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Bombodrom Wittstock/
FREIe HEIDe


vom:
Mai 1997


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Bombodrom Wittstock/FREIe HEIDe:

  Nicht hier und nicht anderswo

Das Tieffluggebiet "Goose Bay" (Kanada)

Täglich donnern rund dreißig Kampflugzeuge der Bundeswehr und anderer NATO-Staaten während der Flugsaison von April bis Oktober in 30 Meter Höhe mit Geschwindigkeiten über 1000 km/h über einen 100.000 km2 großen Teil von Labrador und Ost-Ouebec, dem Lebensraum der 12.000 Innu. Im Tiefflugübungsgebiet ist auch ein Schießplatz für Bombenabwürfe ähnlich wie die Anlage in Wittstock enthalten.


Seit 1990 besteht etwa die Hälfte der 8.000 bis 10.000 Tiefflüge, die pro Jahr vom Luftwaffenstützpunkt Goose Bay aus durchgeführt werden, aus Flügen von Tornado- und Phantom-Flugzeugen der Bundeswehr. Das Bundesverteidigungsministerium zahlt dafür jährlich acht Millionen Dollar an die kanadische Regierung. Außerdem nutzen bislang noch andere NATO Staaten (Niederlande, Kanada und Großbritannien, Frankreich und Italien haben Interesse bekundet) das Gebiet.

Die Piloten der Düsenjäger fliegen bevorzugt durch Flußtäler und über Wasserflächen, also genau dort, wo sich die Jagdlager der Innu und die Brutgebiete und Lebensräume vieler Wildtiere befinden. Die Testpiloten loben die "idealen Tiefstflugbedingungen", da weder Hochspannungsleitungen, Hochhäuser noch Nebel ihren Flug über der subarktischen Landschaft behindern. In einigen Gebieten üben die Piloten den Abwurf von Bomben.

Nitassinan - das heißt "unser Land"

Die Innu leben seit etwa 9.000 Jahren in dem Gebiet, das große Teile des heutigen Labrador und des nördlichen Quebec umfaßt. Sie nennen ihr Land Nitassinan. Die tiefe Verwurzelung mit dem Land zeigt sich darin, daß jeder Fluß, See oder Berg in ihrer Sprache einen eigenen Namen und eine eigene Bedeutung hat.

Innu bedeutet "Mensch". Die Innu gehören zur Sprachgruppe der Algonquin und sind mit den Cree verwandt. Trotz des ähnlich klingenden Namens sind sie nicht mit den Inuit ("Eskimo") zu verwechseln. Die Innu haben keine Verträge mit den Kolonialmächten oder deren Rechtsnachfolgern über die Abtretung von Land geschlossen und betrachten sich als legitime Eigentümer Nitassinans. Daher bestreiten sie der kanadischen Bundesregierung das Recht, irgendwelche Nutzungsverträge über Nitassinan mit Dritten abschließen zu können. Die Innu fordern von Kanada und anderen NATO-Staaten, ihre Landrechte zu respektieren und nicht zu ihren Ungunsten in das schwebende Landrechtsverfahren einzugreifen.

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Bombodrom Wittstock/
FREIe HEIDe
Auswirkungen der Tiefflüge auf die Innu

Die Tiefflüge wirken sich auf die Innu katastrophal aus, vor allem soweit sie sich traditionell von Jagen, Fallenstellen, Fischen und Sammeln von Wildfrüchten ernähren. Einen wichtigen Faktor stellen dabei die Karibus, eine wildlebende Rentierart, dar. Die Innu haben beobachtet, daß diese Wildbestände stetig abnehmen. Die Tiere stehen durch die permanenten Tiefflüge unter Dauerstreß, eine steigende Zahl von Totgeburten ist nur eine Folge davon. Ebenso ist die Qualität des Fleisches der Tiere schlechter geworden, da sie zu hastig und zu wenig Nahrung aufnehmen. Auch auf andere Tierarten wirken sich die Tiefflüge negativ aus. So fressen aufgrund der Belastung Nerz-Weibchen ihren Nachwuchs auf. Biber und Otter büßen an Gewicht ein, da sie sich nicht mehr an das Tageslicht trauen, Gänse und Enten verschwinden aus den befroffenen Gebieten.

Widerstand

Die Innu wehren sich gegen die Inbesitznahme ihres Lebensraumes. Seit den 80er Jahren wurden Aktionen durchgeführt. So besetzten sie mehrmals den Bombenabwurfplatz, die Startbahn des Stützpunktes in Goose Bay und klagten vor kanadischen Gerichten. Zusammen mit internationalen Umwelt-, Menschenrechts- und Friedensgruppen wird weiter daran gearbeitet, daß das Tieffluggelände geschlossen wird.

Für diesen Text haben wir mit Dank Informationen der "Gesellschaft für bedrohte Völker" verwendet, die Redaktion.


"Innu Nation", Postoffice Box 119, Sheshatshiu, Labrador, AOP 1M0 Canada, Tel.: 001/709/497 8398, Fax: 001/709/497 8396

E-Mail:  info@innu.ca
Internet: http://www.innu.ca
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