIEBEN Jahre. Und die Wahrheit lautet: Die US-Regierung hatte ihr eigenes Schiff versenken lassen, um den geplanten Angriff auf Nordvietnam zu rechtfertigen.

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(Frankfurter Rundschau, 23.6.1971, S.25)

Erinnert euch zum Beispiel an den Afghanistankrieg!

(den ERSTEN AFGHANISTANKRIEG muss man jetzt wohl sagen, es ist fürchterlich ...)

Im Dezember 1979 wurde Afghanistan von der Sowjetunion überfallen. Da war es klar: Der eben erst gefasste NATO-Doppelbeschluss (12.12.1979) war gerechtfertigt. Da war es klar: das SALT II-Abkommen, das die USA seit einem halben Jahr hätten ratifizieren sollen, war ein Wisch Papier.

Wie aber war es zur sowjetischen Invasion gekommen? Seit 1978 war in Afghanistan eine sozialistische Regierung an der Macht, die ernst machte mit der Modernisierung dieses unvorstellbar rückständigen Landes. Mit Bodenreform, Alphabetisierung, Ausbau des Gesundheitswesens, Gleichstellung der Frau. Natürlich mit tatkräftiger Unterstützung des Nachbarlandes Sowjetunion, mit dem ein Freundschaftsvertrag geschlossen wurde (5.12.1978).

Es waren die Gegner dieser Revolution, die, von den USA massiv unterstützt, den Bürgerkrieg auslösten und damit bewusst die Intervention der Sowjetunion provozierten.

Zwei Wochen nach der sowjetischen Invasion (15.1.1980) schrieb die Neue Zürcher Zeitung: "Der grosse Plan scheint aber zumindest vorerst wegen der sowjetischen Einmischung undurchführbar geworden zu sein: über Kabul und anderen Städten ... hätten im Laufe des Januars oder Februars mit Fallschirmen eine grosse Anzahl von Rebellen abspringen sollen und dem verhassten kommunistischen Regime endgültig den Garaus machen sollen."

(Blätter für deutsche und internationale Politik 2/80, 11/86, 11/01)

Erinnert euch zum Beispiel an den Golfkrieg!

Saddam Hussein, der "Hitler von Irak", überfällt im August 1990 den Nachbarstaat Kuwait, weil dieser ihm den Ölhahn zugedreht hat. Grund genug, dass die USA ein halbes Jahr später (17.1.1991) den Irak überfallen. Mit dem Segen der UNO.

Wer aber erinnert sich daran, dass die Botschafterin der USA Saddam Hussein für seinen Angriff ausdrücklich grünes Licht gegeben hatte?

Wer erwähnt noch die Tatsache, dass wichtige UNO-Artikel missachtet wurden?

(Z.B. Art 46: Die Pläne für die Anwendung von Waffengewalt seien vom UN-SICHERHEITSRAT zu erstellen).

Wer spricht noch davon, dass schon 400 000 US-Soldaten kampfbereit am Golf standen, als der Kongress nach langem Zögern das fait accompli absegnete?

(Blätter 2/91 und 3/91)

Erinnert euch zum Beipiel an Jugoslawien!

Der Schlächter Milosevic hat den Krieg entfesselt. Das ist heute Konsens.

Seid misstrauisch! Erinnert euch: Slowenien und Kroatien hatten sich 1991 (26.6.) zu selbstständigen Staaten erklärt. Keine einzige europäische Regierung, ja nicht einmal die der USA, wollte Kroatien als unabhängigen Staat anerkennen, denn alle wussten: Kroatien beansprucht serbische Enklaven. Anerkennung bedeutet Krieg. Es war die Bundesrepublik Deutschland, die das Startzeichen gab und im vollen Bewusstsein der Folgen Kroatien anerkannte.

Dann der Vertrag von Rambouillet (Februar 1999): Am letzten Verhandlungstag (18 Stunden vor Verhandlungsschluss) wurde Milosevic ein neuer Text vorgelegt, der sein Land zu einem reinen NATO-Protektorat gemacht hätte; den also kein Staatsmann der Welt hätte unterschreiben können.

Der Krieg konnte losgehen, die Begründung war längst vorfabriziert. Sie hiess: "Nie wieder Auschwitz!" Das sei im Moment dringender als "Nie wieder Krieg". Das scheint mir das bisher niederträchtigste Elaborat besagter Denkfabriken. Darauf sind auch prominente Schweizer Friedensbewegte hereingefallen.

(U.Albrecht / P.Schäfer: Der Kosovo-Krieg, Köln 1999. Und: Blätter 2/90, 8/91, 5/99)

Ende April 2000 lud das US-Aussenministerium zu einer Konferenz in Bratislava ein, zum Thema "Balkan und Nato-Erweiterung". Der Vizepräsident der Parlamentarischen Versammlung der OSZE berichtet: Der Krieg gegen Serbien sei gemäss Aussage der amerikanischen Veranstalter geführt worden, "um eine Fehlentscheidung von General Eisenhower nach dem 2. Weltkrieg zu revidieren. Die Stationierung von US-Soldaten habe aus strategischen Gründen dort nachgeholt werden müssen." Und: "Serbien müsse auf Dauer aus der europäischen Entwicklung ausgeklammert werden."

(Brief von Willy Wimmer, CDU, an Bundeskanzler Schröder vom 2.5.2000. Integraler Text Blätter 9/01)

Seid misstrauisch!

Wir sind eine kleine, schwache Friedensbewegung. Aber wir bemühen uns weiter, Misstrauen zu säen, Lügen zu entlarven, den Feind zu benennen, der zu bekämpfen ist. In der Hoffnung, dass immer mehr Menschen das Spiel durchschauen, das mit ihnen gespielt wird. Und dass schliesslich Hunderttausende bei Herrn Bush auf den Busch klopfen, dass Scharen Herrn Sharon entgegentreten, dass sich die Pression auf die Presseagenturen vervielfacht.

Zu diesem Einsatz mag uns unser Friedensfest ermutigen!


Internet: http://home.sunrise.ch/comtex/sfb1.htm
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